
Die Einschaltquoten der amerikanischen Networkserien sollten eigentlich nicht als Indikator herangezogen werden, um die allgemeine Qualität einer TV-Serie zu beurteilen. Oftmals stehen Formate weit oben, die dem Zuschauer nicht viel abverlangen, sondern ihm einen gemütlichen Fernsehabend bereiten. Im Falle von Family Tools lag das amerikanische Publikum jedoch richtig. Trotz starkem lead-in (The Middle) und noch stärkerem lead-out (Modern Family) verzeichnete die neue Comedyserie einen katastrophalen Auftakt „49207“.
Wann haben die Zuschauer Recht?
Die Ursachenforschung hierzu gestaltet sich nicht einfach. Vordergründig verfügt Family Tools über einige potentiell liebenswerte Charaktere. So liefern die Comedyveteranen Leah Remini als Tante Terry und J.K. Simmons als Vater Tony durchaus ansprechende Vorstellungen ab: Ihr Timing stimmt. Durch ihr Spiel fällt jedoch besonders stark auf, dass die restlichen Figuren völlig überzeichnet sind. Der Trottel ist zu trottelig, der Nichtsnutz ein absoluter Unsympath und der weirdo hat gleich mehrere Macken.
Die Prämisse von Family Tools ist reichlich schnell etabliert. Der herzkranke Tony wird von seiner mit ihm zusammenlebenden Schwester Terry während eines Herzinfarkts dazu gezwungen, beruflich kürzerzutreten und das in jahrelanger Kleinstarbeit aufgebaute Reperaturgeschäft „Mr. Jiffy Fix“ an seinen Sohn abzutreten. Jener Jack (Kyle Bornheimer) ist ein liebenswerter Schluffi, der sich einfach nicht entscheiden kann, was er mit seinem Leben anstellen soll.

Sein größter Wunsch ist es jedenfalls, einmal die Worte „Ich bin stolz auf dich, Sohn“ aus dem Mund seines Vaters zu hören. Deshalb lässt er auch gleich alles stehen und liegen, um Tony zu Hilfe zu eilen. Zu Hause darf er sich dann erst einmal mit der frohen Botschaft anfreunden, gemeinsam mit seinem etwas sonderbaren Cousin Mason (Johnny Pemberton) ein Zimmer teilen zu müssen. Der durch die angebliche SMS seines Vaters („I need you“) ausgelöste Elan hilft ihm jedoch, auch über diese kleinere Irritation hinwegzukommen.
Die nächsten unvorhergesehenen Ereignisse lassen jedoch nicht lange auf sich warten. Aus Respekt vor seinem Vater wird Jack dazu gezwungen, den nichtsnutzigen Darren (Edi Gathegi) als Angestellten zu behalten. Der versucht auf etwas eigentümliche Weise, die Sympathien der Zuschauer für sich zu gewinnen: Er zollt Jack keinerlei Respekt, schlimmer noch - er sagt ihm ins Gesicht, für welch großen Loser er ihn hält. Tante Terry gibt Jack schließlich den entscheidenden Hinweis, um Darren loszuwerden: „If you can't fire a guy, you make him leave.“
Teil eins seines Plans zur Vertreibung Darrens sieht also vor, auf die heftigen Flirtversuche dessen attraktiver Schwester Stitch (Danielle Nicolet) einzugehen, um ihn damit in Rage zu versetzen. Teil zwei involviert nackte Füße, weiter soll darauf an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Viel Arbeit wird also nicht verrichtet in der Auftaktepisode, vor allem auch, weil Tony jede sich bietende Möglichkeit nutzt, um seinem Sohn in die Parade zu fahren. So taucht er zu den ungünstigsten Zeitpunkten auf und versucht, dem Jungunternehmer seine eigenen Praktiken aufzudrängen.
Da helfen selbst alle Versuche Terrys nicht, dem Alten neue Beschäftigungsmöglichkeiten (Yoga) aufzuzeigen. Immer wieder muss dem Sohnemann auf die Finger geschaut werden. Natürlich stellt der sich auch gleich bei seinem ersten Auftrag selten dämlich an. Irgendwoher muss das Konfliktpotential ja kommen. Und die unvermeidliche voice-over-Moral am Ende darf natürlich auch nicht fehlen.
Fazit
Wenngleich das Review etwas negativ geraten ist, sollen hier nicht die positiven Elemente unterschlagen werden. Neben den etablierten Comedydarstellern Remini und Simmons macht Kyle Bornheimer seine Sache als unbedarfter, nach Vaterliebe dürstender Nachwuchshandwerker Jack recht ordentlich.
Die für eine solche Figur scheinbar unvermeidlichen Slapstickeinlagen bringen zugegebenermaßen den einen oder anderen Lacher hervor, wenngleich sie etwas absurd daherkommen. Ein Gokart, das um die Ecke schießt und Jack ummäht? Nun gut, dann soll es eben so sein.
Auch der Figur von Johnny Pemberton lässt sich eine charmante Seite abgewinnen. Seine erst brachial, dann hintergründig inszenierte Vorliebe für Feuerwerkskörper wird nicht erklärt, sie ist einfach da. Zudem scheint er über ein zumindest rudimentäres musikalisches Talent zu verfügen - der intonierte Song am Ende der Episode lässt jedoch leicht erschaudern. Außerdem lernt er im Verlauf des Piloten, Hosen anzuziehen. Diesen persönlichen Fortschritt darf sich Jack ans Revers heften: „Put some pants on, Mason. You're fifteen, it's pants time now.“
Mit seinen überzeichneten Figuren und bemühten Slapstickeinlagen versucht Family Tools jedoch verkrampft, einen Witz nach dem anderen zu zünden. Dabei hätte das Sujet der Comedyserie dies gar nicht nötig. Gerade im Angesicht des demografischen Wandels in den westlichen Industrieländern verfügt die Thematik über eine aktuelle Relevanz. Die Autoren waren wohl etwas übermotiviert beim Verfassen der Drehbücher. Um hier zum Abschluss eine wohlbekannte Plattitüde zu nutzen: Manchmal ist weniger eben einfach mehr.