The Blue Rose 1x01

The Blue Rose 1x01

Die Dramaserie The Blue Rose bietet eine Leiche, zwei ungleiche weibliche Hauptfiguren und eine Welt, in der die „Großen“ allzu spielerisch über die „Kleinen“ triumphieren. Doch die Auftaktepisode verläuft viel zu blass, um begeistern zu können.

Antonia Prebble ist Jane Marsh in der neuen neuseeländischen Serie „The Blue Rose“. / (c) tv3
Antonia Prebble ist Jane Marsh in der neuen neuseeländischen Serie „The Blue Rose“. / (c) tv3

In dem neuseeländischen Drama The Blue Rose gibt es so gut wie nichts zum Lachen, während man einen ersten Blick in die Abgründe der Finanzwelt werfen darf. Der Serienauftakt kommt zeitweise etwas konfus daher und verläuft zu unauffällig, um Zuschauer gänzlich in seinen Bann zu ziehen.

Vertretung für eine Tote

Dass die junge Frau Jane Marsh (Antonia Prebble) etwas verträumt durch die Welt wandert, erkennt man schnell daran, dass sie auf dem Weg zur Arbeit zwei Mal um ein Haar den Bus verpasst. Als sie jedoch ihren Dienst als Aushilfskraft in einem Anwaltsbüro antritt, wird sofort ihre ganze Geistesgegenwart verlangt: In der Kanzlei wimmelt es von unsympathischen Kollegen. Auch die Polizei ist vor Ort - Janes Vorgängerin Rose trieb mit dem Kopf nach unten im Wasser des Hafens von Auckland.

Wer war Rose?

Stück für Stück erfahren wir mehr über die Verstorbene. Ihre beste Freundin, die Kurierin Linda (Siobhan Marshall), ist davon überzeugt, dass Rose nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen ist. Sie sorgt sich um die persönlichen Dinge ihrer Freundin, die sich noch im Büro befinden. Erst als Jane der aufbrausenden jungen Frau verspricht, sich persönlich um die Sachen zu kümmern, lässt sich Linda beruhigen - fortan stehen die beiden Hauptfiguren der Serie in engem Kontakt.

Im Schnellverfahren wird das Privatleben der Verstorbenen ausgeleuchtet. Rose hinterlässt den geldgierigen Ehemann Grant (Tim Foley), von dem sie zuletzt aber getrennt gelebt hatte, und eine kleine Tochter. Sie war eine gewissenhafte und zuverlässige Arbeiterin. Zudem erfahren wir von Linda, dass ihre Freundin nie gegen die Verschwiegenheitspflicht, die mit ihrem Job einherging, verstoßen habe. Doch was befindet sich dann auf dem USB-Stick, den Rose versteckt hatte?

Nicht nur Roses Boss Simon Frost (Matt Minto), sondern auch der sonderliche IT-Spezialist Ganesh (Rajeev Varma) sind auf der Suche nach den darauf gespeicherten Daten. Haben die Informationen auf dem USB-Stick etwas mit dem Finanzhai und Kanzleikunden Derek Peterson (Stelios Yiakmis) zu tun? Oder gar mit dem Tod der Anwaltsgehilfin selbst?

Charakterzeichnung

Die Entwicklung, dass Jane sich so leicht für die potentiell gefährliche Suche nach der Wahrheit gewinnen lässt, ist zum einen in der resoluten Einflussnahme von Linda begründet. Zum anderen wird offenbart, dass auch Janes Eltern - wohl durch eine Fehlinvestition - um ihre Alterssicherung gebracht worden sind, was in einer besonderen Betroffenheit ihrer Tochter resultiert. Das Telefonat zwischen der tapferen Mutter und der mehr als besorgten Jane ist der einzige Moment, in dem The Blue Rose bislang emotionalen Tiefgang entwickeln konnte.

Der erste ungewöhnliche Moment in der neuseeländischen Serie ist der, in dem Jane uns die Türen zu ihrer Wohnung öffnet: Sie wohnt dort mit dem Filmschaffenden Dean zusammen, den sie offensichtlich anhimmelt - und finanziert.

Linda, die sich bislang noch mit jedem männlichen Wesen angelegt hatte, geht auch bei dem Blondschopf vom Typ „ambitionsarmer Surf-Kiff-Träumer“ unmittelbar auf Konfrontationskurs.

Die Kurierdienstfahrerin und und die Anwaltsgehilfin Jane verkörpern nicht nur optisch zwei gänzlich unterschiedliche Typen. Mit diesem bewährten Rezept der Gegensätzlichkeiten kann man zwar nicht allzu viel falsch machen. Bislang wirken die Interaktionen der beiden allerdings noch zu konstruiert, um die beiden Charaktere lebendig erscheinen zu lassen.

Wie geht es weiter?

Am Ende der Episode dringen Linda und Jane in das Haus einer Fremden ein. Sie sind auf der Suche nach Hinweisen dafür, dass Frosts Klient Peterson mithilfe der Kanzlei die Leidtragenden eines desaströsen Finanzgeschäftes bestochen hat. Dass sich die Hausbesitzerin als potentielle Mitwisserin aus dem Staub macht, als ihr die beiden Frauen zu nahe kommen, muss als Cliffhanger ausreichen.

Fazit

In der Auftaktepisode von The Blue Rose sind gute Ansätze erkennbar, doch leider ist der etablierte Flair nicht so verlockend, wie er hätte sein können. Die Angestellten der Kanzlei sind zwar irgendwie unangenehm, bleiben dabei aber zu blass und eindimensional. Deswegen wirkt der Arbeitsplatz eher wie ein mit Guppys gefülltes Aquarium als ein Haifischbecken.

Fortan soll die Serie sich angeblich dem Kampf der unterbezahlten Mitglieder der „The Blue Rose“-Vereinigung gegen die Mächtigen widmen. Diese recht vielversprechende Entwicklung wird in der durcheinander wirkenden Pilotepisode nicht stark genug angedeutet. Auch muss dafür die Fraktion der „Bösen“ stärker etabliert werden. Weder die Figur der zickigen Obersekretärin noch der gewissenlose Finanzhai Derek Peterson (Stelios Yiakmis) können über das Klischee triumphieren, das sie verkörpern.

Bislang absolvieren die Dialoge ebenso wenig Höhenflüge wie die Handlung an sich. Um sich von den zahllosen Formaten aus dem Legal-Crimedrama-Genre abzuheben, muss bei The Blue Rose noch sehr viel passieren.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 13. Februar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Blue Rose 1x01)
Titel der Episode im Original
There Is a Light That Never Goes Out
Erstausstrahlung der Episode in Neuseeland
Montag, 4. Februar 2013 (Three)
Regisseur
Mark Beesley

Schauspieler in der Episode The Blue Rose 1x01

Darsteller
Rolle
Antonia Prebble
Siobhan Marshall
Matt Minto
Rajeev Varma
Jennifer Ludlam
James Trevena-Brown
Anna Jullienne
Theresa Healey
Stelios Yiakmis
George Mason

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