The Catch 1x10

The Catch 1x10

Die mittlerweile bereits vierte Shondaland-Serie hat ihre erste Staffel zu Ende gebracht und Millionen Menschen stellen sich eine einzige, alles entscheidende, Frage: Will it binge?

Mireille Enos und Peter Krause in der Serie „The Catch“ / (c) ABC
Mireille Enos und Peter Krause in der Serie „The Catch“ / (c) ABC

Die Entwicklung der vierten Serie der Erfolgsgarantin Shonda Rhimes war öfter mal von Problemen geplagt. Der Showrunner wechselte, und mehrere Hauptrollen wurden neu gecastet. Schließlich wurde auch der komplette Ton der Serie neu ausgerichtet: Nachdem ein erster Trailer eine eher düstere Thriller-Richtung à la How to Get Away with Murder andeutete, ging der zweite Trailer in neuer Besetzung eher in eine für Shondaland untypische, heiter-freche Richtung. Diese turbulente Zeit der Selbstfindung merkt man der Serie die gesamte Staffel über an. Die Frage, die man sich da nun in den Sommermonaten stellen möge, lautet: Lohnt sich die Serie für ein nettes Binge-Wochenende? Die Antwort: Meh.

Zumindest die Neubesetzung der Rollen Benjamin und Margot war eine ausgesprochen gute Idee, wobei die Neubesetzung der letzteren wohl nur eine Konsequenz der Neubesetzung von Benjamin war. Auch wenn man nur aus dem ersten Trailer Rückschlüsse auf die Chemie zwischen Mireille Enos und Damon Dayoub ziehen konnte, war schon dort zu sehen, dass sie quasi nicht existent war. Dayoub wirkte mehr wie ein Toy-Boy an der Seite von Enos, während Neubesetzung Peter Krause da schon deutlich erwachsener wirkt. Auch war dies wohl eine Konsequenz aus dem Wechsel des Tons der Serie, da Krause viel besser das schelmische und den bubenhaft-frechen Charme der Neuausrichtung verkörpern kann.

Worum geht's?

Alice Vaughan (Mireille Enos) führt mit ihrer Kollegin und besten Freundin Valerie (Rose Rollins) die erfolgreiche und renommierte Detektei Anderson Vaughan Investigations. Während sie, die ultra-taffe und brillante Ermittlerin, am liebsten im Einsatz ist, führt Valerie die Geschäfte. Und auch privat scheint alles für Alice gut zu laufen: Sie ist mit dem reichen Investmentbanker Christopher Hall (Peter Krause) verlobt, das Hochzeitskleid schon gekauft und die Anzahlung für das gemeinsame Haus bereits geleistet. Doch dann stellt sich heraus, dass Christopher ein Betrüger ist, und Alice komplettes Vermögen sowie die Kundendaten ihrer Firma gestohlen hat...

Kollegin Loryn Pörschke war in ihrer Kritik der Pilotfolge nicht besonders angetan. Und auch wenn ich nach der Pilotfolge noch auf eine leichte, angenehm lockere Sommerserie hoffte, schafft es die Serie einfach nicht, den richtigen Ton zu finden. Funktionieren die Procedural-Elemente meist gut und schaffen es, zu unterhalten, fehlt der fortlaufenden Geschichte leider die Kohärenz.

So wird etwa der Bruder von Margot (Sonya Walger), der Geliebten und Partnerin von Benjamin (wie Christopher Hall eigentlich heißt), über mehrere Folgen lang als unberechenbarer Killer, der vor nichts zurückschreckt, angedeutet. Doch als Rhys (Hallo John Simm, schön dich mal wieder zu sehen!) dann auftaucht, wandelt er sich binnen weniger Episoden vom gefährlichen Killer zum ultrasympathischen Lebemann, der ab und an mal Menschen erschießt, was eigentlich niemanden wirklich stört. Das passt nicht, das beißt sich ganz gehörig.

So verkommt einer der letzten Momente der finalen Episode fast zu einer abstrusen Karikatur der Serie: Denn hier überrascht Alice ihren -jetzt wieder heiß geliebten - Benjamin mit Flugtickets auf eine tropische Insel, um vor der Justiz fliehen zu können. Und mit wem hat sie das geplant? Mit Rhys, der, zum einen, Ben noch wenige Minuten vorher abgrundtief gehasst hat, weil der ihn an das FBI verraten wollte, und den, zum anderen, Alice tiefst verachtet hatte, weil er munter Zivilisten und FBI-Agenten erschossen hatte. Und nun stehen sie alle glücklich nebeneinander und freuen sich, als hätten sie zu viel Zeit in Cheech und Chongs Kräutergarten verbracht.

Hier merkt man, dass „ernste“ Versatzstücke sich in die neue, leichte Tonlage der Serie einfach nicht gut einfügen. Man merkt das auch beim Abschluss der Staffel, der plötzlich wieder von lustig und seicht auf knallhart-soapiges Drama à la Scandal oder How to Get Away with Murder umschaltet. Denn in der letzten Szene wird Alice wegen Bens Straftaten fast festgenommen, bis dieser genau zum richtigen Zeitpunkt aus dem Fahrstuhl schreitet um sich zu stellen und sie zu retten, während uns dramatische Musik diesen Cliffhanger schmackhaft zu machen versucht.

Dabei waren die Ideen der neuen Ausrichtung eigentlich gar nicht so schlecht. Ein Katz-und-Maus-Spiel im Stile von White Collar mit den etwas soapigeren Aspekten der klassischen Shondaland-Serie. Dazu die an sich interessanten und sympathischen Figuren der kriminellen Familie Großfamilie der Kensington Firm: Daraus hätte etwas werden können.

Haben sich wieder alle ganz doll lieb: Mireille Enos; John Simm und Peter Krause in der US-Serie %26bdquo;The Catch%26ldquo; © ABC Studios; ShondaLand
Haben sich wieder alle ganz doll lieb: Mireille Enos; John Simm und Peter Krause in der US-Serie %26bdquo;The Catch%26ldquo; © ABC Studios; ShondaLand

Was funktioniert?

Die große Stärke von The Catch sind die Charaktere. Man schaut ihnen einfach allen gerne zu, ob rechtschaffender FBI-Agent oder liebenswerter Betrüger mit gutem Herzen. Selbst die Nebencharaktere haben fast alle interessante, unterhaltsame kleine Handlungsbögen. Auch die Austattung und die Locations wissen zu überzeugen: Tolle Anzüge, tolle Apartments, tolle Autos. Dazu noch unterhaltsame Fälle der Woche - eigentlich die perfekte Sommerserien-Grundausstattung.

What's the Catch?

All die dramatischen Elemente der Serie, die ihrem Charme dazwischenkommen. Man kann einfach kein packendes Drama mit Mördern und Betrügern gestalten, wenn wirklich alle Charaktere als eigentlich sympathische, lustige Typen dargestellt werden. Ein ähnliches Problem - in weit geringerem Ausmaß - hatte etwa anfangs The Vampire Diaries, als jeder noch so brutale Mord dem Charakter zugunsten der Handlung innerhalb weniger Minuten vergeben wurde.

Fazit

Kann man „The Catch“ nun als nette Sommerserie empfehlen? Jein. Wer Qualitätsfernsehen erwartet, der wird enttäuscht sein. Es handelt sich hier mit Sicherheit um die schwächste Serie aus dem Shondaland. Dafür ist es allerdings auch die seichteste und fröhlichste. Wer entspannte Sommerunterhaltung sucht, mit hübschen Locations und netten Anzügen, und wer dazu noch über Logiklöcher - ach was sag ich, Logikkrater - hinwegschauen kann, der darf ruhig einmal zugreifen.

Verfasser: Benedikt Pichl am Sonntag, 10. Juli 2016
Episode
Staffel 1, Episode 10
(The Catch 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Die Hochzeit
Titel der Episode im Original
The Wedding
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. Mai 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 5. Dezember 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 6. März 2017
Autor
Allan Heinberg
Regisseur
Kevin Dowling

Schauspieler in der Episode The Catch 1x10

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