The Neighbors 1x01

Da hat Marty Weaver (Lenny Venito) einmal in seinem Leben die Initiative ergriffen, so wie seine Frau Debbie (Jami Gertz) es ihm immer gepredigt hat, da ist es ihr auch wieder nicht recht. Marty hat für sich und seine Familie - neben Debbie gehören dazu auch noch ihre drei Kinder - in der kleinen Siedlung Hidden Hills supergünstig ein Haus gekauft. Was ihm dabei nicht ganz klar gewesen ist: Die Vorbesitzer waren Aliens vom Planeten Zabvron. Genau so wie alle Nachbarn ringsherum.
Während Debbie ihrem Mann noch Vorhaltungen darüber macht, dass er sie nicht vor dem Hauskauf konsultiert hat, da stellen sich auch schon - in Reih und Glied - die neuen Nachbarn vor. Allen voran Larry Bird (Simon Templeman) und seine Frau Jackie Joyner-Kersee (Toks Olagundoye). Dass ihre Nachbarn samt Kinder alle so heißen wie US-Spitzenathleten kommt den Weavers ja doch sehr merkwürdig vor. Auch das Abendesssen, zu dem ihre Nachbarn sie einladen, verläuft eher ungewöhnlich, da diese sich darauf beschränken, am Esstisch Kochbücher zu lesen. Als geistige Nahrung. Vielleicht, so vermuten Marty und Debbie noch, handele es sich ja um Europäer. Die Wahrheit ist dann aber doch nicht so schlimm: Es sind, wie bald auch den Weavers klar wird, nur Außerirdische...
Die Meinungen, die man zu The Neighbors im Internet lesen kann, sind zumeist wenig freundlich. Oder um den Kollegen Tim Goodman von The Hollywood Reporter zu zitieren: „The Neighbors ist eines der unlustigsten Dinge im Fernsehen seit der letzten Hitler-Doku auf dem History Channel.“ Nicht ganz so krass formulieren es andere Rezensenten. Häufig läuft es letzten Endes nur auf die Frage heraus: Wie konnte diese Produktion überhaupt von einem Network in Auftrag gegeben werden?
Der oberste Entscheidungsträger war in diesem Fall ABC-Chef Paul Lee, über den man zwei Dinge wissen muss. Erstens, er ist Brite. Was ihn quasi schon von Haus aus für humoristische Stoffe empfänglich macht, die anderen bestenfalls etwas merkwürdig vorkommen (sein Kommentar zur letztjährigen Sitcom-Katastrophe Work It: „Verklagt mich doch! Ich bin halt Brite.“). Zweitens, er nutzt seinen Posten gerne, um das Fernsehen seiner Kindheit wieder lebendig werden zu lassen. Wir erinnern uns noch deutlich, wie er im vergangenen Jahr davon geschwärmt hat, dass es sein Traum gewesen sei („seit ich 14 war“), ein Remake von Charlie's Angels zu drehen.
Genau das scheint auch The Neighbors zu motivieren. Es ist eine Serie, die - denken wir uns die CGI-Aliens einmal weg und ersetzen sie in Gedanken durch Gummi-Masken - exakt so, Szene für Szene, Dialog für Dialog, Gag für Gag in den 60er oder 70er Jahren hätte laufen können. Direkt vor oder hinter „Mork vom Ork“. Nanu Nanu. Sogar der zentrale Konflikt der Pilotfolge, wer in der Familie das Sagen hat, der Mann oder die Frau, könnte direkt aus einer 70er-Jahre-Sitcom stammen. Die Musik? Retro - was sonst?
Alles an The Neighbors atmet den Geist der Vergangenheit. Es ist gar nicht mal so, dass die Serie per se so furchtbar schlecht wäre. Viele der Gags, die daraus resultieren, dass die Aliens das menschliche Verhalten nur sehr oberflächlich angelernt haben (zum Beispiel als Jackie die Teller nach dem Essen statt abzuwaschen einfach einen nach dem anderen aus dem Fenster wirft), sind ja durchaus ulkig. Ebenso die erste Reaktion der Weavers (Nomen est Omen!), welche ihre seltsamen Nachbarn zunächst für Europäer halten.
Das Problem ist nur, dass The Neighbors wirkt, als wäre die Serie in der falschen Zeit gelandet. Wäre es tatsächlich eine 60er-Jahre-Sitcom, dann würden wir uns heute sicherlich liebevoll an sie erinnern. So wie an „The Munsters“, „Mein Onkel vom Mars“, „Ein Käfig voller Helden“, „Bezaubernde Jeannie“ oder eine andere Comedyserie aus dieser Zeit, als, wie es die Fernsehhistoriker John O'Leary und Rick Worland beschreiben, cartoonartige Charaktere und zur Farce überzogene Plots üblich waren.
Wer sich darauf auch heute noch einlassen kann, der wird an The Neighbors seinen Spaß finden. Wer das nicht kann - oder will, der sollte in der Tat von dieser Serie besser die Finger lassen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 29. September 2012(The Neighbors 1x01)
Schauspieler in der Episode The Neighbors 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?