The Blacklist 9x04

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The Avenging Angel
The Blacklist setzt die Reise der neunten Staffel fort und konzentriert sich auf die Schwierigkeiten und Probleme einzelner Teammitglieder, während der Fall der Woche angegangen wird. Der titelgebende Racheengel namens „Michael“ (Annabella Sciorra) hinterlässt dabei einen wesentlich interessanteren Eindruck als die Blacklister der beiden Vorwochen. Denn einerseits versteht sich Michael als eine Art moderner Robin Hood, andererseits sind ihre Methoden (inklusive Mord) natürlich mehr als fragwürdig, womit sie aufgehalten werden muss. Obendrein scheint Raymond Reddington (James Spader) die Taskforce auf ihre Fährte zu setzen, ohne ein geheimes, eigennütziges Motiv dafür zu haben, wie es sonst oft der Fall war.
Harold Cooper (Harry Lennix) wacht derweil ohne Erinnerungen an die letzte Nacht in seinem Auto auf. Aus seiner Dienstwaffe fehlt eine Kugel und als ihm Charlene (Valerie Pettiford) vom Tod ihres ehemaligen Lovers berichtet, ahnt er bereits Schlimmes und stellt in Eigenregie Nachforschungen an. Donald Ressler (Diego Klattenhoff) befürchtet währenddessen, noch nicht clean genug für den Drogentest zu sein und bittet Alina Park (Laura Sohn) um Hilfe, die zunächst zögert, aber schließlich doch aushilft, um am Ende ein äußerst unangenehmes Resultat zu erhalten.
Für mich passt die Mischung diese Woche einigermaßen, obwohl ich mich nicht um jede problembehaftete Figur sorge. Der Fall der Woche bleibt womöglich länger im Gedächtnis, zumal sich hier in Bezug auf Red eine Veränderung seiner Vorgehensweise(n) andeutet, aber mehr dazu gleich. Die Taskforce bleibt derweil stärker als üblich mit persönlichen Problemen im Fokus, wobei Harolds Entdeckung neugierig auf die Hintergründe oder mögliche Hintermänner macht.
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Fall der Woche
Es fällt nicht unbedingt schwer, sich mit der Vorgehensweise von Michael anzufreunden, die zu Beginn Adam McHenry (Robbie Sublett) aus dem Verkehr zieht, der sich vor Gericht gegen seinen ehemaligen Partner Andrew Freeson (Andrew Keenan-Bolger) durchsetzen konnte - mit viel Geld, was zu einem unrechtmäßigen Urteil führte. Michael versucht insofern durchaus, den ärmeren und mit weniger guten Mitteln ausgestatteten Personen zu helfen, die durch die oft reicheren Leute der Gesellschaft „bestohlen“ werden. Uns wird am Anfang der Episode auch recht eindrucksvoll aufgezeigt, welche Erfolge sie bereits verbuchen konnte und wenn wir später William Green (Joe Osheroff) sehen, kommt tatsächlich der Wunsch auf, dass ihm geholfen wird. Obendrein erhält Michael eine Hintergrundgeschichte, die ihren weiteren Werdegang plausibel erklärt.

Das große Aber erhält allerdings direkt in den ersten Minuten Einzug in die Episode, wenn Michael ein Geständnis erzwingt und anschließend den vermeintlichen Bösewicht aus dem Fenster werfen lässt, um dessen Selbstmord vorzutäuschen. Auch, dass Derek Huntley (Scott Bryce) sein Leben lassen soll, passt nicht so wirklich zu einer ausgleichenden Gerechtigkeit. Würde Michael auf weniger extreme Mittel zurückgreifen, könnte sie viel leichter als Heldin gesehen werden, aber so bleibt klar, dass ihrem Treiben ein Ende gesetzt werden muss. Ob es das Ende sein muss, welches wir hier erleben, bleibt dennoch fragwürdig, denn Reds Lösung ist genau so extrem wie Michaels Vorgehensweise.
REDemption Arc?
Womit wir zu Raymond Reddington kommen, der eingangs Weecha (Diany Rodriguez) und Mierce (Karina Arroyave) an seiner Seite hat, während er sich mit Heddie (Aida Turturro) trifft, die offenbar noch nichts von Dembes (Hisham Tawfiq) neuer Rolle weiß. Jedenfalls möchte Red von einem lukrativen Geschäftspartner etwas stehlen, was mit dem aktuellen Fall verbunden ist und zieht das mit seinen üblichen Mitteln (in erster Linie Charme und Überzeugungskraft) später auch durch. Red nimmt damit eine ähnliche Rolle wie Michael ein, denn er sorgt dafür, dass ein Gemälde zur rechtmäßigen Besitzerin Ada Rosenberg (Laura Esterman) zurückfindet - ohne irgendwelche Haken und Ösen. Gleichzeitig beschert ihm diese Aktion ein Treffen mit Michael, deren weiterer Karriere er ein (fragwürdiges) Ende bereiten kann.

Die verbale Auseinandersetzung mit Michael ist fraglos ein Highlight der Folge. Red kann deutlich machen, dass sie einem Tunnelblick verfallen ist und schwarzweiß denkt, indem er darauf hinweist, dass ein Derek Huntley durchaus Gutes bewirkt und unzählige Leben gerettet hat. Allerdings zeigt er in seinem weiteren Vorgehen, dass er nach wie vor ähnliche Mittel wie sie einsetzt, um für „Gerechtigkeit“ zu sorgen. Und das ist schlicht falsch, womit er seine eigene Lektion wohl (noch) nicht gelernt hat. Dafür hätte er Michael den Behörden überlassen und William Green auf andere Art und Weise ein neues Herz beschaffen müssen. Dennoch zeigt sich, dass Red aktuell probiert, ein besserer Mensch zu werden und das ist durchaus ein erfreulicher Ansatz.
Neben der Frage, weshalb Red überhaupt die Taskforce informiert, wenn er ohnehin den Fall auf seine Art und Weise zu lösen gedenkt, muss an dieser Stelle noch das Thema Dembe aufgegriffen werden. Was ist in Brasilia vorgefallen? Haben sich deshalb die Wege von Red und Dembe getrennt? Weshalb weiß Heddie noch nichts von der Trennung oder Dembes neuer Rolle? Da besteht Aufklärungsbedarf. Und schließlich bleiben noch die größeren Geheimnisse offen, welche aber mit Blick auf den aktuell präsentierten „redemption arc“ von Red automatisch noch zum Vorschein kommen könnten.
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Harold Cooper
Ich hatte mich schon gefragt, welches Problem Harold wohl erhalten könnte. Schließlich hat jedes Mitglied seiner Taskforce ein bisschen bis viel mit dem weiteren Werdegang zu kämpfen, während sein einziges Problem Reds Besuche und Treffen mit Agnes zu sein scheinen. Da kommt diese Woche etwas Neues zum Vorschein, wenn er ohne Erinnerung an die letzte Nacht aufwacht und sich mitten in einem Mordfall wiederfindet, der auf ihn als potenziellen Täter hinweist. Brisanter Weise mit möglichem Motiv.

Ich schließe Harold als Täter direkt aus und hoffe, dass er sich nicht stellen, sondern auf sein Team zurückgreifen wird, um die Ereignisse der letzten Nacht zu rekonstruieren. Aram (Amir Arison) drängt schließlich darauf, Harold zu helfen und auf genau diese Hilfe sollte Cooper nicht verzichten. Hier ist etwas im Busch, was auf eine größere Verschwörung hindeutet, die zum Ziel hat, den Leiter der Taskforce hinter Gitter zu bringen. Ob Red seine Finger im Spiel hat? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Das lässt sich meiner Meinung nach noch nicht abschätzen. Sehr wohl aber, dass Harold niemand ist, der aus Eifersucht den Ex-Lover seiner Frau erschießt. Da bin ich gespannt, wie es weitergeht.
Ressler & Park
Weder Ressler noch Park zählen zu meinen Lieblingsfiguren, weil sie viel zu oft merkwürdige Entscheidungen treffen, die ich nicht nachvollziehen kann. Insofern hat mich die Nebenhandlung um Resslers erneuten Drogentest auch nicht großartig interessiert. Dass Alina ihm hilft und eine Urinprobe spendiert, weil Donald befürchtet, den Test sonst nicht bestehen zu können, okay. In Ordnung mag das nicht sein, aber irgendwie wird uns damit aufgezeigt, dass die Kollegen zusammenhalten und durchaus bestrebt sind, ein Team zu bleiben, was grundlegend nicht schlecht ist.

Aber der weitere Verlauf? Allein schon beim Wort „Katheter“ kommen da Schmerzen auf und die Andeutung, dass auf diese Art und Weise diverse Tests (in der Realität) manipuliert werden, hat mich jetzt nicht zur weiteren Recherche eingeladen. WTF? Mit Blick auf die Serie hätte ich es sicher lustig gefunden und schon fast erwartet, dass Donald beziehungsweise Alina schwanger ist, auch wenn das natürlich bedeutet hätte, dass sein Schwindel auffällt und er aus dem Team ausgeschlossen wird (oder vielleicht ein drittes Mal zum Test kommen muss - dann aber ohne Schmu). Das Resultat einer Krebs-Diagnose für Alina ist derweil hart, weil sie ohnehin schon aufgrund ihres Ehemanns ein persönliches Problem mit sich rumschleppt, was auf eine weitere Aufarbeitung wartet. Jetzt noch diese Diagnose als zusätzliche Last erscheint unverdient, ob man die Figur nun mag oder nicht.
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Fazit
The Avenging Angel sticht tatsächlich positiv aus den bisherigen Episoden der neunten Staffel hervor, auch wenn es sicher ein wenig bis mehr zu bemängeln gibt. Der Fall der Woche lädt mitunter zur Diskussion ein und nimmt Bezug auf Reds weiteren Werdegang, während die Probleme der neu gegründeten Taskforce weiterhin im Fokus bleiben, ob nun interessant oder nicht. Ich würde diese Woche jedenfalls vier von fünf Sternen springen lassen. Und Ihr?
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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 13. November 2021(The Blacklist 9x04)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 9x04
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