The Blacklist 3x12

The Blacklist 3x12

In der Folge The Vehm der US-Serie The Blacklist wird das FBI auf eine Organisation aufmerksam gemacht, die ihre kriminellen Opfer mit mittelalterlichen Methoden zur Strecke bringt. Währenddessen darf Liz sich Gedanken über ihre Zukunft machen.

James Spader und Michael Cullen in „The Blacklist“ / (c) NBC
James Spader und Michael Cullen in „The Blacklist“ / (c) NBC

The Holy Vehm

Im Fall der Woche bemerkt Reddington (James Spader), dass einige Leute, mit denen er Geschäfte macht, von einer Gruppe namens „The Holy Vehm“ entführt, gefoltert und getötet werden. Um seine kriminellen Vorhaben nicht zu gefährden, macht er folglich das FBI um Donald Ressler (Diego Klattenhoff) auf die Vorfälle aufmerksam - ist eben praktisch, wenn man sich nicht alleine um solche Probleme kümmern muss.

Im Prinzip haben wir es hier (mal wieder) mit einem der Fälle zu tun, die leicht realitätsfern wirken. Ein mittelalterlicher Kult, der wieder ins Leben gerufen wird, um in der Gegenwart Jagd auf Pädophile zu machen und sie zu töten? Und dahinter steckt ein Kardinal (Michael Cullen)? War ja irgendwie klar, dass der die Vehm nicht nur auf Pädophile ansetzt. Da mutet es schon fast ironisch an, dass die Mitglieder der Vehm ehemalige Pädophile sind, die sich selbst kastriert haben und jetzt gegen Ihresgleichen vorgehen.

Wenn man jedenfalls mal näher über Sinn und Unsinn des Falles nachdenkt, kommt man nicht umhin, die ganze Angelegenheit trotz manch hart inszenierter Folterszene unfreiwillig komisch zu finden. Die einzige Art von Lehre, die sich am Ende einigermaßen glaubwürdig schließen lässt, wäre, dass man religiöse Fanatiker nicht unterschätzen oder hintergehen sollte, wie der Kardinal am Ende am eigenen Leib erfahren muss.

Mozhan Marno und Diego Klattenhoff in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © NBC
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Insgesamt lässt sich sagen, dass der Fall zwar einige Überraschungen und Wendungen bot (wie in solchen Wochenszenarien üblich), aber doch recht hanebüchen wirkte. Mit Blick auf die aktuellen Nachrichten ließe sich da bestimmt etwas Überzeugenderes für einen Fall der Woche finden.

Reddington

Obwohl Red diese Woche mal wieder einige großartige Szenen bekommt, dürfte Liz (Megan Boone) sich langsam aber sicher die Frage stellen, wie lange sie ihr Leben noch durch ihn beeinflusst sehen will. Ob ihr Frisurwechsel (samt neuer Haarfarbe) ein Zeichen dafür ist, dass sie sich bald von ihm lossagt?

Es dürfte ihr jedenfalls nicht geschmeckt haben, wie Red sich in ihr Privatleben einmischt. Um eine mögliche Abreise von Liz und Tom (Ryan Eggold) nach Boston zu verhindern, wird Toms neuer Job kurzerhand eliminiert und obendrein richten sich Reds Schergen noch in dem Apartment ein, welches von einer jungen Mutter bewohnt wurde und von der Liz sich ein paar Tipps für ihre eigene Schwangerschaft erhofft hätte. Man könnte es ihr jedenfalls nicht verdenken, wenn sie demnächst etwas Abstand zu ihrem (unfreiwillig ernannten) Mentor sucht.

Abgesehen davon, dass Raymond seinen Beschützerinstinkt diese Woche etwas überstrapaziert, wissen aber alle anderen Vorgänge in Bezug auf seine Person zu gefallen. Es ist schon beeindruckend, wie Spader von Jetzt auf Gleich vom friedlichen Mitmenschen zum kaltblütigen Killer werden kann (darstellerisch, versteht sich). Die Szenen, in denen er sich einen von Liz' Angreifern vornimmt, war einfach typisch Reddington und toll gemacht. Auch wie er den Kardinal zur Rede stellt, konnte sich sehen lassen. Genau diese Augenblicke sind es dann auch, die die Episode deutlich aufwerten.

Lizzie

Madame Keen weiß nicht so recht, wie sie ihre Zukunft angehen soll. Ganz systematisch probiert sie, eine Liste aufzustellen und anhand dessen zu entscheiden, was sie mit dem Baby anstellen soll, das sie von Tom erwartet. Einst wollte sie mit ihrem (Schein- und jetzt Ex-)Ehemann ein Kind adoptieren, jetzt ist sie kurz davor, ihr zukünftiges Baby zur Adoption freizugeben.

Megan Boone und Ryan Eggold in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © NBC
Megan Boone und Ryan Eggold in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © NBC

An sich ist der ganze Handlungsstrang um Tom und Liz recht nachvollziehbar gestaltet, wenn auch ein bisschen vorhersehbar. Klar, mit ihrem jetzigen Lebensstil und mit Red im Nacken (auch wenn der sie nur beschützen will), wird es wahrscheinlich schwierig, nebenbei noch ein Kind großzuziehen. Und auch gefährlich. Andererseits spräche aber auch vieles dafür, dass sie auf Tom hört und mit ihm einen Neuanfang beginnt. Als Zuschauer hat man hier den Vorteil zu wissen, dass die Macher Megan Boone wohl kaum aus der Serie streichen oder sie zur Nebenrolle degradieren werden. Insofern dürfte klar sein, wie Liz sich am Ende entscheidet. Sie wird weiterhin dem FBI zur Seite stehen und auch Red dulden. Ob sie nebenbei noch ein Kind großzieht? Das ist die Sache, die abzuwarten bleibt.

Unterm Strich vielleicht zu viel Beziehungsdrama und zu wenig „Liz in Action“. Andererseits war es nach letzter Woche offensichtlich, dass sich Lizzies Geschichte jetzt stärker auf ihre Zukunft und ihre Beziehung zu Tom (und Red) konzentrieren wird. Alles in Allem lässt sich dieser Strang somit als o.k. einordnen.

Team FBI

Wie schon in den vorangegangenen Folgen werden auch dieses Mal diverse Nebenspieler nicht unter den Teppich gekehrt oder mit Standardauftritten abgespeist. Das Ensemble um Ressler, Aram (Amir Arison), Samar (Mozhan Marno) und Harold Cooper (Harry Lennix) bekommt jedenfalls abseits vom Fall der Woche noch genug zu tun. So wird beispielsweise beleuchtet, dass Aram für Samars Wiedereinstellung beim FBI verantwortlich ist und nicht Ressler. Aber ob Samar jemals erkennen wird, weshalb Aram sich so sehr um sie bemüht?

Uff, werden da einige Zuschauer sicher denken, noch mehr Beziehungsdrama in der Serie? Aber andererseits muss man dabei erkennen, dass hier konsequent weitergestrickt wird, was die Verhältnisse der Figuren angeht. Das Liebesdreieck (wenn man es denn so bezeichnen möchte) um Donald, Samar und Amir ist jedenfalls besser gestaltet als so manch andere Dreiecksbeziehungen oder „wer-mit-wem“- Themen in anderen Serien. Immerhin konnten wir schon sehen (auch diese Woche wieder), wie sich Arams Schmachterei für Samar auf seine Arbeit auswirkt. Mit Blick auf zukünftige Folgen ließe sich da bestimmt noch einiges anstellen, was überraschend wirken würde, aber eben nachvollziehbar wäre - gerade weil wir um seine Person im Bilde sind. Da lässt es sich verzeihen, wenn diese Woche lediglich ein „Update“ in Sachen Samars Wiedereinstellung gegeben wird. Achja, Ressler büßt dadurch natürlich wieder ein paar Sympathiepunkte ein. Letzte Woche konnte man noch annehmen, dass er tatsächlich ein gutes Wort für Samar eingelegt hat und jetzt stellt sich heraus, dass das nicht der Fall war. Same old Ressler?

Ansonsten hätten wir da noch Harold Cooper, der momentan eine neue Wohnung sucht, weil seine Frau ihn verlassen hat und daher seinen Arbeitsplatz als Nachtlager nutzt. Ja, eine weitere Beziehungskrise. Aber Lennix versteht es dabei, Cooper überzeugend darzustellen und gibt dem Charakter die nötige Tiefe, um den Zuschauer mitfühlen zu lassen.

Auch bei den Nebenfiguren gibt es unterm Strich eine große Portion Beziehungsdrama, da war der Ausflug von Ressler und Samar zum Aufenthaltsort der Vehm noch ein richtiges Highlight. Aber an sich war es jetzt nicht so schlimm, dass hier mehr auf die Charaktere und ihr Verhältnis zueinander gesetzt wurde. Man darf jedenfalls hoffen, dass sich da in Zukunft und in möglichen Extremsituation noch einiges herausholen lässt und diese Folge bloß zum weiteren Aufbau diente.

Fazit:

Wohl eher eine Durchschnittsfolge, die zu sehr auf Beziehungsstrukturen setzt und mit dem Fall der Woche zu wenig abliefert, um wirklich gut zu sein. Während die Vehm unfreiwillig komisch daherkommen, liefert Red wieder die besseren Momente der Folge, auch wenn er sich vorsehen muss, Lizzie in Zukunft nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken. Von einer schlechten Episode oder gar einer Enttäuschung kann allerdings nicht die Rede sein, denn alle Figuren bleiben innerhalb ihrer etablierten Umgangsformen. Von mir gibt es 3 von 5 Sternen.

Promo zur Episode 3x13 der Serie „The Blacklist“:

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 30. Januar 2016

The Blacklist 3x12 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 12
(The Blacklist 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Das Femgericht (Nr. 132)
Titel der Episode im Original
The Vehm
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 28. Januar 2016 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 12. April 2016
Autor
Vincent Angell
Regisseur
Michael W. Watkins

Schauspieler in der Episode The Blacklist 3x12

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