The Blacklist 7x19

The Blacklist 7x19

Mit der Folge The Kazanjian Brothers beendet die US-Serie The Blacklist vorzeitig die siebte Staffel. Es gilt, einen Buchhalter zu finden, der fĂŒr kriminelle Gestalten arbeitet und mit ihm auch die titelgebenden BrĂŒder, die zu seinem Schutz angeheuert wurden. Liz trifft eine Entscheidung.

Szenenfoto aus der The-Blacklist-Folge The Kazanjian Brothers (c) NBC/Sony TV
Szenenfoto aus der The-Blacklist-Folge The Kazanjian Brothers (c) NBC/Sony TV
© zenenfoto aus der The-Blacklist-Folge The Kazanjian Brothers (c) NBC/Sony TV

Das besondere Staffelfinale

Corona hat die Welt grĂ¶ĂŸtenteils zum Stillstand gebracht und entgegen der ersten Lockerungen ist das Virus noch lange nicht vom Tisch. Auch The Blacklist hat diesen Stillstand zu spĂŒren bekommen, weshalb die letzten vier Folgen dieser Staffel noch nicht fertig waren, inklusive The Kazanjian Brothers - die 19. von ehemals 22 Folgen, die wir nun als Staffelfinale prĂ€sentiert bekommen. Wie aber soll man eine Episode fertigstellen, wenn nur etwa die HĂ€lfte aller Szenen im Kasten sind?

Nun, man greift auf Animationen zurĂŒck und lĂ€sst die Darsteller von daheim ihre Texte sprechen. Das Ergebnis ist hier aus der Not geboren, was man leider auch sieht. Besonders schön sind die animierten Sequenzen nicht geworden, dazu wirken sie oft zu rudimentĂ€r und lassen vor allem bei den GesichtszĂŒgen unserer Figuren nicht selten die nötigen Nuancen fehlen. Es ist zwar schön, dass man sich an den Comics zur Serie orientiert hat, was den Stil betrifft, aber mitunter ist es anstrengend anzusehen. Auch die Synchronisation will manchmal nicht so recht zu den Lippenbewegungen passen, wobei die QualitĂ€t der Sprachaufnahmen ebenfalls leicht am schwanken ist. Dennoch wĂŒrde ich meinen, dass das Resultat unter den gegebenen UmstĂ€nden einen guten Kompromiss darstellt und durchaus schaubar ist. Zuweilen werden auch die Möglichkeiten dieser comichaften Darstellung genutzt, was sich in Texteinblendungen und mehrere Voice-Over Ă€ußert. Lieber so, als Roy Cain als Finale stehenzulassen. Und glĂŒcklicherweise erfolgt keine strikte Zweiteilung, denn animierte und bereits gedrehte Szenen wechseln sich ab, womit wir einen groben Blick darauf erhalten, was zuerst gedreht wurde und dass man eben nicht chronologisch bei den Dreharbeiten vorgeht.

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NBC/Sony TV - © NBC/Sony TV

Sehr zu gefallen wissen die anfĂ€nglichen Videoaufnahmen vom Cast, die uns von zu Hause aus vor der ersten animierten Sequenz auf die besondere Situation und die Besonderheit dieser Episode hinweisen. Dass dabei auch Gesichter von hinter den Kulissen gezeigt werden, ist ebenfalls toll und eine schöne WĂŒrdigung derer, die die Fertigstellung der Folge erst möglich gemacht haben. Am Ende sehen wir ebenfalls noch ein paar dieser Leute und ein kleiner Nachruf auf den kĂŒrzlich verstorbenen Brian Dennehy, den wir hier ein letztes Mal als Dom sehen, durfte natĂŒrlich auch nicht fehlen. Möge er in Frieden ruhen.

The Kazanjian Brothers

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Frank Merwin (Joey Slotnick) ist der Buchhalter, den es zu fassen gilt. Mit seinen Unterlagen, die er stets in einem Koffer, der an sein Handgelenk gekettet ist, aufbewahrt, lassen sich eine ganze Reihe Krimineller hinter Gitter bringen. Und zwar die dicken Brocken, keine Leichtgewichte. Raymond (James Spader) spielt diesen Fall Liz (Megan Boone) und der Taskforce zu, weil er durch die Kazanjian-BrĂŒder Nshan (Bruce Louis) und Pasha (David Kallaway) - die Frank beschĂŒtzen - hofft, an Katarina (Laila Robins) heranzukommen. Sein Motiv wird von Liz allerdings durchschaut, womit das Dreieck bestehend aus Red, Liz und Katarina stark in den Fokus der Folge rĂŒckt - aber mehr dazu gleich.

Vorerst möchte ich den Fall ein wenig diskutieren, denn der hat mich nicht wirklich ĂŒberzeugt. Das beginnt schon damit, dass Merwin durch seine Unterlagen nicht geschĂŒtzt ist, wie uns der Anfang demonstriert, bevor die Kazanjian-BrĂŒder auftauchen und ihm vorerst den Allerwertesten retten. Ohne sie wĂ€re er bereits hinĂŒber und wir erfahren nie, welcher seiner Klienten ihm da ans Leder will - denn abgesehen von den zwei Schergen am Anfang, lĂ€sst sich niemand mehr blicken. Und sollte er jetzt vor diesem unbekannten Klienten sicher sein, wenn er in Haft sitzt? Mit Blick auf seine Klientel wohl kaum, weshalb er sich am Ende eher Sorgen machen und kooperieren mĂŒsste als den harten Burschen zu spielen.

Nshan und Pasha kennen wir bereits aus Katarina Rostova, wo sie daran beteiligt waren, Katarinas Tod vor Reds Augen vorzutĂ€uschen. Das Killer-Duo wird uns auch in dieser Folge sehr kompromisslos vorgestellt, schießt in der Öffentlichkeit zwei Polizisten nieder und hat auch kein Problem damit, einer unschuldigen Geisel eine Kugel in den RĂŒcken zu jagen. Da kann man schon leicht irritiert sein, dass nach den beiden nicht lĂ€ngst gefahndet wird, wenn sie ihre Methoden in aller Öffentlichkeit und vor zig Zeugen anwenden. Eine lange Karriere als Blacklister erscheint jedenfalls unglaubwĂŒrdig. Und ĂŒberhaupt, sollte Red - er und Dembe (Hisham Tawfiq) kennen die beiden ja - nicht ĂŒber Mittel und Wege verfĂŒgen, um die beiden ohne Hilfe des FBI zu finden? Er kennt immer wieder Gott und die Welt oder in diesem Fall Stanley Birch (Daniel Gerroll), der Frank bei seinem Verschwinden helfen soll. Da erscheint es mir etwas zu zweckdienlich, wie Reds Kontakte einerseits schnell von ihm aufgespĂŒrt werden können, andererseits aber nicht.

Nichtsdestotrotz bietet der Fall der Woche aber genug Spannung und Action, um uns bei Laune zu halten. Ein kleines Highlight ist der Gastauftritt von Brimley (Teddy Coluca), der mal wieder seine besonderen FolterkĂŒnste anwenden darf, ohne Nshan auch nur ein Haar zu krĂŒmmen. Ob die Informationen, die Red am Ende erhĂ€lt, aber ausreichen werden, um Katarina aufzuspĂŒren? Fraglich, denn sie ist vorgewarnt und weiß, dass er ihr jetzt auf den Fersen ist. Womit wir auch gleich zum interessanten Part kommen.

Stuck in the Middle?

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Das Katz- und Mausspiel zwischen Katarina und Red hat Liz zunĂ€chst noch in der Mitte stehen. Mit Blick auf Doms Zustand - dem sie zu Beginn einen Besuch abstattet - und ihren inneren Monolog wird aber klar, dass das im Folgenverlauf nicht so bleiben wird. Sie wird sich entscheiden mĂŒssen, zu wem sie steht, wobei beide Seiten sie auch dazu drĂ€ngen, eine Entscheidung zu fĂ€llen. Anfangs scheint die Wahl offensichtlich und Donald (Diego Klattenhoff) rĂ€t ihr auch dazu, eher Katarina fallenzulassen - aber da scheint Liz nicht richtig zuzuhören. Überhaupt richtet sich ihr Fokus vielmehr auf Red beziehungsweisen dessen LĂŒgen und zurĂŒckgehaltene Informationen. Angeblich interessiert es sie nicht mehr, wer er wirklich ist - aber sollen wir das glauben? Ich bin jedenfalls der Meinung, dass sie unnötigerweise die falsche Entscheidung trifft und kaufe ihren Wandel zur „dunklen Seite“ am Ende (sehr comichaft inszeniert, nicht nur wegen der Animation) nicht ab. Diese Entscheidung oder das Akzeptieren davon, wer sie fortan ist, lĂ€sst das Staffelfinale zwar rund wirken, aber nach allem, was (auch in dieser Folge) passiert, ist ihre Wahl nicht stimmig.

Nehmen wir uns zuerst Katarina vor. Die kann tatsĂ€chlich ein paar Punkte sammeln, weil sie Red nach seinem neuerlichen Zusammenbruch hilft. Dazu hĂ€tte sie nicht persönlich auftauchen mĂŒssen und es wundert ein wenig, dass Liz nicht eher ihre Kollegen beim FBI (Donald!) um Hilfe bittet als Katarina. Aber akzeptieren wir mal kurz, dass Katarina sich hier hilfreich zeigt und Red anschließend versorgt wird. Außerdem gibt es durch Katarina ein paar weitere Hinweise auf das Sikorsky Archiv und dessen Bedeutung sowie die Lage, in der sie sich befindet - weil alle Welt annimmt, sie hĂ€tte dieses Archiv gestohlen. Hier macht sich aber auch ein wesentlicher Punkt bei Madame Rostova bemerkbar, denn sie denkt hauptsĂ€chlich an sich selbst und nicht an andere, wofĂŒr auch eine Vielzahl der Taten spricht, die sie seit dem Staffelauftakt verĂŒbt hat oder verĂŒben ließ - Dom und Ilya sind da nur zwei Beispiele. Vor diesem Hintergrund wirkt ihre Hilfestellung (erst bei Red, spĂ€ter bei Liz, nachdem diese ihr die Warnung gegeben hat) sehr manipulativ und kalkuliert, was Liz aber leider nicht erkennt.

Auf der anderen Seite haben wir Raymond, der sich mit seiner Verschwiegenheit (wir werden wohl erst nĂ€chste Staffel erfahren, was seiner Gesundheit zusetzt) nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sein Test wirkt auch unnötig. Bei allen ZurĂŒckhaltungen beschließt er plötzlich, Liz auf die Probe zu stellen und damit das Risiko einzugehen, dass sie ihn verrĂ€t (wovon er sogar ausgeht)? Weshalb sollte er das tun? Und ihm kommt dabei nicht in den Sinn, dass Liz diesen Test als solchen durchschauen könnte und der Auftritt von Wayne Otte (John Hedges) am Treffpunkt ihn bloß davon ĂŒberzeugen soll, dass sie auf seiner Seite steht? Unser Red scheint da nicht voll auf der Höhe zu sein. Hoffen wir mal, dass sich das in der nĂ€chsten Staffel wieder Ă€ndert, denn unnötige Risiken oder dass er sich durch andere manipulieren lĂ€sst, passt nicht zu ihm.

Fazit

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Hmm. Einerseits bin ich froh, dass wir diese (optisch sehr gewöhnungsbedĂŒrftige) Folge noch zu sehen bekommen haben und als Staffelfinale erfĂŒllt sie ihre Aufgabe auch, macht sogar neugierig auf den weiteren Verlauf in Staffel acht. Andererseits gefĂ€llt mir rein inhaltlich vieles nicht, was das Gesamtbild doch stark trĂŒbt. Die persönlichen Auftritte von Cast und Crew waren hingegen eine tolle Überraschung. Ich gebe mal dreieinhalb von fĂŒnf Sternen. Und ihr?

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Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 16. Mai 2020

The Blacklist 7x19 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 19
(The Blacklist 7x19)
Titel der Episode im Original
The Kazanjian Brothers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 15. Mai 2020 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 26. Juni 2020
Autoren
Kelli Johnson, Sam Christopher
Regisseur
Michael Caracciolo

Schauspieler in der Episode The Blacklist 7x19

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