The Gifted: Review und Kritik zur Pilotepisode Exposed

© romobild zur Marvel-Serie „The Gifted“ / (c) FOX/Marvel Studios
Während die Marvel Studios unter Kevin Feige bemüht sind, alle Rechte für die Marvelfiguren unter einem cinematischen Dach zu versammeln und jüngst etwa „Spider-Man“ nach einem Deal mit Sony erfolgreich ins MCU einbauen konnten, gibt es eine Fraktion, die sich partout nicht beugen möchte. 20th Century Fox hält die Rechte an den Figuren aus dem X-Men-Kosmos. Dazu gehört die Kerngruppe der „X-Men“, aber auch „X-Force“, die „New Mutants“, Wolverine, „Deadpool“, Legion und einige andere, die seit 2000 zahlreiche Filme und mittlerweile auch einige TV-Serien hervorgebracht haben. Neben dem bereits erwähnten Legion bei FX und einer Deadpool-Animationsserie beim gleichen Sender, kommt nun The Gifted daher.
Hier ist Matt Nix (Burn Notice) federführend, während X-Men-Dauerregisseur Bryan Singer den Auftakt inszeniert hat. Im Kern der neuen Serie steckt eine Familiengeschichte, die vermischt wird mit dem klassischen Motiv der von der Regierung für ihre Andersartigkeit verfolgten Mutanten.
Worum geht es in der Pilotepisode von „The Gifted“?
Das normale Ehepaar Caitlin (Amy Acker (Person of Interest) und Reed Strucker (Stephen Moyer (True Blood) wird wegen eines Vorfalls bezüglich ihres Sohnes Andy (Percy Hynes-White) in die Schule zitiert. Er ist Opfer einiger Schul-Rowdies geworden, weswegen Reed der Schule mit einer Klage droht, wenn sie dieses Verhalten nicht in den Griff bekommt. Gleichzeitig arbeitet er für eine Behörde, die mit der Untersuchung und dem Verhör von Menschen mit Mutantenfähigkeiten zuständig ist.
Eine Gruppe von Mutanten rund um Marcos Diaz (Sean Teale), auch bekannt als Eclipse, hilft einer jungen Mutantin namens Clarice Ferguson (Jamie Chung) den besagten Regierungsbeamten zu entkommen, dabei wird jedoch die mit magnetischen Kräften ausgestattete Lorna Dane (Emma Dumont) gefangen genommen.
Etwas später steht ein Schultanz an, zu dem Andys Schwester Lauren (Natalie Alyn Lind) aufbricht und Andy sich hineinschleicht, um sich abzulenken. Vor Ort trifft er wieder auf seine Peiniger. Dabei zeigen sich jedoch seine Mutantenkräfte und die Schulturnhalle wird zerstört. Den Kindern gelingt die Flucht nach Hause, doch dort klingelt schon bald Sentinel Services und will sie mitnehmen - zu ihrer eigenen Sicherheit wie es heißt.
Die Kinder leisten Widerstand und entkommen. Bald findet das große Outing statt, denn die Eltern hatten keine Ahnung, dass beide Kinder Mutanten sind. Nun gilt es, die Familie um jeden Preis zu beschützen und dafür ist ein Deal mit Marcos und seiner Gruppe und der Informationsaustausch zu Lornas Aufenthalt nötig. Wie wir bald erfahren, ist Lorna von Marcos schwanger und Clarice hört glücklicherweise nicht auf seine Anweisungen, niemandem den Plan zu verraten. So können die teleportierende Mutantin und Thunderbird (Blair Redford) eingreifen, ehe der Sentinel Service zuschlägt. Oder ist es für Reed schon zu spät?
Mutanten auf der Flucht

Auf dem Papier klingt The Gifted sehr ähnlich zur NBC-Superheldenserie Heroes, allerdings muss man dazu sagen, dass diese sich bereits sehr freimütig bei den Mutanten von Marvel bedient hatte, was Figuren, Kräfte und Konflikte angeht. Ein Stück weit ist „Gifted“ auch nicht allzu weit von dem ersten X-Men-Film entfernt, wobei man auf den großen philosophischen Konflikt zwischen Xavier und Magneto verzichtet, der zumindest als vorhanden angedeutet wird, und sich direkt auf den Verfolgungsaspekt der Figuren fokussiert.
Der Überbau der Familiengeschichte ermöglicht einen effektiven emotionalen Anker und durch die Geschwisterdynamik eine Möglichkeit sehr persönliche Geschichten zu erzählen. Im Serienpiloten machen die Beteiligten in meinen Augen allesamt einen guten Job. Das Spiel wirkt lebendig und authentisch. Manche Klischees, wie der gehänselte Teenager, lassen sich wohl schwer vermeiden, wenn man Außenseiter-Typen in diesem Alter zeigen will, fallen aber nicht negativ ins Gewicht.
Mit Amy Acker hat man eine Darstellerin an Bord, die das Zeug hat, die Serie als erwachsene Figur bodenständig zu machen und die Autoren rund um Nix bemühen sich, dass selbst der Vater, der für die „böse Seite“ arbeitet, zwiegespaltenen und sympathisch erscheint, weil seine Familie für ihn an erster Stelle steht. Er ist kein Company Man, sondern zunächst einmal ein fürsorglicher Vater, der vielleicht eher in diesen Job gezwungen wurde. Wir wissen es noch nicht, das müssen die weiteren Episoden zeigen. Insgesamt haben wir als Zuschauer noch nicht viel darüber erfahren, warum die Mutanten überhaupt verfolgt werden, denn es scheint, dass es bereits genügt, das Gen zu haben, um als Gefahr zu gelten. Hier bleibt noch einiger Raum für Erklärungen.
Dass sich die Mutanten jedoch zu einer geheimen Untergrundorganisation verbunden haben, ist ein interessantes Konzept, das wohl nicht ganz zufällig auch an die Underground Railroad erinnert. Dazu kommt der Coming-of-Age-Aspekt, der mich oft zum Einschalten bewegt, wenn er richtig gemacht wird.
Aktuell ist noch nicht abzusehen, ob die Serie seriell oder procedurallastig angelegt ist, möglich wäre beides und sowohl Option A, als auch Option B hätte ihre Reize. Ich meine eine Tendenz zu Serial festgestellt zu haben, denn das aktuelle Ziel ist es, die Familie in Sicherheit zu bringen und dabei wird die Regierung wohl immer wieder zu ihnen aufschließen, während Eclipse und seine Kollegen sowohl ihnen, als auch anderen Mutanten helfen.
What's your power?

Die Kräftedarstellungen der einzelnen Begabten sind eigentlich relativ klar. Polaris hat Magnetkräfte wie Magneto (und im Comic auch eine recht eindeutige Verbindung), Eclipse kann Licht- und Wärme manipulieren, Thunderbird ist ein exzellenter Fährtenleser, Blink kann Portale erstellen, aber nur andere teleportieren, wenn sie den Ort kennt, an den sie reisen möchte. Andy hat emotional ausgelöste telekinetische Fähigkeiten und Lauren kann Schutzschilde erschaffen, die sich auch als Abwehrschilde eigenen.
Die Effekte sind nicht atemberaubend gut, erfüllen aber sehr eindeutig ihren Zweck und sind TV-Verhältnissen angepasst. Man kann also mit dem Network-Budget gut haushalten und bislang gibt es keine großen Aussetzer. Schon im Piloten kommen spinnenartige Sentinels zum Einsatz, die ein guter TV-Ersatz für die gewaltigen Killerroboter sind, die man etwa in „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ im Film sehen konnte und die sicherlich noch öfter für Gefahr sorgen werden.

Kleine Anspielungen auf die anderen X-Men-Filme und Serien lassen sich ebenfalls ausmachen. Das Plastikgefängnis, in dem Lorna gefangen wird, erinnert an das, in dem Magneto gerne eingesperrt wird, etwa in „X-Men 2“. Zudem besitzt Lorna die Gabe Metall im oder am Körper gegen andere einzusetzen, es zeigt sich aber schnell, dass sie kein Interesse an kaltblütigem Mord hat. An anderer Stelle ist der Klingelton eines Mobiltelefons die Titelmelodie der X-Men-Zeichentrickserie aus den frühen 90er Jahren und wie bereits erwähnt, werden X-Men und Brotherhood of (Evil) Mutants erwähnt, über den Status von beiden, gibt es jedoch offenbar keine Informationen.
Spielt The Gifted vielleicht in einer Parallelwelt, in der „Days of Future Past“ nicht verhindert werden konnte? Oder verzichtet man bewusst auf zu genaue Informationen hierzu?
Fazit

Insgesamt ist Exposed der Auftakt der US-Serie The Gifted kurzweilige Unterhaltung, die vielleicht in der zweiten Hälfte noch etwas am Pacing hätte arbeiten können, aber ein vielversprechender Auftakt für eine Serie rund um Mutanten, die auf der Flucht und teilweise miteinander verwandt sind. Das Geschwisterduo wird sich mit der Zeit, wie es aussieht, ergänzen und unterstützen, während die Mischung aus den anderen Mutanten, die zugegebenerweise eher aus der zweiten Marvel-Mutantenreihe stammen, dem Ersteindruck zufolge aus fähigen Darstellern besteht.
Bei jugendlichen Figuren besteht oft die Gefahr, dass sie auf die Nerven gehen könnten, doch bislang geben die Struckers, zumindest mir gegenüber keinen negativen Vibe ab. In den nächsten Episoden muss sich der geplante rote Faden der Serie noch etablieren und dann könnten wir es mit einer unterhaltsamen Dosis X-Men zu tun bekommen.
Erfreulicherweise steht bereits fest, dass die Serie ab dem 17. Januar 2018 auch beim Fox Channel im deutschen Pay-TV zu sehen sein wird.