The Innocents: Review der Pilotepisode

© ??The Innocents“ (c) Netflix
Die erste Episode der britischen Netflix-Produktion The Innocents zeigt, wie die beiden verliebten Teenager June (Sorcha Groundsell) und Harry (Percelle Ascott) ihren gefassten Plan in die Tat umsetzen und miteinander durchbrennen. Doch es gibt einen ganz speziellen Grund, warum June bisher so behütet mit nur wenig Freiheiten aufgewachsen ist, denn sie hat besondere Kräfte, von denen sie bisher nichts ahnte, was die beiden während ihres Roadtrips in die Freiheit in Schwierigkeiten bringt...
Worum geht es in „The Innocents"?
Kurz vor ihrem 16. Geburtstag steht der Entschluss von June fest: Bevor ihr Vater/Aufpasser John (Sam Hazeldine) sie wie ihren Bruder von der Welt abkapselt und einschließt, beschließt sie, zusammen mit ihrem Freund Harry Reißaus zu nehmen. Das verliebte Pärchen versucht, sich mit zusammengespartem Geld und einem Auto abzusetzen und ihre Familien hinter sich zu lassen. Doch ganz so rund läuft ihre Flucht nicht, denn Junes verschollene Mutter (Laura Birn) schickt aus ihrem Exil heraus unter der Leitung eines gewissen Halvorson (Guy Pearce) einen Mann namens Steinar (Jóhannes Haukur Jóhannesson), um June zu ihr zu bringen.
Denn dort weiß man, genau wie John, offensichtlich mehr über die in ihr schlummernde Kraft, die zu ihrem Geburtstag erwacht, was sie völlig unvorbereitet trifft. Steinar versucht sie allerdings gewaltsam mit sich zu zwingen, was Harry zu verhindern weiß, woraufhin sich die beiden erschöpft und schockiert in ein Motel zurückziehen. Doch Steinars Versprechen, eine Nachricht von ihrer Mutter für sie mit sich zu führen, machen June neugierig, so dass sie sich mitten in der Nacht zurück an die Stelle begibt, an der sie den nach dem Gerangel ohnmächtigen oder toten Mann zurückgelassen haben.
Harry wacht kurze Zeit später alleine im Motel auf und muss gleich den nächsten Schreck verkraften, als Steinar in sein Zimmer eindringt und ihn vor den Spiegel zerrt. Anstelle des Mannes blickt ihm allerdings ein sehr vertrautes Spiegelbild an, was ihn an seinem Verstand zweifeln lässt, denn June schaut ihm von dort aus in die Augen.
Welchen Eindruck macht Pilotepisode?
Die Log Line von The Innocents klingt zunächst nach einer geballten Ladung Teeniedrama, was es zu einem gewissen Grad natürlich auch ist. Doch die Inszenierung und das Schauspiel sind erfreulicherweise weder überdreht noch überdramatisiert und die Atmosphäre erinnert, wenn man es mit jüngeren Beispielen vergleicht, mehr an eine Mischung aus Impulse und The OA als an Riverdale.
Die beiden Hauptdarsteller Sorcha Groundsell und Percelle Ascott sind aufgrund ihres Alters und ihrer überschaubaren Serienvita Newcomer, was jedoch nicht heißt, dass die frischen Gesichter dem Ganzen nicht guttun, denn beide hinterlassen bisher schauspielerisch einen überzeugenden Eindruck, vor allem, wenn aus dem romantischen Roadtrip ein angsteinflößender Albtraum wird.
Ihr anschließend apathisches Innehalten im Auto zeigt auch die ansehnliche Cinematografie der Serie, in deren Zügen die Abgeschiedenheit der Charaktere von den schicken Landschaftsaufnahmen der geografischen Abgeschiedenheit unterstrichen wird. Wie sich die Coming-of-Age- und Romantikanteile und Sci-Fi-Elemente in Relation zueinander verhalten, ist derzeit noch schwer einzuschätzen, da die Verwandlungsfähigkeit zwar nur kurz in der Pilotepisode thematisiert beziehungsweise gezeigt wird, aber trotzdem natürlich ein zentraler Bestandteil der Geschichte ist.

Der nordisch-britische Flair durch die zum Großteil in England und Norwegen gedrehten Aufnahmen und den hauptsächlich aus diesen Ecken stammendem Cast zieht sich durch die ganze Produktion. Diese gehört zwar zumindest vom Budget her zu den kleineren Netflix-Projekten, aber ist dennoch durchaus ansehnlich geraten. Der bekannteste Darsteller ist sicherlich Guy Pearce („Memento“, „L.A. Confidential“), dessen Charakter und dessen Forschung an dem Verwandlungsphänomen genauso wie die Rolle von John (Sam Hazeldine) noch relativ vage sind. Genug Interesse für die kommenden Folgen der insgesamt achtteiligen Staffel kann jedoch definitiv geweckt werden.
Fazit
The Innocents beginnt als romantisches Teeniedrama mit übernatürlichem Touch, ohne dabei bisher kitschig oder melodramatisch zu wirken. Die unbekannte Darstellerriege kann überzeugen und die bisherige Geschichte und die kleinen Mysterien vermögen es, genügend Spannung aufzubauen, um noch etwas weiter dranzubleiben und zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Es ist zwar noch möglich, dass die Tonart und Qualität der Serie im Laufe der Season kippen werden. Aber sollte sich die wirklich ordentliche erste Episode als guter Indikator für den weiteren Verlauf erweisen, dann verspricht uns das Gesamtwerk aus Coming-Of-Age, Sci-Fi, Mystery und einem guten Schuss Romantik wirklich gelungene Unterhaltung.
Der Trailer zu „The Innocents":