The End of the F***ing World Staffel 2
The End of the F***ing World Staffel 2 Episodenguide
Review zu The End of the F***ing World Staffel 2
Alle Menschen kommen irgendwie leer auf die Welt, suchen nach etwas, womit sie diese Leere füllen können und hoffen, dass sie eines Tages ganz erfüllt sein werden. Blöd nur, dass schon beim kleinsten Schicksalsschlag die innerliche Spülung ausgelöst wird und all der Fortschritt beim Auffüllen mit einem Mal wieder verschwinden kann. Rein mit Blick auf die alltägliche Balance kann es kurzfristig sogar besser sein, ganz leer durchs Leben zu laufen, statt nur ein winziges schweres Teilchen vom großen Ganzen in sich zu tragen, das wild herumhüpft und eine seelische Säule nach der nächsten zum Einsturz bringt. „Es ist besser, geliebt und verloren zu haben, als niemals geliebt zu haben“, ist nicht nur der grausamste Satz, den man sagen kann, sondern auch der unwahrste...
Während sich die phänomenale Auftaktstaffel der britischen Netflix-Koproduktion The End of the F***ing World vor knapp zwei Jahren um die Frage drehte, wie man lernen kann, etwas zu fühlen, geht es in der für viele unverhofften zweiten Staffel nun darum, die einst erhofften, doch inzwischen erdrückenden Gefühle wieder loszuwerden. Geht man davon aus, dass die Hauptfigur der Alyssa (Jessica Barden) vielleicht an einer bipolaren Störung leidet, scheint es durchaus sinnvoll, dass auf die ersten acht manischen Episoden nun acht depressive folgen. Mitreißend bleibt die äußerst düstere Coming-of-Age-Geschichte aber trotzdem.
It was the perfect tragedy and then I didn't die...
Was viele der besagten Fans, die die im August 2018 bestellte Fortsetzung schon im Vorfeld so verdammten, vermutlich am meisten verärgerte, war die Tatsache, dass sie nun doch endgültig erfahren würden, ob James (Alex Lawther) seine Schusswunde am Strand überlebt hat oder nicht. Klar hätte es etwas wahnsinnig Poetisches gehabt, wenn er dort in den Armen seiner großen Jugendliebe gestorben wäre - und noch Poetischer war nur die Vorstellung, dass wir niemals sicher sagen könnten, wie die Geschichte wirklich ausging. Wer es dabei belassen will, muss die neue Staffel schlichtweg ignorieren...
Wer das tut, verpasst dann allerdings auch eine neue Hauptfigur, die zumindest zu Beginn viel frischen Schwung ins Spiel bringt. Bonnie ist ihr Name und gespielt wird sie von Naomi Ackie, die bald auch in „Star Wars: Episode IX“ zu sehen sein wird. Nachdem James seine Mörderkarriere aufgegeben hat, ist sie nun die nächste Möchtegern-Psychopathin. Und sie hat es ausgerechnet auf unsere zwei Helden abgesehen. Der Grund: Sie haben die vermeintliche Liebe ihres Lebens auf dem Gewissen, den ekelhaften Professor Dr. Clive Koch (Jonathan Aris), der Alyssa damals vergewaltigen wollte, bevor James seine Kehle durchschnitt.

Die komplette erste Folge dreht sich quasi nur um Bonnies Backstory, die tatsächlich sehr plausibel scheint und eine ganz neue Dimension der verlorenen Jugend in den Mittelpunkt stellt. Da sie für ihren Mentor/Liebhaber schon einmal einen Mord beging, saß die junge Frau sogar schon im Gefängnis. Sie stellt also eine durchaus ernst zu nehmende Gefahr für James und Alyssa dar, schleicht sich aber äußerst langsam und vorsichtig an die beiden an. So langsam vielleicht, dass sie am Ende zu viel Sympathie entwickeln könnte. So oder so verblasst ihre Abgefucktheit rasch im Vergleich zu ihren auserwählten Opfern.
Being dead must really suck, right?
Auf weitere Spoiler soll an dieser Stelle verzichtet werden, zumal es dem Chefautor Charlie Covell, der The End of the F***ing World damals basierend auf einer gleichnamigen Comicvorlage von Charles Forsman schuf, erstaunlich oft gelingt, für echte Überraschungen zu sorgen. Soll heißen: Die Serie bleibt immer unberechenbar, was vor allem auf das sprunghafte Gemüt Alyssas zurückzuführen ist. Auch ihr Umgang mit James, den sie einst unsterblich liebte, ist von dieser Wankelmütigkeit gezeichnet, was diesem großen Schmerz bereitet und ihn nur noch fester an sie bindet. Für Außenstehende ist offensichtlich: Diese zwei Menschen tun einander nicht gut. Das Problem ist nur, dass sie durch die gemeinsam durchlebten Traumata untrennbar miteinander verbunden sind.
Auch wenn sich die neue Staffel oftmals deutlich kühler und weitaus weniger offen, dafür eher ausweglos anfühlt, sorgen die Regisseure Jonathan Entwistle und Lucy Tcherniak mit ihrem Sinn für Timing und Musikauswahl erneut dafür, dass man in all der Lethargie nicht vollends versackt. Auf den ersten Blick wirkt The End of the F***ing World wie eine gefühllose Abrechnung mit der bitterbösen Welt, allerdings entspringt das Ganze offensichtlich einem Geist, der viel für Romantik übrighat - oder wenigstens mal hatte. Vermutlich kann man sogar nur so zynisch denken, wenn man einst ein Optimist war. Das Ironische dabei: All die gescheiterten Existenzen in der Serie stehen eigentlich noch ganz am Anfang ihres Lebens. Und wenn man so früh schon so tief gesunken ist, hat das dann nicht auch etwas Befreiendes?
Es ist wichtig, dass die Serienmacher trotz allem Nihilismus hin und wieder klarmachen, dass das Leben lebenswert ist und alles, wirklich alles besser ist als der Tod. Sogar Alyssa scheint sich dieser Sache sicher. Allmählich scheint sie sogar einzusehen, dass nur sie selbst in der Lage ist, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Damit wäre sie in der Welt von The End of the F***ing World quasi ein Unikat, wie beispielsweise im Kleinen darin deutlich wird, wie teilnahmslos sämtliche Figuren schlechte Nachrichten mit einem lakonischen „Right“ hinnehmen. Statt alles über sich ergehen zu lassen, will Alyssa nun die Initiative ergreifen, was eine überaus interessante dritte Staffel bedeuten könnte, falls diese denn zustande kommt...
Hier abschließend der Trailer zur 2. Staffel von The End of the F***ing World:Hier kannst Du „The End of the Fucking World: Taschenbuch von Charles Forsman“ bei Amazon.de kaufen
«The End of the F***ing World» Trailer
The End of the F***ing World Staffel 2 Episodenguide
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