The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x03

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Das passiert in der Episode „Der Adler und das Zepter“ der Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“
Während sich Elendil (Lloyd Owen) und Königin Regentin Miriel (Cynthia Addai-Robinson) in der Folge Der Adler und das Zepter der Serie The Lord of the Rings: The Rings of Power in Númenor mit dem machtgierigen Pharazôn (Trystan Gravelle) herumschlagen, wird Isildur (Maxim Baldry) im Schwarzen Wald von seinem Pferd Berek vor den Kindern der Riesenspinne Ungoliant gerettet. Auf dem Weg in die altnúmenorische Siedlung Pelargir trifft er auf einige Diener Adars und gerät beinahe in Gefangenschaft.
In der höchsten Not eilt Arondir (Ismael Cruz Cordova) zu Hilfe und rettet ihn und seine Begleiterin Estrid (Nia Towle). In Eregion überreden Celebrimbor (Charles Edwards) und Annatar (Charlie Vickers) derweil Durin IV (Owain Arthur) und seine Gattin Disa (Sophia Nomvete) den Zwergenkönig dazu zu bewegen, Mithril abzubauen, um das Schmieden der sieben Zwergenringe zu ermöglichen. Durin der Ältere (Peter Mullan) gibt in der Hoffnung nach, die Ringe könnten sein Reich Khazad-dûm retten, so dass Annatar und Celebrimbor sich an die Arbeit machen.
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Ein actionreicher Start

Dem üblichen Rückblick folgt in „Der Adler und das Zepter“ eine actionreiche Überraschung. Nachdem Elendil schweren Herzens Isildurs Pferd Berek nach dessen Verschwinden in Staffel eins ziehen lässt, muss sich das Tier zunächst einmal einer Horde Orks erwehren. Fragt man sich im ersten Augenblick noch, was die gut gemachte Szene zu Beginn der Folge genau soll, leiten die Serienmacher in der nächsten Szene geschickt in den Schwarzen Wald über, in dem Isildur als Futter für die Kinder der Riesenspinne Ungoliant dienen soll.
Dank des Auftauchens von Berek kann sich der künftige númenorische König befreien. Der Start ist actionreich, visuell beeindruckend in Szene gesetzt und bringt auf unterhaltsame Weise gleich zwei der stärksten Figuren der Serie zurück. Kurz darauf trifft Isildur nämlich im Wald erst auf die einzige Überlebende einer überfallenen Karawane, und bald darauf auf eine Horde Wilder Menschen.
Kurz bevor die Räuber den Krieger endgültig besiegen, tritt in einer spektakulären und Legolas-würdigen Szene endlich wieder Arondir auf den Plan, den wir in der zweiten Staffel bisher so schmerzlich vermisst haben. Der nun folgende Kampf macht in jeder Einstellung sowohl schauspielerisch als auch kameratechnisch und musikalisch Spaß und versprüht pures Mittelerde-Feeling.
In Pelargir
In der Siedlung Pelagrir, die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, bestattet Arondir seine geliebte Brownwyn und muss den Schmerz ihres Sohnes Theo (Tyroe Muhafidin) ertragen. Warum der Junge erneut in den Fokus rückt, obwohl seine Geschichte in der Debütseason eigentlich auserzählt war, muss sich noch zeigen. Wirklich sinnvoll erscheint seine Rückkehr im Hinblick auf die ohnehin zu große Anzahl an Figuren im Augenblick noch nicht. Doch um sich ein abschließendes Urteil zu erlauben, ist es an dieser Stelle noch zu früh, also heißt es abwarten und Pfeifenkraut rauchen.
Ansonsten verschwendet die Episodenautorin Helen Shang (Hawaii Five-0) keine Zeit und lässt auch Isildur nicht aus den Augen, dessen Begleiterin Estrid sich als abtrünnige Dienerin Adars entpuppt. In einer waghalsigen Aktion kurz vor Ende der Folge bekommt er auch noch sein Pferd zurück, womit das Dreamteam wieder vereint, und für die Figuren ein runder Episodenabschluss geschaffen ist.
Königswahl in Númenor

Der zweite von drei großen Handlungsbögen der Folge befasst sich mit den sympathischen Elendir und der Königin Regentin Miriel, die sich einer Beinahe-Verschwörung seitens des Reichsverwalters Pharazôn ausgesetzt sehen. Zwar lässt das Tempo in den zum Plot gehörigen Szenen leicht nach, bleibt aber aufgrund interessanter Entwicklungen durchweg interessant. Pharazôn ist eine recht komplexe und schwer einzuschätzende Figur.
Einerseits ist er machtgierig und hält sich nach dem Tod des Königs für dessen rechtmäßigen Nachfolger. Andererseits ist er dem Reich treu ergeben und hütet sich, offen zu rebellieren. Dennoch musste der Writers' Room eine Lösung für die Figur finden, zumal Pharazôn sowohl im „Akallabêth“ (zu finden im vorletzten Kapitel des „Silmarillion“) als auch im zweiten Teil von „Nachrichten aus Mittelerde“ als letzter König des Inselreichs genannt wird.
Im Wissen, dass es dem Publikum möglicherweise nicht leichtfallen würde, die herzensgute Miriel ausgebotet zu sehen, ließ man sich hier einen besonderen Twist einfallen, der gleichzeitig titelgebend für die Episode ist. Als Miriel kurz davor ist, sich gegen den Willen von Teilen ihres Volkes als Königin ausrufen zu lassen, fliegt ein Riesenadler herbei uns positioniert sich direkt vor Pharazôn. Da das ein überaus seltenes Ereignis ist, feiert das Volk dies als wohlwollendes Zeichen für den Reichsverwalter und küren ihn zum König.
Die Sequenz entfaltet eine strahlend schöne Poetik und Symbolkraft, die in der modernen Fernsehlandschaft ihres gleichen sucht. Überhaupt darf - und muss man sogar - immer wieder betonen, wie sehr das Autoren-Team darauf bedacht ist, J. R. R. Tolkiens Sprache in die Dialoge einfließen zu lassen und die Ästhetik der sechs Filme (inklusive der „Hobbit“-Trilogie) einzufangen und weiterzudenken.
Dass man sich aus Respekt und im Sinne der Fans audiovisuell an der Hexalogie orientiert, ist jedenfalls eindeutig, obwohl Supervising Art Director Oliver Benson und sein Team durchaus auch ihren eigenen Stil finden. Hervorgehoben werden soll an dieser Stelle auch noch einmal ausdrücklich die epische Musik von Bear McCreary, die sich hinter jener von Howard Shore kaum zu verstecken braucht.
Celebrimbor und Annatar
Den inhaltlich wichtigsten Teil der Episode bleibt indes Celebrimbor und den Zwergen vorbehalten. Annatar beziehungsweise Sauron kommt seinem Ziel, die Ringe der Macht zu schmieden und sich so ganz Mittelerde untertan zu machen, immer näher. Auf Einladung Celebrimbors begeben sich Durin IV und seine Gattin Disa nach Eregion, um dort aus erster Hand von der Erschaffung der drei Elbenringe Nenya (der Ring des Adamant, getragen von Cirdan), Narya (der Ring des Feuers, Galadriel) und Vilya (der Ring der Luft, Gil-Galad) zu erfahren. Da der Baum von Lindon durch sie geheilt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass der geschundene Berg Khazad-dûms durch die Erschaffung von sieben Ringen für die Könige der Zwergenhäuser ebenfalls heilsame Wirkung entfaltet.
Szenen mit beiden Durins sowie Disa zu erleben ist immer eine große Freude, zumal sich alle Figuren herrlich „zwergisch“ anfühlen und so eine ganz besondere Mittelerde-Atmosphäre versprühen. Leider bleibt das Geschehen aufgrund der bekannten Geschichte vorhersehbar, eine Tatsache, die den Spaß an dem ansonsten ansprechenden Handlungsbogen ein wenig ausbremst. Ein unerwarteter Twist könnte hier sicherlich Wunder wirken. D die Autorinnen und Autoren einen solchen in „Der Adler und das Zepter“ aber bereits in Nùmenor eingebaut haben, wäre der Wunsch nach einer weiteren Überraschung vielleicht auch zu viel des Guten gewesen.
Adar und der Troll
Last, but not least gibt es auch in Mordor eine kurze, aber hübsch bedrohlich und interessant inszenierte Sequenz. Adar möchte offenbar trotz seiner Erfolge erneut gegen die Menschen, Zwerge und Elben in den Krieg ziehen, doch seine Gefolgsleute sind mit dem Erreichten zufrieden und fürchten sich vor neuen Auseinandersetzungen. Doch Adar hat in Form eines Treffens mit dem Trollkönig noch ein Ass im Ärmel. Dieser zeigt zwar unverdrossen seinen ganzen Hass auf die Orks, scheint jedoch einem Bündnis mit dem Herrscher Mordors nicht abgeneigt.
Das ist zwar durchaus spannend, dennoch bleibe ich dabei, dass die Loslösung Mordors von Sauron nicht nötig gewesen wäre. Der Untergang Adars ist unausweichlich, wenn der Writers' Room nicht den Kanon völlig ignorieren möchte. Statt eines figürlichen Platzhalters hätte das Produktions-Team auch genauso gut Saurons Macht ausspielen und ihn sich den Elben und den Orks in unterschiedlicher Gestalt präsentieren lassen können. Andererseits ist es natürlich vollkommen richtig, die einzelnen Handlungsstränge auf bestimmte Figuren zu fokussieren, um dem Publikum einen Bezugspunkt zu bieten. Auch hier fällt eine abschließende Beurteilung der Figur schwer.
Fazit

Nach der ersten Staffel hätte ich es fast nicht mehr für möglich gehalten, doch inzwischen gefällt mir The Lord of the Rings: The Rings of Power richtig gut. Die zweite Folge nahm merklich Tempo auf, die dritte widmet sich mit zwei starken Actioneinlagen in petto den beiden bisher vernachlässigten Handlungssträngen. Die knapp 67 Minuten fühlen sich weder zu lang noch zu kurz an und kommen bildgewaltig, unterhaltsam und mit einem tollen Twist versehen daher. Die Hauptfiguren sind sympathisch, Arondir ist und bleibt ein Gewinn für die Serie und die Ausstattung ist über jeden Zweifel erhaben. Theo und Adar könnten sich zwar als Schwachpunkt der Staffel erweisen, doch es lässt sich über beide Figuren noch kein abschließendes Urteil fällen. Was aber schon gesagt werden kann: Ihre Anwesenheit stört nicht und sie tut auch niemandem weh.
Für die insgesamt durchaus starke Gesamtleistung gibt es von uns somit viereinhalb von fünf Ringen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 2. September 2024(The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x03)
Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x03
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