
ABC hat in seinem Programm nicht die erste Serie mit einer weiblichen Hauptfigur und aus diesem Grund ist Black Box auch eine passende Ergänzung zum ABC-Branding. Aber wie gut führt „Black Box“ das Konzept aus? Wie so oft steht und fällt eine solche Serie mit der Hauptfigur. Ist sie den Zuschauern sympathisch und interessant genug?
Die Serie Black Box ist eine Kombination aus einem Fall (oder mehreren Fällen) der Woche und einem handlungsübergreifenden Fall, nämlich Dr. Black (Kelly Reilly) selbst. Denn sie hat ein Geheimnis, das jeden Augenblick ihr Leben zerstören und sogar beenden könnte. Catherine leidet selbst unter einer psychischen Krankheit. Und an dem Punkt betreten wir Homeland-Territorium. Dort hat die Hauptfigur, die ebenfalls brillante CIA-Analystin Carrie (Claire Danes), eine bipolare Störung.
Dieselbe Krankheit hat Dr. Black und bis auf ihre Familie weiß niemand was davon. Der Unterschied zwischen „Homeland“ und „Black Box“ ist, dass die ABC-Serie Blacks Krankheit zum Hauptthema macht und wir deswegen im Piloten ausgiebig zu sehen und zu hören bekommen, welche Auswirkungen die bipolare Störung auf Catherines Leben hat. Man hat ein bisschen das Gefühl, das „Black Box“ ihre Prämisse auch als ein Aufbaumodell für die Episode benutzt, denn diese ist etwas chaotisch geraten und wechselt von einem zum anderen, genauso wie Catherines Stimmungen wechseln, wenn sie ihre Medikamente nicht nimmt. Und sie neigt dazu, diese gerne wegzulassen!
Wir bekommen eine ausgiebige Darstellung ihrer Eskapaden - von One-Night-Stands übers Beschriften der eigenen Arme bis zum Tanzen auf dem Geländer zu imaginärer Jazz-Musik. Jazz-Musik scheint in TV-Erzählungen immer die passende Untermalung für psychische Probleme einer Figur zu sein.
Catherine nimmt ihre Tabletten nicht, weil sie ohne Medizin geistige, seelische und wie man sie noch nennen mag Flüge erlebt. Psychische Krankheiten können in wahre Kunst münden oder aber als solche gesehen werden. „Medicate into mediocrity“ - das ist was sie als Ärztin nicht tun will und was sie als Person am meisten fürchtet.
Wir werden in Catherines Perspektive versetzt und fliegen mit ihr über die nächtlichen Straßen. Black Box ist sehr darum bemüht uns Catherines inneres Leben vor Augen zu führen und manchmal ist es sogar zu viel des Guten. Etliche Flashbacks zeigen, wie damals ihre Mutter sich das Leben nahm und wie Catherine ihr eigenes Kind abgeben musste. Catherines Tochter wurde von ihrem Bruder (David Chisum) und seiner Frau (Laura Fraser) als eigenes Kind aufgezogen.

Unsere Heldin, auch „Marco Polo of the brain" genannt, hat in kürzester Zeit eine Menge an Problemen zu bewältigen. Sie springt von einem Patienten zum nächsten und rettet Leben. Zwischendurch akzeptiert sie den Heiratsantrag ihres Freundes (David Ajala), der keine Ahnung von nichts hat und mit dem es noch komplizierter wird, als er sie ohne ihre Medizin erlebt.
Es entsteht der Eindruck, als hätte man alles in den Piloten reingepackt, was geht und deswegen wirkt er so chaotisch und hektisch. Wie immer kann jeder Eindruck subjektiv sein und manchein Zuschauer würde das Hin und Her als Spiegelbild von Catherines komplizierter Persönlichkeit interpretieren wollen. Trotzdem bleibt das Ganze nichts mehr als Standard im Krankenhaus-Dramabereich.
Die Serie macht insgesamt den Eindruck nicht so recht zu wissen, was sie sein möchte. Sie ist hin und hergerissen, so wie die Protagonistin und so wie der Verfasser des Reviews, der sich bei seinem Urteil zwischen Mittelmaß und Katastrophe bewegt...