The Enemy Within 1x01

The Enemy Within 1x01

NBC schickt mit The Enemy Within einen neuen Agententhriller an den Start, der an Einfallslosigkeit leider kaum zu überbieten ist. Man versucht, die ausgelutschte Prämisse der Geschichte mit einem Last-Minute-Twist aufzupeppen, doch der gewünschte Effekt bleibt am Ende der schrecklich vorhersehbaren Pilotepisode aus.

„The Enemy Within“ (c) NBC
„The Enemy Within“ (c) NBC
© ??The Enemy Within“ (c) NBC

Ich bin vielleicht nicht der größte Experte, was das Programm von NBC in den letzten Jahren angeht, vor allem mit Blick auf die Sparten Drama und Krimi-Procedural des US-amerikanischen Networks. Doch mein Allgemeinwissen zu diesem Bereich ist insofern ausreichend, dass ich bereits nach wenigen Minuten der neuen Verschwörungsthriller- und Agentenserie The Enemy Within von TV-Autor Ken Woodruff (The Mentalist, Gotham) etwas irritiert meine Augenbrauen zusammenziehe: NBC hat doch seit vielen Jahren mit The Blacklist genau die gleiche Serie im Sendeplan oder täusche ich mich?

Darin macht eine FBI-Agentin gemeinsame Sache mit einem ehemaligen Regierungsangestellten und nun gesuchten Schwerverbrecher, der den US-Behörden regelmäßig dabei hilft, schlimme Finger dingfest zu machen. Die Ausgangslage von „The Enemy Within“ nimmt sich im Vergleich dazu nicht viel. Hier ist es wiederum ein kerniger FBI-Agent, der sich mit einer ehemaligen CIA-Analystin zusammentut, die ihr Heimatland verraten hat und seit drei Jahren im Kittchen sitzt. Nun, als ein gefährlicher Terrorist erneut auf den Plan tritt und scheinbar etwas ganz Furchtbares im Schilde führt, soll besagte Staatsverräterin Erica Shepherd (Jennifer Carpenter) aka „der Benedict Arnold unserer Generation“ mithelfen, ihren alten Auftraggeber aufzuhalten.

Will Keaton (Morris Chestnut), der die FBI-Ermittlungen in diesem Fall leitet, ist jedoch weniger von dieser Kollaboration angetan. Auch, weil Shepherd für den Tod seiner Verlobten verantwortlich gewesen ist. Und wie kann man ihr überhaupt vertrauen, nachdem sie den USA so übel mitgespielt hat? Doch manchmal muss man eben mit seinem Feind zusammenarbeiten, um ein noch größeres Übel zu stoppen. Und Erica Shepherds damalige Beweggründe, ihr Land zu hintergehen, müssen eventuell auch etwas differenzierter betrachtet werden, als es Keaton tut...

Working with the Devil

The Enemy Within“ stellt sich im Laufe seiner Pilotepisode als ein wunderbares Abbild zahlreicher jüngerer Serienproduktionen des amerikanischen Networkfernsehens heraus. Mit Jennifer Carpenter, die viele sicherlich noch aus dem Serienkillerdrama Dexter kennen, und Morris Chestnut (Rosewood, V) konnte man zwei prominente Hauptdarsteller verpflichten, die sicherlich den einen oder anderen Zuschauer anlocken können. Die Inszenierung ist grundsätzlich sehr solide und macht einen durchaus wertigen Gesamteindruck, selbst wenn einem die vielen Nahaufnahmen der Charaktere irgendwann etwas zu viel erscheinen und eine sehr hektische Verfolgungsjagd zum Ende der Folge hin mehr Schwindelanfälle als Begeisterung auslöst.

Alles in allem pendelt sich der Auftakt von „The Enemy Within“ rein äußerlich jedoch auf einem Niveau ein, das, einfach gesagt, „voll in Ordnung“ geht. Damit ist man schon einmal eine von sehr vielen TV-Produktionen, die heutzutage wie am Fließband die internationale Serienlandschaft bereichern, verwässern oder wie auch immer man es beschreiben möchte. Doch „The Enemy Within“ ist nicht nur beispielhaft in dieser Hinsicht, sondern eben auch dahingehend, dass die Prämisse der Serie einfallsloser und das Konzept der Erzählung altbackener nicht sein könnte. Als Zuschauer kann man fast schon ein kleines Spiel daraus machen und problemlos Szene für Szene voraussagen, die sich in der Auftaktepisode abspielt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man Mal für Mal richtigliegt. Dementsprechend spannend und aufregend gestaltet sich die Handlung.

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NBC
NBC - © NBC

American traitor

Wie immer ist es nicht schlimm, eine vertraute Idee zu nehmen und diese so anzupassen, dass etwas Eigenständiges, vielleicht sogar etwas Originelles daraus entsteht. The Enemy Within versucht auf den letzten Metern seiner Pilotfolge, mit einer kleinen Wendung den Kopf aus der Schlinge zu ziehen (den Zuschauern wird der wahre Grund offenbart, warum Erica Shepherd Staatsverrat begangen hat, zusätzlich erfährt man von einer weiteren Geheimagentin), ja vielleicht sogar das Grundkonzept der Serie ein Stück weit zu emotionalisieren. Man zeigt nämlich, dass die vermeintliche Antiheldin der Erzählung auch nur ein Mensch ist und all die schrecklichen Dinge getan hat, um ihre eigene Tochter zu beschützen. Ganz davon abgesehen, dass dieser „Twist“ ziemlich verpufft, weil man ihn bereits erwartet hat, ist es zu diesem Zeitpunkt auch leider viel zu spät, mich als Zuschauer davon zu überzeugen, der Serie weiter meine Aufmerksamkeit zu schenken.

Warum? Weil man zuvor gut 40 Minuten lang munter Genretropen-Bingo gespielt hat, was man an sich einem simplen Format wie diesem vielleicht noch verzeihen könnte. Letzten Endes möchte man aber doch unser Interesse wecken, wenn schon nicht über den einfachen Plot, dann bitte über die Charaktere, die hier auftreten. Auch an dieser Front bleibt „The Enemy Within“ eklatant hinter den Erwartungen zurück (sofern man denn welche hatte). Man merkt dem Cast um Jennifer Carpenter und Morris Chestnut durchaus an, dass sie eine ganze Menge Energie und Gefühl in ihre Darbietungen reinlegen. Aber was bleibt am Ende? Eine Handvoll uninspirierter Stereotypen, deren Figurenzeichnung sich erschreckend flach gestaltet.

Chestnuts FBI-Agenten Will Keaton, der natürlich beim Joggen durch Washington, D.C. unterbrochen wird, um sich sofort dem neuesten Fall zu widmen, profiliert sich allen voran dadurch, indem er lauthals andere Menschen anschreit, von denen er etwas will oder mit denen er gezwungenermaßen zusammenarbeiten muss. Carpenters Erica Shepherd wiederum präsentiert sich innerhalb kürzester Zeit als absolutes Mastermind, das auf jede Frage eine Antwort weiß und die FBI-Agenten 1, 2 und 3 - Keatons Team an Spezialisten, das auch irgendwie ein Teil der Geschichte ist - nahezu vorführt. Ihr gelungener Ausbruchsversuch ist übrigens an Lächerlichkeit schwer zu überbieten.

Man möchte uns am Ende noch einmal davon überzeugen, dass mehr hinter diesen Figuren steckt, dass wir sie eben nicht zu schnell und voreilig bewerten sollten. Aber warum muss es denn der Weg über ein fade Miniwendung in letzter Sekunde sein, warum kann man nicht natürlicher, organischer aufzeigen, was in den Charakteren steckt? „The Enemy Within“ fühlt sich durchweg nach „altem Fernsehen“ an, nach einer Formel, die tausende Male zuvor niedergeschrieben, ausgekramt und angepasst wurde.

Obendrein wirkt es stellenweise so, als würden die Macher eine perverse Freude daran haben, Paranoia zu säen und vor der Gefahr zu „warnen“, die von tausenden verdeckten Schläferagenten in den USA ausgeht. Jeder könnte ein Spion sein und ein Attentat planen. Der Briefbote. Die nette Apothekerin an der Ecke. Der Golden Retriever, der sich gerade an einem Laternenpfahl erleichtert hat. Anscheinend möchte man die Zuschauerschaft mit dieser Art Gedankenexperiment, dass heutzutage überall Risiken auf die guten, gesetzestreuen Bürgerinnen und Bürger lauern, involvieren, doch das Gegenteil ist letztendlich der Fall. Derartige Gefahren, wie sie in The Enemy Within beschrieben werden, sollte man nicht komplett auf die leichte Schulter nehmen. Die Serie fällt jedoch eher in die Kategorie „Aluhut“. Ein weiterer Punkt, der nicht wirklich für einen Neustart des Senders NBC spricht...

Abschließend noch der Trailer zu „The Enemy Within“:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 26. Februar 2019

The Enemy Within 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Enemy Within 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. Februar 2019 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 15. Dezember 2019
Autor
Ken Woodruff
Regisseur
Mark Pellington

Schauspieler in der Episode The Enemy Within 1x01

Darsteller
Rolle
Morris Chestnut
Kelli Garner
Cassandra Freeman
Noah Mills

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