The Last of Us 1x05

© zenenfoto aus der Episode Endure and Survive von The Last of Us (1x05) (c) HBO
Aus dem unfreiwilligen Stop in Kansas City machen die Kreativen hinter The Last of Us eine Art Zweiteiler. In Endure and Survive gehen wir deswegen ein wenig in medias res und sehen diesmal einige Ereignisse ausführlicher und aus einer neuen Perspektive. Wir haben schon einiges von Henry (Lamar Johnson) gehört, der vor allem Kathleen (Melanie Lynskey) ein Dorn im Auge ist, denn er hat ihren Bruder Michael ausgeliefert, der der Anführer der Rebellen war und ist nun die meistgesuchte Person in Kansas City.
Anmerkung der Redaktion: Wegen des Super Bowls 2023 wurde diese Episode von HBO und Sky vorgezogen. Entsprechend gibt es auch unsere Kritik und den Podcast etwas früher als sonst.
Fuck you FEDRA!

Die Episode startet also mit dem Überwurf von FEDRA durch den Widerstand, der aber natürlich auch einige Sünden auf dem Kerbholz hat, die in 20 Jahren FEDRA-Regime eben so anfallen können... In der Videospiel-Vorlage hieß diese Gruppe Hunters und blieb relativ farblos, das ändern Mazin, Druckmann und Co für die TV-Adaption.
Kathleen hat einige Informanten versammelt, von denen sie Details zu Henry erwartet. Denn sie weiß, dass sie wie die Stasi ihre Nachbarn verraten, wenn sie dafür entlohnt werden. Erst, als sie Drohungen ausspricht, reagiert einer und verrät alles, was er über Henry weiß. Kathleen spricht von Prozessen, die sie alle verlieren würden, wobei wenig später herauskommt, dass sie das nicht ernst meint und Militärmann Perry (Jeffrey Pierce, die Stimme von Tommy in den Games) alle erschießen und die Leichen verbrennen soll. Kathleen macht also wortwörtlich keine Gefangenen. Obwohl Perry es wagt zu widersprechen, macht Kathleen klar, dass das Finden von Henry höchste Priorität hat.
Henry und Sam

Wie man kurz am Ende der vierten Episode sehen konnte, sind Henry und sein Bruder Sam (Keivonn Woodard) diejenigen, die Joel (Pedro Pascal) und Ellie (Bella Ramsey) im Schlaf überrascht haben. Nun sehen wir zunächst ihre Seite der Vorkommnisse. Dazu gehört eine Zusammenarbeit mit dem Doktor, den Kathleen in Folge vier tötet (und der sie einst zur Welt brachte). Er versorgt die Brüder mit Vorräten, so gut er eben kann. Doch diese reichen jedoch nur elf Tage, wie Henry kalkuliert. Man möchte alte Wohnungen nutzen, um sich zu verstecken und zur Not auf die Tunnel der Stadt ausweichen. Zunächst muss man jedoch, so lange es geht, abwarten und einen unaufmerksamen Moment nutzen, um sich raus aus der Stadt zu schleichen.
Als die Vorräte langsam schwinden und Sams Hunger größer wird, lenkt der große Bruder seinen gehörlosen Bro mit Malstiften ab, mit denen er nicht nur Papier, sondern auch das ganze Versteck dekorieren darf. Man wartet auf ein Lebenszeichen des Doktors, muss aber irgendwann einsehen, dass er wohl von Kathleen erwischt wurde. Also gilt es, sich selbst um mehr Essen zu kümmern.
Als kleiner Trost für den Verlust, der Sam ziemlich mitnimmt, malt Henry Sam eine Superheldenaugenbinde ins Gesicht und zeigt ihm sein Werk im Spiegel des Taschenmessers. Danach wollen sie los und werden zufällig Zeuge vom Schusswechsel zwischen Joel und Kathleens Leuten, die sie dann in einen Hinterhalt locken, wobei bekanntlich auch Brian umkommt, was Joel nach Henry zu „Kansas Citys Second Most Wanted“ macht. Die ersten 15 Minuten mit dem Perspektivwechsel haben mich tatsächlich nicht ganz abgeholt, aber als die beiden dann auf Ellie und Joel treffen, nimmt die Folge an Fahrt auf...
Partnerschaft geht durch den Magen?
Nach einem ungeschickten Kennenlernen mit gezogenen Waffen schließen die vier Überlebenden einen Pakt, was wegen Joels „asshole voice“, wie Ellie sie nennt, fast scheitert. Man teilt das wenige Essen, was man durch Bill übrighat und schließt einen Friedenspakt. Joel will es dabei bewenden lassen, aber Henry hat eine Idee, wie man die Stadt verlassen könnte. Das Stichwort lautet: Tunnel.
Gemeint sind nicht U-Bahnen, sondern Versorgungstunnel, die existieren. Seit zehn Tagen ist FEDRA ausgeschaltet, nachdem die Regierung 20 Jahre lang eine Schreckensherrschaft voller Gewalt und Unterdrückung hatte. Für Joel ist Henry als sogenannter „collaborator“ fast noch schlimmer, denn er arbeitet nicht mit „rats“. Doch was bleibt ihnen übrig als Zusammenarbeit?
Während die beiden Anführer also diskutieren, spielen und lachen die Kinder miteinander. Gerade das Lachen von Sam ist etwas, was Henry offenbar schon lange nicht mehr gehört hat, was ein durchaus positiver Nebenaspekt des Team-ups ist...
Henry erzählt, dass FEDRA alle Infizierten in den Untergrund getrieben hätte, natürlich kann das aber auch eine Propaganda-Behauptung gewesen sein. Doch man weiß, ehe man selbst nachschaut, wohl nie sicher, was wirklich stimmt. Henry selbst glaubt, dass es dort inzwischen leer ist, weil er so etwas vor drei Jahren aufgeschnappt hatte. Daher will er es riskieren.
Tunnelaction und Kinderzimmer
Man traut sich also hinab und wir haben kurz so etwas wie „Alien“- oder „Dead Space“-Vibes, doch schon bald sieht man, dass einige Gänge im Tunnel ähnlich bemalt sind wie die Wände des Verstecks von Sam und Henry. Es stellt sich heraus, dass einige Menschen sich hier versteckt hielten und sogar so etwas wie Kindergärten etablierten. Joel glaubt, dass irgendein Fehler oder Regelbruch dazu geführt haben könnte, dass die Menschen nun fort sind. Auch hier dürfen die jungen Begleiter sowie die Erwachsenen verschnaufen und sich besser kennenlernen. Ellie und Sam finden eine Lieblingscomicreihe, spielen mit Autos und Fußball, denn man möchte warten, ehe man weitergeht und hat genug zu tun, um sich die Wartezeit zu vertreiben.

Joel ist wie immer etwas grumpy, aber irgendwann öffnet sich Henry ihm und erzählt, was seine größte Sünde ist, die ihn vielleicht zum schlechten Menschen macht. Weil Sam Leukämie hatte und jemand bei FEDRA ihm die Medikamente für seinen Bruder versprochen hatte, lieferte er eben den Widerstandsführer Michael aus, was ihn zum Erzfeind von Kathleen werden ließ.
The Last of Us bemüht sich, anders als diverse andere Dystopievorstellungen, hier die Graustufen auszuarbeiten. Denn weder Henry noch Kathleen sind ohne Grund in Konflikt miteinander, sondern weil es ums blanke Überleben von Sam ging, das eben das Leben von Michael kostete. Quid pro quo also? Henry erkennt in Joel einen Vater, auch wenn er und Ellie an einem Punkt zeitgleich dementieren, verwandt zu sein.
Kathleen versteckt sich derweil vor den anderen und vielleicht auch vor einer massiven Entscheidung in ihrem ehemaligen Kinderzimmer, was Perry nur durch Nachfrage bei ihrer Mutter herausfindet. Er erstattet Bericht darüber, dass man keine Spur von Henry oder Joel habe. Kathleen spricht derweil über ihren Bruder Michael, den großen Widerstandshelden und ihre Angst vor Gewitter. Perry meint derweil, dass Michael zwar beliebt war, aber sich unter ihm nichts änderte. Erst, als sie an die Macht kam, konnte man FEDRA loswerden...
Das Durchqueren des Tunnels findet wider Erwarten ohne großen Widerstand durch „Infected“ statt, was andere Serien, wie The Walking Dead, wohl eher nicht getan hätten. Dass es eben keine Action an dieser Stelle gibt, finde ich erfrischend. Erst das Schnattern von Ellie und Henry sorgt dafür, dass jemand sie erspäht und auf sie schießt.
Scharfschütze und Fury Road
Ellie redet darüber, Henry und Sam einfach nach Wyoming mitzunehmen, ohne Joel zu fragen. Doch dann bricht Panik aus, als ein Scharfschütze das Quartett im Visier hat. Henry versucht wegzulaufen, muss jedoch einsehen, dass das keine gute Idee ist. Also muss Joel aktiv werden, schleicht zum Hintereingang und konfrontiert den Angreifer. Die Niedergeschlagenheit in Joels Stimme, als er sein Gegenüber bittet, sich zu ergeben und so mit dem Leben davonzukommen, ist bezeichnend für seinen langen Kampf und die vielen Opfer auf seinem Weg, von denen jedes ihn zu belasten scheint. Aber erneut geht die Person, die diesmal auf den Namen Anthony hört, nicht drauf ein und zwingt Joel zum Mord. Über ein Funkgerät hören wir Kathleen, die zum Zeitschinden auffordert, was auch Joel merkt und das Trio zum Rennen bringt.
Mit einem gepanzerten Fuhrpark, der ein wenig an „Mad Max“ erinnert, erreichen Kathleen und Co den Ausgang in die potentielle Freiheit. Ellie und Co laufen davon, während sie im Laufen auf die kugelsicheren oder zumindest dicken Scheiben schießt. Joel tut sein Bestes, um Deckung zu geben, und schließlich trifft er auch einen Fahrer, der ins Haus crasht. Es kommt wenig später zu einer Explosion, die Henry und Co für eine Flucht vor den Verfolgern nutzen wollen.
Doch es sind einfach zu viele von ihnen und Kathleen glaubt an ihren Triumph. Henry möchte sich ergeben, wenn Ellie und Sam gehen dürfen, das lehnt Kathleen jedoch wegen ihren Allianzen (und sicherlich auch möglicher späterer Rache) ab. Zudem verhöhnt sie ihn mit einigen Bemerkungen ziemlich, denn sie meint, dass auch Kinder ständig sterben und man das Schicksal vielleicht nicht hätte herausfordern sollen („This is what happens, when you fuck with fate!“) Henry signalisiert, dass Ellie mit Sam auf sein Zeichen hin weglaufen soll, und Kathleen richtet die Waffe auf den wehrlosen Henry, aber dann sorgt das brennende Auto dafür, dass der Boden nachgibt und ein Sinkloch entsteht. Nach kurzem Erstaunen und Grummeln steht fest, dass nicht alle „Infected“ fort sind (was Kathleen irgendwie auch durch Perrys Warnung neulich wusste), sondern mehrere Dutzend aus dem Loch strömen. Darunter auch ein gewaltiger sogenannter „Bloater“.
Kathleen und Co konzentrieren sich gezwungenermaßen also auf die Pilzköpfe und feuern, was das Zeug hält, aber auch die noch fahrenden Autos werden benutzt, um sich zur Wehr zu setzen. Joel gibt derweil seinen Verbündeten weiter Feuerschutz und Ellie tut, was sie kann mit ihrem Messer und hilft damit auch Sam und Henry aus der Patsche. Zwischenzeitlich wird sie jedoch selbst von einer Klickerlady im Auto gestalkt, die Joel „wegsnipt“.
Kathleen kommt fast lebend davon, ehe ein springender Pilzkopf sie attackiert und Ellie nicht anders kann, als zuzusehen, wie sie zerfetzt wird. Das verleiht eine gewisse Befriedigung, weil Kathleen eben auch vor Morden von Ärzten und Kindern nicht zurückschreckt, aber eben auch kürzlich erst den eigenen Bruder nach 20 Jahren Opfern im Widerstand verloren hatte... Doch manchmal ist der Rachedurst eben so schlimm, dass man nicht von seinem Weg abkommen kann, was auch ein Motiv ist, das sich durch die Erzählung der Games schlängelt...
Ende gut, gar nichts gut!

Unseren „Helden“ gelingt die Flucht in ein Hotel, in dem dann darüber gesprochen wird, gemeinsam nach Wyoming weiterzuziehen, was inzwischen auch Joel gut findet, wobei man nach aktuellem Stand den Rest zu Fuß zurücklegen müsste. Henry will das Sam am nächsten Morgen mitteilen.
Ellie und Sam lesen zusammen ihre Comics und Ellie spielt ein paar Szenen mit Gesten vor. Sam schreibt einige Sorgen auf sein Magic-Eraser-Board, mit dem er kommuniziert. Vor allem wundert er sich, warum Ellie so gar keine Angst zu haben scheint, doch sie scherzt, dass sie immer Angst hätte (vor Skorpionen), aber auch davor, irgendwann mal allein zu sein. Eine Angst, die in jeder Apokalypse sicher nachvollziehbar ist...
Was dann folgt, ist die womöglich kontroverseste Szene der Folge. Sam ist verletzt, was er Ellie mitteilt. Aber statt Henry und Joel Bescheid zu geben, meint sie, dass ihr Blut ein Heilmittel wäre, schneidet sich in die Hand und will so Sam heilen. Sam will zusammen mit ihr wachbleiben, doch wie schon etabliert wurde, klappt so was bei Ellie nicht so gut und sie pennt ein. Als sie aufwacht und Sam anspricht, muss sie feststellen, dass er sich über Nacht gewandelt hat und sie attackiert.
Von all dem hatten Joel und Henry nichts mitbekommen. Als die älteren Überlebenden das sehen, zögert Henry und will Joel hindern, auf Sam zu schießen, doch dann übernimmt Henry diese schreckliche Aufgabe und tötet die Überreste seines Bruders. Henry weiß nicht, was er tun soll und richtet sich anschließend selbst. Ellie und Joel heben in der Nähe zwei Gräber aus und Ellie schreibt auf Sams Block, dass es ihr leid tut. Hat sie sich und ihre Bedeutung überschätzt? Ist ihr Blut nicht das, was man ihr einredet? Oder war es für Sam eh schon zu spät? Diese Szene dürfte für Diskussionen sorgen und verlangt nach mehr Kontext für den Rest der Debütstaffel.
So viel kann man sagen: Im Spiel verläuft die Szene ohne den Blutkontakt. Ellie ahnt dort nichts von Sams Verletzung und wird gemeinsam mit Henry und Joel überrascht. Der Rest verläuft jedoch sehr ähnlich.
Fazit
Erneut erhalten Randfiguren aus den Spielen mehr Hintergründe und Screentime, die dabei helfen, die Themen von The Last of Us etwas auszuschmücken und sicherlich auch einige Entwicklungen, die da noch kommen werden, in die Wege zu leiten. Im Zentrum steht aber weiterhin das Duo Joel und Ellie, wobei diesmal nach einer Pause auch wieder ordentlich Horror und Action dabei ist.
Sam und Henry sind zwar ebenfalls zwei berührende menschliche Schicksale dieser dystopischen Welt, aber das Ausbreiten auf eine Doppelfolge führt dazu, dass man sich fragt, ob man sich hier etwas zu lange aufgehalten hat, besonders wenn insgesamt nur neun Folgen Zeit sind für das erste Game. Mein Vertrauen in Druckmann und Mazin ist jedoch da, denn wenn ich die Games spielen wollte, würde ich genau das (noch einmal) machen. Eine gute Adaption ist dazu da, auch einmal abzubiegen, neue Aspekte zu zeigen und Vertiefungen zu liefern - und das wird bisher wöchentlich geboten. Auch die Reduzierung des Splatters und der Gewalt, die im Game an fast jeder Ecke lauert, gefällt mir beim Wechsel des Mediums gut.
Insgesamt würde ich die Folge aber dennoch etwas schwächer als manche davor bewerten und lande irgendwo zwischen dreieinhalb und vier von fünf „Bloater“/Konservendosen.
The Last of Us 1x06 Serientrailer
Verfasser: Adam Arndt am Samstag, 11. Februar 2023The Last of Us 1x05 Trailer
(The Last of Us 1x05)
Schauspieler in der Episode The Last of Us 1x05
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