The I-Land: Review der Pilotepisode

The I-Land: Review der Pilotepisode

In The I-Land schickt Netflix seine Zuschauer auf eine Insel voller Mysterien, die eine Gruppe von Fremden ohne Erinnerungen zu entschlüsseln versucht, als sie am Stand zu sich kommt. Lohnt es sich, die Koffer zu packen und die Reise zu wagen?

Szenenfoto aus der Pilotepisode von The I-Land (c) Netflix
Szenenfoto aus der Pilotepisode von The I-Land (c) Netflix
© zenenfoto aus der Pilotepisode von The I-Land (c) Netflix

Eine Gruppe von Fremden, die allesamt an Amnesie leiden, findet sich am Strand einer paradiesischen Insel wieder. Nun müssen sie versuchen, dort zu überleben und herauszufinden, wieso und wie sie dort hingelangt sind. Doch schnell stellen sie fest, dass sie sich gegenseitig nur schwer vertrauen können, so dass sowohl physische als auch psychologische Herausforderungen auf sie zukommen.

Was geschieht im Auftakt von The I-Land?

Nachdem sie einer nach dem anderen zu sich kommen, stellen die ähnlich gekleideten Männer und Frauen fest, das sie Label an ihrem Kragen tragen, welches möglicherweise ihren Namen dokumentieren, weswegen sie sich entscheiden, diese vorgegebenen Identitäten vorerst anzunehmen, um sich gegenseitig ansprechen zu können. Sie stecken zunächst die Köpfe zusammen, kommen jedoch, was die Umstände ihrer Ankunft betrifft, zu keinem Ergebnis. Deswegen entschließen sie sich, diverse Aufgaben zu übernehmen, die ihr Überleben erleichtern.

Chase (Natalie Martinez) und Brody (Alex Pettyfer) erkunden zusammen die nähere Umgebung und kommen sich an einem Wasserfall näher. Doch, nachdem sie sich küssen, lässt Brody nicht locker, so dass Chase sich schließlich gewaltsam gegen ihn wehren muss, bevor er gezwungenermaßen von ihr ablässt. Zurück am Strand wartet der nächste Schock auf sie, denn Donovan (Anthony Lee Medina) ist - während ein paar von ihnen schwimmen gingen - von einem Hai angefallen worden.

Nachdem Chase ihn angespült und schwer verwundet am Strand findet, versuchen sie ihn zu stabilisieren und beraten anschließend, wie ihre nächsten Schritte aussehen sollten. Brody und KC (Kate Bosworth), die sich von Anfang an nicht sonderlich gut mit Chase verstanden hat, wollen die Gruppe davon überzeugen, zum Schutz vor der Witterung tiefer in den Dschungel vorzudringen. Doch bevor sie sich entschließen können, entdecken sie neben zuvor gefundenen Gegenständen mehrere Hinweise, die darauf hindeuten, dass sie sich nicht zufällig an diesem Ort befinden und ihre Anwesenheit vorbereitet wurde. Nachdem ein vages Hinweisschild die Gruppe nicht überzeugen kann, zerschmettert Chase eine Muschel, mit der sie aufgewacht war und entdeckt darin ein Stück Technologie, welches den Anschein erweckt, dass sie überwacht werden...

Are we lost?

Es dauert sich nicht lange, bis die Darsteller es quasi selbst sagen: The I-Land wäre gerne Lost. Dabei gibt es sogar einen Seitenhieb auf das umstrittene Ende der erfolgreichen Mysteryserie, obwohl man selbst mitten im Glashaus sitzt, denn der Start bekleckert sich ganz sicher nicht mit Ruhm. Das fängt bei den holprigen Dialogen an und mündet in stellenweise bestenfalls durchwachsenem Schauspiel. Speziell Kate Bosworth hat eigentlich einiges auf dem Kasten, doch ihre Performance lässt sich am ehesten als irritierend bezeichnen. Sie soll sich zunächst als unnahbar und unsympathisch präsentieren, doch dadurch wirken alle Dialogszenen mit ihr unnatürlich und seltsam, was wohl auch ein gutes Stück der Regie geschuldet ist, denn so gut wie alle Darsteller mühen sich auf ähnliche Weise durch ihre Auftritte.

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Das Drehbuch macht dementsprechend auch keinen allzu starken Eindruck. Es sammeln sich nämlich nicht nur die Figurenklischees, sie handeln neben nachvollziehbaren Survival-Vorbereitungen auch gerne semiintelligent, indem sie trotz ihrer Situation erst einmal eine Runde in einem Gewässer baden gehen, über das sie rein gar nichts wissen. Natürlich endet daraufhin prompt einer von ihnen als Haifischknabberspaß. Auch mit dem #metoo-Storypart, um klarzumachen, dass Brody (Alex Pettyfer) kein guter Mensch ist, hat man sich keinen wirklichen Gefallen getan, denn das Ganze wirkt einfach zu aufgesetzt. Klar ist es nicht unmöglich, dass jemand sich speziell in solch einer Situation so verhalten könnte, doch es macht den Eindruck, als ob die Szene einfach nur als thematischer Trend mit im Drehbuch gelandet ist.

Generell verpasst man es, genügend Gründe zum Weiterschauen der auf sieben Episoden beschränkten limited series zu liefern. Selbst, wenn man schon ein wenig Lust verspüren könnte, mehr über die Mysterien und die Umstände der Insel und ihrer gestrandeten Bewohner zu erfahren, so wird dies von dem ärgerlichen Umstand gedämpft, dass der Großteil der Charaktere einfach unsympathisch herüberkommt. Das senkt natürlich den Bedarf immens, sich um ihr Schicksal auch nur ein kleines bisschen zu sorgen. Figuren wie etwa Blair (Sibylla Deen), die sich mit ihren medizinischen Kenntnissen um die anderen kümmert und damit am ehesten für Empathie sorgen könnte, werden zumindest von den lauteren übertönt. Zudem muss man wohl kaum erwähnen, wie abgedroschen die Amnesie-Trope mittlerweile als Stilmittel ist, ganz besonders in Kombination mit einem Survival-Insel-Setting.

Fazit

Die schwachen Dialoge, die fragwürdige Regie, das recycelte Startszenario und die unsympathischen Figuren machen es einem wahrlich schwer, seine Freizeit auf dieser Insel verbringen zu wollen. Auch wenn The I-Land sicherlich noch in eine ganz andere Richtung abdriften wird, so sonnt man sich in der ersten Episode gerne in den diversen vorhandenen oder gar gestellten Parallelen zu Lost, ohne jedoch annähernd etwas wirklich Gelungenes abzuliefern. So dürften die meisten, bis es richtig losgeht, das Interesse bereits verloren haben, zumal es unwahrscheinlich ist, dass die Qualität von Drehbuch, Schauspiel sowie Dialogen plötzlich noch deutlich anziehen wird.

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