The Killing 2x04

The Killing 2x04

In Ogi Jun zeichnet sich nicht nur für den Vater des Opfers, Stan Larsen, eine bedrohliche Begegnung mit seiner Vergangenheit am Horizont ab. Auch andere werden in den Sog der neuen Entwicklungen in The Killing gezogen. Doch sind diese wirklich so neu? Ein Gastbeitrag.

Sarah Linden (Mireille Enos) und Stephen Holder (Joel Kinnaman) in „The Killing“ / (c) AMC
Sarah Linden (Mireille Enos) und Stephen Holder (Joel Kinnaman) in „The Killing“ / (c) AMC

Obwohl Linden (Mireille Enos) und Holder (Joel Kinnaman) wieder als Team unterwegs sind, geht der Trend in The Killing zur Aufsplitterung. Die Ereignisse der Vergangenheit haben einen Keil zwischen viele Beteiligte getrieben. Während die Zusammenarbeit am Anfang noch gut war und die Geheimnisse voreinander nur allmählich größer wurden, arbeitet mittlerweile jeder für sich alleine.

Linden und Holder verbinden die Spuren, die zu Janek (Don Thompson) führen, mit der Tätowierung. Und doch fischen sie im Trüben. Erst die letzten Minuten der Episode führen alle Fäden in den Augen der beiden Cops zusammen.

Stan im Netz des Gangsterbosses

Stan (Brent Sexton) hat währenddessen an allen Baustellen mit seiner neuen Verbindung zu Janek zu kämpfen. Bei der Suche nach dem Mörder, im Umgang mit seinen Söhnen, selbst in Sachen Beerdigung für Belko (Brendan Sexton III) zeigt sich die unheimliche Macht, die der polnische Gangsterboss inne hat.

Was bereits in der letzten Episode angefangen hat, setzt sich hier fort: Janek drängt sich über die Söhne in Stans Leben. Interessant ist, wie Stan damit umgeht. Einerseits glaubt er Janek und spricht seinen Sohn auf die Sprüche an, die seine Schulfreunde über Rosie machen. Wunderbar, wie perfekt gedrillt sein Sohn auf die Frage, was im Falle von Hänseleien zu tun sei, antwortet, dass er weggehe. Und ebenso wunderbar anzusehen, wie Stan ihm überraschend erklärt, dass der einzige Weg damit umzugehen, über Gewalt führe. Der Rat, den er seinem Sohn gibt, nämlich den Größten auszusuchen und zu schlagen, ist in den Ohren der Zuschauer eine Kampfansage an Janek.

Obwohl Stan es schon wieder bereut, Janek in den Mordfall involviert zu haben, meldet er es nicht der Polizei, als er herausfindet, dass Janek hinter der Zerstörung der Beau Soleil-Server steckt. Das Vertrauen in die Staatsmacht scheint er unwiederruflich verloren zu haben.

Stan spielt in Janeks Leben die Rolle des begabten, aber abtrünnigen Nachfolgers. Nach wie vor bleibt die Frage offen, ob es der Wunsch nach Rückkehr des Verlorenen ist, der ihn treibt. Oder Rache.

Jeder für sich allein

Doch auch ohne Janeks Eingreifen steht im Hause Larsen nicht alles zum Besten. Der Mord an Rosie treibt die Familie weiter auseinander. Mitch (Michelle Forbes) taucht in Ogi Jun überhaupt nicht auf, wird nur kurz durch die Freundin ihrer Tochter überhaupt in Erinnerung gerufen. Auch Terry (Jamie Anne Allman) entfernt sich zumindest innerlich von der Familie. Nach dem Angriff des Sohnes stellt sich die Frage: Wird sie in der kommenden Episode überhaupt noch da sein? Die einzige Szene im Anschluss an den Streit, zeigt sie in einem Auto.

Anscheinend unwiderruflich auseinandergerissen ist auch die Einheit des Kampagnenteams. Gwen (Kristin Lehman) ist bereits in ihrem neuen Leben in Washington angekommen, bleibt am Telefon jedoch nicht so kalt, wie sie oft scheint. Sie zeigt Jamie (Eric Ladin) den Weg, der Richmond (Bill Campbell) retten könnte, nämlich wieder er selbst zu werden. Doch die Tür dafür hat sich bereits geschlossen.

Von dem Willen zu seinem alten Leben zurückzukehren, zeigt sich keine Spur mehr. Richmond scheint von Wut und Rache getrieben zu werden. Wohin das führen kann, bleibt abzuwarten. Nicht ausgeschlossen, dass er auf diesem Wege auch Neues über den Mord ans Tageslicht befördert.

Sein Ziel ist nun, herauszufinden, weshalb die Polizei so sicher war, dass er den Mord begangen hat. Wie wir wissen: Dieser Weg wird ihn unter anderem zu Gwen führen.

Die Geister der Vergangenheit

Während in der letzten Folge Holder einen Besuch in seiner Verangenheit gemacht hat, ist es jetzt Linden, die davon eingeholt wird. Und das auf mehreren Ebenen. Einerseits konfrontiert die Suche nach dem tätowierten Jungen sie mit ihrer eigenen Vergangenheit als Pflegekind. Andererseits drängt sich Jacks Vater nach wie vor in ihr Leben und droht nun sogar mit einer Klage im Kampf um den gemeinsamen Sohn.

Die letzten Minuten der Episode führen auch zwei andere zusammen, deren Verbindung lange zurückliegt: Stan und die Frau des Mannes, den er einst tötete. Hier wird die Geschichte in der kommenden Woche wohl anknüpfen. Die Wendungen werfen ein neues Licht auf den Fall. Doch wie gefällt euch die neue „Wahrheit“?

Keine klischeefreie Zone mehr?

Zwei große Entwicklungen dieser Episode könnten einem sauer aufstoßen: Erstens, dass der Mord nun doch wie eine Racheaktion scheint, die in der Familie des Opfers begründet liegt. Die interessante, alles überraschend zusammenführende Auflösung ist das bis jetzt nicht. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, könnte zumindest ein fahler Nachgeschmack bleiben, der laut ruft: Klar, alles andere haben sie schon in der ersten Staffel abgearbeitet, der einfachste Weg heraus war nun über die Familie.

Auch der Fokus auf Linden als Cop mit dunkler Vergangenheit hätte weniger offensichtlich umgesetzt werden können. Dass sie sich einer ihr fremden Frau im Auto für ihre Verhältnisse geradezu anvertraut, kam sehr überraschend. War das noch glaubwürdig oder eher schon aufgesetzt?

Dazu kamen zu oft gesehene und gehörte Kleinigkeiten. Dass eines der Kinder der sich aufopfernden Tante ein herzhaftes „You are not my Mum.“ entgegenschleudert, hat wie eine unausweichliche Bedrohung schon die vergangenen Episoden überschattet. Dass Richmond auf dem ersten Weg in seinen Rollstuhl auf dem Boden landet, ebenso.

Doch gerade die Szene mit Jamie und Richmond beim Versuch den Rollstuhl zu erreichen, ist so gut gemacht, dass man selbst Klischeehaftigkeit leicht vergeben kann.

Fazit

Es ist wohl im Endeffekt Sache des eigenen Wohlwollens, ob man den Autoren derlei ankreiden möchte oder nicht. Was sich im Gegenlicht dieser kleinen Gewöhnlichkeiten jedoch erst richtig abzeichnet, ist die sonstige Abwesenheit von Klischees in The Killing. Und das macht vor allem Lust auf die kommende Episode.

Sneak Peek in Folge 2x05 „Ghosts of the Past“

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 17. April 2012
Episode
Staffel 2, Episode 4
(The Killing 2x04)
Titel der Episode im Original
Ogi Jun
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. April 2012 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. Juni 2013
Autor
Jeremy Doner
Regisseur
Phil Abraham

Schauspieler in der Episode The Killing 2x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?