
Wie genau Eleanor Shellstrop (Kristen Bell) gestorben ist, erfahren wir erst im Laufe der Pilotepisode von The Good Place, der neuen NBC-Serie von Michael Schur (The Office, Parks and Recreation). Zu Beginn sitzt sie noch in einem Wartezimmer, das sie nicht kennt, um mit einem Mann zu sprechen, den sie ebenso wenig kennt. Umso überraschter ist sie, als Michael (Ted Danson) ihr erklärt, wo genau sie sich befindet - in der nächsten Phase ihrer Existenz, die nach ihrem düster-komischen Tod eingeläutet wurde.
Welcome to eternal happiness
Die Ankunft im „Good Place“ ist ein Teil der Prämisse. Um uns die übrigen Regeln dieser Comedy zu erklären, brauchen Schur und Kollege Alan Yang (Master of None) mehr als nur die Auftaktepisode, weshalb es von NBC auch ein gelungener Zug war, gleich zwei Folgen nacheinander auszustrahlen. So erfahren wir, dass auf sämtliche Ankömmlinge ein Seelenverwandter wartet, die Aufnahme in dieses himmelähnliche Reich jedoch hohe Anforderungen stellt. Deswegen dräut Eleanor auch bald, dass sie hier eigentlich gar nicht hingehört.
Dem übermächtigen Wesen, das das dortige Leben reglementiert, wird dieser Fehler schnell klar. Gleich in der ersten Nacht nach Eleanors Ankunft macht es deshalb seinem Unmut darüber Luft. Der Ort wird heimgesucht von riesigen Insektenmonstern, es weht ein mächtiger Wind, es regnet Müll. Um die Schuldige zu finden, werden alle Unschuldigen in dieselbe Kluft gekleidet, wofür Eleanor aber sogleich einen Ausweg findet. Sie bedient sich einfach bei Janet, der Informational Assistant aka slave robot (D'Arcy Carden), die einem jeden Wunsch von den Lippen abliest.
Nur eines darf sie nicht verraten - wie es im bad place aussieht, wo laut Michael sämtliche Künstler sowie alle Präsidenten außer Abraham Lincoln untergebracht sind. Dafür präsentiert Janet einen Audioclip von dort, der vermuten lässt, dass dort andauernder Terror herrscht. Es ist eines von zahlreichen charmanten, mit viel Liebe ausgearbeiteten Details, die der Serie gleich von Beginn an eine eigene Stimme, eine Unverwechselbarkeit verleihen. Das hilft denn auch dabei, über die vielen Expositionsdialoge hinwegzusehen, die hinter jedem einzelnen Frozen-Yogurt-Laden lauern.

Für Eleanor ist das Chaos ihrer ersten Nacht unangenehm, aber noch keine Katastrophe. Als solche empfindet es hingegen der herzensgute Michael, dem nach 200 Jahren endlich zugestanden wurde, eine eigene Community zu kreieren. Nun sieht er seinem Lebenswerk beim Auseinanderfallen zu, was bei ihm zu einem Schweißausbruch führt, von dem er gar nicht weiß, wie er gegen ihn vorgehen soll. In dieser und vielen weiteren Szenen wird offenbar, welch großer Coup mit der Besetzung von Ted Danson gelungen ist - die Rolle ist für ihn maßgeschneidert.
Avoid eternal damnation
Nach beträchtlichen Startschwierigkeiten gelingt es Eleanor, ihren angeblichen Seelenverwandten Chidi (William Jackson Harper) auf ihre Seite zu ziehen, auch wenn er sich als früherer Professor für Ethik und Moralphilosophie partout nicht entscheiden kann, ob das nun das Richtige ist. Beim Porträt der herkulischen Aufgabe, Eleanor zu einem guten Menschen zu machen, scheuen Schur und Yang nicht davor zurück, an der Oberfläche komplizierter ethisch-moralischer Problemstellungen zu kratzen und dies auch im Fachjargon zu formulieren. Wie gut das beim NBC-Publikum ankommen wird, muss sich erst noch zeigen.
Dass im „Good Place“ auch abseits von Eleanors Ankunft längst nicht alles good ist, zeigt sich bald. Ihre Nachbarin Tahani (Jameela Jamil) ist nicht nur herablassend, sondern auch mit wachsender Intensität verzweifelt darüber, dass sich ihr Seelenverwandter Jianyu (Manny Jacinto) ein Schweigegelübde auferlegt hat. Zwei andere Bewohner sind so dauergutgelaunt, dass sich nicht nur Eleanor fragt, was mit ihnen nicht stimmt. Und Michael hegt einen unerklärten Hass gegen Hunde, weswegen er einen von ihnen per Fußtritt auf die Sonne katapultiert.
Die Pilotepisode von The Good Place kann die nachvollziehbare Expositionslastigkeit ihrer beiden Auftaktepisoden Everything Is Fine und Flying mit charmanter Detailverliebtheit (Doug Forcett, Schimpfwörtersperre), hoher Witzdichte (Ariana Grande, Cincinatti) und zwei hervorragenden Hauptdarstellern auffangen. Ob die Prämisse mehr hergibt als eine Staffel, muss sich zwar erst noch zeigen, jedoch ist dies ein vielversprechender Versuch des Networks NBC, in der Comedysparte wieder Fuß zu fassen.
Trailer zu Episode 1x03 der US-Serie „The Good Place“, „Tahani Al-Jamil“: