The Event 1x16

The Event 1x16

Sophia vollzieht, schÀrfer als gedacht, eine Kehrtwende um 180 Grad. Der PrÀsident muss sich fragen, ob er in seiner nÀchsten, allernÀchsten Umgebung noch einen Maulwurf hat. Und Dempsey ist AnhÀnger eines sehr alten Kults.

Ihr Gatte fĂ€hrt einen Kurs, mit dem sie sich gar nicht anfreunden kann: Lisa Vidal als Christina Martinez in „The Event“ / (c) NBC / Foto: Joseph Viles
Ihr Gatte fĂ€hrt einen Kurs, mit dem sie sich gar nicht anfreunden kann: Lisa Vidal als Christina Martinez in „The Event“ / (c) NBC / Foto: Joseph Viles

The Event liefert in dieser Woche eine wertvolle Einsicht, die sowohl in Film und Fernsehen als auch im wirklichen Leben hĂ€ufig in Vergessenheit gerĂ€t: Wer Böses tut, handelt in der Regel nicht aus der Absicht heraus, böse zu sein, sondern hat fĂŒr seine Taten meist einen Grund, der fĂŒr sich selbst genommen (moralisch) gut erscheint. Oder um mit George Bernard Shaw zu sprechen: Der Weg zur Hölle ist mit guten VorsĂ€tzen gepflastert.

Genau diese Erfahrung machen in You Bury Other Things Too nahezu sĂ€mtliche Hauptfiguren: Um die Erde vor der Invasion der Aliens zu retten, will PrĂ€sident Martinez (Blair Underwood) sĂ€mtliche SchlĂ€fer entlarven - und ersinnt dazu gemeinsam mit Senatorin Lewis (Virginia Madsen) einen Plan, der heimliche Massen-Gentests an der Bevölkerung vorsieht. Ungeachtet aller bĂŒrgerrechtlichen Überzeugungen, an die ihn seine Gattin (Lisa Vidal) zu erinnern versucht (was jedoch nur zur Folge hat, dass sie nunmehr selbst in den Verdacht gerĂ€t, eine SchlĂ€ferin zu sein).

Auch Dempsey (Hal Holbrook) hat fĂŒr sein Handeln gute GrĂŒnde. Wir erfahren, dass er sich in der Nachfolge eines alten Kults sieht, der seit Urzeiten die Erde vor den Außerirdischen beschĂŒtzt. Der Schutz gilt aber natĂŒrlich nicht allen Erdbewohnern - Mordbefehle spricht Dempsey mit der LĂ€ssigkeit aus, in der andere Menschen ĂŒber das Wetter plaudern.

Sean (Jason Ritter) hat ebenfalls die besten Absichten: Er will Dempsey, den er bislang nicht als BeschĂŒtzer der Erde, sondern nur als Auftraggeber von Kapitalverbrechen kennengelernt hat, das Handwerk legen - und die in Gefangenschaft geratene Vicky (Taylor Cole) befreien. Dazu ist Sean bereit, sogar Mord als zulĂ€ssiges Mittel zu akzeptieren - und absolviert selbst einige Jack-Bauer-LockerungsĂŒbungen in Sachen Folter.

Und dann ist da schließlich noch Sophia (Laura Innes), die sich von den GrundsĂ€tzen der Hauptdirektive mit einer Spitzfindigkeit verabschiedet: Sie habe nur geschworen, nichts zu tun, was gutartigen Zivilisationen schadet. Mit dem Raketenangriff auf die Busse hĂ€tten die Menschen jedoch bewiesen, dass sie nicht in diese Kategorie fallen.

Dass sich ihre Einstellung den Menschen gegenĂŒber Ă€ndern wĂŒrde, war bereits am Ende der letzten Folge abzusehen. Wie radikal dieser Wandel von Captain Picard (das Gebot der Nicht-Einmischung) zu George W. Bush („Wer nicht fĂŒr uns ist, ist gegen uns.“) - und darĂŒber hinaus - innerhalb von nur einer Folge ausfĂ€llt, ĂŒberrascht dann aber doch.

Immerhin hat Sophia mehr als 60 Jahre Gefangenschaft erduldet, ohne an ihren Idealen zu zweifeln. Aber plötzlich wird sie von Rachedurst und Speziesismus ĂŒbermannt - und spricht in beinahe Hitler'scher Manier von der Notwendigkeit, auf dem Planeten (Lebens-)Raum zu schaffen (sprich: einen Völkermord an den Menschen zu verĂŒben). Selbst das Schicksal ihres zweiten Sohns Simon (Ian Anthony Dale) scheint ihr, nachdem er in ihren Augen Verrat geĂŒbt hat, gleichgĂŒltig.

Um als glaubwĂŒrdiger Charakterwandel durchzugehen, hĂ€tte das - wie bei Martinez - etwas lĂ€ngerer Vorbereitung bedurft. So kommt es einem jedoch eher wie ein Bruch im Charakter vor, was - neben der im Vergleich zur Vorwoche wieder etwas gemĂ€chlicheren ErzĂ€hlweise - zu den grĂ¶ĂŸten Schwachpunkten der Folge gehört. Letztlich gilt hier sogar fĂŒr das Drehbuch, was das Grundthema der Episode gewesen ist: FĂŒr ein Anliegen, das an sich gut ist (die rasche Zuspitzung des dramatischen Konflikts), nehmen die Autoren in Kauf, eine der bislang interessantesten Figuren der Serie zu beschĂ€digen.

Der Plot um Seans und Vickys Frankreich-Ausflug war diesmal etwas gehaltvoller als in der Vorwoche. Immerhin wurde dadurch, dass Vicky ihn begleitet, obwohl er die Erpressung beendet hat, zum ersten Mal wirklich so etwas wie Chemie zwischen den Figuren greifbar. Auch wenn sich der Rest der Handlung dann nur wieder in der Rekombination von 24-VersatzstĂŒcken erging.

Fazit

Leider gelingt es The Event nicht, an die wirklich gute Folge der letzten Woche anzuknĂŒpfen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die neuen ErzĂ€hlfĂ€den, die You Bury Other Things Too ausgelegt hat (unter anderem: Wer ist der zweite Maulwurf?), in den kommenden Episoden bezahlt machen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 5. April 2011
Episode
Staffel 1, Episode 16
(The Event 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Ein teuflischer Plan
Titel der Episode im Original
You Bury Other Things Too
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 4. April 2011 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 24. Oktober 2013
Autoren
Ron Silver, Fulvio Cecere
Regisseur
Michael Waxman

Schauspieler in der Episode The Event 1x16

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