The Last Ship 1x10

The Last Ship 1x10

In Zeiten, da beinahe jeder Kabelsender seine eigene Qualitätsserie vorzuweisen hat, bildet die TNT-Actionserie The Last Ship eine echte Anomalie. Machart und Plot erinnern an Kriegsfilme aus den 80er Jahren. Trotzdem kann man damit viel Spaß haben.

Das Team der U.S.S. Nathan James geht an Land. / (c) TNT
Das Team der U.S.S. Nathan James geht an Land. / (c) TNT

Müssen die Bösewichte denn immer eine Hintergrundgeschichte bekommen? Müssen die Helden immer facettenreich ausformuliert sein? Müssen die Erzählstränge immer komplex, die optische Umsetzung immer anspruchsvoll, das Sounddesign immer düster-dramatisch sein? Eine Begleiterscheinung dieser sogenannten „goldenen Ära des Fernsehens“ ist es jedenfalls, dass selbst Produktionen, die nicht viel mehr sein wollen als kurzweilige Unterhaltung, trotzdem an ihren anspruchsvollen Konkurrenten von HBO und Co gemessen werden (wessen ich mich im Übrigen auch schuldig bekenne).

It's been a battle

Das soll jetzt nicht heißen, dass es nicht trotzdem noch viel mehr schlechtes Fernsehen gibt als gutes. Umso überraschter war ich, als ich mich selbst dabei erwischte, wie ich auf einer langen Zugfahrt eine Folge nach der anderen von The Last Ship konsumierte. Wenn es diese Zugfahrt nie gegeben und ich zu dem Zeitpunkt keine Lust auf etwas weniger Anspruchsvolles gehabt hätte - vielleicht hätte ich die Serie niemals gesehen. Es gibt keinen Onlinebuzz, kaum eine amerikanische Seite berichtet darüber. Nur die Quoten stimmen, weshalb TNT die Serie kürzlich verlängert hat „61233“.

The Last Ship hat sich in der Sommerseason mit durchschnittlich 7,2 Millionen Zuschauern zur erfolgreichsten neuen Serie unter den Kabelsendern gemausert. Vielleicht ist es also wirklich die Sehnsucht des Zuschauers nach etwas Einfacherem, etwas weniger Komplexem. Aber warum funktionieren all die anderen einfachen Serien dann nicht so gut wie diese? Der Grund ist simpel: The Last Ship versucht sich nicht als etwas zu verkaufen, das es nicht ist. Hier gibt es amerikanische Helden und russische Bösewichte, das Ganze passiert vor dem Hintergrund einer weltweiten Virenpandemie, das Schicksal der gesamten Erdbevölkerung liegt in den Händen einer kleinen Schiffscrew - viel besser noch: eines Kapitäns und einer Wissenschaftlerin.

Hier trifft eine einfache Prämisse auf eine wenig ambitionierte technische Umsetzung und durchschnittliche schauspielerische Leistungen. Das Drehbuch ist manchmal okay, manchmal bodenlos schlecht, ab und zu gibt es kleine Highlights. Die Charaktere teilen die Welt in Gut und Böse ein, sprechen einfache Sätze, haben klare Vorstellungen, sind charmant und witzig (die Guten) oder hinterhältig und böse (die Schlechten). In jeder einzelnen Episode werden sie vor eine neue Herausforderung gestellt - die sie am Ende der Episode mehr oder weniger kreativ gelöst haben. Nur das Serienfinale No Place Like Home hat einen offenen Ausgang und funktioniert äußerst gut als Ausgangspunkt für die zweite Staffel.

Well, if they're having a party, then let's party

Nachdem es der Wissenschaftlerin Rachel Scott (Rhona Mitra) gelungen ist, ein Heilmittel gegen den tödlichen Virus zu finden, nimmt die U.S.S. Nathan James unter der Führung von Kapitän Tom Chandler (Eric Dane) Heimatkurs auf. Unsere Helden haben sämtliche Gefahren überstanden, haben den Russen erfolgreich die Stirn geboten, haben entflohene Terroristen in Guantanamo erledigt und haben einen wild gewordenen warlord im mittelamerikanischen Urwald eliminiert. Nun sollen ihre Landsleute in Amerika von ihren Forschungserfolgen profitieren - aber in der Heimat warten nur weitere Gefahren auf sie.

Vor der Ankunft im Hafen von Baltimore gelingt es ihnen, Funkkontakt zur einzigen Überlebenden der alten Regierungsstrukturen herzustellen. Amy Granderson entwickelt sich im Laufe der Episode jedoch von einer Verbündeten zu der größten Widersacherin, die die Mannschaft jemals hatte. Alfre Woodard gibt der Figur die nötige Gravitas und Unterkühltheit, was sie weniger schablonenhaft erscheinen lässt als den russischen Kommandeur Ruskov (Ravil Isyanov). Ihr Plan ist es, das Gegenmittel nur für die klügsten Köpfe unter den Überlebenden einzusetzen, um so eine vermeintlich stärkere Gesellschaft aufzubauen.

Der zweite Teil ihres Plans ist ungleich hanebüchener: All die Schwachen und weniger Nützlichen werden von ihren Handlangern (die in ihren langen schwarzen Lederkitteln durchaus an SS-Schergen erinnern) umgebracht und zur Energiegewinnung verbrannt. So sehr sich die Autoren über den Verlauf der Staffel mit abstrusen Wendungen zurückgehalten haben - hier haben sie es eindeutig übertrieben. Die Geschichte wäre auch ohne den organisierten Massenmord dramatisch genug gewesen.

Ein schöner Twist ist hingegen die Wandlung des Rebellenführers Thorwaldt (Titus Welliver). Er wird von Granderson als machthungriger warlord und perfektes Feindbild hingestellt, entpuppt sich aber als Kämpfer für das Gute, für all die schwachen Ausgemusterten, die in Grandersons Plan nur als Energiespender eingeplant sind. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Autoren besinnen und in der zweiten Staffel weniger Betonung auf diesen horrenden Genozid legen - oder Tom Chandler zumindest schnell und effizient damit aufräumen lassen.

Nathan James, where are you?

Wenngleich ich nicht weiß, wie viel Einfluss Michael Bay als Executive Producer auf die Ausgestaltung der Serie hatte (es kann gut sein, dass er mit dem täglichen Produktionsprozess kaum etwas zu tun hatte), merkt man der Serie doch an, aus welchem Hause sie stammt. Die dahinterstehende Aussage ist eigentlich nichts weiter als ein gigantisches „Fuck yeah, America!“ Die porträtierten Handlungsstränge (vor allem die Auseinandersetzungen mit den Russen und den Terroristen) bleiben dann aber doch so harmlos, dass man sich das mittlerweile reflexhafte Pathos-bashing sparen kann.

Die musikalische Untermalung hätte sicher etwas weniger pompös ausfallen dürfen - ansonsten gibt es immer mal wieder kleine (okay: minimale) Anspielungen auf die Ambivalenz der Charaktere. Die Episodengeschichten sind spannend aufgebaut, die Actionszenen routiniert inszeniert und die Figurenkonstellationen bisweilen amüsant, manchmal sogar interessant. The Last Ship ist nicht innovativ, es erzählt keine verschachtelte Geschichte und porträtiert keine komplexen Figuren. Die Serie verzichtet gerne darauf - nicht, weil sie es nicht kann, sondern weil sie diesen Anspruch nicht hat. Sie will unterhalten. Und das gelingt ihr.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 25. August 2014

The Last Ship 1x10 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 10
(The Last Ship 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Festland in Sicht
Titel der Episode im Original
No Place Like Home
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. August 2014 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. September 2014
Autoren
Hank Steinberg, Steven Kane, William Brinkley
Regisseur
Brad Turner

Schauspieler in der Episode The Last Ship 1x10

Darsteller
Rolle
Adam Baldwin
Charles Parnell
Travis Van Winkle
Christina Elmore
Kevin Michael Martin

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