The Expanse 2x13

© ie Crew der Rocinante in „The Expanse“ / (c) Syfy
Eine große Saga
The Expanse ist fraglos eine der größten Geschichten aus dem Bereich Science-Fiction, die es momentan im TV zu sehen gibt. Alleine schon von der Fülle der Figuren fühlt man sich zeitweise erschlagen, auch wenn der Fokus recht deutlich auf bestimmte Charaktere - allen voran natürlich die Crew der Rocinante - gelegt wird. Dabei ist es für den Zuschauer schwierig, echte Identifikationsfiguren zu finden. Denn egal wie lieb man einen Charakter gewonnen hat, kann er oder sie in der nächsten Episode eine fatale Entscheidung treffen, die mit dem Verlust gewisser Sympathien verbunden ist.
Als kleines Beispiel sei hier Naomi (Dominique Tipper) genannt, die davon absieht, die (vermeintlich) letzte Probe des Protomoleküls zu vernichten. Wir wissen zwar, weshalb sie das macht, denn sie möchte nicht, dass die Belter bei der Erforschung des Protomoleküls hintenanstehen. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass sie mit dieser Aktion Holden (Steven Strait) und die anderen hintergeht. Derartige Entwicklungen lassen sich bei einer ganzen Reihe von Figuren finden, wobei das aber jetzt kein Kritikpunkt sein soll. Im Gegenteil, dass es kaum Figuren gibt, die als reine Schablonen von Archetypen herhalten, macht die Charaktere nicht nur interessanter, sondern liefert angenehme Ecken und Kanten und beschwört zuweilen spannende Situationen herauf.

Ebenfalls in Fülle vorhanden sind diverse Handlungsorte und -stränge, die für jede Menge Abwechslung sorgen. Da kann es gut sein, dass wir uns in einem Moment mitten in einem Gefecht oder gar einem Aufstand wiederfinden, um wenige Sekunden später wieder zu Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) zu schalten, die ihr weiteres politisches Vorgehen plant. Oder wir finden uns bei den Marsianern wieder, die Draper (Frankie Adams) einbläuen, was sie da auf Ganymede genau gesehen hat - und was nicht. Eine interessante Einlage etwas außerhalb der üblichen Bahnen gab es in Paradigm Shift, wo uns anhand von Rückblicken gezeigt wurde, wie Solomon Epstein (Sam Huntington) vor 137 Jahren einen neuen Antrieb erfand.

Dabei sind nicht immer alle Handlungen fesselnd oder spannend. Zeitweilig wird es sogar sehr ruhig in allen Handlungssträngen der zweiten Staffel, was das Zuschauen dann eher müßig gestaltet. Diese Phasen dauern aber glücklicherweise nie zu lange an. In jedem Fall bleibt es aber beeindruckend, wie riesig die Welt von The Expanse gestaltet ist.
Zu guter Letzt seien noch die Spezialeffekte erwähnt, die bei einer Science-Fiction-Serie natürlich nicht zu kurz (oder gar billig) daherkommen sollten. Die zweite Staffel legt da noch eine gute Portion drauf. Man mag hier zwar nicht immer kinoreife Effekte bekommen, aber es sind schon einige Augenweiden dabei und verstecken braucht sich die Reihe mit ihren Spezialeffekten sicherlich nicht.
Handlungen und Figuren
Mit Safe und Doors&Corners legt die zweite Staffel gut los und setzt direkt dort an, wo uns die erste Staffel zurückließ. Neben alten Bekannten gibt es auch neue Figuren, wie zum Beispiel Bobbie Draper, die im Verlauf noch eine größere Rolle spielen soll. Für Miller (Thomas Jane) und unsere Crew gilt es hier, die Vorgänge auf Tycho Station aufzudecken, während die Spannungen zwischen Erde und Mars deutlich zunehmen. Besonders kontrovers lässt sich Millers tödlicher Schuss auf den Wissenschaftler Antony Dresden (Daniel Kash) bewerten, denn damit wurden schnelle Antworten auf brennende Fragen vorerst verhindert - was auch zu Spannungen bei unseren Hauptfiguren führt.
Als das Highlight der zweiten Staffel lässt sich die Episode Home bezeichnen, bei der es fast die Erde erwischt hätte. Hier wird auch ein Großteil der Handlungen (vorerst) zu einem Abschluss gebracht, so dass diese Folge sich prima als Staffelfinale angeboten hätte. Zudem wird uns mit Millers Abgang (der sich sehenlassen konnte) auch gleichzeitig aufgezeigt, dass unsere Hauptfiguren keinesfalls sicher sind.

Die weiteren Episoden waren somit zunächst von einem Aufbau neuer Handlungen geprägt, wobei sich verstärkt auf den Konflikt zwischen Erde und Mars (nach dem Vorfall auf Ganymede) konzentriert wurde, aber auch die weiteren Ereignisse bei den äußeren Planeten nicht zu kurz kamen. In Sachen neue Figuren ist hier eindeutig Dr. Meng (Terry Chen) zu nennen, dessen Geschichte unserer Crew wieder viel zu tun gibt. Die Verschwörungen und Forschungen, die das Protomolekül im Mittelpunkt haben, nehmen neue Züge an und machen auch vor Kindern nicht halt. Dr. Strickland (Ted Atherton) ist da eine Schlüsselfigur, aber ehe Holden & Co. ihn zu fassen kriegen und dabei möglicherweise auch Mengs Tochter Mei (Leah Madison Jung) retten können, wird wohl noch einige Zeit vergehen - schließlich sehen wir die beiden im Cliffhanger am Staffelende.
Bestechend bleiben außerdem die Konfrontationen zwischen Erde und Mars, die in der zweiten Staffelhälfte bedrohliche Züge annehmen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis tatsächlich ein Krieg ausbricht. Und der dürfte dann auch das gesamte Sonnensystem ins Chaos stürzen (obwohl es jetzt schon stellenweise sehr chaotisch zugeht). Wobei die Belter als dritte Partei und trotz aller Uneinigkeit der verschiedenen Clans nicht zu unterschätzen sein dürften. Fred Johnson (Chad L. Coleman) ist schließlich nun auch im Besitz des Protomoleküls und die abgefangenen Raketen können ebenfalls noch zum Einsatz kommen.
So ganz generell sei noch angemerkt, dass trotz vieler dramatischer und spannender Momente auch der Humor in der zweiten Staffel nicht zu kurz kommt. Der wird zwar meist nur häppchenweise präsentiert, aber verfehlt nie seine Wirkung.
Staffelfinale
Caliban's War war fraglos eine gute Episode und hatte in Sachen Spannung und Action einiges zu bieten. Allerdings kam nicht der Eindruck auf, es hier mit einem Staffelfinale zu tun zu haben. Vielmehr bleibt das Gefühl zurück, dass diverse Handlungsstränge nun einfach unterbrochen wurden, was ein wenig schade ist. Glücklicherweise wurde die dritte Staffel bereits bestellt, denn wäre die Serie an dieser Stelle abgesetzt worden, wäre das sehr ärgerlich gewesen. Denn von einem runden Ende kann hier nicht mal ansatzweise die Rede sein.

Fazit
Die zweite Staffel kann sich sehen lassen und legt im Vergleich zur ersten noch eine Schippe drauf. Selbst wenn es etwas ruhiger zugeht, bleiben die Spannungen im Hintergrund vorhanden. Als Zuschauer mag man teilweise ein wenig überfordert mit der Figuren- und Handlungsfülle sein, aber das zeigt nur auf, wie groß und geradezu episch die Serie ihre Geschichte(n) erzählt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die dritte Staffel und würde der zweiten gute vier von fünf Sternen geben.
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 23. April 2017The Expanse 2x13 Trailer
(The Expanse 2x13)
Schauspieler in der Episode The Expanse 2x13
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