The Hardy Boys 1x01

© erienposter zur Serie The Hardy Boys (c) Hulu
Anmerkung
Die folgende Kritik basiert auf den ersten beiden Episoden der TV-Krimiserie The Hardy Boys auf dem Streamingdienst Disney+.
Das passiert
Der 16-jährige Frank Hardy (Rohan Campbell) und sein jüngerer Bruder Joe (Alexander Elliot) leben in den 80er Jahren mit ihren Eltern in der Großstadt. Vater Fenton (James Tupper) ist ein hochdekorierter Undercover-Polizist, während die Ex-Journalistin Laura (Janet Porter) sich um Haus und Kinder kümmert. Als Laura heimlich einer neuen Story hinterherjagt, kommt sie auf tragische Weise ums Leben. Fenton zieht mit den Kids in seinen Heimatort Bridgeport zu seiner Schwester Trudy (Bea Santos) und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse...
Ein Boot explodiert aus ungeklärter Ursache auf hoher See, ein geheimnisvoller Riese (Stephen R. Hart) taucht in der Stadt auf und Fenton erfährt, dass seine Frau vielleicht ermordet wurde. Während er sich nach England aufmacht, um den ihm zugespielten Hinweisen nachzugehen, nehmen Frank, Joe und ihre neuen Freunde eigene Ermittlungen auf und geraten in das Abenteuer ihres Lebens.
Die Hardys
Die „The-Hardy-Boys“-Reihe gehört zu den langlebigsten Jugendkrimiserien der Welt. Zwischen 1927 und 2005 wurden bei diversen Publishern sowie durch mehrere Neuausrichtungen und Spin-offs hindurch bislang weit über 300 Geschichten verfasst und in 25 Sprachen übersetzt. Bereits 1956 flimmerte die erste TV-Version über die Bildschirme, der 1957 gleich eine zweite folgte. Insgesamt schafften es die fiktiven umtriebigen Brüder bis 2006 ganze sechsmal auf den kleinen oder großen Screen, ohne offensichtlich an Beliebtheit zu verlieren.
Bei so einer Masse an Vorlagen und einem über die Jahrzehnte dicht gewachsenen Franchise verwundert es kaum, dass es zu einer filmischen Neuauflage kam. Unter der Flagge des Streamingdienstes Hulu schossen sich die Produzenten, Regisseure und Drehbuch-Autoren Jason Stone (Aftermath) und Steve Chochrane (Lost Girl) auf einen durchaus unterhaltsamen Mix aus Krimiserie, Abenteuer und Mystery ein.
Wer ist die Zielgruppe (?)
Obwohl die Show mit Blick auf die ersten beiden Episoden unterhaltsam ist und mit einem möglichst niedrig dosierten Maß an Gewalt auskommt, stellt sich beim Zuschauen doch die grundlegende Frage nach der anvisierten Zielgruppe. Ähnlich wie zum Beispiel die ebenfalls auf dem Streamingdienst Disney+ verfügbare japanische Jugendkrimiserie „The Files of Young Kindaishi“ offenbart sich schnell ein grundlegendes Problem.
Die Hauptfiguren bewegen sich altersmäßig samt und sonders im Teenagerbereich zwischen 13 und 18, entsprechend ist die Serie ab zwölf freigegeben. Das ist auch richtig so, denn schon in der Eröffnungsszene werden Menschen erschossen. Hinzu kommt die Ermordung der Mutter, Mordversuche und einiges mehr. Im Gegensatz zum hübschen Abenteuer um „Theodosia“ ist The Hardy Boys also definitiv nichts für Kinder. Dennoch bleibt zu bedenken, dass heutzutage fast jeder Marvel-Blockbuster sowohl visuell als auch in Sachen Gewaltgrad wesentlich mehr zu bieten hat.
Ob sich daher das Gros der zwölf- bis 16-jährigen Zuschauenden wirklich für die Adaptation begeistern kann oder lieber zu leicht zugänglichen, härteren Serien greift, ist eine berechtigte Frage. Dennoch ist es gut zu wissen, dass es noch Macher gibt, die ohne ausufernde Weltuntergänge oder schlimmstenfalls Hektoliter an Kunstblut und strumpfgefülltem Filmgedärm (liebe Grüße an The Walking Dead) auskommen.
Familienunterhaltung
Tatsächlich benötigt The Hardy Boys jene Art von Effekthascherei nicht, um spannend und unterhaltsam zu sein. Das Pacing wechselt geschickt zwischen ruhigeren und Spannungsphasen. Die gezeigten Actionszenen sind auch ohne allzu plakative Anwandlungen ansehnlich und das Storytelling ist strukturell gut umgesetzt. Das Cold Open macht neugierig und ist actionorientiert. Der Tod der Mutter und die sich anschließende Beerdigung lassen uns mit den Protagonisten mitfühlen.
Der Umzug nach Bridgeport baut das im Teaser etablierte Rätsel aus und so weiter. Hinzu gesellen sich zu Alexander Elliot und Rohan Campbell mit Keana Lyn Bastidas (als Callie), Adam Swain (Chet), Riley O'Donnel (Biff) und Cristian Perri (spielt den Phil) ein talentierter Jung-Cast. Der aus Big Little Lies bekannte James Tupper (ab Staffel 2 Anthony Lemke, Dark Matter) gibt einen tollen Polizisten-Papa ab und Stephen R. Hart ist als „großer Mann“ richtig schön fies. Das sind gute Voraussetzungen für nette Familiennachmittage vor dem Fernseher, zumal auch einige Mystery-Elemente in den Plot eingebaut sind.
Technisches
Visuell ist „The Hardy Boys“ für eine Jugendserie erstaunlich gut umgesetzt und hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Abgesehen von Stone fungieren beispielsweise Melanie Orr (bekannt aus der grandiosen Serie Orphan Black) und Jeff Ronfroe (Chucky, Killjoys) als Regisseure. Laura Seaton (The Expanse) übernahm den Job der Story-Editorin und Fraser Brown (Titans) zeichnet für die Kameraarbeit der ersten Staffel verantwortlich.
Die Ausstattung hat Brian Verhoog (Good Witch) zu verantworten und die Stunt-Koordination liegt in den kundigen Händen von Brian Jagersky (Nikita). Die erfahrene Crew wirkt sich positiv auf das Seriendesign aus, wenn auch bisweilen die angestrebte 80er-Jahre-Optik nicht ganz so überzeugend rüberkommt, wie es vielleicht möglich gewesen wäre. Ansonsten gibt es aber nicht viel am Look und Feel der Show auszusetzen.
Fazit
„The Hardy Boys“ ist ein Fernseherlebnis, das ein mit den Büchern aufgewachsenes Publikum ebenso anspricht wie junge Zuschauerinnen und Zuschauer, die ein tolles Abenteuer dem Leinwandbombast bevorzugen. Die Hauptfiguren sind sympathisch, die Bösewichte herrlich fies, das Geheimnis baut sich zwar langsam auf, ist aber nicht zu unübersichtlich. Der Plot driftet zudem nicht zu stark ins Kindlich-Naive ab und hält sich von unnötiger Härte fern. Das Produktions-Design hinterlässt ebenfalls einen durchaus guten Eindruck, so dass sich die Serie im Familienkreis wundervoll anschauen und genießen lässt. Prima ist außerdem, dass eine dritte und finale Staffel bereits angekündigt ist, so dass die Geschichte zu einem adäquaten Ende kommt. Wir zücken vier von fünf Taschenlampen für die bei Disney+ streambare Serie.
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 24. Januar 2023The Hardy Boys 1x01 Trailer
(The Hardy Boys 1x01)
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