The Flash 5x03

© ??The Flash“ (c) The CW
The Death of Vibe ist ein vielsagender Episodentitel, wenngleich man als regelmäßiger Zuschauer von The Flash mittlerweile sehr abgebrüht ist und etwaige Todesfälle nur bedingt für bare Münze nimmt. So hatte sich in der Vergangenheit doch immer wieder eine Hintertür aufgetan (Zeitreisen zum Beispiel), wenn es zu einer äußerst dramatischen Entwicklung in der Serie gekommen und eines der arrivierten Teammitglieder in große Gefahr geraten war. Über die Jahre ist man als Beobachter in dieser Hinsicht immer mehr abgestumpft, das Ableben eines Charakters genießt man eher mit Vorsicht, als emotional wirklich ergriffen zu sein. Es sei denn, es gelingt dem Autorenteam, emotional packend auf einen solchen Moment hinzuarbeiten, so dass der eigentliche Tod einer Figur zweitrangig wird und vielmehr die Begleiterscheinungen eines solchen Ereignisses für spannende Einblicke sorgen.
Hier, in „The Death of Vibe“, kann man den Tod von Cisco aka Vibe (Carlos Valdes) eher in die Schublade Gimmick respektive Mittel zum Zweck stecken, als dass es einen wirklich schockiert oder emotional aus der Bahn wirft. Denn, ehe man sich versieht, weilt der aktuell liebeskranke Wissenschaftler schon wieder unter uns, wodurch die gesamte Szene den Eindruck erweckt, als würde man vor allem nur eines wollen: Aufmerksamkeit erwecken. Ein kleiner Schockmoment zwischendurch, den wir sogleich wieder vergessen können und der alleine dem Plot hilft, anstatt dadurch die Welt von Barry (Grant Gustin) und Co aus ihren Angeln zu heben. Aber es klingt nun mal gut, wenn man das vermeintliche Ende einer Hauptfigur im Titel einer Folge ankündigt, so schamlos dieser Versuch auch sein mag, die Zuschauer zu erreichen und zum Einschalten zu bewegen...
A different kind of monster
Ganz abgesehen von diesem recht unspektakulären, wirkungslosen Ereignis, gestaltet sich die neueste Episode von „The Flash“ grundsätzlich sehr solide, mehrfach angenehm unaufgeregt und aufschlussreich, wenn auch stellenweise ein wenig altbacken und vorhersehbar. Es gelingt jedoch, den Handlungsstrang um den mysteriösen Bösewicht Cicada (Chris Klein) überzeugend voranzutreiben und den Zuschauern weitere kleine Informationsschnipsel zu verabreichen, aus denen sich langsam ein Bild von diesem Charakter und seiner potentiellen Motivation ergibt. Um ein Profil von dem Missetäter zu erstellen und diesen besser früher als später dingfest zu machen, kann das Team übrigens auf ein neues altes Gesicht bauen: Meisterdetektiv Sherloque Wells (Tom Kavanagh mit einem wechselhaften französischen Akzent), dessen Expertise die Suche nach Cicada zum Kinderspiel machen sollte.
To catch a killer
Doch, selbst wenn Sherloque den Fiesling schon über 30 Mal auf den verschiedensten Erden des Multiversums überführt hat: Dieses Mal ist etwas anders. Dadurch, dass Nora (Jessica Parker Kennedy) mit ihrer Anwesenheit die Zeitlinie durcheinandergebracht hat, wurden die Karten neu gemischt. Cicada, der in der nicht so weit entfernten Zukunft nie von Supergirl, Green Arrow und der ganzen Superheldenbagage geschnappt werden konnte, tritt jetzt sogar weitaus früher auf den Plan, als es in der alten Zeitlinie der Fall gewesen ist. Und er hat nach seinen ersten beiden Metahuman-Opfern Blut geleckt. Neuestes Zielobjekt ist eben Vibe und der Weg zu diesem führt Cicada zu Joe (Jesse L. Martin), der sich im Laufe der Episode plötzlich in einer unschönen Geiselsituation wiederfindet, bei der er um sich und das Wohlsein seiner Liebsten bangen muss.
„The Death of Vibe“ dient in dieser Anfangsphase der Staffel allen voran als Plot-Vehikel. Es werden eine ganze Menge neuer Informationen in Umlauf gebracht, obendrein wird Team Flash mit Sherloque Wells aufgestockt, hinzu kommt noch die klassische Lektion der Woche für die junge Nora und Caitlin (Danielle Panabaker) darf im Nebenhandlungsstrang ebenfalls ein paar Fortschritte im ominösen Fall ihres toten Vaters machen, der den Löffel doch nicht abgegeben zu haben scheint. Die Erzählung ist relativ simpel und verläuft vergleichsweise schnörkellos, was ich als Pluspunkt wahrnehme. So eine Folge zu diesem Zeitpunkt ist eigentlich genau richtig, bevor man sich in zu vielen Geheimnissen verzettelt oder aufgrund austauschbarer Charaktermomente zu melodramatisch wird.
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Ripple effect
Ganz ohne diese Facette geht es in The Death of Vibe jedoch auch nicht, was sich vor allem in den Szenen zwischen Barry und Nora zeigt. Das Problem ist nicht, dass Grant Gustin und Jessica Parker Kennedy ein schlechtes Duo abgeben. Es ist vielmehr das Verhalten von Nora, die natürlich weiterhin viel zu ungestüm vorgeht, und die stets folgende weise Belehrung durch Papa Barry, die mir ein müdes Gähnen entlockt. Ja, ich weiß doch, wir dürfen nicht vergessen, dass Nora noch viel zu lernen hat und Barry ihr auf ihrem Weg zum Superheldendasein sehr gut helfen kann, weil auch er diese langwierige Entwicklung durchgemacht hat und sich bisweilen noch selbst mitten in diesem Prozess befindet... Dennoch, ich persönlich finde die Interaktion zwischen den beiden Figuren in dieser Folge schrecklich öde. Anders gesagt: Es gibt mir einfach nichts.
Da gefällt mir das Zusammenspiel von Caitlin und Ralph (der sich auf drollige Weise zu einer Lachnummer in der Millionenstadt Central City macht, was er gerne ändern möchte) deutlich besser, was vielleicht auch daran liegt, dass diese beiden Figuren bisher weniger miteinander zu tun hatten und zumeist mindestens noch eine dritte Person involviert war, wenn sie in einer gemeinsamen Szene zu sehen waren. Die beiden gehen nun dem Mysterium um Caitlins Vater etwas genauer auf den Grund und so findet die Wissenschaftlerin doch letztlich tatsächlich einen eindeutigen Hinweis, dass Daddy Snow noch am Leben ist - und Kontakt zu ihr sucht. Eine verräterische Aufnahme suggeriert, dass Caitlin eventuell unter Beobachtung durch ihren Vater steht, doch wir sollten nicht zu voreilig sein... Bisher sagt mir diese Nebengeschichte unverändert zu, weil das Pacing stimmt und man sich weder zu zaghaft an diese potentielle Büchse der Pandora herantastet noch in dieser Angelegenheit mit der Tür ins Haus fällt.
Family matters
Darüber hinaus fügt sich die Handlung um Caitlin gut in das große, übergeordnete Thema ein, das sich weiterhin wie ein roter Faden durch die jüngsten Folgen zieht: Familie, Eltern und ihre Kinder - und insbesondere Väter und ihre Töchter. Das Verhältnis zwischen Barry und Nora steht prominent im Vordergrund und, nachdem Nora ratzfatz ihre Lektion gelernt hat (Mist gebaut, Lehrstunde erhalten, neues Wissen sogleich angewendet, Tag gerettet!), wollen die West-Allens sogleich ihre Familienbande stärken. Immerhin hat allen voran Iris (Candice Patton) noch ein paar Problemchen, eine innige Beziehung zwischen ihr und Tochter Nora aufzubauen. Caitlin und ihre noch etwas unklare Verbindung zu ihrem Vater haben wir bereits erwähnt und Joe - Ehemann, Vater und sogar Großpapa in Personalunion - dürfen wir ebenfalls nicht vergessen. Wenn einer weiß, wie wichtig Familie ist, dann er.
Doch nicht nur die einzelnen Mitglieder von Team Flash werden von diesem Aspekt auf Trab gehalten, auch unseren Bösewicht der Staffel beschäftigt dieses Thema. Nachdem Cicada Team Flash zunächst erfolgreich auf die falsche Fährte gelockt, Joe in seine Gewalt und Cisco ausgemerzt hat (denkste!), zeigt sich, woher seine eigentliche Motivation rühren könnte. Neben eigenen, geheimnisvollen gesundheitlichen Problemen hat Cicada - bürgerlich nicht David Hersch wie in den Comics, sondern bisher einfach nur Orlan - eine kleine, schwerkranke Tochter, die im Koma liegt. Und für diese würde er offensichtlich alles tun, denn wenn etwas ein starker Antrieb ist, dann ist es Familie und der unbändige Wille, seine Liebsten zu beschützen. Oder gar zu rächen. Rührt daher eventuell Orlans Hass (Chris Klein macht das mit seiner wortkargen, intensiven Darbietung gar nicht mal so verkehrt...) auf die Metahumans? Ist seine Tochter ein Opfer von Kollateralschäden geworden, sei es durch eine Auseinandersetzung von Menschen mit Superkräften oder den Einfluss von dunkler Materie? Eine durchaus spannende Frage. Und ein Motiv für unseren zentralen Schurken, das man nachvollziehen kann.
Fazit
In The Death of Vibe ist das episodentitelgebende Ereignis tatsächlich der uninteressanteste Teil der gesamten Folge, in der sich ein paar Szenen zwischen den Charakteren ein wenig verbraucht und unnötig anfühlen. Auf der anderen Seite überzeugt die durchdacht konzipierte Nebenhandlung um Caitlin, während das Thema Familie ein cleveres Verbindungsstück zwischen all den verschiedenen Geschichten darstellt. Der Ansatz, wie man an Bösewicht Cicada und dessen Figurenzeichnung herangeht, ist ebenfalls gut gewählt. Die Rückkehr von Tom Cavanagh dürfte indes viele Fans freuen, auch wenn seine Darbietung in den verschiedenen Rollen von Harrison Wells nicht immer völlig überzeugend ist. Mit dem analytischen Mastermind Sherloque Wells kommt womöglich etwas Abwechslung in die Truppe, erschnüffelt er doch bereits jetzt schon das eine oder andere Geheimnis der verschiedenen Teammitglieder, so zum Beispiel auch von Nora, die eindeutig etwas für sich behält. Das hat sie wohl von ihrem Vater...
Der Trailer zur „The Flash"-Episode 5x04, „News Flash":
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 24. Oktober 2018The Flash 5x03 Trailer
(The Flash 5x03)
Schauspieler in der Episode The Flash 5x03
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