The Carmichael Show 1x01

Was passiert?
The Carmichael Show, die übrigens vor einem stetig lachenden Livepublikum gedreht wird, startet mit dem Song „Juicy“ von Notorious B.I.G. und tanzenden Protagonisten. Jerrod (Jerrod Carmichael) und seine Freundin Maxine (Amber Stevens West) sind gerade zusammengezogen und eindeutig glücklich damit. Als Maxine aber fragt, ob Jerrod seinen Eltern die frohe Botschaft schon verkündet hat, ist die gute Stimmung relativ schnell am Kippen. Nebenbei erfährt man noch, dass Jerrod ein riesiger Obama-Fan ist, aber generell nicht wählt.
Kurz darauf wird sein Bruder Bobby (LilRel Howery) eingeführt, der sich darüber beschwert, dass seine Exfrau Nakeisha (Tiffany Haddish) mit fremden Männern schläft. Besagte Exfrau lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, in der Szene aufzutauchen. Zusammen mit Bobby trichtern auch sie Maxine ein, dass es eine idiotische Idee ist, den Eltern etwas zu sagen. Immerhin hätten sie selbst auch nicht mitgeteilt, dass sie geschieden sind. Die Eltern werden als „too judgemental“ beschrieben.
Beim gemeinsamen Abendessen droht Maxine Jerrod damit, den Eltern einfach von ihrem gemeinsamen Heim zu erzählen. In der Szene lernen wir sowohl den Vater Joe (David Alan Grier) als auch die Mutter Cynthia (Loretta Devine) kennen. Der Vater ist ein Trucker mittleren Alters, der anscheinend gerne Rippchen mit Käsedip zu sich nimmt. Die Mutter ist eine in übermäßiger Lautstärke kommunizierende, stark gläubige Hausfrau.
Während des Essens, bei dem interessanterweise nur der Vater etwas isst, versucht Maxine tatsächlich häufig, die Wohnsituation anzusprechen. Jerrod weiß das aber mehr oder weniger geschickt und eher weniger amüsant zu verhindern. Bei jedem Versuch von Maxine, das Gespräch in die von ihr gewünschte Richtung zu lenken, wirft Jerrod etwaige politische Statements ein, die dankend von den Eltern aufgenommen und heiß diskutiert werden. Das Schema zieht sich über die gesamte Szene, also über ein Viertel der ersten Folge, hin.
Nach dem Abendessen haben Maxine und Jerrod dann noch eine „intime“ Szene, die darin endet, dass Jerrod sich bereiterklärt, seinen Eltern die Wahrheit zu sagen. Sie stracksen also rüber zu dem Haus der Eltern, der Vater erschlägt sie fast mit einem Baseballschläger, das Geheimnis wird gelüftet und die Eltern reagieren genauso wie alle es vorausgesagt haben. So viel zu der Geschichte, mit der sich die Drehbuchautoren wohl so viel Mühe gemacht haben wie ein durchschnittlicher Fünftklässler bei den Hausaufgaben.
Und wie finden wir den ganzen Spaß?
Spaß könnte man in diesem speziellen Fall definitiv in dicke Anführungszeichen setzen. Wenn man denn wollte. Wollen wir? Ja. Beginnen wir damit, dass die Tanzeinlage von Maxine so überzogen komisch dargestellt worden ist, dass es eher an einen alten Stammesritus erinnert, der auf mit Legosteinen gepflastertem Boden sehr euphorisch ausgeübt wird. Jerrods Aussage, dass die Menschen, da, wo er herkommt, zu solchen Liedern heiraten, ist auch eher weniger innovativ - hacken wir hier doch wieder nur auf einem ausgeleierten Stereotyp herum. An dieser Stelle ist es wohl sinnovoll, einen Klischeecounter einzuführen: Mit der Aussage, dass Afroamerikaner nur Rap hören, steht er nun bei eins.
Klischeecounter, die Zweite: Um davon abzulenken, dass er seinen Eltern nichts von der gemeinsamen Wohnsituation erzählt hat, berichtet Jerrod Maxine davon, dass er nicht wählt, aber ein riesiger Fan von Obama ist:
„In 2008, I saw this guy rising from being poor and black in America to the greatest office in the United States (...) He inspired me and so many other people, I mean so many other people, I figured, hell, he does not need me.“
Afroamerikaner lieben Barak Obama, haben aber keine Ahnung von Politik. Der Kilscheecounter steht also bei zwei.
Neben diesem brandneuen Klischee erkennen wir hier aber auch das Grundgerüst der meisten Gags in der ersten Folge von The Carmichael Show. Man lasse eine beliebige Figur ein politisch relevantes Thema aufgreifen und hänge die plumpeste „Punchline“ an, die der Redaktion einfällt. Das geht vielleicht ein paar Mal gut und kann wenigstens marginal unterhalten, die dauerhafte Repetition dieses Schemas ist aber schnell ermüdend. Es ist eben kein Family Guy, wo dieses Prinzip bekanntlich zum Maximum ausgereizt werden kann.

Die amüsantesten Parts in der Folge sind die, in welchen Lil Rel als Jerrods Bruder Bobby auftritt. Das liegt aber weniger an den Scherzen, die ihm von den Autoren zugetraut werden, als vielmehr an seiner Fähigkeit, diese mit einer großen Portion Selbstironie witziger zu gestalten, als sie es eigentlich sind. Das rangiert meistens immerhin noch in einem Bereich zwischen „nervig“ und „okay“. Weder bei Lil Rel noch bei Jerrod spürt man wirklich ihre Bühnenerfahrung.
Betrachten wir die Szene bei den Eltern, fängt das Spiel von vorne an. Zunächst werden uns die Eltern vorgestellt. Der Vater, ein Rippchen essender Trucker mit Obama-Shirt (der Klischeecounter steht mit den Rippchen jetzt bei drei). Die Mutter, eine zu sehr in ihren Glauben involvierte und in sehr hohen und lauten Tönen sprechende Hausfrau, die, man mag es kaum glauben, nach dem lautstark gestikulierenden Stereotyp, das Hollywood uns in so vielen Filmen fleißig präsentiert, konstruiert worden ist.
Der Clou der Szene soll darin bestehen, dass Maxine versucht, den Eltern von dem Zusammenleben mit ihrem Sohn zu erzählen. Der wiederum lenkt immer wieder mit Statemensts wie „I am thinking of registering republican“ vom Thema ab. Das ambitioniert den Vater dazu, von seiner Zeit als Bush-Wähler zu philosophieren: „Sometimes you have to put water in somebody's face to get anwers.“ Nach zwei Minuten wird man der ganzen Farce allerdings schon überdrüssig und wünscht sich, Maxine würde endlich mal das Ruder in die Hand nehmen und ihrem nervtötenden Freund damit ordentlich eins überhauen.
Fazit
Was soll man also über The Carmichael Show groß Worte verlieren? Wem es reicht, sich von seichten Witzen über die immer wiederkehrende, gleiche Thematik sanft auf der Welle der Anspruchslosigkeit in die geistige Verwahrlosung treiben zu lassen, dem sei es nicht verwehrt. Wer nichts erwartet, kann in dem Sinne dann auch nicht enttäuscht werden. Mehr ist dann aber leider auch nicht drinne.
Insgesamt ist die The Carmichael Show nämlich eine sich an längst totgetretenen Stereotypen festklammernde Comedyserie, die auch nicht von den schauspielerischen Fähigkeiten der Protagonisten herausgerissen werden kann - denn diese sind nur marginal vorhanden. Es wird auch nicht von irgendwoher kommen, dass NBC sich mit einer Bestellung von vorerst sechs Episoden zufriedengegeben hat. Die einzige Frage, die offenbleibt, ist die, ob das angepriesene Livepublikum wirklich so live ist. Und wenn ja, ob aus freien Stücken gelacht wird.
Trailer zu „The Carmichael Show“
Verfasser: Jamin Schneider am Donnerstag, 27. August 2015The Carmichael Show 1x01 Trailer
(The Carmichael Show 1x01)
Schauspieler in der Episode The Carmichael Show 1x01
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