The Longest Night: Review zu Folge 1 der Netflix-Serie Die längste Nacht

The Longest Night: Review zu Folge 1 der Netflix-Serie Die längste Nacht

Am Weihnachtsabend wird ein gesuchter Serienkiller gefasst und übergangsweise in eine psychiatrische Strafanstalt gebracht. Dort marschiert kurz darauf eine schwerbewaffnete Söldnertruppe auf und will den Gefangenen freipressen.

Szenenfoto aus der Serie The Longest Night aka Die längste Nacht (c) Netflix
Szenenfoto aus der Serie The Longest Night aka Die längste Nacht (c) Netflix
© zenenfoto aus der Serie The Longest Night aka Die längste Nacht (c) Netflix

Am Heiligabend wird der gesuchte Serienmörder Simon Lago, genannt der Kaiman (Luis Callejo, „Out in the Open“), verhaftet: Er ist bekannt dafür, seine in Plastikfolie gehüllten Opfer teilweise noch bei lebendigem Leib in Sammelgruben begraben zu haben. Lagos Verhaftung ruft eine Gruppe von Leuten auf den Plan, deren Verbindung zu ihm zunächst unklar bleibt: Unter anderem suizidiert sich ein augenscheinlicher Mitwisser nach Erhalt der Nachricht mit seinem Auto. Lago soll über Nacht in der forensischen Strafanstalt Monte Baruca untergebracht werden. Hierfür wird deren Direktor Hugo Roca (Alberto Ammann, Narcos) aus seinem Weihnachtsurlaub geholt und erscheint unvorsichtigerweise dort mit seinen beiden jüngeren Kindern zum Sonderdienst, nachdem seine Teenie-Tochter Laura (Maria Caballero, „Amar“) empört davongelaufen ist.

Nur kurze Zeit darauf umstellt eine bis an die Zähne bewaffnete Söldnertruppe die psychiatrische Haftanstalt und kappt alle dortigen Verbindungsmöglichkeiten zur Außenwelt, anschließend verlangt sie die Herausgabe Lagos. Vorher erhält Roca jedoch noch ein Video von seiner Tochter, die als weiteres Druckmittel für die Freilassung des Serienmörders entführt wurde. Trotz dieser Umstände weigert sich Roca, den Killer freizulassen. Die Söldner reagieren mit einer grausamen Demonstration ihrer Absichten, in dem sie vor Rocas Augen eine Reihe von Insassen erschießen.

Spannendes aus Spanien

Allerspätestens seit dem Erfolg der Serie Haus des Geldes, aber auch nicht ganz so bekannter Beispiele wie Feria (beides, so wie The Longest Night, ebenfalls bei Netflix zu sehen) hat sich Spanien einen überaus soliden Ruf als Herkunftsland erstklassiger Spannungs-Streaming-Serien geschaffen. „Die längste Nacht“ ist ein weiterer Schritt in die Richtung, dies beizubehalten. Die erste Folge braucht nur wenige Minuten Laufzeit, um den geneigten Zuschauer in ihren Bann zu bringen, wozu neben der von Anfang an beklemmenden Atmosphäre auch ein weiteres Mal hervorragende Schauspieler allen voran Luis Callejo als irrer, gleichzeitig jedoch aber auch ähnlich kultiviert wie der berühmte Hannibal Lecter daherkommender Simon Lago oder Alberto Ammann als aufrechter Direktor Roca beitragen.

Von weihnachtlicher Behaglichkeit ist jedenfalls wenig bis gar nichts zu spüren, was nicht allein mit dem alles andere als entsprechend zeitgemäßen Veröffentlichungstermin zusammenhängt: Schon in den ersten Minuten präsentiert sich „Die längste Nacht“ überaus düster. Ein weiterer ausgesprochener Spannungsträger sind die zumindest im Pilotfilm noch nicht ersichtlichen Verknüpfungen zwischen dem Serienmörder Lago und dem beziehungsweise den Auftraggebern der Söldnertruppe und den Entführern von Rocas Tochter: So kann der Zuschauer durchaus den Eindruck gewinnen, dass es gleich mehrere Parteien auf den Kaiman, wie der Killer genannt wird, abgesehen haben.

Natürlich werden die genauen Beweg- und Hintergründe in den restlichen fünf Folgen der insgesamt sechsteiligen Serie noch genauer behandelt, doch in der Pilotfolge bleibt es erst einmal spannend, was das angeht, und im Vordergrund der Handlung stehen die Reaktionen des Gefängnispersonals und der Insassen auf die bedrohliche Situation in der Serie, die übrigens in einem Echtzeit-Szenario wie der berühmte Vorgänger 24 aufgebaut ist, was für weitere Spannungsmomente sorgen dürfte. Ansonsten fühlen sich einige Filmfans sicherlich an John Carpenters Klassiker „Assault: Anschlag bei Nacht“ von 1976 erinnert, dem die Serie stilistisch huldigt, ohne ihn jedoch wirklich offen nachzuahmen.

Aus renommierter Hand

Zumindest für Freunde von Film- und Serienunterhaltung aus dem Herkunftsland von The Longest Night (der Originaltitel lautet übrigens „La Noche Mas Larga“) sind die Macher keine Unbekannten: Während die Drehbücher vom in früheren Jahren auch als Schauspieler in US-Produktionen bekannten Victor Sierra „Girlfight: Auf eigene Faust“ sowie seinem Kollegen Xose Morais stammen, übernahmen der unter anderem durch die HBO-Historienserie „Patria“ bekannte Oscar Pedraza sowie Lluis Quilez, welcher 2014 durch den Horrorthriller „Out of the Dark“ Berühmtheit bei Genre-Fans erlangte, die Regie bei der für Netflix Espana hergestellten Produktion. Zwar mag das Ganze nicht voll und ganz Hollywood-Standard erreichen, doch zeigt sich durchaus der Aufwand moderner europäischer Produktionen, die gerade im Streaming-Bereich immer mehr aufkommen.

Interessante Nebengeschichten

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Netflix - © Netflix

Neben der übergeordneten Haupthandlung, um die sich in „Die längste Nacht“ alles dreht, gibt es gleich mehrere interessante B-Plots, die sich allesamt um die Insassen und das Wachpersonal von Monte Baruca drehen: Die Geschichte einer labilen Insassin, der offener Vollzug in Aussicht gestellt wurde, die sich jedoch in eine gefährliche Abhängigkeit begeben hat sowie eines Wärters, der mit großer Brutalität gegen die Insassen vorgeht, dürften sicherlich im weiteren Serienverlauf noch in der einen und anderen Weise thematisiert werden, während die Situation in Monte Baruca zu eskalieren droht.

Fazit: Neuer Stoff für Thriller-Fans

Freunde des Genres dürften sich mit Sicherheit sehr gut unterhalten von „Die längste Nacht“ fühlen, und was den Handlungsaufbau angeht, bietet sich die Serie geradezu für ein Binge-Event mit allen sechs Folgen direkt nacheinander an: Vielleicht in einer einzigen langen Nacht? Vier von fünf Spannungspunkte!

The Longest Night: Deutscher Trailer zu Die längste Nacht

Hier abschließend der Trailer zur Serie „Die längste Nacht“:

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