The Politician Staffel 2
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„Netflix is a joke“, hieß es einst in einer Werbekampagne für die Comedy-Sparte des amerikanischen Streamingservice. Und tatsächlich ist Netflix ein Witz - ein Irrwitz, um genau zu sein -, wie sich immer mehr herausstellt. Deutlicher denn je wurde das damals, als sich die Plattform mit inzwischen fast 200 Millionen laufenden Abonnements die Dienste des American Horror Story-Schöpfers Ryan Murphy sicherte. Knapp 300 Millionen Dollar soll das gekostet haben - Summen, wie man sie nicht mal aus dem Fußball kennt. Die Pointe kam aber erst später, als Murphy mit The Politician sein erstes Werk ablieferte, das in Staffel eins so egal war, dass niemand drüber sprach - und das, obwohl mit Ben Platt, Jessica Lang und Gwyneth Paltrow ziemlich große Stars beteiligt waren. In der kürzlich erschienenen Staffel zwei mischen nun auch Judith Light und Bette Midler mit. Und trotzdem ist die Serie im Prinzip nur noch „egaler“ geworden - so egal, dass man nun einfach drüber sprechen muss.
Was passiert?
Im Finale im vergangenen Herbst wurde uns offenbart, dass der Protagonist Payton Hobart (Platt), dessen einziger Lebenstraum darin besteht, eines Tages Präsident zu werden, den AOC-Weg geht. Soll heißen: Er macht es wie die aufstrebende demokratisch-sozialistische US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez und fordert als Youngster in New York einen alten Parteiveteran heraus, der schon so lang in Amt und Würden ist, dass er längst vergessen hat, wie man einen Wahlkampf führt. Im Fall der Serie ist das Dede Standish (Light), die im Senat des Bundesstaats als Mehrheitsführerin fungiert. Ihre rechte Hand heißt Hadassah Gold (Midler) und ist die treibende Kraft hinter ihrer Karriere. Als sie der junge Payton herausfordert, lachen die beiden noch.
Es war von Anfang an ein Hohn, dass der Serienmacher Murphy es allen Ernstes für eine gute Idee hielt, sich die AOC-Story auszuborgen und dann auch noch einem weißen Mann zu geben. Dass die Parallelen in der neuen Season aber so weit auf die Spitze getrieben werden, zieht einem wirklich die Schuhe aus. Zumal Payton, der dadurch zur Parodie der Politikerin wird, an einer Sache keinen Zweifel lässt: Er ist kein Idealist, sondern Karrierist - und das ist Ocasio-Cortez eben nicht. Wenn Murphy ihn als Sprachrohr nutzt, um Dinge zu sagen, von denen er zu glauben scheint, dass AOC sie insgeheim auch denkt, will man ihm am liebsten ein müdes „Okay, boomer“ entgegnen. Da wirkt selbst die platte Persiflage in Space Force gelungener.
Ohnehin herrscht bei The Politician eine gewaltige Diskrepanz, wie die Autoren die Hauptfigur sehen und welchen Eindruck sie auf uns Zuschauerinnen und Zuschauer macht. Payton scheint im Universum der Serie ein absoluter Superstar zu sein, mit dem alle auf Anhieb schlafen wollen. Dabei versprüht Platt in seiner Rolle so viel Sexappeal wie Philipp Amthor, was ihn aber trotzdem nicht davon abhält, eine Dreiecksbeziehung mit zwei viel attraktiveren Frauen einzugehen: seiner Verlobten Alice (Julia Schlaepfer) und seiner Nemesis Astrid (Lucy Boynton). Und da spricht jetzt sicher nicht nur der Neid aus mir!
Das Thema Sex spielt in der zweiten Staffel eine größere Rolle denn je, da Paytons Kontrahentin Dede ebenfalls eine nicht ganz unheikle Polyamorie pflegt. Und so nobel Murphys Absichten auch sein mögen, um mehr gesellschaftliche Akzeptanz für „Andersliebende“ zu schaffen, so lächerlich und oberflächlich bleibt das Ganze. Der einzige Aspekt, der noch lächerlicher und oberflächlicher erscheint als das, sind tatsächlich die politischen Themen. Besonders verblüffend: Paytons Mutter Georgina (Paltrow) ist auf dem besten Weg, zur kalifornischen Gouverneurin zu werden, indem sie ihren ebenso privilegierten Landsleuten verspricht, den Bundesstaat zum Calexit zu führen, also zum Austritt aus den Vereinigten Staaten. Und mit dieser Position wird sie in der Serie auch noch als progressiv dargestellt und von anderen linken Demokraten wie Payton gefeiert.

Aber eigentlich wäre es ihm am liebsten, sie würde ihre politischen Ambitionen an den Nagel hängen. Denn ihre Erfolgswelle überschattet sein eigenes Momentum, was der kleine Sauertopf kaum aushält. Statt sich hinter seine Mutter zu stellen, die später sogar die Chance erhält, zur ersten weiblichen Präsidentin zu werden, fordert er sie also auf, sich zurückzuziehen, damit sein sehr viel unwichtigerer Kampf um den New Yorker Senatsposten ungestört fortgesetzt werden kann. Mit solchen Kindern braucht man wahrlich keine Feinde mehr! Dumm nur, dass wir Payton ja eigentlich mögen sollen, oder nicht?
Erlösung soll The Politician laut Plan in seiner Politik finden, doch die ist wie gesagt sehr stumpfsinnig dargestellt - was für eine Serie, die sich selbst Politsatire nennt, ziemlich schwach ist. Paytons einziges Thema ist der Klimawandel, wobei er dabei nie konkret wird, sondern immer wiederholt, dass er die Welt retten wolle und dass alle jungen Menschen hinter ihm stünden - was sie seltsamerweise dann auch tun, obwohl er offensichtlich ein 50-Jähriger im Körper eines 20-Jährigen ist, der den Umweltschutz nur nutzt, um eines Tages Präsident zu werden. Schön ist es nur, sich in diese längst vergangene Zeit vor knapp einem halben Jahr zurückzudenken, in der die Jugend der Welt mit ihrer grünen Botschaft tatsächlich noch Gehör von den Erwachsenen erhielt. All das scheint seit Beginn der Coronavirus-Krise vollkommen vergessen...
Aber zurück zum Thema: Den absoluten Exzess der Egalheit erreicht die Serie schließlich im Finale, als das Duell zwischen Payton und Dede in einem Unentschieden mündet und am Ende eine Partie „Schere, Stein, Papier“ entscheiden soll. Die ganze Willkür und das Desinteresse, das Murphy und Konsorten für die Politik hegen, wird hier symbolisch manifestiert. Am Ende legt Dede ihr Mandat zwar freiwillig nieder, um dem „jungen Wilden“ den Weg freizumachen, doch tut sie das auch nur mit einem Hintergedanken. Paytons Mutter nimmt sie nämlich als Vizepräsidentin mit ins Weiße Haus. Und da Georgina sogar noch weniger Lust auf den wichtigsten Job des Landes hat als Donald Trump, plant sie schon vorab mit nur einer Amtszeit, so dass Dede logisch nachrücken würde. Und sie will ihrerseits nun Payton als Partner haben. Möglich wird das Ganze aber nur, indem Präsidentin Georgina das Mindestalter für den Posten herabstuft. The Politician sieht in diesem Finale einen inspirierenden Pakt der Generationen. Eigentlich handelt es sich aber um einen dreisten Fall von Vetternwirtschaft.
Genauso wütend kann einen auch die Tatsache machen, dass Payton, als er endlich gewählt ist und im Senat sitzt, problemlos alle seine vagen Ziele erreicht. Ohne uns zu verraten, wie genau er das geschafft hat, ist New York unter ihm offenbar zum regelrechten Ökometropolis geworden. Als wäre das alles ein Kinderspiel gewesen. Die Illusion, dass Payton ein politisches Genie ist, dem man solch ein Geschick zutrauen würde, platzt schon daran, wie furchtbar inhaltsleer seine Reden sind. „Wählt mich und lasst mich der Mann sein, der ich bin“, ruft er seine Wählerinnen und Wähler auf. Dabei ist das einzige Mal, dass die Figur wie ein echter Mensch erscheint, der Moment gewesen, als er in seiner Schule Joni Mitchells „River“ für seinen toten Freund sang. Wohl auch der einzige Grund, warum ich die Serie überhaupt so weit verfolgt habe.
Fazit
Normalerweise haben Serien von Ryan Murphy - die Ausnahmeerscheinungen Pose und American Crime Story mal ausgenommen - diese magische Eigenschaft, dass man sich beim Schauen wohlfühlt, kaum langweilt und sich nach drei Tagen an nichts mehr erinnern kann. Bei 9-1-1, Glee, American Horror Story oder Hollywood, seiner zweiten Netflix-Produktion, ist die Gleichgültigkeit des Ganzen genau abgemessen. Unverfängliche Unterhaltung eben. Doch The Politician ist so gedankenlos geschrieben, dass es negativ auffällt - und umso negativer, wenn man bedenkt, wie viel Talent an der Politsatire beteiligt ist. Bei knapp 300 Millionen Dollar hätte sich Murphy ruhig ein bisschen mehr Mühe geben können.
Wer das Grundkonzept von The Politician eigentlich ebenfalls irgendwie charmant findet, aber genauso mit der Umsetzung unzufrieden ist, sollte übrigens vielleicht mal einen Blick in Diary of a Future President bei Disney+ werfen.
Hier abschließend der Trailer zur 2. Staffel von The Politician:
«The Politician» Trailer
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