Der nackte Regisseur: Review der Pilotepisode

© er nackte Regisseur (c) Netflix
Toru Muranishi gilt als „Pornokaiser“ Japans und ist seit seinem Erfolg mit Erotikvideos in den 80er Jahren immer wieder zum Gegenstand von Dokumentationen und Reportagen geworden. Basierend auf einem Sachbuch von Nobuhiro Motohashi erschien auf Netflix nun die Eigenproduktion Der nackte Regisseur alias „Der nackte Regisseur“, die weit über das hinausgeht, was im japanischen Fernsehen gezeigt werden könnte. Die erste Episode mit dem Titel Die geheime Welt etabliert zunächst, wie ein Verkäufer von Englischwörterbüchern in die Welt oft fragwürdig produzierter Pornos hineinrutschen konnte.
Schauspieler Takayuki Yamada („Densha Otoko“, „Socrates in Love“) übernimmt die moralisch dubiose Rolle von Muranishi, der als bemitleidenswerter Saubermann beginnt und sich äußerst ungeschickt als Verkäufer der Englischbücher anstellt. Zumindest, bis er von seinem Kollegen Herrn Ono unter die Fittiche genommen wird, welcher ihn ins sprichwörtliche kalte Wasser schmeißt und ihm die schmierigen Tricks der Vertreter näherbringt. Ono wird von Itsuji Itao gespielt, den man zum Beispiel aus Kore'edas „Air Doll“ oder Shion Sonos Vierstundenepos „Love Exposure“ kennt.
Der ultimativen Verkaufsprobe stellt sich Muranishi im Haus eines potentiellen Kunden, der sich als brandgefährlicher Yakuza-Gangster entpuppt. Mit einer Reihe an Schmeicheleien über seine volkstümlichen Tätowierungen der Sagenfigur Kintaro und einigen Ideen, wie Englisch beim internationalen dirty talk behilflich sein könnte, lässt er sich allerdings schnell um den Finger wickeln - auch wenn Muranishi selbst nur Vokabeln wie „good“ und „Hello“ im Sprachschatz hat. Von einem dirty old man zum anderen versteht man sich eben auch ohne großen Wortschatz.

Der berufliche Erfolg beeindruckt seine Ehefrau leider wenig, denn im Bett stimmt es zwischen den beiden schon lange nicht mehr. So kommt es, wie es kommen muss, und Muranishi erwischt seine Gattin wenig später beim Fremdgehen. Ob dieses und andere Ereignisse sich tatsächlich so zugetragen haben, ist fraglich, denn die Serienmacher um Regisseur Masaharu Take sollen sich mit Muranishis Segen einige Freiheiten bei seinem zwielichtigen Werdegang genommen haben.
Fakt ist, dass er im Wörterbuchverkauf und im Verlagswesen gearbeitet hat, ehe der Übergang zur Pornoindustrie erfolgte. Letzteres geschieht in der Serie durch den von Shinnosuke Mitsushima gespielten Tunichtgut Toshi, mit dem er heimlich und illegal im Liebeshotel gefilmte Sextapes verkauft. Später wird er als Regisseur arbeiten und in dieser Funktion auch selbst in seinen Filmen mitwirken. Durch diesen Bruch mit dem Format, der mit einem gewissen Augenzwinkern geschah, erlangte er seinen Kultstatus, der ihm heute offenbar trotz mehrfachen Konflikts mit dem Gesetz anhaftet. Unter anderem wurde er wegen der Verwendung minderjähriger Darstellerinnen belangt...
So fällt es mit ein wenig Hintergrundwissen nicht ganz leicht, sich so sehr auf den schlüpfrigen Klamauk dieser semibiografischen Dramedy einzulassen, die manchmal fast selbst pornografisch wirken möchte. Zwar sind wir Antiheldengeschichten wie Breaking Bad oder The Sopranos gewöhnt, doch hätte man im auf wahren Menschen basierenden Narcos die Comedy hochgeschraubt, wäre uns wohl doch etwas unwohl geworden...
Fazit
Die erste Folge von Der nackte Regisseur gibt nur einen kleinen Vorgeschmack auf die notorische Karriere von Toru Muranishi und konzentriert sich zunächst auf seinen Familienhintergrund und den unwahrscheinlichen Werdegang vom Buchverkäufer zum Pornokaiser. Wie so oft in japanischen dorama-Serien (oder auch Animes) erfolgt der Wechsel von Klamauk zu melodramatischen Familienkonfrontationen recht unsanft, was aufgrund des realen Hintergrunds der Serie durchaus etwas befremdlich wirken kann. Interessant wird später vor allem, wie die Serie Muranishis komplexe Beziehung zur Pornodarstellerin Kaoru Kuroki (Misato Morita) porträtiert und auch auf die Beteiligung von Schauspieler Ryo Ishibashi („Audition“, „Suicide Club“) kann man noch gespannt sein.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie Der nackte Regisseur: