
Nachrichtenmoderator Will McAvoy (Jeff Daniels) sorgt für einiges Aufsehen, als er auf einer Podiumsdiskussion die Frage danach, warum Amerika das großartigste Land der Welt sei, damit beantwortet, warum das in seinen Augen überhaupt nicht der Fall sei. Der sich anschließenden öffentlichen Aufregung entgeht McAvoy durch einen vermeintlich medizinisch begründeten Urlaub. Als er aus diesem jedoch wieder an seinen Arbeitsplatz im Nachrichtensender ACN zurückkehrt, da fehlt die Hälfte seiner Crew. Sein bisheriger Executive Producer Don (Thomas Sadoski) und zahlreiche weitere Leute haben bei der neuen Nachrichtensendung eines Kollegen angeheuert.
Und sein Boss Charlie (Sam Waterston, Law & Order) hat, ohne ihn auch nur zu konsultieren, eine neue Produzentin eingestellt: Und zwar ausgerechnet Mackenzie MacHale (Emily Mortimer), über deren fachliche Eignung und Journalistenblut kaum ein Zweifel bestehen kann. Doch verbindet sie und McAvoy eine komplizierte Vergangenheit. Das alles tritt jedoch in den Hintergrund, als die Nachricht eingeht, dass es eine Explosion auf eine Ölbohrplattform im Golf von Mexiko gegeben hat - und es einer von Mackenzies Leuten (John Gallagher Jr.) ist, der auf Anhieb das wahre Ausmaß dieser Geschichte erkennt...
Ein Pilot wie ein Kinofilm
The Newsroom ist die neue Serie von The West Wing-Erfinder Aaron Sorkin. Und das ist gleichermaßen Fluch und Segen für die Produktion. Ein Segen ist es aus den offensichtlichen Gründen: Nicht erst seit seinem Oscar für „The Social Network“ gilt Sorkin als eine Art Drehbuch-Gott in Hollywood. Im Gegensatz zu seiner letzten Serie, Studio 60 on the Sunset Strip, müssen Sorkin und das Publikum auch nicht das vorzeitige Aus wegen schlechter Einschaltquoten fürchten. Schließlich läuft The Newsroom nicht auf einem der werbefinanzierten Networks, sondern auf dem Pay-TV-Sender HBO, der es sich zu seiner Mission gemacht hat, Produktionen voll Anspruch und Klasse auf den Bildschirm zu bringen - und der sich The Newsroom offenbar Einiges hat kosten lassen.
Jeff Daniels („Good Night and Good Luck“) und Emily Mortimer (zuletzt in Martin Scorseses „Hugo“) sind Gesichter, die man von der Leinwand kennt. Komponist Thomas Newman kann auf acht Oscar-Nominierungen zurückblicken (unter anderem für „American Beauty“ und „Findet Nemo“). Alles an The Newsroom ist hochwertig gearbeitet und ein Beweis für den enormen production value, den HBO in seine Serien investiert.
Gewohnte Qualität - Zu gewohnt?
Und doch ist es für The Newsroom nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch, die neue Serie von Aaron Sorkin zu sein. Und es ist klar, dass diese Feststellung so ähnlich klingen muss, wie Jeff Daniels Rede, warum die USA nicht das großartigste Land der Welt sind.
The Newsroom erfüllt, so weit sich das von der Pilotfolge her beurteilen lässt, alle Erwartungen an eine Aaron-Sorkin-Serie. Exakt alle. Das große Thema sind wieder einmal Zustand und Befindlichkeit der amerikanischen Gesellschaft, ausgehandelt am Beispiel eines in der Öffentlichkeit stehenden Arbeitsplatzes. Hoffnung und Skepsis, ob sich das Land zu alter (moralischer) Größe wird aufschwingen können, ob Amerika besser sein kann, stehen einander gegenüber. Und werden, wie zuvor schon beispielsweise das Verhältnis von Matthew Perry und Sarah Paulson in „Studio 60“, in einer Paar-Beziehung debattiert, welche von widerstreitenden Emotionen der Enttäuschung, des Misstrauens, aber auch der gegenseitigen Anziehung geprägt ist.
Auch strukturell (zum Beispiel die Brandrede zu Beginn des Piloten oder auch die Krise, welche eine zeitlich verdichtete Hochdruck-Situation schafft) weist The Newsroom einige Parallelen zu früheren Sorkin-Serien auf. Was per se ja nichts Schlechtes ist. Es nimmt zumindest dem Piloten jedoch ein wenig das Überraschende. Das Gefühl, etwas wirklich Neues zu sehen. The Newsroom erfüllt die Erwartungen, bleibt dadurch aber über weite Strecken auch erwartbar. Egal ob es um die Figurenkonstellationen geht oder die ebenso geschliffenen wie witzigen Dialoge, welche fraglos eines Tages Einzug in die Englisch-Lehrbücher halten werden. Das alles ist makellos, aber (noch) nicht wirklich aufregend oder mitreissend.
Fazit
Warum hat Picasso bloß immer so wie Picasso gemalt? Ich weiß, so ähnlich muss die Kritik an Aaron Sorkins The Newsroom klingen. Der Pilot bietet kurzweilige Unterhaltung, garniert mit einem mono-/dialogisch aufgebrochenen Essay über das Amerika von heute und die Bedeutung von Nachrichten, der auch in der New York Times oder im Time Magazine hätte erscheinen können. Das ist interessant und intellektuell anregend. Aber noch nicht wirklich überraschend oder packend.