The Boys 1x01

The Boys 1x01

Mit The Boys adaptieren Seth Rogen und Evan Goldberg gemeinsam mit Eric Kripke eine weitere Comicreihe von Garth Ennis, die definitiv keine normale Superheldenserie ist. Hat die derbe Satire um Billy Butcher und seine Truppe etwas auf dem Kasten?

„The Boys“ (c) Amazon
„The Boys“ (c) Amazon
© ??The Boys“ (c) Amazon

Die Welt von Elektrofachmann Hughie Campbell (Jack Quaid) wird auf den Kopf gestellt, da dessen Freundin als Kollateralschaden des berühmten Superhelden A-Train endet, als dieser sie über den Haufen rennt. Als Hughie sich weigert, Schweigegeld anzunehmen und erwägt, gegen den Helden und den Megakonzern Vought American zu klagen, erweckt er die Aufmerksamkeit eines gewissen Billy Butcher (Karl Urban), der ihn im Kampf gegen die korrumpierten „Supes“ rekrutieren will, mit denen auch er eine Rechnung offenhat.

Was geschieht im Auftakt von The Boys?

Hughie ist sich nicht sicher, ob er das Angebot das Fremden annehmen soll, zumal große Taten, Rache, Gefahr oder selbst Durchsetzungsfähigkeit bisher nie wirklich Teil seines Repertoires waren. Trotzdem entschließt er sich dazu, Butcher zunächst zu folgen, der ihn, um ihn zu überzeugen, in eine Bar führt, in der Supes so richtig die Sau rauslassen. Als ihm dort ein Überwachungsvideo von A-Train gezeigt wird, der bereits zu Scherzen über die Frau aufgelegt ist, die ihm im Weg stand, ändert Hughie seine Meinung und schließt sich Butchers Vorhaben an.

Gleichzeitig erhält die angehende Superheldin Starlight (Erin Moriarty) die aufregende Nachricht, dass sie aus einem riesigen Pool an Kandidatinnen ausgewählt wurde, das neuste Mitglied von „The Seven“ zu werden - der berühmtesten Heldengruppe der Welt, zu denen auch A-Train gehört. Doch ihr anfänglicher Enthusiasmus wird schnell gedämpft, als ihr neuer Kollege The Deep (Chace Crawford) die Hosen runterlässt und ihr unmissverständlich klarmacht, dass sie nur in die Reihen von The Seven aufgenommen wird, solange sie für ihn auf die Knie geht. Mitgenommen von der Sache setzt sie sich ausgerechnet neben Hughie auf die Parkbank, der ebenfalls über einiges zu reflektieren versucht. Ohne konkrete Details über ihre Situation zu erzählen, spornen sie sich gegenseitig an, nicht aufzugeben.

Hughie bringt das auch gleich zum Ausdruck, da er sich in Butchers Plan einspannen lässt, eine Wanze im Büro der Seven zu platzieren, indem er das Angebot von Vaughts Anwälten mit der Bedingung annimmt, A-Train persönlich zwecks Kondolenzbekundung und Entschuldigung zu treffen. Das scheint zunächst gutzugehen, wäre da nicht das zur Unsichtbarkeit fähige Seven-Mitglied Translucent (Alex Hassell), der seine Sabotage entdeckt und Hughie zu seinem Elektroladen folgt. Glücklicherweise taucht Butcher im richtigen Moment auf und gemeinsam schaffen sie es, den Supe außer Gefecht zu setzen.

Währenddessen sorgt die Vought-Vizepräsitentin und gleichzeitig die Managerin von The Seven, Madelyn Stillwell (Elisabeth Shue), dafür, dass ein Bürgermeister zum Schweigen gebracht wird, der sie mit seinem Wissen über eine Substanz namens Compound V zu erpressen versucht. Dafür macht sich sogar der Homelander (Antony Starr) selbst als Anführer der Seven die Hände schmutzig, indem er dessen Flugzeug von Himmel holt.

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The Boys Are Back in Town

Als die Comics zu The Boys 2006 ihr Debüt feierten, so galt es wie einst bei Preacher quasi als unmöglich, die von Garth Ennis kreierten Inhalte aufgrund ihrer expliziten Darstellungen jemals als Film oder Serie zu adaptieren. Heute sieht das anders aus und Evan Goldberg und Seth Rogen haben sich gemeinsam mit Supernatural-Schöpfer Erik Kripke der Sache angenommen. Der Auftakt ist trotz diverser nicht unerheblicher Szenen im Vergleich zu dem, was noch alles kommen kann, recht harmlos ausgefallen. Wie weit man wirklich bereit ist zu gehen, wird man erleben, wenn wir etwa The Female (Karen Fukuhara) in Aktion sehen oder wenn die Macher sich Stoffen wie dem Special „Herogasm“ annehmen, das selbst Programmbossen bei HBO oder ähnlichen Pay-TV-Sendern die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte. Die Serie wird in ihrem satirischen Rahmen geschmacklich an die Grenzen gehen und gerne auch ein wenig darüber hinausschauen.

The Name of the Game, benannt wie einige weitere Episoden nach den Titeln der Comicausgabe, führt die Zuschauer/-innen behutsam in das komplexe Serienuniversum ein, denn neben den Boys (und dem Girl) und ihren Verbündeten gibt es noch unzählige Figuren innerhalb der Regierung, Vought oder den zahlreichen Heldenteams und Gruppierungen. Dabei fällt auf, wie gut bereits beim Casting gearbeitet wurde, denn allein Billy Butcher (Karl Urban), Homelander (Antony Starr), Maeve (Dominique McElligott) und Starlight (Erin Moriarty) sind meiner Meinung nach sehr gut besetzt. Auch A-Train (Jessie T. Usher) und The Deep (Chace Crawford) sind bisher ziemlich glaubwürdige Armleuchter, die es unter den Supes wie Sand am Meer gibt. Das ist eine Sache, die Hughie und der/dem Zuschauer/-in sehr schnell klarwird. Was Hughie (Jack Quaid) selbst angeht, bin ich noch nicht ganz überzeugt, aber es war schon spaßig zu sehen, dass mit Simon Pegg, der seinen Vater spielt, die Person zu sehen ist, die für die Comicversion der Figur die Inspiration war...

Auch wenn wir gerne die inneren Werte betonen, so ist der Look gerade bei Adaptionen ein nicht unwesentlicher Faktor - und der kann sich in diesem Fall definitiv sehen lassen. Stunts, Special Effects, Kostüme und Kulissen merkt man deutlich an, dass man ein ordentliches Sümmchen investiert hat und das scheint auch schnell in der Qualität der Produktion durch, die ein ziemlich hohes Niveau an den Tag legt. Dass man sich in der ersten Episode ohne den Rest der Truppe (Minus Butcher) dazu entschieden hat, den Fokus auf Hughie und Starlight zu legen, war eine gute Entscheidung, da diese zunächst die größten Charakterentwicklungen machen und diese somit auch den dafür nötigen Raum erhalten. Der beißende, satirische, tiefschwarze Humor scheint bereits jetzt an einigen Stellen durch und die von der systematisch kommerziellen Superheldenmaschinerie repräsentierten Themen genau wie der gezeigte und suggerierte (sexuelle) Machtmissbrauch sind auch heutzutage brandaktuell, vor allem mit einigen Parallelen zu Hollywood. Allerdings stehen uns da noch einige humorvolle Schätzchen bevor, wie etwa Butchers Bulldogge „Terror“, das alles andere als wehrlose Maskottchen der Truppe, der jegliche Art von Lebewesen auf Kommando begatten kann (ja, wirklich!).

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Unterschiede zum Comic

Es gibt einige Dinge, die für die Serienadaption neben der Erzählreihenfolge geändert wurden, dafür aber den Fluss der Geschichte keineswegs stören: So haben A-Train und The Deep die Hautfarbe getauscht, während Deep keinen Helm mehr zu tragen scheint. James Stillwell von Vought ist nun Madelyn Stillwell (Elisabeth Shue) und Hughie ist nun nicht mehr wee, da er in dieser Version Amerikaner und kein Schotte ist. Letzteres ist übrigens das Einzige, was ich ein wenig schade finde, da ich mir den Akzent in Kombo mit Butchers englischem gut hätte vorstellen können. Jack from Jupiter wurde in den Reihen der Seven vom nicht bekannten Translucent ersetzt, dementsprechend existiert die Kampfszene gegen Ende der Episode so nicht. Zudem verfolgt A-Train zu Beginn einen Schurken, den er gegen Hughies Freundin schleudert, dadurch ist es auch für die/den Comicleser/-in ein Rätsel, was er in dem Sack mit sich trug und wohin er wollte... Hier könnte die Story an diesen zwei Punkten bereits etwas stärker abweichen.

Fazit

The Boys legt einen furiosen Start hin, der den Geist seiner abgedrehten Vorlage bestens eingefangen hat und mit dem Superheldengenre auf seine ganz eigene Weise abrechnet. Es ist viel Aufwand sowohl in das Drehbuch als auch in die Produktion geflossen, was man The Name of the Game auch direkt anmerkt. Auch ein gutes Händchen beim Casting macht sich bezahlt, denn es scheinen sich die richtigen Darsteller/-innen gefunden zu haben, um dem schwarzen Humor und der bitterböse Satire von Garth Ennis auch auf dem Fernseher Leben einzuhauchen. Allerdings ist die Serie nicht für jede/-n geeignet, denn, wer sich mit dieser Art von derbem Humor sowie expliziter Gewaltdarstellung und sexuell anstößigen Inhalten nicht wohlfühlt, sollte einen Bogen um die Jungs und Mädels machen. Alle anderen, die kein Kreuz in diese Boxen machen müssen, bekommen eine der aufregendsten und vielversprechendsten Serien dieses Sommers geliefert.

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Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 26. Juli 2019

The Boys 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Boys 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Aller Anfang ist schwer...
Titel der Episode im Original
The Name of the Game
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 26. Juli 2019 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 26. Juli 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 26. Juli 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 26. Juli 2019
Autor
Eric Kripke
Regisseur
Dan Trachtenberg

Schauspieler in der Episode The Boys 1x01

Darsteller
Rolle
Karl Urban
Jack Quaid
Erin Moriarty
Dominique McElligott
Laz Alonso
Tomer Kapon
Colby Minifie

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