The L.A. Complex 1x01

The L.A. Complex 1x01

Aus Kanada kommt ein neues, viel versprechendes Serienjuwel namens The L.A. Complex. Die Serie folgt dem Weg einiger Kanadier auf dem schwierigen Weg zum künstlerischen Erfolg und weiß durch Vielschichtigkeit und einen eigenen Weg zu überzeugen.

Weichgezeichnet: Der Cast der Serie „The L.A. Complex“ / (c) Bell Media
Weichgezeichnet: Der Cast der Serie „The L.A. Complex“ / (c) Bell Media

Die neue kanadische Serie The L.A. Complex kommt mit der Kurzbeschreibung daher, es handle sich dabei eine Art „kanadisches Melrose Place, das trotzdem in Los Angeles angesiedelt ist“. In der Tat handelt die Serie von einer Gruppe junger Kanadier, die gemeinsam in einem Motel in Los Angeles wohnen und auf den Durchbruch in der Berufswelt warten. Doch LA Complex ist - aus Sicht des modernen Serienjunkies - beiden Inkarnationen von „Melrose Place“ überlegen, denn die Serie geht weniger glatt mit ihrem Thema um und ist stilistisch zwischen einer typischen US-Network- und einer Kabelserie angesiedelt. Und das funktioniert gut.

Handlung

Maybe I don't belong down here. I mean, even if I get in the right room ... with the right people ... with the right outfit ... what are the odds? I still have to be the funniest, or the hottest or the most talented or whatever crazy-specific thing they want that day ... you can give everything you have here, and it still might not be enough! ... So the smartest move is to leave!“ - „Makes sense. ... ... You need help unpacking?

The L.A. Complex handelt von den Bewohnern des Motels „The Luxory Suits“, kurz The Lux. Dort steigen vorwiegend kanadische Jung-Künstler ab, die hoffen, in der Entertainmentindustrie von Hollywood Fuß zu fassen - wie obiges Zitat belegt eine nahezu unschaffbare Aufgabe. Die Bewohnerschaft umfasst natürlich vor allem Schauspieler, aber auch Autoren, Stand-up-Comedians und Musiker.

Im Serienpiloten folgen die Zuschauer Abby (Cassie Steele, Degrassi: The Next Generation), einer jungen Schauspielerin, die bereits seit sechs Monaten erfolglos versucht, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Nun ist ihr Geld aufgebraucht, die Familie und ihr Freund drängen telefonisch auf ihre Rückkehr in die Heimat. Doch noch hat sie die Hoffnung auf Erfolg nicht aufgegeben, obwohl sie pleite ist und ihr Vermieter erst einmal ihre Habe beschlagnahmt hat.

Durch einem Umzug ins Lux wird zwar nicht alles besser, aber sie erhält das eine oder andere positive Erlebnis, Rückendeckung und eine Perspektive. Im Lux leben derzeit einige Canucks, die sich in unterschiedlichen Stadien der Erfolglosigkeit befinden. Tänzerin Alice (Chelan Simmons) muss jeden Tag hart trainieren, ist ein Vollprofi und gehört trotzdem der gesichtslosen Masse an, die auf einen Rückruf von Produzenten wie ein liebeskrankes Mädchen auf den Anruf ihres Schwarms wartet. Stand-up-Comedian Nick (Joe Dinicol) arbeitet in einem Diner und hat sowohl Probleme dabei, geeignetes Material für sein Programm zu finden, als auch, es auf der Bühne vorzutragen.

Tariq (Benjamin Charles Watson) muss erkennen, dass sein Job als Assistent in einem Tonstudio nicht etwa der erste Schritt zu einer glanzvollen Karriere ist, sondern die Betreiber ihn komplett zufällig zum Erledigen ihrer Drecksarbeit ausgewählt haben. Raquel (Jewel Staite; Firefly, Stargate Atlantis) hatte bereits eine Hauptrolle in einer kurzlebigen Serie und krallt sich an diesen Erfolg und ihre alten Kontakte fest - sie kann der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen, bewirbt sich auf die Tochter- statt die Mutterrolle und vertreibt mit ihrer fehlgeleiteten Hartnäckigkeit ihre letzten Fürsprecher. Gleichzeitig wird sie oft auf ihren alten Erfolg angesprochen, und jedes Mal ist es zusätzliches Salz in ihrer Wunde.

Und dann gibt es da noch Connor (Jonathan Patrick Moore), der vermutlich die niederschmetterndste Erfahrung machen muss: Er hat eine Hauptrolle in einer neuen Serie ergattert, hat Erfolg. Doch das heißt, ausziehen aus dem Lux, und damit die meisten seiner sozialen Beziehungen hinter sich lassen.

Kritik

Für den Serienjunkie, der sich von einer Diät aus US-Serien ernährt, füllt The L.A. Complex eine klaffende Lücke, die zwischen Network und Kabelserie. Denn einerseits ist die Herangehensweise an das soziale Miteinander junger Menschen nicht so durchzensiert, weichgespült und verklemmt wie bei Networkserien. Andererseits werden die jugendhaften Ausschweifungen - One-Nightt-Stands, Friends with Benefits, Drogen, Poolparty - nicht so direkt und derbe inszeniert, wie es im amerikanischen Pay-TV üblich ist. Der Mittelweg passt mehr als gut, denn er lässt die Handlung ehrlicher und realistischer erscheinen, während er den Fokus der Episode auf der Handlung lässt und nicht auf die einzelnen Szenen zieht.

Insbesondere gelingt es dem Serienpiloten, durch seine Handlungsfäden die Vielschichtigkeit der Erlebnisse auf der Suche nach dem Erfolg und der Selbstverwirklichung zu zeigen, und dabei nicht zu stark ins Soaphafte und in Klischees abzugleiten. Das wird insbesondere am Ende der Episode deutlich, das die Figuren an den unterschiedlichsten Stellen zurücklässt: den einsamen Connor; Raquel, die sich in ein neues Projekt verbeißt, aber ihr altes „Can Do“-Gehabe nicht ablegen kann; Alice, die wie eine Ratte im Laufrad unbeirrt weiter macht; Nick, der nach seinem niederschmetternden Rückschlag den Neuanfang wagt, und schließlich Tariq, der nach dem anfänglichen Rückschlag eigentlich erst wieder genau da gelandet ist, wo er bereits länger zu sein glaubte - sein Chef hat von ihm als Künstler überhaupt erst Notiz genommen.

Neben der soliden Handlungsentwicklung gibt es in der Pilotepisode noch zwei kleine Juwelen, auf die sich hinzuweisen lohnt. Zum einen wäre da der Auftritt von Mary Lynn Rajskub als sie selbst, die den armen Nick verwirrt, indem sie sich als Sarah Silverman ausgibt und Nick auch noch dafür niedermacht, dass er sie für Rajskub gehalten hat. Rajskub wird noch weitere Gastauftritte haben.

Daneben muss man, insbesondere als Gewohnheits-Procedural-Gucker, lobend hervorheben, dass es dem Team von The L.A. Complex gelungen ist, in der Eröffnung und im Schluss sehr schöne Location-Shots von Los Angeles zusammenzustellen. Eine wohltuend andere optische Perspektive auf Tinseltown als das, was die meisten US-Serien liefern.

Fazit

The L.A. Complex ist überraschend gut. Meine Anfangserwartung, es hier mit „just another soap“ zu tun zu bekommen, wurde auf jeden Fall sehr positiv „enttäuscht“. Da ist es fast schon schade, dass die Serie derzeit nur auf sechs Episoden kommt. Ebenfalls bedauerlich, dass zu befürchten steht, dass sich die Serie in den USA bei The CW36923“ eben wegen ihrer - im besten Sinne - Andersartigkeit nur schwer wird durchsetzen können.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 17. Januar 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(The L.A. Complex 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Party in L.A.
Titel der Episode im Original
Down in L.A.
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Dienstag, 10. Januar 2012
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 21. April 2013
Regisseur
Martin Gero

Schauspieler in der Episode The L.A. Complex 1x01

Darsteller
Rolle
Jonathan Patrick Moore
Joe Dinicol
Chelan Simmons
Cassie Steele
Benjamin Charles Watson

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