The Killing 2x01

Es ist lange her, dass wir Linden (Mireille Enos) und Holder (Joel Kinnaman) zum letzten Mal gesehen haben, und es war kein schöner Abschied. So mancher wird sich geschworen haben, die zweite Staffel nicht mehr einzuschalten, nachdem die AufklĂ€rung des Larsen-Falls ĂŒber das Ende der ersten Staffel hinausgezögert wurde.
War es der Drang nach Antworten, der uns doch wieder zu The Killing trieb? Die Hoffnung darauf, dass die AufklĂ€rung so spektakulĂ€r und interessant sein wĂŒrde, dass die Zeit, die wir mit der vergangenen Staffel verbracht haben, nicht sinnlos war? Oder war es einfach die Freude an einem sehr guten Cast und einer Serie, die auch mal Raum fĂŒr eigene Gedanken lĂ€sst? Vielleicht war es auch ganz einfach die dargstellte Umgebung. Die Krimishow sozusagen als Dokumentation aus atmosphĂ€risch dichten Bildern.
Was es auch war, wir sind wieder dran, an Linden und Holder und leider auch am Larsen-Fall. Und werfen zunĂ€chst mal einen kurzen Blick zurĂŒck - zu den Sekunden, in denen eine Stimme im Telefonhörer Linden erklĂ€rt, dass die Ăberwachungskameras, aus der die belastenden Bilder stammen sollen, nicht in Betrieb war. Die Sekunde, als Linden erkennt, dass die zuvor gesammelten Informationen wahrscheinlich wertlos sind und sie von Holder hintergangen worden ist.
Die zweite Staffel setzt wenige Minuten spĂ€ter ein. Linden und ihr Sohn Jack haben das Flugzeug verlassen. Und wĂ€hrend sich dem Zuschauer noch die Frage stellt, ob es sich wirklich gelohnt hat, wieder einzuschalten, wird ein Ărgernis der ersten Staffel mit einem Satz vom Tisch gewischt. Der ewig vorgeschobene Plan, nach Kalifornien zu ziehen, wird von Linden endlich beendet. Als hĂ€tte wĂ€hrend der ersten Staffel wirklich jemand geglaubt, dass sie geht.
ZurĂŒck im Fall, zurĂŒck im Regen
Der Satz, der einem Friedensangebot der Autoren an die wackeren Zuschauer gleichkommt, die sich vom Staffelfinale nicht haben abschrecken lassen, kommt von Lindens neuem Vorgesetzten: „I think youÂŽre going to find things are quite different around here from now on.“ Zuviel versprochen?
Die gute Nachricht ist: Das, was gut war, bleibt gut. Die Schauspieler holen das Beste aus den Figuren heraus und die Autoren geben ihnen den Raum dazu.
Die Mitarbeiter Richmonds, Gwen (Kristin Lehman) und Jamie (Eric Ladin), die in der ersten Staffel etwas blass geblieben sind und wie politische Strippenzieher ohne weitere Tiefe gewirkt haben, werden endlich menschlicher und zeigen Emotionen.
Mitchs (Michelle Forbes) Verschwinden bleibt geheimnisvoll. Dadurch wird die Situation im Larsen-Haus noch trister. Gerade vor diesem Hintergrund ist es rĂŒhrend, wie Terry (Jamie Anne Allman) sich bemĂŒht, den Kindern eine NormalitĂ€t aus Pfannkuchen und Eiscreme vorzuspielen.
Stan (Brent Sexton) bleibt sich seiner Rolle als Fels in der Brandung bewusst. Er macht alles richtig und steht am Ende trotzdem alleine und verlassen da. Sein Treffen mit der Unterwelt wird als letzte Konsequenz prĂ€sentiert, die die Polizei und der Staat einem Mann lassen, der seine Familie bedroht sieht und keine Hilfe bekommt. Sein Mordauftrag ist keine reine Rache. Bedenkt man, welche falschen VerdĂ€chtigen und EnttĂ€uschungen er bereits durchgestanden hat, ist es bemerkenswert, dass er seine Kontakte in die Unterwelt erst spielen lĂ€sst, als es gilt, seine Söhne zu schĂŒtzen.
Holders Fehler
Eine groĂe EnttĂ€uschung des Staffelfinales war herauszufinden, dass Holder offensichtlich auf der falschen Seite steht. Doch fĂŒr alle, fĂŒr die das ein Schock war, war der Auftakt zu Staffel Zwei ein Trost. Erleichtert durfte man zur Kenntnis nehmen, dass seine Motive nicht so unehrenhaft gewesen waren, wie gedacht. FĂŒr ihn war es wirklich einfach eine AbkĂŒrzung auf dem richtigen Weg. Als er feststellt, dass es der falsche Weg ist, versucht er die Notbremse zu ziehen.
Holders EnttĂ€uschung darĂŒber, dass er sich zur Marionette hat machen lassen, und seine Verzweiflung vor Lindens HoteltĂŒr sind herzzerreiĂend. Er muss erkennen, dass er das Vertrauen des einzigen Menschen, der ihm helfen könnte, verspielt hat. Ăberdeutlich die Symolik als er seine dadurch erworbene Marke auf dem Hotelflur liegen lĂ€sst.
Alles auf Anfang
Der Fall geht zurĂŒck auf Null. Alle bisherigen VerdĂ€chtigen sind entlastet. Wie soll es weitergehen? Der Zuschauer bleibt enttĂ€uscht und verwirrt zurĂŒck.
Besonders die Tatsache, dass jemand Rosies Rucksack nachts auf der TĂŒrschwelle der Larsens ablegt, verstört. War es der Mörder? Wenn ja, wieso könnte er ein Interesse daran haben, auf sich aufmerksam zu machen?
Die Doppelfolge hat noch keine wirklich neuen AufschlĂŒsse ĂŒber den Mord gegeben, sie hat mit den Verstrickungen hinter der Polzeiarbeit gespielt. Wer versucht da, wen zu schĂŒtzen? Das wird sich zeigen mĂŒssen.
Neue Wege in Staffel 2?
Auch andere Fragen stellen sich: Wird der Zuschauer Darren Richmond (Bill Campbell) weiter verfolgen können, oder werden die Autoren so knallhart ans Werk gehen wie im Fall des verdĂ€chtigten Lehrers, der kaum jemals wieder zur Sprache kam, nachdem er als VerdĂ€chtiger ausgeschlossen war? Schade, denn das Besondere an The Killing ist unter anderem, dass es die Beteiligten auf ihrem Weg begleitet und nicht ausschlieĂlich fallrelevante Sequenzen herausgreift wie andere Crime-Shows.
Man kann nur hoffen, dass nicht weitere VerdĂ€chtige aus dem Ărmel gezogen werden, die dann der Reihe nach abgearbeitet werden. Schaffen die Autoren es, in dieser Hinsicht eine bessere Storyline zu finden, als es ĂŒber einen groĂen Teil der ersten Staffel hinweg der Fall war?
Fazit
Musste man es bereuen, The Killing nach dem enttĂ€uschenden Staffelfinale eine weitere Chance gegeben zu haben? Ich denke nicht. AltbewĂ€hrtes - wie die Schauspieler, die Charaktere und die AtmosphĂ€re - hat sich sogar noch verbessert. Und dass der Mörder nicht in der ersten Folge gefunden wurde, das kam nicht ĂŒberraschend. Sowieso ist die Frage an die kommenden Folgen fĂŒr mich viel eher: Werden Linden und Holder wieder als Team zusammenfinden?
Man muss der Serie schon generell wohlgesonnen sein, um am Ball zu bleiben. Aber es könnte sich lohnen.
Promo zu Episode 2x03 âNumbâ
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 11. April 2012(The Killing 2x01)
Schauspieler in der Episode The Killing 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?