The Blacklist 5x09

The Blacklist 5x09

In der Episode Ruin der US-Serie The Blacklist ist einige Zeit seit dem folgenreichen Midseason-Finale vergangen. Liz lebt jetzt zurückgezogen am Rande der Wildnis, nahe einem Ort, in dem sie niemand kennt. Während eines Unwetters erhält sie unerwarteten und unangenehmen Besuch.

Megan Boone in „The Blacklist“ (c) NBC
Megan Boone in „The Blacklist“ (c) NBC
© egan Boone in „The Blacklist“ (c) NBC

Rückblicke

Während wir zu Beginn der Episode bereits damit vertraut gemacht werden, dass Elizabeth Keen (Megan Boone) sich fernab der Großstadt in eine Hütte in der Wildnis zurückgezogen hat - abgesehen von einem Hund alleine und unter fremdem Namen - werden uns im Folgenverlauf mehrfach Rückblicke präsentiert. Diese zeigen uns, was passierte, nachdem Liz aus ihrem zehnmonatigen Koma erwacht ist.

Diese kurzen Eindrücke, nebenbei bemerkt auch die einzigen Szenen, in denen wir den Rest von Coopers (Harry Lennix) Team zu sehen bekommen, liefern ein überzeugendes Bild von Lizzies Gemütszustand. Toms (Ryan Eggold) Tod (und ja, er ist wirklich tot) nagt an ihr und ihr Verlangen nach Abstand von allem, quasi nach einem kleinen Neustart abseits größerer Menschenmengen, erscheint durchaus plausibel. Übrigens gut gespielt von Boone, die ihre Emotionen hier stets durch ihre Mimik zeigt.

Ein besonderer Moment ist dabei die Konversation mit Raymond Reddington (James Spader), von dem sie ebenfalls eine Auszeit benötigt. Er soll ihr nicht folgen, wirft aber direkt eine Frage auf, die auch den Zuschauer brennend interessiert: „What about Agnes?“ Und Agnes ist dann auch der einzige Knackpunkt, der etwas unverständlich erscheint. Ihr Kind in die Obhut von Susan Hargrave (Famke Janssen) zu geben, fühlt sich einfach falsch an. Selbst mit dem Wissen aus The Blacklist: Redemption, dessen abruptes Ende hier einmal kurz aufgegriffen und weiter ausgeführt wird (Spoiler: Wir erinnern uns kurz, dass Toms Vater (Terry O'Quinn) sich in der letzten Episode als der böse Strippenzieher entpuppte, während Susan eingebuchtet wurde).

Aber auch wenn Liz sich dafür entschieden hätte, stattdessen Red mit der Betreuung von Agnes zu beauftragen (was dieser ohnehin während ihrer Zeit im Koma getan hat), wäre das nicht so ganz richtig gewesen. Denn würde eine Mutter sich tatsächlich von ihrem Kind trennen? Wäre es nicht plausibler, sie hätte Agnes mitgenommen? Selbst wenn sie sich der Erziehung nicht gewachsen fühlt oder Befürchtungen hat, dass das Kind Lizzies Emotionen mitbekommt - Agnes wäre doch ein prima Stützpfeiler, auf den sie sich konzentrieren könnte, um eben von allem anderen Abstand zu gewinnen. Dieser Punkt, dass sie Agnes jemand anderem überlässt, erscheint da wie ein drehbuchtechnischer Trick, um das Kind (für unbestimmte Zeit) aus dem Geschehen zu nehmen.

Megan Boone in „The Blacklist“
Megan Boone in „The Blacklist“ - © NBC

Red

Zunächst einmal war es gut, dass Red tatsächlich Wort hält und nicht gegen Ende der Episode plötzlich als Retter in der Not auftritt. Das präsentierte Abenteuer gehört damit vollständig Liz, die auf sich allein gestellt die Situation meistern muss. Gut so. Allerdings werden so die brennenden Fragen, die Ian Garvey aufwarf, nicht beantwortet. Sucht Red nach Ian (Jonathan Coyne)? Was ist mit dem Koffer und der darin enthaltenen Leiche? Die Episode gehört zwar Lizzie, aber dennoch wäre es schön gewesen, zumindest am Rande zu erfahren, was Red in der ganzen langen Zeit getrieben hat. Ein paar kleine Nebensätze hätten schon gereicht.

Wer weiß, vielleicht drehen sich die kommenden Episoden ja noch ein bisschen um diese Zeit und zeigen uns, was Red da alles angestellt hat. Aber das Ende von Ruin sieht eigentlich nicht danach aus. Schließlich steht Liz da wieder bei ihm auf der Matte und erklärt ihre Absicht, Toms Killer zu jagen.

Abseits der Zivilisation

Vorweg sei zu Lizzies kleinem Einzelabenteuer gesagt, dass es grundsätzlich ganz in Ordnung ist. Charakterepisoden wie diese sind ohnehin eine Bereicherung, denn es kann nie schaden, sich mal (mehr oder weniger) ausschließlich mit einer Figur zu befassen. Zumal es gerade bei Liz recht wichtig war, jetzt ihren weiteren Werdegang zu zeigen.

Die ersten Eindrücke, die uns hier aus ihrem neuen Alltag präsentiert werden, lassen sich auch als recht gelungen bezeichnen. Mit dem Unwetter und dem Verletzten deutete sich anschließend eine spannende Ausgangslage an, die ziemlich vielversprechend aussah. Aber: Mit dem Auftritt der Gruppe um Billy (William Mapother) verflüchtigte sich die Spannung gleich wieder. Man muss in der Tat kein Profiler sein, um hier die weiteren Ereignisse zu erahnen, die für Liz auf einen Überlebenskampf hinauslaufen.

So ziemlich jeder Twist ließ sich vorhersehen. Billys Gruppe eigentlich auf der Jagd nach dem Verletzten - check. Weder der Hund noch Colin (Jay Wilkison) werden das Abenteuer überleben - check. Und zu guter Letzt wird Liz über die bösen Buben siegen - check.

„The Blacklist“
„The Blacklist“ - © NBC

Dabei wird es dem Zuschauer aber auch nie schwer gemacht. Selbst bei Unkenntnis von Survivalgeschichten dieser Art kann man den Braten schon am Anfang riechen, wenn Billy von einem Flugzeugabsturz spricht, der sich in zwei, äh, halt, nein, zehn Meilen Entfernung zugetragen haben soll. Da hätten sich die Macher mehr Mühe geben müssen, um ihre Überraschungen als solche zu verkaufen. Und die Szene, in der Liz am Funkgerät sitzt und Billy haarklein erklärt, mit wem er es da zu tun hat? Unnötig. Ein simpler, cooler Spruch hätte es auch getan und die Bösewichte im Dunkeln darüber gelassen, mit wem sie es zu tun haben.

Was dafür aber beeindrucken kann, sind die Methoden, mit denen Liz ihren Gegnern zusetzt und diese - einen nach dem anderen - aus dem Verkehr zieht. Da sind tatsächlich ein paar Überraschungen dabei, denn derartige Grausamkeiten hätte man ihr nicht zugetraut. Gleichzeitig müssen wir erkennen, wie sehr sie sich gewandelt hat und was es mit ihrem inneren Zorn auf sich hat, den sie eingangs erwähnt und hier offensichtlich entlädt. Dieser „charakterliche Twist“ ist jedenfalls gelungen und lässt mit Spannung auf ihren weiteren Werdegang warten.

Fazit

Gehobener Durchschnitt. Die Fragen des Midseason-Finales bleiben vorerst unbeantwortet, während sich auf den weiteren Werdegang von Elizabeth Keen konzentriert wird. Die ruhigeren Szenen, die hauptsächlich in diversen Rückblicken stattfinden, geben Megan Boone die Chance, darstellerisch aufzutrumpfen, was ihr auch gut gelingt. Das Abenteuer verläuft allerdings nach einem vielversprechenden Start sehr vorhersehbar und liefert erst gegen Ende eine charakterliche Wendung, die neugierig auf den weiteren Verlauf macht. Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.

Verfasser: Christian Schäfer am Donnerstag, 4. Januar 2018

The Blacklist 5x09 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 9
(The Blacklist 5x09)
Deutscher Titel der Episode
Untergang
Titel der Episode im Original
Ruin
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 3. Januar 2018 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 10. April 2018
Autor
Sean Hennen
Regisseur
Michael Caracciolo

Schauspieler in der Episode The Blacklist 5x09

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