The Good Wife 5x15

The Good Wife 5x15

Diese Folge von The Good Wife braucht ein Review. Mehr kann man dazu im Teaser gar nicht sagen. Wer die Folge noch nicht gesehen hat, sollte dies auf jeden Fall nachholen, bevor er in diesen Artikel schaut. AKUTE SPOILERWARNUNG! Eine Nachbetrachtung von Christian Junklewitz.

Eine schicksalhafte Verhandlung. / (c) CBS
Eine schicksalhafte Verhandlung. / (c) CBS

Mit Dramatics, Your Honor liefert The Good Wife in der aktuellen fünften Staffel bereits die zweite Episode, die mich die vor einiger Zeit eingegangene Review-Abstinenz durchbrechen lässt. Und mehr noch als bei Hitting the Fan gilt: Um Gottes Willen! DIESER ARTIKEL SOLLTE AUF GAR KEINEN FALL GELESEN WERDEN, WENN MAN DIE FOLGE NICHT ZUVOR GESEHEN HAT!

SPOILER! SPOILER! SPOILER! SPOILER! SPOILER! SPOILER!

Im Grunde ist es sogar schon zu viel Information, wenn man weiß, dass es eine Episode ist, zu der es einen MEGA-SPOILER gibt. Ich selbst bedauere es jedenfalls zutiefst, dass ich auf einer US-Webseite etwas von einem „shocking exit“ gelesen hatte, bevor ich die Folge gesehen habe. Denn auch, wenn man die genauen Details nicht kennt, nimmt allein die Erwartung, dass etwas Großes passiert, der Ausstieg einer Figur, etwas von der Überraschung, ja Schock, der sich einstellt, als es dann tatsächlich passiert.

Falsche Fährte

Möglicherweise für den Fall gedacht, dass doch ein Spoiler ans Tageslicht kommen sollte, haben die Macher geschickt eine falsche Fährte in die Episode eingebaut. Schließlich sieht es ja zunächst so aus, als würde Kalinda (Archie Panjabi) die Kanzlei verlassen wollen. Dieser Wunsch kommt etwas überraschend. Sie verneint, dass es dabei um Geld geht. Auch mit Alicia (Julianna Margulies) soll es nichts zu tun haben. Bleibt also noch die Möglichkeit, dass es ihrer Beziehung zu Cary (Matt Czuchry) geschuldet ist. Und dass sie sich nicht dem andauernden Loyalitätskonflikt aussetzen will.

Was es auch immer ist: es spielt schon bald keine Rolle mehr. Denn die Figur, die von uns geht, ist nicht Kalinda, sondern Will (Josh Charles). Und das für immer.

Der Klient

Ausgerechnet Jeffery Grant (Hunter Parrish), für den Will sich schon in The Next Week mit aller Kraft eingesetzt hatte und dessen Unschuld er nun in Dramatics, Your Honor vehement zu beweisen versucht, dreht im Gerichtssaal durch. Er entreißt einem Wachmann die Pistole und beginnt, um sich zu schießen. Wir wissen immer noch nicht, ob er des Mordes, dessen er bezichtigt wird, tatsächlich schuldig ist oder nicht. Manches spricht dafür; Zweifel sind jedoch immer noch gegeben. So oder so - Jeffery dreht durch. Er hält den Belastungen der Inhaftierung und des Verfahrens nicht mehr stand.

Und Will ist eines seiner Opfer. Er stirbt, während er genau das tut, was er am besten kann - und was eine seiner nobelsten Qualitäten ist. Er stirbt, während er sich leidenschaftlich für einen Klienten einsetzt, den er selbst zumindest für unschuldig hält. Darin liegt Trost und Tragik zugleich.

Orientierungslos

Die Inszenierung von Wills Tod ist - wie man es in The Good Wife nicht anders erwartet - famos. Wir sehen nicht, wie er erschossen wird. Wir sind im Gerichtssaal nebenan bei Diane (Christine Baranski), die die Schüsse hört - und erst einmal (genau wie die Zuschauer) nur ahnen kann, dass etwas Schreckliches passiert ist. Regisseurin Brooke Kennedy fängt perfekt den Schrecken und die Orientierungslosigkeit ein, welche die Situation kennzeichnen. Genau wie Diane und Kalinda wissen wir zunächst nicht, was passiert ist. Erst im Krankenhaus setzt die traurige Gewissheit ein. Und die Tränen.

Der Ausstieg

Wills Tod war keine ganz freiwillige Entscheidung der Serien-Schöpfer Robert und Michelle King. Sie ist ihnen ein Stück weit dadurch aufgezwungen worden, dass Schauspieler Josh Charles die Serie verlassen wollte, um sich den berühmten „anderen kreativen Herausforderungen“ zu stellen. Von vornherein hatte er einen Vertrag mit einer kürzeren Laufzeit geschlossen, den er im vergangenen Jahr nur um eine Staffel verlängert hat „46660“. Wie wir nun wissen: Noch nicht einmal eine komplette Staffel.

In einem Interview, das er TV Line gegeben hat, klingt vor allem durch, dass er der Arbeitsbelastung mit 22 Folgen im Jahr überdrüssig war. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass er ja kürzlich erst geheiratet hat „53085“ und nun das Thema Familiengründung ins Haus steht, will er in Zukunft lieber Serien mit nur 10 bis 13 Episoden im Jahr drehen. Das ist ein menschlich sehr verständliches Anliegen. Ein bisschen Kopfschütteln ist sicherlich auch dabei: Immerhin hat ihm die The Good Wife-Rolle Emmy- und Golden-Globe-Nominierungen und eine Auszeichnung bei den People's Choice Awards eingebracht. So einen Part, sollte man meinen, gibt man nicht so ohne Weiteres auf. Andererseits sind schon genug Seriendarsteller-Ehen an der ständigen Abwesenheit des einen Partners zerbrochen.

Charles nimmt die Verantwortung jedenfalls auf die eigenen Schultern: „Ich weiß, dass die Zuschauer geschockt sein werden. Es wird die Fans aufregen und vielleicht sogar verärgern. Das geht dann auf meine Kappe. Wenn sie jemandem die Schuld dafür geben wollen, dann können sie sie mir geben.

Die Entscheidung

In einem Brief an die Fans erläutern Robert und Michelle King ihre Entscheidung, Will sterben zu lassen: „Wir hätten ihn nach Seattle schicken können. Oder er hätte seine Anwaltszulassung verlieren können. Er hätte heiraten können. Oder nach Borneo gehen, um dort Gutes zu tun. Aber irgendwie wären das alles, angesichts der Leidenschaft zwischen Will und Alicia, magere Hürden gewesen. Die brutale Realität des Todes entspricht dagegen der Wahrheit und Tragödie der beiden Figuren, deren Beziehung immer von einem Bad Timing geprägt gewesen ist.

Und damit haben die beiden Recht. Will einfach weggehen zu lassen, wäre letztlich noch unbefriedigender gewesen. Dass er nicht mehr da ist, ist unendlich schade! Ich selbst bin immer im Team Will gewesen. Meine Entscheidung, keine Reviews mehr zu The Good Wife zu schreiben, ging zumindest teilweise auch auf meine Verärgerung darüber zurück, dass Alicia die Beziehung zu Will in der dritten Staffel beendet hat, um am Ende zu Peter (Chris Noth) zurückzukehren. Meine Güte, was war ich sauer!

Will und Alicia

Das Liebesdreieck Will-Alicia-Peter gehörte von Beginn an konstitutiv zur Serie - und machte auf der emotionalen Ebene einen ganz wesentlichen Teil der Spannung aus. Das galt sogar umso mehr nach Hitting the Fan, als der (zumindest von Will so aufgefasste) Verrat von Alicia an der Kanzlei ihre Freundschaft zu Will zerschmettert hat. Zu sehen, wie verletzt und wütend Will reagiert und wie sehr das wiederum Alicia trifft, unterstrich gerade, welche leidenschaftlichen Gefühle zwischen den beiden bestehen. Als Fan der Serie - und als Teil von Team Will - konnte man es kaum abwarten, dass sich die beiden wieder versöhnen.

Ihr Gespräch im Imbiss (in A Few Words) war ein erster Schritt dorthin. Ebenso die versöhnliche Geste, die Alicia in Dramatics, Your Honor unternimmt, als sie Will von dem Anruf der Eltern seines Klienten berichtet.

Es ist wirklich eine Tragödie, dass es zu mehr nun nicht mehr kommen wird. Die Geschichte von Will war weit davon entfernt, auserzählt zu sein. Nicht nur in Bezug auf Alicia, sondern natürlich auch hinsichtlich der Zukunft von Lockhart Gardner. Immerhin hat er die Kanzlei auf einen ziemlich konfrontativen Kurs gebracht. Mit nicht minder großer Spannung durfte man zudem erwarten, wie er aus der Geschichte rund um die Wahlmanipulation herauskommt, ohne Peter zu belasten und den Graben zu Alicia noch größer werden zu lassen.

Unvollendet und unvorbereitet

Unvollendet. Genau das macht diesen Tod so schockierend und so realistisch. Natürlich gibt es die Todesfälle, die man erwartet. Nach langer Krankheit zum Beispiel. Doch sehr oft reißt der Tod einfach jemanden aus unserer Mitte. „Es ist schrecklich, wie an einem normalen, sonnigen Tag auf einmal die Tragödie über uns hereinbrechen kann.“ So beschreiben es die Kings. Und nennen es als einen der Gründe, warum sie sich entschlossen haben, Will sterben zu lassen. Weil sie genau diese Plötzlichkeit erzählen wollten: „Das letzte Mal, dass Du einen geliebten Menschen getroffen hast, ist auf einmal wirklich das letzte Mal.

Es trifft einen unvorbereitet. Genau so wie diese Folge. Deshalb ist der überraschende Tod von Will auch keine billige Effekthascherei, sondern gerade in seiner Plötzlichkeit und Unmittelbarkeit von narrativer Bedeutung. Er bricht über die Figuren herein - und verändert schlagartig ihre Ziele und Prioritäten. Das eigentliche Drama ist, was jetzt auf den Tod Wills folgt. Wie gehen die Figuren damit um? Was verändert sich für sie? Einen kurzen Ausblick darauf hat die Episode selbst direkt im Anschluss in Form eines Trailers gegeben: so sehen wir etwa, dass das Liebesdreieck Will-Alicia-Peter durchaus weiterlebt; nur dass Peter auf einmal - in der Zuneigung Alicias - mit einem Toten zu konkurrieren hat, was natürlich ungleich schwieriger ist.

Pikant wird die Situation nicht zuletzt dadurch, dass Will - wenn auch mehr oder minder gezwungenermaßen - als Belastungszeuge im Verfahren gegen Peter vorgesehen war, was natürlich im Umkehrschluss bedeutet, dass Wills Tod... gut für Peter ist. Ohne dass er etwas dafür könnte, profitiert er vom Ableben seines Rivalen. Das macht die Sache emotional sicher nicht weniger kompliziert, sondern ganz im Gegenteil.

Fazit

Nun sind es genau solche emotionalen Komplikationen, von denen The Good Wife lebt. Es fällt mir - wie wohl den meisten Fans - unendlich schwer, Abschied von Will zu nehmen. Ich habe keine Ahnung, wie die Serie ohne ihn funktionieren wird. Und doch komme ich nicht umhin, meinen Hut vor den Kings zu ziehen: sie haben meines Erachtens nach aus einer schwierigen Ausgangslage - dem Wunsch eines zentralen Hauptdarstellers, aus der Serie auszusteigen - das Bestmögliche gemacht. Und nun bleibt abzuwarten, wie sich The Good Wife von diesem Punkt an weiter entwickelt. Eines steht nach Hitting the Fan und Dramatics, Your Honor (Was für ein Episodentitel!) auf jeden Fall fest: die Serie ist so unvorhersehbar und spannend wie selten zuvor!

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 24. März 2014
Episode
Staffel 5, Episode 15
(The Good Wife 5x15)
Deutscher Titel der Episode
Drama, Euer Ehren!
Titel der Episode im Original
Dramatics, Your Honor
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 23. März 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 24. Februar 2015
Autoren
Robert King, Michelle King
Regisseur
Brooke Kennedy

Schauspieler in der Episode The Good Wife 5x15

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