The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x02

The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x02

Die zweite neue Folge der Serie „The Lord of the Rings: The Rings of Power“ namens „Wo die Sterne fremd sind“ präsentiert sich besser durchstrukturiert als das Staffeldebüt und kommt somit straffer daher. Wie positiv sich das auf die einzelnen Handlungsebenen auswirkt, verraten wir Euch in unserem Review.

Szenenfoto aus der Serie „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
Szenenfoto aus der Serie „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
© Amazon Prime Video

Das passiert in der Episode „Wo die Sterne fremd sind“ von „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“

Nachdem sich Durin IV mit seinem Vater überworfen hat, verlieren die Zwerge in der Episode Wo die Sterne fremd sind der Fantasyserie The Lord of the Rings: The Rings of Power den Zugang zum Licht und die Steinsängerinnen können die Felsen nicht mehr hören. Galadriel möchte nach Eregion aufbrechen, um Celebrimbor vor Halbrand zu warnen, der in Wirklichkeit Sauron ist. Dieser kehrt derweil zum Schmiedemeister zurück und gibt sich als Gesandter der Valar namens Annatar, den Herrn der Geschenke aus. Währenddessen reisen der Fremde, Nori und Poppy noch immer durch die Wüste von Rhûn und werden von Reitern verfolgt, die nichts Gutes im Schilde führen...

Gute Nachrichten in Mittelerde

In der zweiten Episode von „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ haben Patrick McKay, John D. Payne und ihr Autorenteam Erbarmen mit dem Publikum und rudern sowohl in Sachen Figurenchaos als auch in der Länge der Folge ein wenig zurück. Präsentierte sich das Staffeldebüt noch viel zu lang und daher oft zu spannungsarm, gelingt das Timing nun besser.

Zwar warten die etwas mehr als 50 Minuten mit gleich vier Handlungsbögen auf, doch sind diese sauber durchstrukturiert und bieten zudem einige spannende Entwicklungen. Im Verbund mit der audiovisuell ansprechenden Poetik, ergibt sich so eine Folge, die die Serie tatsächlich voranbringt.

Khazad-dûm

Die Zwerge in „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
Die Zwerge in „The Lord of the Rings: The Rings of Power“ - © Prime Video

Endlich gibt es auch ein gut gelungenes Wiedersehen mit Durin IV (Orwain Arthur) und Disa (Sophia Nomvete) in Khazad-dûm. Als Mittelerde-Fan und Freund der sechs Peter-Jackson-Filme macht es großen Spaß, endlich mehr über die Zwerge zu erfahren.

Die Idee, Steinsängerinnen einzuführen, und dem Volk damit einen neuen magischen Touch zu verleihen, erweist sich immer mehr als Glücksgriff, zumal die Fähigkeit des Steingesangs dem Autorenteam die Gelegenheit gib, Disa in den Vordergrund zu rücken und als kluge, aber auch warmherzige und vor allem respektierte Beraterin ihres Gatten zu positionieren.

Der hat es in der Zwischenzeit als vom König verstoßener Sohn bei seinen Artgenossen nicht leicht, obwohl die Figur hohe Sympathiewerte aufweist. Sowohl Durin III (Peter Mullan) als auch er selbst sind typisch sture Zwerge, denen die Belange des eigenen Volkes noch mehr am Herzen liegen, als die eigene Familie.

Dennoch prallen hier auf unterhaltsame Weise die Welten der Tradition und jene des Fortschritts aufeinander. Die Szenen in Khazad-dûm sind kinoreif und aufwendig inszeniert und vermitteln dem Publikum ein mitreißendes Gefühl vom Leben unter dem Berg. Die CGI-Matten sind liebevoll designt, die Kostüme rufen Erinnerungen an die Filme wach und in der unterirdischen Stadt treiben sich reichlich Statisten herum.

Besonders im Gedächtnis bleibt die Szene, in der Disa und zwei weitere Steinsängerinnen versuchen, mit einem Gänsehaut erzeugenden Singsang das Licht zurück in die unterirdische Stadt zu bringen. Überhaupt darf man festhalten, dass Komponist Bear McCreary (Outlander, Percy Jackson and the Olympians) auf musikalischer Ebene eine tolle Arbeit abliefert.

Lindon

Ist Galadriel ein Problem?
Ist Galadriel ein Problem? - © Prime Video

Von Khazad-dûm führt uns das Drehbuch nun nach Lindon und zu Galadriel, die nach wie vor der Schwachpunkt der Serie ist. Während Benjamin Walker (Gil-Galad), Robert Aramayo (Elrond) und Charles Edwards (Celebrimbor) eine hervorragende Performance abliefern, wirkt Morfydd Clark als Galadriel unstet, viel zu emotional und manchmal sogar kindisch. Sicherlich, wir erleben hier eine wesentlich jüngere Version der späteren Verteidigerin von Lothórien, doch Aramayo strahlt in seiner Rolle genau die Würde aus, die man vom künftigen Gründer Bruchtals und dem Elben, der die Gemeinschaft des Ringes auf den Weg schicken wird, auch erwartet.

Genau diese Würde fehlt der weiblichen Hauptrolle aber leider. Sie ist keinem noch so gut formulierten Argument zugänglich, ist stolz und hochmütig. Bedenkt man, dass sie zum Zeitpunkt der Handlung von Staffel zwei über 3000 Jahre alt sein muss, passt ihr Verhalten hinten und vorne nicht zur Figur. Die Tatsache hätte man leicht umgehen können, wenn man Galadriel ein klein wenig einsichtiger geschrieben hätte. Stattdessen versucht sie Gil-Galad zu überreden, sie nach Eregion zu entsenden, plant die Reise ohne seine Erlaubnis und bittet Elrond darum, sie zu begleiten.

Seine guten Gründe, ihre Beweggründe und letztlich sogar Loyalität zu hinterfragen, ignoriert sie. Als der Hohekönig ihr schließlich offenbart, dass sie unter Elronds Führung nach Eregion gehen darf, um Saurons Einfluss auf Celebrimbor zu überprüfen, ist sie beleidigt. Nach allem, was im Vorfeld geschehen ist, stellt sich allerdings erneut die Frage, warum. Bisher führten Galadriels Entscheidungen zu nichts Gutem und berechtigen den Verdacht, dass sowohl sie als auch die drei Elbenringe korrumpiert sind.

Erfreulicherweise reden wir hier allerdings nur über einige wenige Szenen. Das Gros des Elbenhandlungsstrangs hinterlässt einen wesentlich differenzierten Eindruck und scheint weniger intensiv auf die epische Quest einer Einzelperson abzuzielen. Gemildert wird Galadriels Part zudem durch die großartige Chemie der Schauspielenden untereinander. Zwischen Walker, Aramayo und Clark sprühen Spannungsfunken, Ben Daniels (Cirdan) fungiert als Ruhepol und Anker und Charles Edwards trägt als Celebrimbor einen beinahe schon naiven Hochmut zur Schau, der uns die Figur nahebringt.

Celebrimbor und Annatar

Damit kommen wir zum dritten großen Handlungsstrang der Episode, der mit einem audiovisuell starken und unterhaltsamen Höhepunkt aufwartet. Nachdem Halbrand/Sauron seine Freiheit von Adar erlangt hat, ist er nach Eregion geritten, um Celebrimbor dazu zu überreden, gemeinsam mit ihm die Ringe der Macht zu schmieden. Der im Staffeldebüt entstandene Eindruck, der Elb hätte Halbrand nicht erkannt, verflüchtigt sich dabei zum Glück.

Im Verlauf der Erzählebene wird klar, warum dieser überhaupt keinen Grund hatte, seine Identität zu verschleiern und dass seine vorgebliche Offenheit sogar Teil eines perfiden Plans ist. Auch die Tatsache, dass Charlie Vickers später als Elb auftritt, erklärt sich schlüssig, denn Sauron gibt sich als Annatar zu erkennen, der als Gesandter der Valar und hochmächtiges Wesen in der Lage ist, Celebrimbors Stolz zu befriedigen.

Genau das geschieht, als Sauron die Netze der Zwietracht aussät und dem Schmied offenbart, wie mächtig die drei Elbenringe sind und dass er nicht auserwählt wurde, einen von ihnen zu tragen... Das passt recht gut zu dem, was aus den offiziellen Werken über Sauron und seine Gestalt als Annatar wissen.

Wüstentheater

Zur selben Zeit irren Nori, die in der letzten Episode hinzugestoßene Poppy (Megan Richards) und der Fremde durch die Einöden Rhûns und werden von geheimnisvollen Reitern verfolgt. Der Look der Verfolger erinnert ein wenig an eine Mischung aus „Conan, der Barbar“ und „Mad Max“ und hätte durchaus etwas stimmiger sein dürfen.

Doch Schwamm drüber. Die weißen Hexen und ihr Meister sorgen für Schauwerte und werfen weiterhin eine Reihe von Fragen auf. Von Vorteil ist dabei, dass über die Ostlinge insgesamt nicht viel bekannt ist und das Autoren-Team somit weitestgehend freie Hand bei ihrer Gestaltung hat. Zutreffend ist auf jeden Fall, dass sie Sauron vergöttern und ihm bedingungslos untertan sind. Dank eines Dialoges zwischen dem Meister und seiner willfährigen Dienerin wird auch endgültig klar, dass der Fremde ein Istar ist, womit sich die Hinweise, dass es sich um Gandalf handelt, verdichten. Das verspricht Spannung für die nächsten Episoden, zumal sich der Fremde immer mehr seiner Macht bewusst wird und diese große Gefahren in sich birgt...

Fazit

„Die Ringe der Macht“
„Die Ringe der Macht“ - © Prime Video

In der insgesamt neunten Episode nimmt The Lord of the Rings: The Rings of Power in erzählerischer Hinsicht endlich Fahrt auf. Der Writers Room bringt Ereignisse schneller auf Punkt, bereitet die Herstellung und damit Konsolidierung von Saurons Macht vor und enthüllt das eine oder andere Geheimnis, ohne zu viel zu verraten.

Allerdings besteht weiterhin das Problem, dass sich viel zu viele Figuren in Mittelerde herumtreiben, die von den Serienmachern zumindest zeitweise in den Fokus gerückt wurden oder werden, ohne dass es eine Garantie für ihre adäquate Behandlung innerhalb des Narrativs gäbe. Bricht man die Erzählung auf den Kern herunter, hätte das bislang Gesehene gut und gerne in die Hälfte der Episoden gepasst. Es bleibt daher zu hoffen, dass die dem Wunsch auf fünf Staffeln geschuldete Überdehnung der Serie nun allmählich ein Ende findet und man sich auf das Wesentliche konzentriert. Die zweite Folge der zweiten Staffel ist diesbezüglich jedenfalls ein guter Anfang.

Wir verteilen daher in diesem Fall vier von fünf Ringen.

Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 29. August 2024
Episode
Staffel 2, Episode 2
(The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Wo die Sterne fremd sind
Titel der Episode im Original
Where the Stars are Strange
Länge der Episode im Original
1 Stunde 3 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 29. August 2024 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 29. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 29. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 29. August 2024

Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x02

Darsteller
Rolle
Charlie Vickers
Morfydd Clark
Charles Edwards
Owain Arthur
Daniel Weyman
Markella Kavenagh
Megan Richards
Ismael Cruz Cordova
Lloyd Owen
Sam Hazeldine
Benjamin Walker
Trystan Gravelle
Ema Horvath

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