The Blacklist 4x01

The Blacklist 4x01

Mit der Folge Esteban meldet sich die US-Serie The Blacklist aus der Sommerpause zurĂŒck und macht dort weiter, wo uns die letzte Episode zurĂŒckließ. Red setzt sogleich alle Hebel in Bewegung, um seinen SchĂŒtzling zu befreien, wĂ€hrend beim FBI die letzten Neuigkeiten noch verdaut werden.

Szenenbild aus der Episode „Esteban“ / (c) NBC
Szenenbild aus der Episode „Esteban“ / (c) NBC

Esteban

Der Blacklister der Woche nennt sich Esteban (Paul Calderon) und ist kein angenehmer Zeitgenosse. WĂ€hrend diverse Nummern dieser Liste oft Teil eines Falls der Woche sind und zu einer Geschichte abseits der Haupthandlung beitragen, wird Esteban sehr nahtlos in den Staffelauftakt eingebracht. FĂŒr Reddington (James Spader) fungiert er bloß als (zunĂ€chst schwer aufzufindende) Informationsquelle, um zu Liz (Megan Boone) und ihrem EntfĂŒhrer Alexander Kirk (Ulrich Thomsen) aufzuschließen.

In den Augen von Donald Ressler (Diego Klattenhoff) ist Esteban aber in erster Linie ein Verbrecher, der dingfest gemacht werden muss. Der US-Geheimdienst CIA wiederum sieht in Esteban jemanden, mit dem man trotz seiner Machenschaften zusammenarbeiten kann, um grĂ¶ĂŸeres Unheil (was auch immer das sein soll) zu verhindern.

Als Zuschauer bekommen wir direkt aufgezeigt, in welche GeschÀfte die titelgebende Figur verwickelt ist und wir erfahren auch, dass er beim FBI schon seit Jahren als tot gilt. Durch Red kommt erst ans Licht, dass er noch lebt und Ressler erhÀlt die Chance, ihn zur Strecke zu bringen - womit die anfÀngliche PrÀmisse der Serie mal wieder gekonnt durchklingt.

Zudem ist es natĂŒrlich schön zu sehen, dass Donald seiner Linie treu bleibt - schließlich hĂ€tte er auch direkt wieder nach Hause reisen können, nachdem Esteban die wichtigen Informationen an Red weitergegeben hatte. Weitere Pluspunkte konnte Ressler dadurch sammeln, dass er sich ĂŒberhaupt auf den Weg gemacht hat, um Liz zu helfen. Und das, obwohl er eher der Skeptiker war und letzte Staffel nicht lockerlassen wollte, um sie in Gewahrsam zu nehmen (als sie noch auf der Flucht war).

FBI

WĂ€hrend Ressler seine EnttĂ€uschung beiseiteschieben kann, gelingt das nicht allen von Elizabeths ehemaligen Kollegen. Es ist ja auch schwer zu verstehen, weshalb sie ihre Freunde nicht in den vorgetĂ€uschten Tod eingeweiht hatte. Obwohl, eigentlich schon, denn, um Red zu tĂ€uschen, durften nun einmal nur die wichtigsten Figuren (die Teil der TĂ€uschung waren wie Mr. Kaplan (Susan Blommaert) oder Tom (Ryan Eggold)) Bescheid wissen. Trotzdem kommt es einem Schlag ins Gesicht gleich, wenn man hinterher erfĂ€hrt, dass man getĂ€uscht wurde und zudem noch von einer Person, fĂŒr die man sich vorher so mĂ€chtig ins Zeug gelegt hatte.

Harold Cooper (Harry Lennix) drĂŒckt den Zwiespalt zwischen EnttĂ€uschung und Erleichterung, dass Liz noch am Leben ist, wohl am treffendsten aus. Aram (Amir Arison) kann es nicht so recht fassen, dass Liz noch lebt und kommt auch nicht umhin, bei Tom nachzufragen, ob er tatsĂ€chlich die ganze Zeit wusste, dass sie nicht tot ist. Aber wĂ€hrend bei Aram sichtlich die Freude ĂŒberwiegt und er kaum zögert, um seinen Teil dazu beizutragen, Liz aus den FĂ€ngen von Kirk zu befreien, sieht die Lage bei Samar (Mozhan Marno) gegenteilig aus. Sie macht zunĂ€chst keinen Finger fĂŒr Liz krumm und ist auch am Ende der Episode noch eingeschnappt.

Hier macht sich in jedem Fall wieder bemerkbar, wie stark das Ensemble beim FBI mittlerweile eingespielt ist. Jeder reagiert anders auf die Neuigkeiten und es wird nicht innerhalb von fĂŒnf Minuten zum Alltag ĂŒbergegangen, wie es bei anderen, Ă€hnlich gearteten Serien der Fall ist. Dass Liz ihre Kollegen getĂ€uscht hat, bleibt nicht ohne Konsequenzen und das sollte es auch nicht. Sie wird vor allem bei Samar wieder einiges gutmachen mĂŒssen, bevor sich das VerhĂ€ltnis wieder normalisiert. Aber dazu muss Liz natĂŒrlich erst einmal befreit werden, womit wir zum nĂ€chsten Abschnitt der Episode kommen.

Rettungsaktionen: Tom Keen

Fangen wir bei Tom an, der sich nach dem Ende der dritten Staffel in einem Kofferraum wiederfindet und von Kirks Handlangern hingerichtet werden soll. Ein (kleinerer) Schwachpunkt dieses Handlungsstrangs ist sicher, dass man ihn erst quer durchs Land fĂ€hrt, nur, um spĂ€ter zu erledigen, was man auch direkt am Ort der EntfĂŒhrung hĂ€tte machen können. Wozu also die ganze Aktion, wenn Kirk ihn ohnehin tot sehen will?

Aber gut, der Spannung ist es natĂŒrlich zutrĂ€glich und als Zuschauer wartet man nur darauf, dass er sich irgendwie aus seiner Lage befreit. Ganz so einfach wie sonst machen die Autoren es ihm allerdings nicht. Tom strengt sich zwar an, aber seine anfĂ€nglichen Versuche sind allesamt zum Scheitern verurteilt, was vor allem mit Blick auf Agnes, die ebenfalls im Wagen und in den HĂ€nden der EntfĂŒhrer ist, recht bitter wirkt. Wenn aber Tom schon kein leichtes Spiel im Entkommen hat, wird dadurch natĂŒrlich gleichzeitig die Brisanz des neuen Bösewichts Alexander Kirk aka Constantin Rostov gefördert (auch wenn Tom es nicht direkt mit ihm zu tun bekommt).

Unterm Strich ein recht gelungener Handlungsbogen, der am Ende zum erwarteten Ergebnis fĂŒhrt: Tom kann sich befreien und ist somit wieder im Spiel. Er wird vermutlich auch dringend benötigt werden, nachdem die anderen Rettungsaktionen dieser Woche weniger erfolgreich waren. Abzuwarten bleibt derweil, ob und wie er sich aus der (Mutter-)Serie verabschieden wird. Da er im kommenden Spin-off The Blacklist: Redemption eine Hauptrolle hat, wird er kaum die ganze Staffel mit von der Partie sein. Abwarten.

Rettungsaktionen: Liz

Elizabeth Keen wagt ebenfalls einen Fluchtversuch, nachdem sie wieder mit Agnes vereint wurde. Ein riskantes Unternehmen, welches nicht nur scheitert, sondern auch dazu fĂŒhrt, dass sie erneut von Agnes getrennt wird. Aber der Schwerpunkt in diesem Handlungsstrang liegt nicht auf ihr und ihrem Fluchtversuch.

Es ist vielmehr Alexander Kirk, der hier im Fokus steht. Der gab sich bereits im dritten Staffelfinale als ihr Vater aus und kommt diese Woche dazu, wesentliche Teile der Vergangenheit aus einem anderen (seinem) Blickwinkel darzustellen. Ob wir ihm trauen können? Es gelingt ihm jedenfalls vorerst nicht, Liz von seinen guten Absichten zu ĂŒberzeugen. Wie auch? Dazu hĂ€tte er eine gĂ€nzlich andere Vorgehensweise an den Tag legen mĂŒssen. Man wird wohl kaum das Vertrauen seiner Tochter gewinnen, indem man ihren Ehemann töten lĂ€sst beziehungsweise lassen will. Ganz großes Fail, Herr Kirk!

Und es ist schon etwas schade, dass aus diesem Teil der Folge nicht mehr herausgeholt wurde. Stellen wir uns mal kurz vor, dass es Constantin gelungen wĂ€re, Liz zu ĂŒberzeugen. So schwer wĂ€re es doch gar nicht gewesen, zumal sie ohnehin ihren Kontakt zu Red durch einen vorgetĂ€uschten Tod abbrechen wollte. Da hĂ€tte sich Kirk als eine Art Ersatz fĂŒr Red (auskunftsfreudiger scheint er ja schon mal zu sein) sogar angeboten und wir hĂ€tten uns die Frage stellen können, ob er nicht doch zu den Guten gehört.

Aus dramaturgischer Sicht hĂ€tte sich hier jedenfalls einiges umkrempeln lassen. Was wĂ€re zum Beispiel, wenn Liz ĂŒberhaupt nicht mehr gerettet werden will? Was, wenn sie sich auf die Seite von Kirk stellt? Es wĂ€re zwar theoretisch möglich, dass ein solcher Wendepunkt noch kommt, aber die Wahrscheinlichkeit dafĂŒr ist nach dem Auftakt doch deutlich gesunken.

Rettungsaktionen: Red

James Spader als Raymond Reddington ist nach wie vor das Highlight der Serie. Bei ihm sitzt mal wieder jede Szene und dabei ist es egal, ob er Mr. Kaplan mit Ignoranz abstraft, einen Kopf abschneidet, den gefĂ€hrlichen Esteban als Mittel zum Zweck benutzt oder rĂŒcksichtslos Polizisten ermordet. Und trotz der teils brutalen Vorgehensweise schimmert doch immer wieder durch, dass er sich um Liz und Agnes sorgt. Dieser verzweifelte Blick, als das Flugzeug vor seiner Nase abhebt und Kirk mitsamt seiner Geisel die Flucht gelingt - großartig.

Ungewohnt war hingegen, dass Red trotz seines recht harschen Vorgehens am Ende so gar keinen Erfolg fĂŒr sich verbuchen kann. Gerade, als man meint, dass er immerhin Agnes retten konnte, wendet sich das Blatt wieder. Womit die Suche nach Kirk, Liz und Agnes nĂ€chste Woche erneut angegangen werden muss. Kirks Etablierung als ernst zu nehmender Gegner tut das natĂŒrlich gut und es wĂ€re auch viel zu schnell gewesen, wenn Red bereits im Auftakt die gesamte Familie Keen wieder herausgehauen hĂ€tte. Aber so ganz ohne Teilerfolg fĂŒr Red liegt die Episode schon etwas schwer im Magen (gerade mit Blick darauf, was er alles getan hat).

Am Rande sei noch erwĂ€hnt, dass das VerhĂ€ltnis zwischen Mr. Kaplan und Red weiterhin deutlich angeschlagen ist. Sie gibt sich zwar alle MĂŒhe, wieder in seine Gunsten zu kommen und dadurch, dass sie ihm Agnes ĂŒbergeben konnte, hĂ€tte sie auch gute Chancen gehabt. Aber gerade, als sie das Thema ansprechen wollte, kam der Cliffhanger dazwischen und das Baby ist nun wieder futsch. Bleibt abzuwarten, wie es mit ihr und Red weitergeht.

Fazit

Gelungener Auftakt zur neuen Staffel. Von Langeweile fehlt jede Spur, wĂ€hrend der Blacklister der Woche sinnvoll in die Handlung eingebaut wird und jeder Strang temporeich und spannend daherkommt. Einige Dinge lassen sich trotzdem bemĂ€ngeln, was unter anderem eine gewisse Vorhersehbarkeit in Toms Teil der Folge angeht, vor allem aber (vorerst?) verschenktes Potential im Handlungsbogen um Alexander Kirk betrifft. Von mir gibt es vier von fĂŒnf Sternen.

Trailer zur nĂ€chsten Episode, „Mato“ (4x02), der US-Serie „The Blacklist“:

Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 24. September 2016

The Blacklist 4x01 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 1
(The Blacklist 4x01)
Deutscher Titel der Episode
Esteban (Nr.79)
Titel der Episode im Original
Esteban
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 22. September 2016 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 10. Januar 2017
Autoren
Jon Bokenkamp, John Eisendrath
Regisseur
Michael W. Watkins

Schauspieler in der Episode The Blacklist 4x01

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