The Good Wife 7x06

The Good Wife 7x06

Peter richtet seine Augen auf den Hauptgewinn: Er will sich nicht länger als Vizepräsident in Stellung bringen, sondern versuchen, selbst ins Weiße Haus einzuziehen. Nichtsahnend, dass Eli weiterhin an seinem Racheplan werkelt.

Eine von vielen Lügen, die in der Folge erzählt werden: Elis (Alan Cumming, r.) Geschichte von seinem Opa. / (c) CBS
Eine von vielen Lügen, die in der Folge erzählt werden: Elis (Alan Cumming, r.) Geschichte von seinem Opa. / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Lies:

Ruth (Margo Martindale) lädt Eli (Alan Cumming) auf einen Drink ein: Sie will das Kriegsbeil zwischen ihnen begraben. Außerdem hat sie große Neuigkeiten: Die intern in Auftrag gegebenen Umfragen zeigen, dass die Werte von Peter (Chris Noth) so gut sind, dass er sich nicht hinter Hillary Clinton zu verstecken braucht. Tatsächlich ist der Plan nicht länger, sich im Wahlkampf für einen Posten als Hillarys Vizepräsident zu bewerben. Stattdessen legt es Peter darauf, selbst US-Präsident zu werden. Das bedeutet allerdings, dass er Alicia (Julianna Margulies) in einem viel größeren Umfang benötigen wird als vorher gedacht. Deshalb ist Ruth bereit, Eli wieder stärker in den Wahlkampf einzubinden.

Eli hält allerdings weiter an seinem Racheplan fest. Am Tag der Bekanntgabe von Peters Präsidentschaftskandidatur will er die Bombe platzen lassen, dass der hochrangige Parteifunktionär Frank Landau (Mike Pniewski) für die Manipulation der Wahlcomputer im vergangenen Jahr verantwortlich gewesen ist. Für Peters Kampagne (die von Landau unterstützt wird) wäre das ein schwerer Schlag. Von Richter Schakowsky (Christopher MacDonald) besorgt sich Eli die nötigen Beweise, um Landau hochgehen zu lassen. Er erfährt dabe jedoch, dass die Bombe viel größer ist, als er selbst vermutet hatte: Denn Peter selbst hat die Manipulation mit in Auftrag gegeben, um Alicia zum Sieg zu verhelfen. Wenn er die Bombe platzen lässt, so muss Eli fürchten, dass das Peter - und wohl auch Alicia - zerstören würde.

Alicia und Lucca (Cush Jumbo) haben unterdessen mit einer scheinbar simplen Arbeitsrechtsklage zu tun: Eine Software-Programmiererin (Anna Wood) ist von ihrer Firma entlassen worden, nachdem sie in einem Lügendetektor-Test bei einer Lüge ertappt worden ist. Angeblich sollte mit dem Lügendetektor-Test ein Dieb ausfindig gemacht werden. Jason (Jeffrey Dean Morgan) findet jedoch heraus, dass es in der Firma überhaupt keinen Diebstahl gegeben hat. In diesem Falle wäre der Test unzulässig gewesen. Im Zuge des Verfahrens kommt jedoch heraus, dass besagtes Unternehmen Projekte für die NSA durchführt. Mit Carys (Matt Czuchry) Hilfe wendet sich Alicia an den nach Island geflohenen Ex-NSA-Mitarbeiter Jeff Dellinger (Zach Woods). Das erweist sich jedoch als fatal. Denn damit gerät sie selbst wieder ins Fadenkreuz der Lauscher...

Sie hat Snowden gesagt!

Da hatte ich im Review zur vorangegangenen Folge Payback gerade noch davon gesprochen, wie episodisch die Erzählweise von The Good Wife in der siebten Staffel geworden ist, da scheint dies auch den Autoren aufgefallen zu sein. In Lies tut sich nämlich so Einiges in Sachen fortlaufender Handlungsstränge. Was zunächst nur wie ein weiterer Fall der Woche aussieht, entpuppt sich schließlich als das Einfallstor für die Rückkehr unserer lieben NSA-Schnüffler. Da kann Alicia noch so viel Vorsicht walten lassen. Gegen die Neugier der Spione hilft das nicht, weil sie offenbar schon längst Dellinger abhören.

Die NSA-Lauscher sind immer noch ein Haufen unreifer Jungs (Michael Urie, Tobias Segal) mit Null Sinn für Privatsphäre und Datenschutz. Für sie sind die Telefonate, die sie abhören, ebenso wie die Ziegen-Videos, die sie einander zuschicken, Teil des Unterhaltungsprogramms. Und außerdem ist da natürlich immer der Aspekt der Arbeitsplatzsicherheit: Wird die Lauscherei gesetzlich eingeschränkt, müssen diejenigen, die lauschen, schließlich um ihre Beschäftigung fürchten. Deshalb ist es so wichtig, dass man etwas zum Lauschen hat. Und wovon man nach außen hin vorgeben kann, dass man da etwas ganz Wichtiges tut. „Sie hat Snowden gesagt!“ - der Kontext spielt keine Rolle. Hauptsache, man kann weiter abhören!

Das, was die Darstellung des NSA-Abhörprogramms in The Good Wife so real erscheinen lässt, ist die Banalität des Ganzen. Es ist überhaupt kein sinistrer Plan, der dahintersteckt, als sie das Abhören von Alicia wieder aufnehmen. Sie können es. Es hat schon beim letzten Mal viel Spaß gemacht. Es sorgt dafür, dass sie was zu tun haben. Also tun sie es. Egal, wie die Konsequenzen später aussehen werden. Und Konsequenzen - für Alicia - wird das mit Sicherheit noch haben.

Peter for President, Alicia for Betty Ford?

Ein anderer Handlungsstrang, der deutlich an Fahrt gewinnt, ist Peters Kandidatur: So lange es nur darum ging, sich als möglicher Vizepräsident in Stellung zu bringen, war das eine eher weniger aufregende Angelegenheit. Nun hat sich der Einsatz aber deutlich erhöht: Es geht um die Präsidentschaft selbst, wodurch automatisch auch Alicia viel stärker in diesen Handlungsstrang eingebunden wird. Sie soll - nach dem Willen von Ruths Wahlkampfteam - wahlweise als Jackie Kennedy oder Michelle Obama in Szene gesetzt werden.

Alicia nimmt das relativ unbewegt zur Kenntnis. Vorsorglich ist sie allerdings schon mal von Rotwein auf Tequila umgestiegen. Man kann nur hoffen, dass daraus nicht doch über kurz und lang ein Problem erwächst: Ihre Hinwendung zum Alkohol nimmt jedenfalls mittlerweile doch etwas bedenkliche Züge an.

Wie weit geht Eli?

Am meisten Spaß macht in Lies wieder einmal das herrlich intrigante Spiel von Eli, der das schadenfreudige Grinsen im Gesicht kaum unterdrücken kann, als die Pläne seiner Kontrahentin für den Wahlkampfauftakt alle misslingen (wobei er natürlich möglicherweise auch seine Hände im Spiel hat). Eli ist es allerdings auch, der in dieser Folge vor dem wohl größten inneren Konflikt steht: Einerseits will er Landau zu Fall bringen. Andererseits will er Peter zwar „in Gefahr bringen“, aber nur so weit es dazu dient, „den Krebs zu bekämpfen“. Er will den „Patienten“, wie er Peter gegenüber seiner Sekretärin (Nicole Roderick) bezeichnet, nicht umbringen. Vor allem aber will er Alicia nicht schaden. Ihr, das wird in dieser Episode mehr denn je deutlich, gehört seine Loyalität.

Ihretwegen verzichtet er darauf, die Bombe platzen zu lassen. Und wir können im Augenblick nur rätseln, wie er wohl ihren im Fernsehen übertragenen Gesichtsausdruck interpretiert: Ist es nur eine Rolle, die sie als First Lady in spe spielt? Oder ist es echte Zuneigung und Hingabe an Peter, die Eli dort sieht? Und welche Folgen wird dies für seinen Racheplan haben?

Wer ist Jason?

Eher am Rande läuft auch noch der Handlungsstrang rund um den Privatdetektiv Jason Crouse mit: Alicia und Lucca beschließen, dass sie schon allein aus versicherungstechnischen Gründen mehr über den Mann erfahren müssen, den sie als Ermittler beschäftigen. Der Richter, den Jason geschlagen hat, warnt Alicia davor, dass sie es in der Person des Detektivs mit einem Soziopathen zu tun hat. Lucca hört dagegen, dass der Vorfall, in den Jason mit dem Richter verwickelt gewesen ist, wohl reichlich aufgeblasen worden ist; und dass es sich eher um ein Schubsen als um eine lebensgefährliche Schlägerei gehandelt ist.

So richtig sehen wir noch nicht klar, was es mit Jason eigentlich auf sich hat.

Weiblich, jung, schwarz sucht... eine faire Chance

Die sprichwörtliche A....karte haben wieder einmal Christine Baranski und Matt Czuchry gezogen: Ihr Plot hat so gar nichts mit dem Rest der Folge zu tun. Und fällt erneut eher in die Kategorie Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Dabei scheinen die Autoren im Augenblick etwas unmotiviert und ohne erkennbaren Plan einfach mal alle möglichen berufsweltlichen Konflikte an der Kanzlei Lockhart Agos & Lee durchspielen zu wollen. In der vergangenen Episode war Altersdiskriminierung dran. Diesmal geht es um Rassismus in der Einstellungspolitik.

Das Anliegen der Autoren ist dabei durchaus löblich. Schonungslos legen sie die Mechanismen offen, welche dazu führen, dass weiße männliche Bewerber bevorzugt behandelt werden: Schubladen-Denken („Die kommt aus Baltimore“ = Vorannahmen über den sozialen Hintergrund), Eliteuni-Dünkel - der institutionelle Rassismus steht auf vielen Säulen. Und den davon Betroffenen ist nicht mit guten Ratschlägen und schönen Worten geholfen, sondern nur mit ganz konkreten Taten. Mit einem Job.

Das ist ein sehr guter und richtiger Punkt. Schade nur, dass er in der Episode so ein bisschen untergeht.

Fazit

Die NSA ist zurück. Peter will Präsident werden. Eli steht vor einer kniffligen Entscheidung. Christine Lahti gibt eine herrlich arogante Gegenspielerin. Und „I Will Always Love You“ klang noch niemals besser als von Ziegen gesungen. Lies geht mit dieser Kombination locker als eine der bislang besten Folgen der siebten Staffel von durch.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 10. November 2015
Episode
Staffel 7, Episode 6
(The Good Wife 7x06)
Deutscher Titel der Episode
Lügen
Titel der Episode im Original
Lies
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. November 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 24. Januar 2017
Autor
Erica Shelton
Regisseur
James Whitmore Jr.

Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x06

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