The OA 1x01

The OA 1x01

Netflix überrascht uns zum Ende des Jahres mit einer neuen Mysteryserie. Koschöpferin Brit Marling spielt in The OA eine seit Jahren vermisste Person, die plötzlich wieder auftaucht und nicht länger blind ist. Was steckt dahinter?

Brit Marling in „The OA“ / (c) Netflix
Brit Marling in „The OA“ / (c) Netflix
© rit Marling in „The OA“ / (c) Netflix

Wie aus dem Nichts erschien diese Woche der Trailer zur Mysteryserie The OA, die heute schon bei Netflix online ging und nach nur einer Episode (Homecoming) nicht ganz leicht zu besprechen ist. Bestellt hatte der VoD-Riese sie Anfang 2015 beim schönsten Reim des Sundance-Filmfestivals: Indie-Darling Brit Marling und ihrem Arbeitspartner Zal Batmanglij, die sich mit Filmen wie „The East“ und „Sound of My Voice“ einen Namen machten. Über die Handlung wurde damals wohl aus gutem Grund kein Wort verloren.

I didn't disappear...

The OA“ vermittelt in seiner ersten Stunde vor allem ein schizophrenes Gefühl, da es recht konventionell im Sinne einer Mystery-Science-Fiction-Serie beginnt, nur um das Versprechen seines vermeintlichen Genres nicht einzulösen und recht unkonventionell zu enden. Serienschöpferin Marling, die darstellerisch ganz schön dick auftragen kann, taucht in der Hauptrolle nach sieben Jahren, in denen sie spurlos verschwunden war, wieder auf und springt als Erstes von einer Brücke.

Sie beteuert, dass sie weder verschwunden war noch Selbstmord begehen wollte - und auf ihren alten Namen, Prairie Johnson, ist sie auch nicht mehr gut zu sprechen - sie sei „the OA“. Über diese Seltsamkeiten blicken ihre frohen wie verwirrten Adoptiveltern (Alice Krige und Scott Wilson) angesichts des eigentlichen Mysteriums leicht hinweg, denn ihre Tochter war blind, als sie verschwand.

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Netflix - © Netflix

Leider verlassen wir dieses interessante Rätsel eine ganze Weile, um Zeit mit dem Schulschläger Steve (Patrick Gibson) zu verbringen, der traurig darüber ist, dass seine Beischlaffreundin nicht ernsthaft an ihm interessiert ist. Darüber hinaus ist er kurz davor, von der Schule zu fliegen und von seinen Eltern fortgeschickt zu werden. Während der ersten Begegnung mit Prairie lässt der Unsympath sogar seinen Hund auf sie los, wobei sie beinahe erwartungsgemäß übernatürliche (?) Kräfte auspackt und das beißende Tier beruhigt. Danach schlägt Steve einen Deal vor: Er besorgt ihr einen Internetzugang, den ihre Eltern ihr verwehren, wenn sie sich in der Schule als seine Stiefmutter ausgibt und ein gutes Wort für ihn einlegt.

Am unerträglichsten ist „The OA“, wenn Prairie dem trotzigen Steve wie eine Erleuchtete von seiner unterentwickelten „unsichtbaren Seite“ predigt. Auch die Szene, in welcher sie seine Lehrerin von oben herab daran erinnert, warum sie überhaupt mit dem Lehren anfing, ist grenzwertig. Es scheint aber doch etwas mehr dahinter zu stecken, denn nicht nur der Hund konnte von ihren Worten umgestimmt werden, auch Menschen erreicht sie.

Als ihr Deal mit Steve auffliegt und sie ihren Netzzugang zu verlieren droht, stellt sie in letzter Minute einen Videoaufruf ins Netz, der fünf Menschen dazu bewegt, sie um Mitternacht zu treffen und ihre Haustüren offenzulassen. Wie sie Steve vorher verriet, benötigt sie die Gruppe für ein geheimnisvolles Vorhaben. Was genau sie plant, bleibt schleierhaft. Wir erfahren lediglich, dass sie bereits oft gestorben sein will und mit einem gewissen Homer Kontakt aufnehmen möchte, bei dem es sich offenbar um einen Footballspieler mit Nahtoderfahrung handelt.

Auch an dieser Stelle, wenn sich die seltsam motivierten Menschen (inklusive Steve und seiner Lehrerin) am Treffpunkt in einem unfertigen Haus einfinden, drängen sich als Erstes Vermutungen in Richtung Genreserien à la Heroes oder zuletzt auch Timeless auf, in welchen auserwählte Leute zuammenkommen, um ein großes Unheil zu verhindern. All das mag durchaus noch so kommen, doch zunächst beginnt Prairie alias the OA, eine Geschichte zu erzählen, die uns ganz woanders mit hinnimmt.

In Soviet Russia...

Nach knapp einer Stunde werden endlich die Anfangs-Credits nachgereicht und wir finden uns plötzlich in der Sowjetunion wieder. Prairie berichtet, wie sie als Tochter eines reichen Geschäftsmannes aufwuchs und eines Tages mit einer Handvoll anderer Kinder einflussreicher Personen in einem Wagen, der von einer Brücke stürzte, ertrank. Kunstvoll ist daraufhin das Nachleben in Szene gesetzt, in welchem eine göttliche Mutterfigur sie in einem Raum aus Sternen empfängt und sie vor die Wahl stellt, zu bleiben oder zurückzukehren. Sie entscheidet sich für die Rückkehr, worauf die Frauengestalt sie ohne Augenlicht zurückschickt, da das, was sie zu sehen bekommen wird, zu grausam sei. The End.

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Netflix - © Netflix

Fazit

Nach der ersten Episode von The OA stehen wir zunächst vor einem großen Mysterium. Nicht nur, was die noch undurchsichtige Story betrifft, sondern auch bezüglich der Intention von Marling und Batmanglij. Bekommen wir es am Ende doch mit einer abenteuerlichen Weltrettungsgenregeschichte zu tun, die relativ konventionell - wie Teile der ersten Hälfte der Pilotepisode - ausfällt? Oder ist die Serie eher an dem „arthousigen“ Ansatz der letzten Minuten interessiert?

Der Mysteryteil des Begriffs „Mysteryserie“ wird jedenfalls großgeschrieben und egal, ob eher die erste oder die unerwartet abgehobene zweite Hälfte neugierig gemacht hat - es nur bei dieser Episode zu belassen, dürfte schwer fallen. Wem die Serie schließlich zu empfehlen ist, kann wohl erst später eingeschätzt werden.

Nach den Duffer-Brüdern, die uns den diesjährigen Überraschungshit Stranger Things bescherten, setzt Netflix jedenfalls erneut auf unverbrauchte Filmemacher mit einer eigenen Vision, was sich in diesem Fall sogar noch mutiger anfühlt, da „The OA“ sich sehr leicht als nicht ganz einfach verdauliche Kost entpuppen könnte. Wetten, wofür „OA“ überhaupt steht, werden ab sofort angenommen.

Serientrailer zu „The OA“:

Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 16. Dezember 2016
Episode
Staffel 1, Episode 1
(The OA 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Rückkehr
Titel der Episode im Original
Chapter 1: Homecoming
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 16. Dezember 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 16. Dezember 2016
Regisseur
Zal Batmanglij

Schauspieler in der Episode The OA 1x01

Darsteller
Rolle
Brit Marling
Emory Cohen
Alice Krige
Brendan Meyer
Brandon Perea
Ian Alexander

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