
Die erste von zunächst 13 Episoden der neuen Mysteryserie The Messengers ging gestern Abend beim US-Network The CW auf Sendung. Eine frohe TV-Himmelsbotschaft oder Seriendämon, der zurück in die Hölle gehört? Beten wir für das Beste.
Vom Himmel hoch, da komm ich her
The Messengers beginnt mit einer kurzen Szene, in der eine frisch verlobte Krankenhausangestellte aus Houston kaltblütig von einem Mann erschossen wird. Nach diesem düsteren Vorspann geht es schließlich sieben Jahre später weiter, als ein Asteroid Richtung Erde rast und schließlich auf dem Testgebiet der Trinity-Site, wo die erste Atombombe detonierte, einschlägt. Dies verursacht eine Druckwelle, die fünf Menschen eine kurze Nahtoderfahrung beschert, die etwas in ihnen verändert.
Unser wiederauferstandenes Ensemble besteht aus folgenden Personen: SETI-Wissenschaftlerin Vera Buckley (Shantel VanSanten), die mit ihrem Kollegen Alan unweit der Einschlagstelle den Himmel absucht und kürzlich schlechte Nachrichten bezüglich der staatlichen Finanzierung ihres Forschungsprojekts bekommen hat. Als Vera wieder zu sich kommt und sie das Objekt aus dem All näher unter die Lupe nehmen wollen, ist bereits das Militär vor Ort, doch ihr Kollege Alan schafft es, ein Stück des Gesteins zu mopsen. Der mysteriöse Mann (Diogo Morgado), der mit oder im Himmelskörper mit auf die Erde gefeuert wurde, hat den Ort bereits verlassen und sich einen Overall sowie einen fahrbaren Untersatz organisiert.

Für den zweiten im Bunde, Undercover-Agenten Raul Garcia (J.D. Pardo), könnte der Tag auch besser laufen. Er ist während einer Mission aufgeflogen und im Begriff, getötet zu werden, als ihm zwei Kollegen, die allerdings einen zwielichtigen Eindruck machen, zur Rettung eilen. Auch er kippt auf der Stelle um und scheint tot zu sein. Nach seinem plötzlichen Erwachen ist er auf einmal in der Lage, Gedanken zu lesen und kann so einer Exekution durch die anderen Agenten entgehen.
Im denkbar ungünstigsten Moment erreicht die Welle Erin (Sofia Black-D'Elia), die mit ihrer kleinen Tochter im Wagen unterwegs ist. Auch sie kommt nach dem kurzen Tod zu sich und kann nur noch mit ansehen, wie der Krankenwagen ihre schwer verletzte Tochter fortfährt. Ihr Exmann, ein klassisches Serienarschloch mit Militär-Haarschnitt und Aggressionsproblemen, ist ein Cop und droht ihr, den Vorfall auf ihren Alkoholismus zu schieben. Bei ihrer Tochter am Krankenbett kommen ihr schließlich die Tränen, die das Mädchen auf wundersame Weise heilen. Prompt ergreifen sie zusammen die Flucht aus dem Krankenhaus.
Den Fernsehprediger Joshua Silburn Jr. (Jon Fletcher) erwischt es mitten während der Aufnahme seiner Sendung. Als er von den Toten wiederaufersteht, einigen er und sein Vater sich schnell darauf, Zeugen eines Wunders geworden zu sein. Joshua schlägt jedoch einen anderen Weg ein und geht mit einer düsteren Nachricht an die Welt live auf Sendung. Statt der üblichen Botschaft der Hoffnung, predigt er nun vom Chaos der Endzeit. Er und sein Vater zerstreiten sich darüber, doch sein alter Herr lacht als letztes: In einem äußerst Denver-Clan-mäßigen Moment, gesteht seine Frau ihm, dass ihr Kind nicht sein Sohn, sondern vielmehr sein Bruder sein wird.
Schließlich ist da noch der High-School-Schüler Peter Moore (Joel Courtney), der von einem Mitschüler - ebenfalls ein klassischer TV-Bully - gequält wird. Da er bereits einen Suizidversuch hinter sich hat, wird es sehr ernst genommen, als er beim Schwimmen ohnmächtig wird und beinahe ertrinkt. Am selben Abend begegnet er dem Schläger erneut und wird übel zugerichtet, ehe auf einmal übermenschliche Kräfte in ihm wach werden und er seinen Mitschüler im Blutrausch tötet. Nach einem kurzen Abschied von seiner Freundin, begibt auch er sich auf die Flucht.
Vera wird schließlich von dem geheimnisvollen Mann aufgesucht, der auf die Erde fiel, und auf eine Mission geschickt. Als Anreiz liefert der Fremde ihr den Beweis, dass ihr tot geglaubter Sohn noch am Leben ist. Wie auch den anderen Auserwählten, sehen wir die Wiederauferstandene zwischenzeitlich mit Engelsflügeln. Aber versteckt der Fremde womöglich Hufe und einen roten Schwanz unter dem Overall? Am Ende der ersten Episode sind die Charaktere auf dem Weg nach Houston. Erin und ihre genesene Tochter wurden kurzerhand von Raul als Geisel genommen, der sie dorthin verschleppt. Peter versucht sich als Anhalter, und auch Veras Mission wird sie nach Texas führen. Sie soll die vor sieben Jahren angeschossene Frau, die im Houston Memorial Hospital im Koma liegt, töten. Etwas, das Joshua bereits in einer Vision vorhersieht.
Fazit
Die ersten 40 Minuten von The Messengers vollbringen es, einen guten Mystery-Plot mit interessanten (wenn auch teils schablonenartigen) Charakteren in Gang zu bringen. Steht das Ende der Welt tatsächlich bevor? Welche Rolle spielen die fünf Hauptcharaktere dabei? Handelt es sich bei dem Besucher aus dem All tatsächlich um Luzifer, wie wir glauben sollen, oder gehört der diabolisch dreinblickende doch zum Himmels-Chor und die komatöse Dame ist die eigentliche Bedrohung? All dies sind ungeklärte Fragen, die durchaus Lust auf mehr machen.

Der Superkräfte-Aspekt wird bisher weniger ins Zentrum gerückt, wie in der Serie Heroes oder diversen Superheldenserien. Vielmehr erinnert das Ganze an ein weniger actionlastigeres Legion, die „God's Army“-Filme mit Christopher Walken oder auch christliche Endzeitfilme wie die „Omega Code“-, „Left Behind“- und „Apocalypse“-Reihen. Wollen wir hoffen, dass die Lösung der Konflikte am Ende von The Messengers nicht im Gottvertrauen liegt, sondern etwas komplexer und weniger fromm ausfällt.
Der ausstrahlende US-Sender ist The CW. Hier darf natürlich ein durch die Bank attraktiver Cast erwartet werden, und insgesamt hat auch diese Serie einen sehr cleanes Design. Schauspielerisch sticht Jon Fletcher als Fernsehpriester heraus, dessen Transformation vom Verkünder der frohen Botschaft zum düsteren Propheten sehr gelungen ist. Unsicher bin ich mir noch, was Mystery-Man Diogo Morgado angeht, der offensichtlich Spaß in der Rolle hat, aber kurz davor scheint, in schurkisches Gelächter auszubrechen.
Ob die Serie die Spannung halten kann und interessanten Antworten auf die aufgeworfenen Fragen bietet, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Was den Piloten angeht, wurde jedoch schon einiges richtig gemacht. Amen!
Trailer zur 2. Episode von „The Messengers“