The Man Who Fell to Earth 1x01

© zenenfoto aus der Serie The Man Who Fell to Earth (c) Showtime
Das passiert
In der Nähe von Roswell in New Mexiko landet ein Außerirdischer, der auf den Spuren eines vor 40 Jahren auf der Erde gestrandeten Artgenossen wandelt. Sein Ziel ist es, seinen Heimatplaneten vor einer Klimakatastrophe zu bewahren, doch dazu benötigt er die Hilfe der ehemaligen Wissenschaftlerin Justin Falls.
Ein kurzer Rückblick
Es gibt einige Regisseure in der Geschichte des modernen Films, auf die das Attribut „ihrer Zeit voraus“ hundertprozentig zutrifft. Neben dem US-Amerikaner Stanley Kubrick und dem Deutschen Rainer Werner Fassbinder gehört ganz sicher auch der Brite Nicolas Roeg in diesen illustren Kreis genialer Filmschaffender. Nach dem teilweise kontrovers diskutierten Horrorfilm „Don't Look Now“ („Wenn die Gondeln Trauer tragen“) drehte Roeg den ausgefallenen Streifen „The Man Who Fell to Earth“ mit einem seinerzeit bereits von der Drogensucht gezeichneten David Bowie in der Hauptrolle.
Das Werk kritisiert recht unmissverständlich die Konsumsucht der modernen westlichen Welt. Ein Außerirdischer, dessen Planet kurz vor dem Untergang steht, strandet auf der Erde und gründet einen Multikonzern, in dem er einige futuristische Technologien zum Patent anmeldet. Sein Ziel ist klar: Genug Geld verdienen, um ein Raumschiff bauen zu können, das ihn eines Tages wieder nach Hause bringt.
Im Laufe der Jahre verliert sich das androgyn wirkende Alien namens Thomas Jerome Newton aber in einem endlos scheinenden Konsumekzsess aus Fernsehen, Sex und Alkohol. Als er es endlich schafft, sich aus diesem Taumel der Überschwänglichkeit zu befreien und kurz davor ist, das fertiggestellte Raumschiff zu besteigen, wird er von der ihm übel gesonnenen Konkurrenz entführt und jahrelang in einem goldenen Käfig gefangen gehalten.
Der Mann, der vom Himmel fiel im Stream
Schlecht geklaut?

Das Original bleibt vor allem wegen des bemerkenswerten Scores in Erinnerung, der sich irgendwo zwischen Country, Modern Classical und asiatischen Ritualklängen einpendelt. Hinzu kommen eigenwillige Bildkompositionen, ungewöhnliche Kameraeinstellungen und bunt aneinandergereihte Szenenwechsel in teils abgedrehten Kostümen. Der Stil ist so typisch 70er-Jahre, dass er sich eigentlich nicht ohne Weiteres auf die heutigen Sehgewohnheiten übertragen lässt.
Das bedeutet nicht, dass die Idee an sich nicht gut wäre, denn der Film endet offen, so dass eine Fortsetzung durchaus denkbar ist. Allerdings deutet sich schon in der Pilotfolge des Sequels ein immer wieder zutage tretendes Kurtzman-Problem an: Der Produzent, Regisseur und Autor ist eindeutig ein Fan von Klassikern und sprüht nur so vor Ideen. Die meisten davon erscheinen auf den ersten Blick auch genial. Auf den zweiten jedoch offenbart sich, dass diese weder konsequent umgesetzt noch zu Ende gedacht sind. Als Beispiel seien hier „The Mummy“ (2017) „Star Trek: Into Darkness“ oder das heiß diskutierte Star Trek: Discovery genannt.
Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt bisweilen auch Hallo Spaceboy. Die Einführungsszene, in der der Außerirdische Faraday im Designer-Anzug vor ein johlendes Publikum tritt, um seine neueste Innovation vorzustellen, macht neugierig. Ebenfalls ist die sich anschließende Rückblende auf seine Landung auf der Erde und die Metamorphose hin zum Menschen visuell geglückt. Kurtzman übernimmt zudem den aus dem Film bekannten Running Gag, dass der Gestrandete massenhaft Wasser zu sich nimmt, und formt daraus eine komödiantisch toll gespielte Szene.
Hier kannst Du „Der Mann, der vom Himmel fiel“ bei Amazon.de kaufen
Durchwachsen

Was allerdings nicht funktioniert, ist der Versuch, immer wieder den Stil Roegs nachzuahmen. Wenn Kameramann Tom Maddox-Upshaw (Empire) mit wild durcheinandergewürfelten Detail- und Close-up-Profilaufnahmen am Anfang der Episode fast inflationär um sich wirft und die Aufnahmen schnell hintereinandergeschnitten werden, erzeugt dies eine gewisse Pseudointellektualität. Diese steht der oben genannten witzigen Szene konträr gegenüber und konterkariert sie sogar ein Stück weit. Das ist durchaus schade, zumal die Episode ihre Stärken vor allem dann ausspielt, wenn Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor („Doctor Strange“) sein Talent für die Darstellung des Skurrilen offenbart.
Und derlei Situationen gibt es in den ersten 54 Minuten viele. Wenn sich das als Mensch getarnte Wesen zum Beispiel auf der Wache mit der Polizistin K. Faraday (klasse: Martha Plimpton, Emergency Room) auseinandersetzt, ist das nicht nur spaßig anzusehen, sondern schlicht charmant. Auch Naomi Harris als Ex-Wissenschaftlerin Justin Falls (bekannt als Eve Moneypenny aus drei „James Bond“-Filmen) zeigt sich spielfreudig und erlebt mit ihrem neuen Begleiter manche Situation, die sonderbarer kaum sein könnte. Vor allem aber weckt die Figur die Neugier darauf, warum ausgerechnet sie unabdingbar für Faradays Mission ist.
Der Mann, der vom Himmel fiel im Stream
Fazit
The Man Who Fell to Earth hat durchaus Potential. Die Idee ist mutig und ergibt sogar im gewissen Maße auch für Kenner des Films Sinn. Dennoch muss man den Vorgänger nicht zwangsläufig gesehen haben, um mit der Pilotfolge Spaß zu haben. Das ist gut so, denn so erschließt sich die Serie ihr eigenes Publikum. Und das sollte sie auch, weil immer wieder die kaum zu verleugnende Inkonsistenz durchblitzt, mit der Hallo Spaceboy hier und da zu kämpfen hat.
Kurtzman und sein Team müssen sich jedoch entscheiden, ob sie das ursprüngliche Werk von 1976 lediglich als Aufhänger nehmen und sich ansonsten von ihm lösen, oder ihm nacheifern wollen. Zweiteres ist nach Auffassung des Rezensenten zum Scheitern verurteilt, weil das Original einen starken Subtext hat, der in der heutigen Serienlandschaft nur schwer umsetzbar ist. Ein Film wie dieser, mit so deutlichen Arthouse-Anklängen, ist außerdem mehr, als die schlichte Prämisse, die er oberflächlich präsentiert. Wenn sich die Serienmacher über diese Tatsache bewusst sind und dabei bleiben, eine spannende, toll gespielte Serie mit teils schrägem Humor zu erzählen, könnte die erste Staffel sogar zu einem Hit werden.
Update vom 14. Dezember 2022: The Man Who Fell to Earth ist ab sofort via Paramount zu sehen. Dort laufen wöchentlich neue Folgen.
The Man Who Fell to Earth: Serientrailer
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „The Man Who Fell to Earth“:
Hier kannst Du „Der Mann, der vom Himmel fiel“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 14. Dezember 2022The Man Who Fell to Earth 1x01 Trailer
(The Man Who Fell to Earth 1x01)
Schauspieler in der Episode The Man Who Fell to Earth 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?