The Good Wife 6x02

The Good Wife 6x02

Manchmal kann es einem sehr leicht passieren, dass man überhaupt nicht weiß, wie einem geschieht. Es ist, als hinge man an unsichtbaren Strippen, an denen von irgendwoher gezogen wird. Diese Erfahrung macht Alicia in Trust Issues. Doch sie weiß sich zu wehren.

Sitzt ganz schön in der Patsche: Cary (Matt Czuchry). / (c) CBS
Sitzt ganz schön in der Patsche: Cary (Matt Czuchry). / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Episode Trust Issues:

Cary (Matt Czuchry) sitzt nach wie vor im Gefängnis. Und Staatsanwalt Finn Polmar (Matthew Goode) scheint fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt. In einer Anhörung versucht er den Beweis zu führen, dass das Geld, mit dem Florrick Agos die Kaution bezahlen will, in Wahrheit von dem Drogendealer Lemond Bishop (Mike Colter) stammt. Tatsächlich gelingt es Finn, eine Vorladung für Bishop vor Gericht zu erwirken. Bishop hat jedoch bereits klar gemacht, dass er das Geld zurückzieht, sollte das passieren. Alicia (Julianna Margulies) steht also wieder ganz am Anfang: Wo bekommt sie das Geld für Carys Kaution her?

Sie will eine zweite Hypothek auf ihre Eigentumswohnung aufnehmen. Sie hat dabei aber ein Problem: Peter (Chris Noth) ist als Miteigentümer eingetragen - und müsste die Hypothek ebenfalls unterzeichnen. Doch Peter weigert sich: Er fürchtet um die öffentliche Meinung, falls herauskommen sollte, dass das Geld für die Kaution eines möglichen Straftäters bestimmt ist. Ob die Vorwürfe gegen Cary stimmen oder nicht, ist dabei völlig unwichtig. Es kommt nur darauf an, wie es in den Medien aussehen könnte.

Als wäre die Lage nicht schon schwierig genug, muss Alicia außerdem einen Fall von Cary übernehmen. Dabei geht es um den Internet-Riesen Chumhum, ihren größten Klienten. Sollte Alicia versagen, könnten sie Chumhum verlieren, was für die Kanzlei - trotz Dianes (Christine Baranski) bevorstehendem Wechsel - ein harter Schlag wäre...

Eine Welt der Fäden

In Trust Issues steckt nicht ganz so viel Adrenalin wie im Staffelauftakt The Line. Der Unterhaltung tut dies jedoch keinen Abbruch. Die Folge bietet wieder einmal spannend und komplex erzähltes Drama. Dabei ist die Komplexität in The Good Wife aber kein Selbstzweck, kein affektiertes „Schaut mal her, wie clever wir sind!“, sondern geht ganz natürlich aus der Beschaffenheit dieses Serien-Universums hervor.

Die Welt, wie sie in The Good Wife erzählt wird (und gerade in dieser Hinsicht sehr an unsere eigene, alltägliche Welt erinnert), ist eine Welt, die aus einer kaum überschaubaren Anzahl an Fäden zu bestehen scheint. Wir selbst hängen an Fäden, genau so jedoch die anderen. Und jeder versucht an den Fäden in seinem Sinne und Interesse zu ziehen, wobei uns oft gar nicht klar ist, wer gerade an unseren Fäden zieht, oder warum. Oder um es in den Worten von Eli (Alan Cumming) zu sagen: „Sometimes the world just takes over.

Verblüfft

Gleich mehrfach weiß Alicia überhaupt nicht, wie ihr geschieht. Plötzlich ruft Valerie Jarrett (die übrigens tatsächlich Beraterin von Präsident Obama im Weißen Haus ist!) in der Kanzlei an und will mit ihr über ihre Kandidatur zur Bezirksstaatsanwältin sprechen. Es ist natürlich Eli, der Gott des Strippenziehens, der in diesem Augenblick an Alicias Fäden zu ziehen versucht, um sie überhaupt zu besagter Kandidatur zu bewegen. Dazu macht er zunächst Valerie zu seiner Marionette, deren Fäden sich aber nicht so ganz in seinem Sinne manipulieren lassen. Auch damit muss man beim Strippenziehen jederzeit rechnen: Fäden können reißen, sich verheddern oder in die falsche Richtung ausschlagen.

Der Gesichtsausdruck völliger „Was passiert hier gerade?“-Verwirrung auf Alicias Gesicht dürfte derweil Julianna Margulies schon jetzt mindestens die nächste Emmy-Nominierung gesichert haben. Kaum minder verblüfft schauen sie und Robyn (Jess Weixler) drein, als plötzlich wie aus dem nichts ein Unternehmer in der Kanzlei auftaucht und ihnen einen Millionenscheck für Carys Kaution so einfach und scheinbar unverbindlich in die Hand drücken will. Aber selbstverständlich hat er natürlich doch einen Hintergedanken: die Hoffnung, dass Alicia gegen den amtierenden Bezirksstaatsanwalt Castro (Michael Cerveris) antritt.

Das Dilemma

Auch dieser hält so manchen Faden in der Hand: So legt die Szene in seinem Büro den Verdacht nahe, dass es ihm bei der Inhaftierung Carys (und der harten Haltung der Staatsanwaltschaft ihm gegenüber vor Gericht) nicht nur darum geht, an Lemond Bishop heranzukommen, sondern in einem Aufwasch auch Alicia - qua Assoziation mit Cary - diskreditieren und damit als mögliche Konkurrentin für Castro kaltstellen zu können. Nach dieser Szene wünscht man sich fast, dass Alicia doch antritt...

Der Faden, der zu Cary führt, bringt unterdessen schwerwiegende Konsequenzen mit sich: Cary schwört Stein und Bein, dass die Tonband-Aufnahme, die Kalinda (Archie Panjabi) in die Hände gefallen ist, manipuliert worden ist. Er habe Bishops Leuten niemals Tipps zum Drogenschmuggel gegeben. Sie hätten sich in Wahrheit über den Realismus von Filmplots unterhalten. Um das bestätigt zu bekommen, bräuchte Cary aber die Aussage von Bishops Leuten. Bishop ist jedoch vor allem daran interessiert herauszufinden, wer der Spitzel in seiner Crew ist. Er lässt einen der Beteiligten töten - und bringt Kalinda damit eine extrem heikle Situation. Sie weiß (durch die Lautestärke der Stimmen auf dem Band), dass Bishop den falschen Mann umgebracht hat.

Was soll sie nun tun? Liefert sie den tatsächlichen Spitzel aus, macht sie sich strafbar. Sagt sie nichts, riskiert sie, dass Bishop beide, den Spitzel und den letzten „nützlichen“ Zeugen, tötet. Es ist eine verzwickte Lage, in der Kalinda da steckt.

Sitcom

Neben all dem Drama hat Trust Issues aber auch zahlreiche heitere Momente zu bieten. Schon vor Jahren habe ich geschrieben, dass The Good Wife in vielen Episoden mehr Lacher als die meisten Sitcoms zu bieten hat. Das gilt heute mehr denn je.

Der Umbau der Kanzlei, welcher wohl dem Zweck dient, dem Ort zu ein paar dringend benötigten Türen zu verhelfen, grenzt fast schon an Slapstick. Auf die Spitze getrieben wird die Dysfunktional-Komik der Kanzlei natürlich beim Besuch von Dean (Taye Diggs), der in Augenschein nehmen möchte, für welche Kanzlei Diane ihren glänzenden Erfolgsbetrieb Lockhart Gardner Canning aufgeben will. Und dabei das reinste Tollhaus vorfindet. Und Gunter (Danny Hoch), der wohl eine Art Obdachloser ist, der das Badezimmer der Kanzlei zum Frischmachen nutzen darf. Und damit in der Regel schon im Fahrstuhl beginnt.

Robyns Erklärungsversuche helfen derweil auch nicht wirklich weiter, Deans Eindruck von Florrick Agos signfikant zu verbessern.

Umarmung

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die großen Charaktermomente der Folge. In den Sinn kommt einem dabei zunächst der Streit im Hause Florrick, der mit der gegenseitigen Bezichtigung zu Ende geht, wie sehr sich der jeweils andere verändet hat. Womit beide Recht fraglos Recht haben. Bevor Peter der abgeklärte Polit-Profi wurde, ja, möglicherweise sogar noch vor dem Skandal, den er zu Beginn der Serie erlebt hat, hätte er die Hypothek vielleicht mitunterzeichnet. Das kommt nun jedoch nicht in Frage.

Umgekehrt hat sich aber auch Alicia verändert: Für einen Freund ist sie bereit, ihre Wohnung zu verpfänden und eine mögliche politische Karriere (-option) in den Wind zu schlagen. Das ist nicht die mausgraue gute Ehefrau, die sie einmal gewesen ist. Das ist eine Frau, die gelernt hat, konsequent ihre Ziele zu verfolgen.

Ein sehr berührender Moment ist die (erste) Umarmung zwischen Alicia und Cary. Ihr Streit um die Kanzlei ist zwar keineswegs beigelegt. Cary hat gegen die Aufnahme von Diane und den weiteren LGC-Abtrünnigen gestimmt. Doch in diesem Augenblick stehen sie sich einfach nur als Freunde gegenüber, die viel durchgemacht und vollen Einsatz füreinander gezeigt haben.

Die Idealistin

Apropos berührend: Das ist auch der stille Abschied von Diane aus ihrem Büro. Der Blick auf die Uhr, ein letztes Streicheln über den Schreibtisch. Wer jemals Abschied von einer wohl vertrauten Arbeitsstätte genommen hat, der kennt dieses Gefühl der Wehmut, das einen beschleicht. Genau dieses Gefühl transportiert auch Dianes Szene im Büro - bis hin zum perfekten und für The Good Wife sehr typischen Abschluss: dem Schließen der Aufzugtüren.

Zuvor hat Diane gegenüber Dean ein äußerst leidenschaftliches Statement für Florrick Agos abgegeben, welches in zweierlei Hinsicht bemerkenswert ist: Erstens, weil sie Dean so vollkommen vertraut. Und zweitens, weil darin deutlich wird, dass der Wechsel zu Florrick Agos für sie nicht nur eine Sache der Bequemlichkeit ist, weil ihr in ihrer eigenen Kanzlei durch Lee und Canning der Gegenwind ins Gesicht schlägt. Vielmehr wird sie motiviert von der durch und durch idealistischen Vision einer Kanzlei, in der Frauen und Minoritäten einen Platz an der Spitze haben.

Fazit

Wenn es irgendetwas gegeben hat, was man an dieser Folge hätte kritisieren können, dann ist es mir offenbar entgangen, weil ich viel zu gut unterhalten war.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 30. September 2014
Episode
Staffel 6, Episode 2
(The Good Wife 6x02)
Deutscher Titel der Episode
Vertrauensfragen
Titel der Episode im Original
Trust Issues
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. September 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 19. Januar 2016
Autor
Ted Humphrey
Regisseur
Jim McKay

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x02

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