
Wenn man recherchiert, wie oft Alexandre Dumas' Geschichte über die drei beziehungsweise vier Musketiere - namentlich Athos, Aramis, Porthos und der junge D'Artagnan - in jeder möglichen Form für ein anderes Medium umgesetzt oder adaptiert wurde, findet man an die 50 verschiedenen Fälle. Ob diverse Spiel-, Zeichentrickfilme oder TV-Serien, Dumas' Roman ist nicht nur ein Klassiker der Literaturgeschichte, sondern vor allem auch die Ursprungsquelle für etliche andere Medienerzeugnisse.
Nun könnte man denken, dass es vielleicht langsam genug wäre, die immer wieder gleiche Geschichte erneut aufzurollen und wortwörtlich in ein anderes Gewand zu packen. Jetzt haben sich die BBC und der Ableger BBC America jedoch erneut daran versucht, die bekannte Literaturvorlage in Form einer zehnteiligen TV-Serie neu aufzulegen. Das Projekt war bereits seit 2007 in Entwicklung, doch erst 2012 konnte man schließlich mit der Realisierung der Serie beginnen. Das Ergebnis kann sich nun durchaus sehen lassen. So weiß The Musketeers in seiner Auftaktfolge mit einer sehenswerten Ausstattung und beschaulichen Drehorten, lässigen Charakteren und einigen äußerst unterhaltsamen und amüsanten Momenten zu gefallen.
Zwar passiert nicht viel Überraschendes, was unter anderem daran liegt, dass die Thematik schon viel zu oft durch den Fleischwolf gedreht wurde, und auch das permanente Wechseln zwischen den einzelnen Handlungssträngen hinterlässt einen leicht wirren und sprunghaften Eindruck. Doch insgesamt kann man die Pilotepisode von The Musketeers mit dem Titel Friends and Enemies als gelungen und sehr kurzweilig bezeichnen.
Hohe Produktionswerte, ansehnliche Ausstattung und stimmige Musik
Schon in den ersten Minuten der Pilotfolge von The Musketeers wird deutlich, dass man keine Mühen und Kosten gescheut hat, um die Serie optisch ansprechend zu gestalten. Die altertümlichen Sets und Landschaften, durch welche unsere Protagonisten streifen oder auch reiten, vermitteln einen guten Eindruck und fühlen sich erfrischend an. Gerade auch im Hinblick auf die Tatsache, dass heutzutage aus Kostengründen viel zu oft auf die Green-Screen-Technik und Effektnachbearbeitung gesetzt wird. Die Dreharbeiten zu „The Musketeers“ fanden dann einfach in der Tschechischen Republik statt. Als Paris des frühen 17. Jahrhunderts hielt die tschechische Hauptstadt Prag her.
Die on location-Drehs sind zweifellos eine der Stärken der neuen BBC-Serie. Im Laufe der ersten Staffel darf man sich darüber hinaus auf weitere sehenswerte Szenenbilder freuen, hat man doch für The Musketeers an gleich mehreren geschichtsträchtigen Örtlichkeiten in Tschechien gedreht. Sowohl die Außen- als auch Innenaufnahmen gefallen und verpassen der Serie den Charme und die Glaubwürdigkeit, die eine Serie von diesem Format bitter nötig hat.
The Musketeers ist logischerweise in der Optik eines klassischen Mantel-und-Degen-Films gehalten, und auch hier gelingt es den Produzenten, dem Zuschauer eine glaubwürdige Umgebung zu präsentieren. Insbesondere Freunde von eben diesen Mantel-und-Degen-Filmen oder Kostümfilmen generell dürften mit „The Musketeers“ ihren Spaß haben. Die Ausstattung kann sich wahrlich sehen lassen und trifft trotz moderner Anleihen den Ton der Zeit, in welcher die Handlung der Serie stattfindet.
Darüber hinaus kann man in The Musketeers auch mit dem gekonnten Einsatz von Musik punkten. Allein das Intro zur Serie verspricht flotte Unterhaltung. Auch im Laufe von Friends and Enemies treibt die Musik die rasanten Momente wie diverse Kampf- und Fechtchoreographien immer wieder an oder passt sich eben der generellen Stimmung von bestimmten Szenen perfekt an. Auch wenn sich zum Ende der Pilotepisode viele der Musikstücke ähnlich anhören, verfehlen sie nicht ihr Ziel und können ihren Teil dazu beitragen, dass „The Musketeers“ rein äußerlich Spaß macht und einiges an Spannung zu bieten hat.
Der Fluch der Vorlage
Aber wie schaut es mit dem „Inneren“ von The Musketeers aus? Auf den ersten Blick weiß die Serie durchaus zu überzeugen und zu fesseln, doch gibt auch die Handlung genug her, um den Zuschauer zu packen und mitzureißen? Diese Frage kann man mit einem leichten „Ja“ beantworten, auch wenn man ein wenig hofft, dass es den Serienmachern in den nächsten Folgen gelingt, die Serie noch spannender und eventuell sogar noch origineller zu gestalten.
Das größte Problem für The Musketeers ist wohl tatsächlich, dass so gut wie jeder die Geschichte über die allseits bekannten Musketiere kennt, ob jetzt aus dem Buch oder aus Film und Fernsehen. Deswegen fällt es „The Musketeers“ auch ein wenig schwer, den Zuschauer groß zu überraschen, was zur Folge hat, dass die Pilotfolge an gewissen Stellen ein wenig zu vorhersehbar wirkt.
Für The Musketeers hat man Dumas' Buch nicht bis ins kleinste Detail adaptiert - ganz im Gegenteil. Man versucht sich an einer eigenständigen Geschichte mit einigen Anleihen der Ursprungsquelle, was durchaus löblich ist. So fallen die Momente, in denen man von der bekannten Geschichte abweicht, durchaus auf. Ein Beispiel wäre die Anfangssequenz, in welcher der Vater der Hauptfigur, Alexandre D'Artagnan (ein netter Verweis auf Autor Alexandre Dumas) augenscheinlich vom bekannten Musketier Athos erschossen wird, was wiederum den jungen D'Artagnan nach Paris bringt, um dort Athos zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. D'Artagnan findet dann jedoch heraus, dass es nicht Athos war, der seinen Vater umgebracht hat, sondern vielmehr eine große Verschwörung gegen die Musketiere vor sich geht.
In Paris beziehungsweise in Frankreich generell herrscht zu dieser Zeit etwas Chaos, muss sich die französische Krone doch in diversen politischen Querelen mit Spanien auseinandersetzen. Als eine der wichtigsten Personen in diesem undurchsichtigen Spiel am Hofe des Königs wird uns dann Peter Capaldi (Doctor Who, The Thick of It), welchem eine durchaus treffende Darstellung gelingt, in der bekannten Rolle des Kardinal Richelieu vorgestellt. Dieser scheint seine ganz eigenen Pläne zu verfolgen, an deren Ende er sich wohl an der Spitze Frankreichs sieht. Jedoch gibt es ein Problem, diese Pläne in die Tat umzusetzen: Die Musketiere, die loyale Gefolgschaft des Königs, sind exzellent ausgebildete Kämpfer und der Krone treu ergeben.
Von diesen Musketieren bekommen wir die wohl drei Berüchtigsten zu sehen. Athos (Tom Burke, The Hour) ist ein geschundener Trinker mit einer dunklen Vergangenheit, Aramis (Santiago Cabrera; Dexter, Merlin) ist der lockere Lebemann, welcher jeden Morgen mit einer anderen Frau in seinen Armen aufwachen könnte, und Porthos (Howard Charles) ist ein Koloss von einem Mann, jedoch auch ein leidenschaftlicher Spieler, was ihn schon den einen oder anderen Ärger eingebracht hat. Welche Makel und Laster diese drei auch haben mögen, sie gehören zu den besten Musketieren des Landes. Die Charakterisierung der Figuren funktioniert gut, auch wenn sie sich weniger originell gestaltet, was ebenfalls daran liegt, dass uns die Figuren in der Form schon tausendmal präsentiert wurden. Dennoch gefallen die Darsteller, da es ihnen gelingt, ihren Figuren eine mehr oder weniger eigene Note zu verpassen.
Überzeugender Cast, Handlung mit Luft nach oben
Im Allgemeinen lässt sich über die Besetzung nicht viel Schlechtes sagen. So geben sich gleich mehrere bekannte Schauspieler die Klinke in die Hand, seien es Capaldi, Hugo Speer (Bedlam), Ryan Gage („Der Hobbit - Smaugs Einöde“), Maimie McCoy (Personal Affairs) oder auch in eher kleinen Auftritten Alexandra Dowling (Game of Thrones) und Roger Ashton-Griffiths (welcher demnächst in der vierten Staffel von Game of Thrones in der Rolle des Mace Tyrell zu sehen sein wird). Auch Hauptdarsteller Luke Pasqualino (The Borgias, Skins) in der Rolle des ungestümen D'Artagnan kann überzeugen, doch man merkt ihm - wie jedem anderen auch - an, dass die Darsteller nun mal in das enge Korsett der literarischen Vorlage gezwängt werden und somit nicht viel Raum für eine andersartige Entfaltung der Figuren existiert. Das könnte sich jedoch eventuell im Laufe der Staffel ändern.
Wie bereits erwähnt, gestaltet sich die Handlung ebenfalls ein wenig zu vorhersehbar und wirr, was jedoch hinsichtlich der Bekanntheit der Buchvorlage und dem Umstand, dass es sich um eine Pilotepisode handelt, nicht allzu schwer ins Gewicht fällt. Friends and Enemies ist in seinen gut 60 Minuten Laufzeit vollgepackt mit allerlei Nebenhandlungen, die schlussendlich auch ineinandergreifen, jedoch nicht ganz den Effekt erzielen, der vermutlich beabsichtigt war. Zwar macht das große Finale dieser Episode Spaß und auch eine konsequente Entscheidung von Richelieu am Ende der Folge hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, doch dies reicht nicht ganz aus, um sich voll und ganz von dem ganzen Musketiereinheitsbrei der letzten Jahre oder Jahrzehnte abzuheben. The Musketeers macht vieles weit besser als seine diversen Vorgänger in Film und Fernsehen, doch es fehlt noch das gewisse Etwas, um auf ganzer Linie überzeugen zu können. Nicht nur optisch, sondern vor allem inhaltlich.
Fazit
Die neue Mantel-und-Degen-Serie The Musketeers kann mit ihrer Pilotfolge Friends and Enemies überzeugen, auch wenn es gerade im Bereich der Handlung noch einige Kleinigkeiten zu bemängeln gibt. Besonders die Kulissen und Landschaftsaufnahmen sowie die Kostüme und die musikalische Untermalung tragen jedoch ihren großen Teil dazu bei, dass „The Musketeers“ nicht nur gut aussieht und sich gut anfühlt, sondern auch recht spannend und zweifellos sehr kurzweilig ist.
Allein mit Blick auf die Gestaltung der Handlung gibt es noch Verbesserungsbedarf. Dabei steht den Machern jedoch eine schwierige Aufgabe bevor, was unter anderem daran liegt, dass Alexandre Dumas' weltbekanntes Buch über die berühmt-berüchtigten drei Musketiere der Serie selbst viel vorwegnimmt. Groß überraschen kann man denjenigen, welcher auch nur flüchtig mit dem Thema vertraut ist, nicht mehr. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich The Musketeers mehr und mehr von seiner literarischen Vorlage lösen könnte, doch hier kann man nur abwarten, in welche Richtung sich die neue Serie entwickeln wird.
Die Pilotfolge von The Musketeers ist insgesamt zweifellos eine Empfehlung für Fans der Materie, welche sich wiederum auf rasante Unterhaltung, schöne Bilder, eine solide Inszenierung sowie gute Darsteller freuen dürfen.