The Good Wife 2x14

In den letzten Wochen hatte The Good Wife eine - selbst für diese exzellente Serie - außergewöhnliche Strähne: Eine brillante Folge reihte sich an die nächste. Meine Reviews erschöpften sich deshalb meist in staunender Bewunderung. In gewisser Weise ist es deshalb geradezu eine erfrischende Abwechslung, mal eine Kritik schreiben zu können, die auch tatsächlich Kritik enthält.
Net Worth ist zwar keine Folge, die man direkt schlecht nennen würde. Aber sie fällt doch klar hinter das Niveau zurück, das man in letzter Zeit von The Good Wife gewohnt war.
Das beginnt bereits mit dem Fall der Woche. Internet-Milliardär verklagt Filmstudio wegen eines Kinofilms, der ihn in ein schlechtes Licht rückt. The Good Wife war bereits in der Vergangenheit nicht immer subtil, wenn es darum ging, aktuelle Themen und Schlagzeilen in die Handlung zu integrieren. Die Parallele zu „The Social Network“ wird allerdings - bis hin zu Aaron Sorkins früheren Drogenproblemen - dem Publikum in einer Art und Weise um die Ohren gehauen, die man geradezu penetrant nennen muss.
Darüber hinaus vermisst man die - gerade in den letzten Folgen so lieb gewonnene - clevere Anbindung an die fortlaufenden Erzählstränge. Und auch die Auflösung wirft einen nicht gerade vom Hocker (da sie die üble Nachrede nicht beweisen können, verlagern Will und Diane sich auf die finanzielle Seite).
Lediglich die Gastauftritte von F. Murray Abraham („Amadeus“, „Star Trek - Der Aufstand“) und Rita Wilson sind noch bemerkenswert - wenn auch letzterer etwas willkürlich eingestreut wurde. Wozu war es - dramaturgisch - überhaupt nötig, dass Lockhart Gardner zunächst von einer anderen Kanzlei für den Fall „angemietet“ wird?
Zu gewollt, das ist auch das Urteil, das man über den Kalinda-Plot fällen muss. Dabei ist das Set up durchaus viel versprechend: Sowohl Kalinda als auch Blake werden durch die Ermittlungen von Cary wegen des Überfalls auf Dr. Booth (Poisoned Pill) unter Druck gesetzt.
Kalinda wendet sich an die FBI-Agentin Delaney (Jill Flint), die jedoch scheinbar nur daran denken kann, Kalinda ins Bett zu bekommen. Immerhin erfahren wir so viel, dass die Drogenbande, für die Blake gearbeitet hat, und Gangsterboss Bishop, den Bond gerne für die Kanzlei gewinnen möchte, dabei sind, sich zusammenzutun.
Für einen Moment tun sich auch Blake und Kalinda zusammen - und tauschen sich in einem Gespräch „unter Erwachsenen“ aus. Wie zuvor schon bei der versuchten lesbischen Verführung bemühen sich die Macher hier, eine erotische Atmosphäre aufzubauen, die jedoch einfach nicht entstehen will. Weil beide Szenen genau so wirken: Bemüht. Es fehlt das Spielerische, das Raffinierte. Das Knistern, welches beim gegenseitigen Absuchen nach Waffen und Wanzen aufkommen soll - es bleibt aus. Möglicherweise auch deshalb, weil die Szene zu lang ausgespielt und mit auffallend zusammenhangsloser Musik unterlegt wird.
Überzeugen kann die Szene nur am Ende, als Kalinda zur Abwechslung nicht Blakes Auto, sondern Blake selbst mit dem Baseball-Schläger bearbeitet, was uns einen Blick auf die wahrhaft abgründige Seite der Ermittlerin gestattet. Nicht zu vergessen die Information, dass Kalinda (alias Leila) verheiratet ist. Sie ist uns bleibt eben ein Wesen voller Mysterien, unsere bisexuelle Hausdetektivin!
Den mit Abstand besten Handlungsstrang erhält in Net Worth Alicia. Sie ist gemeinsam mit ihrem Bruder Owen (Dallas Roberts) unterwegs, um ihm beim Umzug nach Chicago zu helfen. Dieser kleine Road Trip hat bemerkenswerte Folgen: Provoziert von ihrem Bruder macht sie sich am Ende auf, um mit Will endlich über die zweite Voicemail zu sprechen. Doch Will sagt ihr nicht die Wahrheit.
Ob er nicht gemerkt hat, dass sie sich an den Ratschlag ihres Bruders gehalten und sich etwas sexier herausgeputzt hat? Wann ihm wohl aufgehen wird, welche Chance er hier verpasst hat? Es ist auf jeden Fall der emotionalste Augenblick der Episode: Da fasst sich Alicia endlich ein Herz, über ihren eigenen Schatten zu springen - wovon Owen ihr zuvor noch attestiert hatte, dass sie es nicht kann, und dann ist es Will, der von der Situation auf dem falschen Fuß erwischt wird.
Gewinner - gleich im doppelten Sinne - ist Peter: Einerseits weil Alicia und Will damit auf absehbare Zeit nur noch Freunde sind. Andererseits weil Alicia glaubt, die zweite Voicemail durch ihre eigene technische Inkompetenz im Umgang mit ihrem Handy verloren zu haben. Ob sie wohl jemals die Wahrheit erfahren wird?
Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 17. Februar 2011(The Good Wife 2x14)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 2x14
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