The Expanse 5x01

© zenenfoto aus der 5. Staffel von The Expanse (c) Amazon Prime Video
Staffelauftakt
Die fünfte Staffel The Expanse fängt nach der Eröffnungssequenz, die uns den Überfall auf ein Forschungsschiff nahe der Venus durch Filip (Jasai Chase-Owens) zeigt, eher ruhig an. Amos (Wes Chatham) und Alex (Cas Anvar) sind in privaten Angelegenheiten unterwegs, während Holden (Steven Strait) und Naomi (Dominique Tipper) vorerst gemeinsam auf Tycho Station darauf warten, dass die Roccinante repariert wird. Aber auch die Wege von Holden und Naomi sollen sich vorerst trennen, als sie von Fred Johnson (Chad L. Coleman) erfährt, wo ihr Sohn Filip sich aufhält.
Derweil geht Marco Inaros (Keon Alexander) seinen zwielichtigen Plänen nach, die uns zum Ende der dritten Folge einen wuchtigen Cliffhanger bescheren. An anderer Stelle folgen wir Camina Drummer (Cara Gee) mit einer neuen Crew oder sehen auf dem Mars, wie Bobbie Draper (Frankie Adams) versucht, herauszufinden, wer auf dem Schwarzmarkt militärische Technologien verscherbelt. Auch Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) mischt von ihrem neuen Außenposten aus mit.

Somit erwarten uns eine Unmenge an örtlich getrennten Handlungssträngen, die vorrangig persönlicher Natur sind, aber im Verlauf der ersten drei Episoden ebenfalls zum Fortschritt des größeren Abenteuers beitragen. Nebenbei bekommen wir zu sehen, wie die Existenz der Ringe und die Kolonisierung der Welten dahinter sich auf unser Sonnensystem und deren Bewohner ausgewirkt haben, welches noch immer von Konflikten geprägt ist und wo der Frieden zwischen den einzelnen Fraktionen eine instabile Angelegenheit ist, die bereits beim nächsten Vorfall zerbrechen könnte.
Was die Macher um Naren Shankar sich für die fünfte Staffel vorgenommen haben, wirkt bereits in den ersten drei Folgen gigantisch und auch risikoreich. Denn die ganze Geschichte würde sicher nicht so gut funktionieren, wenn man sich als Zuschauer für nur wenige der Hauptfiguren interessierte. Aber es ist hier ganz egal, wer gerade im Fokus steht oder ob es gilt, den persönlichen Angelegenheiten oder den Nachforschungen zu den Vorgängen des größeren Abenteuers zu folgen. The Expanse ist und bleibt auch mit der fünften Staffel eine der besten Science-Fiction Serien unserer Zeit.
Wöchentliche Reviews
Bevor es um ein paar Details gehen soll, zunächst ein paar Worte meinerseits zu diesem und den folgenden Texten. Zunächst einmal bin ich froh, dass Amazon sich dazu entschieden hat, nicht alle zehn Episoden auf einmal zu zeigen. Denn das gibt mir in den nächsten Wochen die Gelegenheit, jede der kommenden Folgen ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen, statt (wie letztes Jahr) ein Staffelreview abzuliefern, welches von Grund auf eher allgemein gehalten ist.
Drei Folgen zum Auftakt sind dennoch eine hohe Hausnummer, weshalb ich mich in diesem Text ein wenig auf wesentliche Aspekte beschränken muss, denn für mehr fehlt mir einfach die Zeit. Dafür bitte ich um Verständnis und verspreche, ab nächste Woche wieder etwas stärker auf die verschiedenen Geschehnisse einzugehen.
Letzter Hinweis soll sein, dass ich die Buchvorlage(n) immer noch nicht kenne. Falls ihr Vergleiche zwischen den Büchern und der Serie anstellen wollt, gerne her damit in den Kommentaren. Aber bitte ohne Spoiler oder diese als solche kennzeichnen. Danke.
Amos

Amos stellt in den ersten drei Folgen eine große Ausnahme dar, denn bei ihm ist aktuell noch nicht absehbar, ob und wie er zum größeren Geschehen beitragen wird. Zwar streift er Avasarala auf dem Weg nach Baltimore und nimmt später Kontakt zu ihr auf, um sie um einen Gefallen zu bitten. Aber seine bisherige Reise ist ausnahmslos persönlicher Natur und soll uns die Gelegenheit bieten, seine Vergangenheit ein wenig kennenzulernen.
Für mich bleibt Amos auch mit den neuen Eindrücken aus seiner Vergangenheit meine Lieblingsfigur der Serie. Seinen ruppigen Charme hat er nicht abgelegt, was sich bereits auf dem Weg zur Erde und nach Baltimore bemerkbar macht. Außerdem interessieren mich seine Hintergründe, wo er herkommt, was er in jungen Jahren durchgemacht hat und um welchen Gefallen er Chrisjen letztlich bittet. Ein paar Eindrücke erhalten wir mit den ersten Episoden, lernen seinen Beweggrund (Lydia (Stacey Roca)) kurz in einem Rückblick mit seinem jüngeren Ich (Cole Pollock) kennen, erleben, wie er auf Charles (Frankie Faison) trifft - auf die typische Amos-Art - und diesem schließlich hilft, indem er bei Erich (Jacob Mundell) vorspricht.
Vielleicht ließe sich kritisieren, dass Amos durch diesen Ausflug nach Baltimore ein wenig entmystifiziert wird. Aber ich sehe es eher als eine Hintergrundgeschichte zur Figur, auf die ich schon länger gewartet habe, weil sie immer wieder mal angerissen wurde. Und wenn Timothy meint, dass er in Baltimore noch nicht alles erledigt hat, bin ich gespannt, wohin die weitere Reise führt.
Bobbie und Alex

Eigentlich wollte Alex versuchen, seiner Familie wieder näherzukommen. Aber diese Tür wird ihm direkt ins Gesicht geschlagen und auch das erste Treffen mit Bobbie verläuft nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Ob wir zu seiner weiteren Hintergrundgeschichte noch mehr erhalten, als wir bereits wissen, bleibt erstmal abzuwarten. Allerdings lässt er sich zusammen mit Bobbie auf ein paar Nachforschungen ein, die diese bereits im Auftrag von Avasarala vornimmt und wo ihm aus vergangenen Tagen eine Quelle vor Augen schwebt, die vielleicht weiterhelfen könnte.
Der erste Anlauf scheint zwar zu scheitern, aber mit Lt. Emily Babbage (Lara Jean Chorostecki) gibt es eine neue Figur, die im weiteren Verlauf der Staffel sicher noch öfter in Erscheinung treten wird. Wobei Alex hier vorsichtig sein muss, denn offensichtlich liegt es Babbage daran, gleichermaßen von ihm Informationen für die Gegenseite zu erlangen. Wir dürfen aber gespannt sein, wie es auf dem Mars weitergeht, auch wenn es mit Blick auf den Cliffhanger ein wenig spät erscheint, die Hintermänner aus dem illegalen Waffenverkauf aufzuspüren.
James Holden und Fred Johnson

Auf Tycho Station trifft Holden auf Monica Stuart (Anna Hopkins), die ihm Informationen über das Protomolekül entlocken möchte. Wir erinnern uns kurz, dass Naomi dieses Protomolekül Fred Johnson in die Hände spielte und wie gefährlich es ist. Das kleine Gespräch führt Holden direkt zu Johnson, der mehr oder weniger bestätigt, dass Forschungsarbeiten daran laufen. Ein gefährliches Spiel, wie wir aus vergangenen Ereignissen wissen. Aber wer hört schon auf Warnungen?
Akut wird die Handlung auch erst, als Monica entführt wird. Offenbar hat sie mehr erfahren, als ein paar zwielichtigen Gestalten lieb ist und statt sie auszuschalten, war sicher eine Befragung vorgesehen. Sicher ist derweil auch, dass Johnsons Vorkehrungen um Geheimhaltung nicht strikt genug waren. Ihn selbst können wir als Urheber der Entführung bestimmt ausschließen, aber bei seinen eigenen Gefolgsleuten wie Bull (Jose Zuniga) sollte er womöglich vorsichtig sein.
Was ich bei den Ereignissen auf Tycho Station übrigens schade finde: James Holden erhält keine persönliche Hintergrundgeschichte. Es mag Jammern auf hohem Niveau sein, aber auch hier hätte ich mir ein bisschen was Persönliches über die Figur erhofft. Und damit meine ich nicht seine Eindrücke über die Erbauer der Ringe, sondern Eindrücke aus seiner Vergangenheit. Kommt vielleicht noch, aber sehr zuversichtlich bin ich nicht. Oder wissen wir schon genug über Holden?
Naomi
Naomi findet ihr Ziel mit der dritten Folge, wo sie Filip gegenübersteht. Aber wie groß mögen die Chancen sein, dass sie ihm vom bisherigen Weg abbringt? Bereits ihre Ankunft sorgt für skeptische Blicke und Beinahe-Eskalationen. Rückendeckung von Holden gibt es erstmal nicht, womit sie auf sich gestellt handeln und überleben muss. Und auch ein paar vertraute Gesichter scheinen ihr nicht wohlgesonnen zu sein.
Es ist aber auf jeden Fall schön, dass wir durch Naomi einen Blick auf die „andere Seite“ erhaschen können. Die wenigen Auftritte und Worte von Marco verfehlen zwar nicht ihre Wirkung, denn man kann seine Absichten, so radikal sie auch sein mögen, durchaus auf gewisser Ebene und mit Blick auf die Behandlung der Belter durch die „Inneren“ nachvollziehen (wenn auch nicht teilen), aber dadurch, dass Naomi sich jetzt im Kreis des feindlichen Lagers befindet, werden diese Eindrücke nochmals viel intensiver wahrgenommen.
Camina Drummer

Ungeachtet des größeren Geschehens ist Camina zunächst mit ihrer Crew unterwegs, um Profit zu machen. Dazu gehört, dass man vorsichtig plündert, keine Leichen hinterlässt und sich vordergründig in Neutralität übt. Zuweilen wird es heikel, aber die nötige Durchschlagskraft geht nicht nur von den Waffensystemen, sondern vielmehr von Caminas Charakter aus.
Interessant wird es hier, als sie das Schiff von Klaes Ashford (David Strathairn) findet und es anschließend auf das Kopfgeld für Marco Inaros abgesehen hat. Denn dadurch bricht sie mit der Neutralität und stellt sich auf die Seite, die auch unserer Crew vorbehalten ist. Ihre Besatzung mag diese Entscheidung skeptisch betrachten, aber mir kommt sie sehr gelegen. Ich kann mir Drummer zwar nicht an Bord der Roccinante vorstellen, aber als Verbündete, die womöglich noch Naomi rettet, ist sie mir sehr willkommen.
Sonstiges

Vielleicht hätte ich noch ein kleines Kapitel über Avasarala schreiben können, schließlich erhielt sie nicht wenige Auftritte. Leider hört ihr aber kaum jemand zu, denn ihr aktueller Posten ist eine Art Strafe und das Feld ihrer Vertrauten schwindet zusehends. Selbst Admiral Delgado (Michael Irby) zieht schließlich eine Grenze. Mit dem Cliffhanger beziehungsweise dem folgenden Geschehen daraus wird sich das vermutlich ändern, aber bis dahin ist sie erstmal ein kleinerer Fisch, als ihr lieb ist.
Rein optisch betrachtet, fand ich die ersten drei Folgen zwar durchaus sehenswert, aber in Sachen Effekte nicht mehr so toll wie in der letzten Staffel. Gerade die Aufnahmen von Tycho Station oder allgemein die Aufnahmen im All kamen mir verstärkt wie aus dem Rechner vor. Das haben andere Serien mittlerweile besser raus und ist schade. Was ich aber nach wie vor positiv anrechne, sind die (realistischen) Auseinandersetzungen mit der Schwerelosigkeit, die gerne mal prominent in Szene gesetzt werden.
Fazit
Ein schöner Auftakt zur fünften Staffel, der Lust auf mehr macht. Ob nun persönliche Geschichten oder das größere Abenteuer: die Macher verstehen es, die Handlungsbögen gekonnt auszubalancieren, interessant zu gestalten und gleichzeitig auf das größere Ziel hinzuarbeiten. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen für die ersten drei Episoden. Und von euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 20. Dezember 2020The Expanse 5x01 Trailer
(The Expanse 5x01)
Schauspieler in der Episode The Expanse 5x01
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