The Blacklist 9x06

© nid Graham in The Blacklist, (c) NBC
Dr. Roberta Sand, Ph.D.
Wer sich gefragt hatte, wie wir nach dem Tod von Elizabeth Keen (Megan Boone) noch zu den Geheimnissen vordringen werden, die Raymond Reddington (James Spader) mit sich herumschleppt, erhält mit Dr. Roberta Sand (Enid Graham) eine vielversprechende Möglichkeit aufgezeigt. Schließlich hilft die Dame Verbrechern dabei, ihre dunklen Seiten zu umarmen und wird sicher in den nächsten Episoden auch in der Vergangenheit von Red herumstochern, womit wir seiner echten Identität vielleicht doch noch auf die Schliche kommen.
Aber bleiben wir erstmal bei dieser Woche. Cooper (Harry Lennix) wird von Red auf ein Attentat aufmerksam gemacht, bei dem das organisierte Verbrechen unter Vito Decanio (Ned Eisenberg) involviert ist. Diese Verbrecherfamilie ist in den letzten Jahren aufgestiegen und mächtiger geworden, was auf die Therapeutin zurückzuführen ist, die in den ersten Minuten beispielhaft den Auftragskiller und Scharfschützen Randall Beasley (Matt Weiss) dazu animiert, sein „Instrument“ zu spielen. Somit können die Ermittlungen starten, die im Episodenverlauf mehrere Hintergründe zu Tage fördern und schließlich Red seine persönliche Therapeutin bescheren (was irgendwie absehbar war).
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Während Raymond die Taskforce also benutzt, um Dr. Roberta Sand und ihren Sohn Dante (Luke Slattery) am Ende abzufangen, wird er durch sein neuestes Treffen mit Agnes (Sami Bray) auf seine Vergangenheit aufmerksam gemacht. Hat Liz den Brief, den Dembe (Hisham Tawfiq) ihr erst nach Reds Ableben aushändigen sollte, etwa vorher schon gelesen und deshalb gezögert? Ein Verdacht, dem Raymond nun nachgeht.
Bei der Taskforce pausiert Donald (Diego Klattenhoff) diese Woche „aus persönlichen Gründen“, während Harold über die Ermittlungen seiner lückenhaften Nacht besorgt ist, auch wenn Detective Lew Sloan (Danny Mastrogiorgio) meint, er müsse sich keine Sorgen machen. Alina (Laura Sohn) darf sich derweil um die Zukunft mit ihrem Ehemann Peter (Colby Lewis) sorgen, nachdem die Katze aus dem Sack ist. Da bleiben nur Aram (Amir Arison) und Dembe als einzige Ermittler zurück, die aktuell nicht mit persönlichen Problemen zu kämpfen haben.
Fall der Woche
Der Gedanke, dass Verbrecher zuweilen Therapie brauchen, um ihrem „Gewerbe“ weiter nachzugehen, erscheint gar nicht mal so abwegig und erinnert direkt an The Sopranos. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass Roberta Sand sich bewusst ist, wem sie jeweils gegenübersitzt und proaktiv dazu animiert, sich den jeweiligen, dunklen Aufgaben zu stellen und diese auszuführen. Eine solche Prämisse kann schnell albern wirken und die Sitzung mit den drei Mafiosi, die sich nicht ausstehen können, ist tatsächlich zuweilen amüsant gestaltet. Aber Roberta erhält im weiteren Verlauf genug Hintergrund und Motivation, so dass wir ihren Werdegang mindestens nachvollziehen können und auch erkennen, weshalb Red sie schließlich unter seine Fittiche nehmen und ihre Fähigkeiten nutzen will.
Unsere Taskforce hat derweil genug zu tun, um den Brotkrumen zu folgen, die Red ihnen vorgesetzt hat. Dembes Expertise führt zu Beasley, dieser wiederum zu Sand und schließlich kann verhindert werden, dass ein Kronzeuge (Mark Light-Orr), der gegen Vito aussagen soll, vorzeitig aus dem Verkehr gezogen wird. Wobei vor allem Aram und Dembe dazu beitragen, dass der Fall gelöst wird und das weiß zu gefallen. Aram mag Dembe zwar stets ein wenig kritisch beäugen, aber das ist verständlich, zumal Dembes Expertise auf eigene Erfahrungen als Scharfschütze zurückgeht.
Insgesamt macht der Fall der Woche jedenfalls mehr richtig als falsch, denn abseits der Ermittlungen und gut portionierter Action nehmen sich die Autoren genug Zeit, um die Hintergründe zu beleuchten. Der Twist am Ende, als Red Sand und ihren Sohn entführt, lässt sich zwar schnell kommen sehen, spätestens als Red Harold anruft und danach fragt, wie sein Eindruck von Sand ist. Und man sollte meinen, dass nach mehr als acht Staffeln auch unsere Taskforce dazu in der Lage ist, einen solchen Braten zu riechen. Aber gut, wenn Sand in Zukunft dabei hilft, uns die verbleibenden Geheimnisse von Red näherzubringen, dann habe ich kein Problem damit.
Harold Cooper
Harold Cooper ist besorgt über die Ergebnisse, die die Untersuchung seiner Dienstwaffe mit sich bringen könnte. Schließlich weiß er genau, dass aus seiner Waffe der tödliche Schuss abgefeuert wurde, der dem ehemaligen Lover seiner Frau Charlene (Valerie Pettiford) das Leben gekostet hat. An sich hätte Harold schon am Anfang merken können, dass Lew vorhat, diesen Beweis verschwinden zu lassen oder entsprechend zu manipulieren, was sich schließlich auch bestätigen soll.
Harolds Fokus sollte in meinen Augen auch darauf liegen, denjenigen zu finden, der ihm hier zusetzen möchte. Ein Dankeschön an Lew, der ihm hier ungefragt aus der Patsche hilft, weil er sich sicher ist, dass Harold als Killer ausgeschlossen werden kann, wäre da sicher angebracht gewesen. Wenngleich ich Lew auch nicht ganz traue, weil der Erpresser, der Harold am Ende anruft, offenbar genau über das Treffen mit Lew informiert war, den Standort kannte und angeblich sogar Audioaufnahmen davon hat.

Aber wer auch immer dahintersteckt, ist sicher ein größerer Gegenspieler. Red würde ich grundsätzlich ausschließen, denn der hätte andere Möglichkeiten, Harold zu Fall zu bringen. Nicht auszuschließen ist aber, dass jemand aus Reds Vergangenheit von der Taskforce Wind bekommen hat und deshalb Harold ans Leder möchte. Oder vielleicht auch jemand aus vergangenen Fällen, denn es wäre nicht das erste Mal, wenn ein alter Blacklister sich erneut aufrappelt, um unserer Taskforce zuzusetzen.
Was Harold aber dringend machen sollte, ist, seine Kollegen zu informieren. Nur mit vereinten Kräften lässt sich derjenige finden, der Cooper jetzt erpresst. Es wäre sicher einfach für Aram, sich die Umgebungskameras des Treffens mit Lew anzuschauen, um mögliche Verdächtige auszumachen. Oder weshalb nicht an Reddington wenden? Schließlich wird Red auch interessieren, wenn jemand versucht, den Leiter der Taskforce (und damit eben diese) außer Gefecht zu setzen.
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Raymond Reddington
Auf das Treffen mit Agnes hatte Red sich gefreut. Entsprechend überrascht ist er, wenn Agnes vor dem Spiel, bei dem es gilt, den amerikanischen Staaten ihre jeweiligen Hauptstädte zuzuordnen, meint, dass er wegen seiner russischen Herkunft im Nachteil ist. Eine Information, die sie offenbar von ihrer Mutter Liz erfahren hat. Hmm. „Pinky“ stellt daraufhin Ermittlungen an, die einen bestimmten Brief betreffen, den er Dembe im letzten Staffelfinale Konets überreicht hatte.
Wir erhalten dabei ein paar Rückblicke, die uns noch einmal vor Augen führen, was es mit diesem Brief auf sich hatte. Kannte Liz den Inhalt bereits und hat deshalb am Ende gezögert, als sie Red erschießen sollte? Raymond verschafft sich besagten Brief und lässt ihn von Vlad (Gregory Korostishevsky) auf Fingerabdrücke überprüfen, die seinen Verdacht bestätigen. Und jetzt?
Zunächst einmal ist es nicht unwahrscheinlich, dass Dembe den Brief vorher an Liz übergeben hat. Immerhin hat er nicht selten mal auf Red eingeredet, um ihr die volle Wahrheit zu erzählen. Und ihr Zögern könnte tatsächlich dafürsprechen, dass sie den Inhalt kannte und deshalb nicht in der Lage war, den Abzug zu betätigen, obwohl es in der achten Staffel ihr Ziel war, Red ans Leder zu gehen. Folglich hat Dembe sein Versprechen gebrochen, Liz diesen Brief erst nach dem Tod von Raymond Reddington auszuhändigen, was bei Red natürlich Gedanken gegen Dembe weckt, die Dr. Sand hoffentlich nicht befürwortet. Abwarten.
Aber ich frage mich, wie Red annehmen kann, dass Liz ohne ihr Zögern heile aus der Situation herausgekommen wäre. Vandyke (Lucas Hassel) hätte sicher trotzdem den Abzug betätigt. Punkt. Hätte, hätte, Fahrradkette. Hätte Liz Red erschossen, hätte sie sich bestimmt nicht direkt davon gemacht, sondern hätte über seiner Leiche gekniet, vielleicht Fragen stellend, deren Antworten sie nicht kannte. Für Vandyke anschließend ein noch leichteres Ziel.
Es bleibt auf jeden Fall abzuwarten, wie Red mit dieser neuen Information umgeht. Unsereins hofft derweil, ein bisschen Gewissheit zu erhalten, was die große Vermutung angeht, dass Raymond Reddington in Wirklichkeit Katarina Rostova ist (oder auch nicht). Denn dahingehend gingen die Andeutungen im letzten Staffelfinale und das könnte durchaus das Zögern von Liz erklären. Naja, mal schauen.
Sonstiges
Irgendwie bin ich mir sicher, dass Donalds Abwesenheit mit Entzugserscheinungen zu tun hat. Ich hoffe mal, dass dieses Thema schnell wieder zur Seite gelegt wird und Ressler schnell wieder zum Einsatz bereit ist. Wirklich vermisst habe ich ihn diese Woche nicht, aber die Drogengeschichte sollte schnellstmöglich ad acta gelegt werden.

Alina und Peter erhalten nur wenige Szenen und ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Aram ist offenbar bemüht, seiner Kollegin zu helfen und gibt Tipps. Aber unterm Strich sollte halt Ehrlichkeit eine Beziehung dominieren, die hier tatsächlich nicht gegeben war. Falls die Ehe da in die Brüche geht, wäre es ebenso nachvollziehbar wie eine zweite Chance für Alina, sofern Peter bereit ist, seiner Frau zu vergeben. Aber ganz ehrlich, mich tangiert Alinas Geschichte nur peripher. Falls diese Beziehung endet, ist das eben so und falls nicht, sieht das ähnlich aus.
Fazit
Das war doch ganz in Ordnung. Vielleicht kein Highlight, aber sicher eine Folge, auf die sich aufbauen lässt. Einblicke in Reds Vergangenheit sind bestimmt vorprogrammiert, Harolds Dilemma gewinnt an Fahrt und der Fall der Woche ist mehr als okay, auch wenn der Twist am Ende keine Überraschung ist. Ich vergebe dreieinhalb von fünf Sternen dafür. Und Ihr?
Nachtrag
An dieser Stelle hätte ich gerne eine Promo oder einen Trailer für die Fortsetzung im Januar gepostet, aber offenbar hat NBC kein Interesse daran, in dieser Staffel Ausblicke zu geben. Schade. Aber sobald es eine Vorschau gibt, wird die sicher auf der Hauptseite in Erscheinung treten. Versprochen.
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 12. Dezember 2021(The Blacklist 9x06)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 9x06
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