The Last Ship 3x01

© zenenfoto aus der âThe Last Shipâ-Episode âThe Scott Effectâ / (c) TNT
Neue PrÀmisse und Altlasten
An sich hĂ€tte das zweite Staffelfinale einen recht runden Abschluss zur Serie liefern können. Die meisten Probleme wurden gelöst, das Heilmittel kann verteilt und die Nation(en) wieder aufgebaut werden. Nach A More Perfect Union mit seinen Happy Endings blieben nicht mehr viele Fragen offen. Wie also in der dritten Staffel weitermachen? Zeigen, wie der Wiederaufbau gestaltet wird oder wie PrĂ€sident Michener (Mark Moses) eine neue Regierung auf die Beine stellt? Klingt nicht gerade nach dem, was man von der Serie erwarten wĂŒrde.
Da war es schon ein guter Schachzug, den dritten Staffelauftakt eine groĂe Zeitspanne spĂ€ter einsetzen zu lassen. Der Wiederaufbau ist bereits in vollem Gange, es gibt eine neue Regierung und in den ersten Minuten hĂ€lt Michener eine Ansprache an die Nation, die neben dem ĂŒblichen Pathos uns Zuschauern erklĂ€rt, wie die Lage jetzt aussieht.
Ein wichtiges Detail nennt er dabei auch. Dr. Rachel Scott (Rhona Mitra) ist tot. Womit dieser Cliffhanger eine schon fast unwĂŒrdige Auflösung erhĂ€lt. Immerhin war sie eine der Hauptfiguren und hĂ€tte als solche einen wĂŒrdigeren Abschied verdient als ihr Portrait auf Rabattmarken. Aber nicht nur Michener stellt Rachels Tod als feste Tatsache dar. Auch fĂŒr Tom Chandler (Eric Dane), dessen Meinungsverschiedenheiten mit Rachel stets etwas Pepp in die Serie brachten, und den Rest der Protagonisten ist Dr. Scott tot. Zweifel bestehen also kaum daran, dass Rhona Mitra sich nicht mehr blicken lassen wird.
Dennoch stellt sich die Frage, ob Rachels Tod nicht vielleicht doch bloĂ ein scheinbarer ist. DafĂŒr sprĂ€che beispielsweise, dass sie - wie Tom ĂŒbrigens auch erwĂ€hnt - deutlich machte, dass das Virus nicht mutieren könne (warum auch immer). Jetzt wird uns aber nach dem Vorspann gezeigt, wie das Heilmittel versagt. Also doch eine Mutation? Oder hat da jemand Hand angelegt? Und wie will man diese neue Bedrohung ohne Wissenschaftlerin bekĂ€mpfen? Dr. Scott mag zwar nicht die einzige sein, die hier helfen könnte, aber es bleibt das GefĂŒhl zurĂŒck, dass wir vielleicht doch etwas mehr als Rabattmarken von ihr zu sehen bekommen. Was meint ihr?
Die neue PrĂ€misse liegt nach dem Auftakt sowie dem neuen Vorspann jedenfalls auf der Hand. Es gilt, das Versagen des Heilmittels zu untersuchen und im Zuge dessen auch den chinesischen PrĂ€sidenten Peng Wu (Fernando Chien) unter die Lupe zu nehmen. Denn wĂ€hrend in den Staaten nun alles verhĂ€ltnismĂ€Ăig gut lĂ€uft, lĂ€sst sich natĂŒrlich nicht ignorieren, wenn auf der anderen Seite der Welt die Pandemie von vorne losgeht.
USS Nathan James
An Bord unseres âletzten Schiffesâ hat sich einiges verĂ€ndert. Mike Slattery (Adam Baldwin) ist jetzt der KapitĂ€n und es gibt auch neue Gesichter unter der Crew zu verbuchen. Die Mission, die die USS Nathan James hat, ist die Verteilung des Heilmittels. In diesem Fall in Vietnam und eingangs wird auch noch darauf hingewiesen, dass auf See nicht nur Fischer aktiv sind, sondern auch Piraten ihr Unwesen treiben. Womit diverse Seegefechte mit Sicherheit nicht ausbleiben werden.
Slattery und der Rest der Crew scheinen jedenfalls recht entspannt zu sein. Der Auftrag ist schlieĂlich simpel und von einer groĂen Bedrohung fehlt (noch) jede Spur. Da folgt man auch gerne der Einladung zu einer Feier, auch wenn die nicht gerade so ausfĂ€llt, wie Slattery sich das vorgestellt hĂ€tte. Ziemlich amĂŒsant, wie er stĂ€ndig auf die Uhr schaut und am liebsten sofort abhauen möchte, wĂ€hrend die Crewmitglieder und auch die vietnamesischen Berater ihren SpaĂ haben.
FĂŒr Danny Green (Travis Van Winkle) gibt es zudem noch die Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen mit seiner Familie, bevor das Chaos losbricht und der Nachtclub unter Beschuss genommen wird. Es sind wirklich die letzten zehn Minuten der Episode, die hier punkten können. Vorbei ist das gemĂŒtliche Dasein. Ab jetzt wird wieder scharf geschossen und abgesehen von Green und Carlton Burk (Jocko Sims) gibt es einige Geiselnahmen und Verluste zu verbuchen.
WĂ€hrenddessen sieht sich Cameron Burk (LaMonica Garrett) der Herausforderung gegenĂŒber, die Nathan James unter seinem Kommando zu haben und nicht so recht zu wissen, wie er mit der Lage umgehen soll. FĂŒr uns als Zuschauer ist jedenfalls klar, dass sich da einige chinesische Fischerboote verdĂ€chtig verhalten haben und in der Sache involviert sind. Womit sich gleich ein deutliches Bild von Peng ergibt, den man sogleich als Verantwortlichen heranziehen könnte.
Anmerkung des Rezensenten
An dieser Stelle möchte ich nur kurz darauf hinweisen, dass ich nachvollziehen kann, weshalb TNT den Staffelauftakt verschoben hat. Die Szenen in dem vietnamesischen Nachtclub wollte ich nach den Nachrichten ĂŒber die jĂŒngsten Ereignisse in Orlando auch nicht sehen wollen. Fiktive Serie hin oder her, lag dieser Teil des Serienplots doch sehr dicht an einer realen Geschichte, die sich nur als widerlich und unmenschlich bezeichnen lĂ€sst. Mir ist dabei bewusst, dass es sich bei The Last Ship ânurâ um eine Serie handelt und dieser Plot schon lange vor besagten Ereignissen geschrieben wurde und wie gesagt ein fiktiver Teil einer fiktiven Serie ist. Dennoch dreht sich mir der Magen um, wenn ich diese Szenen sehe und die HintergrĂŒnde von Orlando dabei vor Augen habe. Dabei spielt es auch keine Rolle, welche Motive der AttentĂ€ter hatte und ob die sich mit den SerienattentĂ€tern ĂŒberschneiden (was sie nicht tun). Es ist schlicht eine Frage der SensibilitĂ€t, ob man eine derartige Folge ausstrahlt, nachdem ein so schreckliches Ereignis geschehen ist - oder eben nicht.
Mission to China
Die Haupthandlung des Staffelauftakts betrifft den ehemaligen KapitĂ€n der USS Nathan James, Tom Chandler, der sich jetzt Chief of Naval Operations nennen darf - aber auf eigenen Wunsch noch immer Captain ist. Mit Valerie (Tania Raymonde) im GepĂ€ck macht er sich auf GeheiĂ von Michener auf, um Peng einen Besuch abzustatten und in Erfahrung zu bringen, was fĂŒr ein Spiel dieser spielt - denn die Heilmittelverteilung lĂ€uft eher schlecht als recht (was den titelgebenden âScott Effectâ zur Folge hat).
Tom verhĂ€lt sich dabei nicht gerade sehr diplomatisch (âI'm a military man - I don't implyâ), dafĂŒr aber sehr deutlich. Dem Zuschauer wird sogleich vermittelt, dass Peng zum neuen Bösewicht aufgebaut wird. Irgendwie passend, wenn man bedenkt, dass in den ersten beiden Staffeln die Russen als Bösewichte herhalten mussten. Jetzt sind eben die Chinesen beziehungsweise deren PrĂ€sident der Buhmann. Ob in Staffel vier dann wohl endlich wieder die Deutschen dran sind?
Ironie mal beiseite gelegt ist schon irgendwie klar, dass es jetzt ein neues Problem braucht. Aber hĂ€tte oder wĂŒrde es nicht auch reichen, wenn das Heilmittel schlicht versagt? Anscheinend nicht, denn ohne bestimmte Feindbilder kommt man nicht aus. Dabei wĂ€re es doch ohne weiteres möglich gewesen, Peng als sehr bemĂŒht um die Verbreitung des Heilmittels darzustellen und ihn mit Chandler am gleichen Strang ziehen zu lassen - irgendwelche Untergrundorganisationen wie beispielsweise die Immunen aus der letzten Staffel hĂ€tten als Gegner auch funktioniert. Aber naja, immerhin werden uns die Vietnamesen als ein Party-freudiges Volk vorgestellt. Und wer weiĂ, vielleicht entpuppt sich Peng ja doch noch als ein Guter, aber das wĂ€re eine echte Ăberraschung nach diesem Auftakt und vor allem, nachdem er Tom gegenĂŒber direkt die Vietnamesen anschwĂ€rzt.
AuffĂ€llig in diesem Handlungsstrang ist natĂŒrlich Toms alte Flamme Sasha Cooper (Bridget Regan), die als Ăbersetzerin fungiert. Da fliegen beim Wiedersehen der beiden schon ein paar spĂŒrbare Funken, womit Sasha sicher noch eine gröĂere Rolle in dieser Staffel spielen wird. Den Anfang dafĂŒr hat sie schon gemacht, denn Tom nimmt gegen Ende nicht den Flieger nach Hause, sondern will sich nach Vietnam durchschlagen, um die vermissten Crew-Mitglieder der Nathan James aufzuspĂŒren. Sasha wird ihm dabei helfen und vielleicht auch mitkommen. Abwarten.
Weitere Funken fliegen beim Aufeinandertreffen von Valerie mit Wolf Taylor (Bren Foster). Allerdings scheint sich hier nicht mehr viel anzubahnen, nachdem das Flugzeug, in dem Valerie saĂ, in den letzten Szenen in Flammen aufging und uns einen Cliffhanger beschert. Sehr schade, denn Valerie war schon in den letzten Episoden der zweiten Staffel eine gute Bereicherung und es sah ganz danach aus, als wenn sie in die Schuhe von Rachel schlĂŒpfen könnte - als Ersatz der Doktorin durch eine Hackerin. Andeutungen gab es jedenfalls genug - angefangen von den Videosignalen, die sich nicht ĂŒbertragen lassen bis hin zum Schluss als sie die Piloten auffordert, umzudrehen. Ob sie tatsĂ€chlich tot ist, wird sich natĂŒrlich erst in der nĂ€chsten Folge zeigen. Aber es ist nur schwer vorstellbar, dass sie - wie auch immer - ĂŒberlebt hat.
Fazit:

Solider Auftakt, der es lange Zeit sehr ruhig angehen lĂ€sst und erst in den letzten zehn Minuten an Tempo und Action gewinnt. An Pathos und âtypischen Feindbildernâ hat die Serie nichts verloren, aber was Anderes lieĂ sich auch nicht erwarten. Gespannt sein darf man hingegen auf den weiteren Verlauf, denn die Ereignisse in Asien sind alles andere als uninteressant. AuĂerdem gab es wieder einen Cliffhanger und dann ist da noch die Sache mit dem entfĂŒhrten Teil der Crew. Mal schauen, was die weiteren Folgen da bieten können.
Der Serientrailer zur Episode Shanzhai der Serie The Last Ship (3x03):
Verfasser: Christian SchÀfer am Montag, 20. Juni 2016The Last Ship 3x01 Trailer
(The Last Ship 3x01)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 3x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?