The Michael J. Fox Show 1x02

The Michael J. Fox Show 1x02

Auf den stimmigen Piloten von The Michael J. Fox Show schiebt NBC mit Neighbor gleich die zweite Episode hinterher. Anstatt die bisherige StÀrke der Serie auszuspielen, wirft sie jedoch kleinere Probleme auf.

Abendessen mit Folgen: Kelly (Tracy Pollan), Mike (Michael J. Fox) und Harris (Wendell Pierce). / (c) NBC
Abendessen mit Folgen: Kelly (Tracy Pollan), Mike (Michael J. Fox) und Harris (Wendell Pierce). / (c) NBC

NBC hat seiner neuen und hoffnungsvollen Comedy The Michael J. Fox Show gleich zwei Episoden zum Serienstart spendiert. Anlass war aber nicht, dass Marty McFly (Michael J. Fox) in „ZurĂŒck in die Zukunft II“ an dem Premierentag ins Jahr 2013 gereist war (generell: Es war 2015), sondern eher, dass man der Serie gegen die starke Serienkonkurrenz einen guten Anfang ermöglichen wollte. Funktioniert hat es bisher jedoch nicht.

Familie ĂŒber Familie

Nach der stimmigen EinfĂŒhrung „53633“ erwartet uns die Serie in Episode zwei im Schlafzimmer des Ehepaars Henry (Betsy Brandt und Fox). Wieder werden typische Familienprobleme thematisiert - hier der Fall, dass Eltern selten Ruhe vor ihren Kindern bekommen. Gleich hier wird man wieder an das Beste des Piloten erinnert: Der Cast spielt wunderbar zusammen. Es wirkt einfach nicht, als seien hier neue Leute fĂŒr eine Serie zusammengewĂŒrfelt worden, sondern als ob sie bereits seit lĂ€ngerer Zeit zusammenspielen. Ein klares Plus gegenĂŒber manch anderer neuen Serie. Interessant an den Szenen ist aber auch die fehlende Ruhe vor dem zu lauten Nachbarn...

Warum das in diesem Falle interessant ist? ZunĂ€chst ist der zu laute Nachbar nicht, wie erwartet, ein Ă€lterer Mann, sondern eine neue, gerade geschiedene Nachbarin, Kelly. Dass Mike von dieser Erscheinung sichtlich irritiert ist, ist dann wiederum fĂŒr den geneigten Zuschauer sofort verstĂ€ndlich. Schließlich handelt es sich bei Kelly um keine Geringere als um Fox' Ehefrau Tracy Pollan.

Diesem funktionierenden Zusammenspiel und der tollen Szenenkomik ist es auch zu verdanken, dass Witze Ă  la „Mike leckt einen Löffel Keksteig ab und hat daher ein schlechtes Gewissen gegenĂŒber seiner Ehefrau“ in Ordnung gehen. Das gleiche gilt fĂŒr die weitere Handlung, in der Mike zwar ein Doppeldate zwischen seiner Ehefrau und ihm sowie seinem Produzenten (Wendell Pierce) und Kelly inszeniert, dabei jedoch versucht, letztere Paarung zu verhindern. WĂ€re die Nachbarin nicht von Pollan verkörpert worden, hĂ€tte es eine Episode dieser Art wohl gar nicht erst gegeben.

Das dient aber auch als weiteres Indiz dafĂŒr, was im letzten Review schon vermutet wurde. Fox ist hier auch in seinem Element, weil die Serie als LiebeserklĂ€rung an seine Familie dient. Die Nachricht an sich wird jedoch etwas universeller transportiert. Dies geschieht dadurch, dass alle Nebenhandlungen im Endeffekt von diesem Thema handeln.

Aber nicht immer schlĂŒssig

So versucht seine Schwester Leigh (Katie Finneran) aus Frust, weil ihre SchwĂ€gerin nie Zeit fĂŒr ihre Probleme als „Freelancer“ hat, den kleinen Graham (Jack Gore) vor anderen MĂŒttern als eigenen Sohn darzustellen. Immerhin haben die MĂŒtter auf dem Spielplatz ja VerstĂ€ndnis fĂŒr die Wehwehchen der nicht gerade selbststĂ€ndigen Frau. Als ihr „Betrug“ aufzufliegen droht, kĂŒmmert sie sich zumindest kurzzeitig mehr als zuvor um Graham und landet im JJ's - und somit in der gleichen Spielhalle wie der Rest der Familie.

Leigh (Katie Finneran; r.) beim Versuch; mehr Beachtung fĂŒr ihre Probleme zu bekommen. © NBC
Leigh (Katie Finneran; r.) beim Versuch; mehr Beachtung fĂŒr ihre Probleme zu bekommen. © NBC

Auch in der zweiten Nebenhandlung geht es um Familientypisches. Die Geschwister Eve (Juliette Goglia) und Ian (Conor Romero) streiten dabei um die Gunst von Reese, einer neuen Freundin von Eve. Eve möchte sie unbedingt zu ihrem Freundeskreis zĂ€hlen können, weil diesem eben ein lesbisches Element fehlt. Ja, ĂŒber die Sinnhaftigkeit der Story kann man verschiedener Meinung sein... Ian geht es nun natĂŒrlich darum, Reese zu erobern - er glaubt nicht an deren AffinitĂ€t zu Frauen. Am Ende behĂ€lt Ian beim Aufeinandertreffen in der Spielhalle Recht, aber auch Eve hat dann kein Problem mehr damit und die Geschwister söhnen sich aus.

Mike hingegen geht erst im JJ's, nachdem er bemerkt hat, wie unsinnig es war, Harris und Kelly Steine in den Weg zu legen. Da Annie bereits dorthin ist, um Graham von seiner Tante zu befreien, macht Mike sich auch auf den Weg. Im Center hĂ€lt er ein flammendes (und extrem schmalziges) PlĂ€doyer fĂŒr seine Familie beziehungsweise Familien generell. Etwas aufgelockert wird es immerhin durch den unerwarteten Einsatz eines Autotune-Effekts. Dass er Annie spĂ€ter erklĂ€rt, wegen seiner Krankheit dauernd Angst darum haben zu mĂŒssen, sie verlieren zu können, kann sicherlich wieder auf Fox' reales Leben ĂŒbertragen werden.

Fazit

Das Problem der Episode ist nicht, dass hier die Wichtigkeit von Familien dargestellt werden soll. Dabei wird lediglich etwas zu viel auf die TrĂ€nendrĂŒse gedrĂŒckt. Problematisch sind eher die ganzen Nebenbaustellen. Es hĂ€tte gar nicht so viele HandlungsstrĂ€nge (und neue Nebencharaktere wie Eve) gebraucht, um die Figuren und ihre Ticks weiter einfĂŒhren zu können. Die Charaktere an sich sind stark genug, um Lacher fabrizieren zu können (was manchmal durch Situationskomik funktioniert, dafĂŒr geht es auf Kosten kleinerer Schmunzler). Dadurch wirkt auch das Verzahnen der StrĂ€nge am Ende im JJ's unpassend. ZufĂ€llig sind alle da, als Mike dann seine Ansprache halten kann (anstatt zunĂ€chst still nach Graham und Annie zu suchen).

Positiv hingegen ist, dass seine Krankheit wiederum weniger hĂ€ufig offen angesprochen wird. Wenn sie neben dem bereits Angesprochenen noch etwas weniger zur Quelle der Scherze wird, kann man der Serie wirklich attestieren, sich auf ihre Charaktere und das „normale Leben“ einlassen zu wollen.

Mike (Michael J. Fox) ist eben doch ein echter Familienmensch... © NBC
Mike (Michael J. Fox) ist eben doch ein echter Familienmensch... © NBC

Die in den USA aufgekommene Kritik, dass Frauen in der Serie zu schwach dargestellt werden, ist nach zwei ausgestrahlten Episoden allerdings klar verfrĂŒht. Dass Michael J. Fox gerne Witze ĂŒber seine GrĂ¶ĂŸe im Gegensatz zu anderen Personen macht, ist nun wirklich nichts Neues. Wenn es sich bei einer Person also um (s)eine Frau handelt, kann das kaum verwerflich sein. Ebenso gibt es nun mal sowohl durchtriebene Teenies (beider Geschlechter, so wie es auch dargestellt wird) als auch unselbststĂ€ndige (aber dennoch herzliche) Frauen mittleren Alters. Wenn letzteres also Quelle der Kritik ist, dann sollte man sich mal die Figur Harris Green nĂ€her anschauen. Dieser ist eben ein Produzent, der sichtlich in mehreren Belangen von sich selbst ĂŒberzeugt ist und trotz der ErklĂ€rungen seines Freundes Mike auf ein Date mit dessen neuer Nachbarin aus ist. Eine wirklich positive Darstellung eines mĂ€nnlichen Charakters sieht auch anders aus.

Weiterhin ist The Michael J. Fox Show unterhaltsam. Wenn man den an sich gut harmonierenden Cast in den nÀchsten Episoden wieder mehr als Trumpf ausspielt und einzelne Charaktere mehr beleuchtet, werden manche Kritiker sicherlich von selbst verstummen.

Verfasser: Sebastian Detzler am Samstag, 28. September 2013
Episode
Staffel 1, Episode 2
(The Michael J. Fox Show 1x02)
Titel der Episode im Original
Neighbor
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 26. September 2013 (NBC)
Regisseur
Victor Nelli Jr.

Schauspieler in der Episode The Michael J. Fox Show 1x02

Darsteller
Rolle
Wendell Pierce
Katie Finneran
Juliette Goglia
Eve
Conor Romero
Ian
Jack Gore
Ana Nogueira
Kay

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