The Big C 1x13

Taking the Plunge könnte problemlos ein Serienfinale sein: So kraftvoll erzählt ist die Episode nicht nur der perfekte Schluss für die erste Staffel. Hätte The Big C an dieser Stelle geendet, Cathys Entscheidung, alles zu tun, um zu überleben, wäre eine passende Botschaft gewesen.
Marlenes Selbstmord, so sehr Darstellerin Phyllis Somerville auch in der zweiten Staffel fehlen wird, hat der Geschichte sehr geholfen. Zunächst war sie die einzige Vertraute für die krebskranke Cathy (Laura Linney), Hauptfigur der Showtime-Serie. Doch nun weiß die Familie Jamison Bescheid, Cathy selbst sagt in der letzten Folge der Staffel zu ihrem Mann, dass sie „the new Us“ mag. Marlene hat ihren Zweck erfüllt und weckt quasi als letzte Handlung auf Erden endlich Cathys Überlebenswillen. Denn sich einfach so verabschieden, ohne um ihr Leben und ihre Liebsten zu kämpfen, möchte Cathy nicht. Wenn das bedeutet, die äußerst riskante Therapievariante zu wählen, dann sei es so.
Die große Frage, die im Vorhin stets gestellt wurde, hat „The Big C“ geschickt umgangen. Darf man eine Comedy-Serie über Krebs machen? Egal, man darf, kann und hat jedenfalls eine Serie über Krebs ohne Krebs etabliert. Diagnose, Symptome, medizinische Optionen - das alles war zunächst kein Thema. Da Cathy (Laura Linney) sich niemandem anvertraute und sich dem Problem nicht stellen wollte, standen andere Dinge im Vordergrund. Ihre Lust am Leben, ihre Schwächen und Fehler, die sie zu beheben gedachte, sofern möglich. Ihr Bedürfnis, niemandem eine Last zu sein, aber dennoch Spuren in der Welt zu hinterlassen. Wir sahen eine herausragende Laura Linney, wie sie mitten im Schulflur Räder schlägt, bekleidet in einen verlassenen Pool springt, Drogen ausprobiert, sich selbst ausprobiert.

Das alles war amüsant, der Zuschauer brauchte sich nicht sorgen, „eine Serie über Krebs“ lustig zu finden. Cathys Art war trotz oder gerade wegen der eigenen Ignoranz ihrer Optionen gegenüber angenehm. Und obwohl als Kabelsender durchaus frei in der Gestaltung vergaß Showtime nie die Moral' der Geschicht: dass der lebensbejahende, wunderbare Grundton von The Big C nicht die Schwere von Cathys Krankheit vertuschen kann.
Einmal erzählt sie ihrem Bruder Sean (John Benjamin Hickey) von ihrer Diagnose. Es ist das erste Mal außerhalb der Arztpraxis oder des Hauses ihrer Vertrauten Marlene, dass Cathy über den Krebs spricht. Eine ernste, schwermütige Szene, Sean weint, der Zuschauer mit ihm. Und dann plappert Cathy drauf los, das sei doch nur ein Scherz gewesen. Eine bewegende Szene mit einem sehr mutigen Sprung zwischen Drama und Comedy. Das muss man sich trauen.
Ein anderes Mal: Endlich erfährt Paul (Oliver Platt), wie die Situation ist - um sich eine Episode später in einer herrlich inszenierten Geste aus Solidarität die Haare zu rasieren. Ein großartiger Moment übrigens auch für den Darsteller, der noch zu Beginn der Serie darunter zu leiden hatte, dass seine Figur zu Unrecht in die Rolle des Unsympathen rutschte.
„The Big C“ hatte in der ersten Staffel zahlreiche solcher Momente. Die Komik, mit der die Figuren Leben und Tod begegnet, traf auf teils schwer zu verdauende Realisierungen von Vergänglichkeit, Hilfslosigkeit. Da ist es nur passend, dass Taking the Plunge gleich zwei eindrückliche Szenen ähnlicher Natur hat. Die eine ist der fröhliche Rahmen von Marlenes Beerdigung, Gespräche über Trauer unterbrochen von „I won!“-Rufen der feiernden Besucher. Etwas kitschig wird das Ganze in der finalen Einstellung der Staffel auf die Spitze getrieben, als wir Cathys Fantasie von einer im Jenseits glücklich Polka tanzenden Marlene sehen.
Doch für den emotionalsten Augenblick sorgt Adam (Gabriel Basso), als er einen Umschlag mit der Aufschrift „Don't open until I'm gone“ findet. Darin: der Schlüssel zu der Garage, die seine Mutter zu Beginn der Staffel für das Auto anmietete, das er eines Tages zum Geburtstag bekommen soll. Bis zu diesem Moment ahnt Adam nicht, wie ernst die Situation ist - und der Zuschauer weiß nicht, wie intensiv sich Cathy tatsächlich mit ihrem drohenden Schicksal auseinander gesetzt hat.
Also geht es im kommenden Jahr weiter. In der nächsten Staffel muss „The Big C“ sich dann wohl erneut an der Frage messen lassen, ob Humor auf Kosten einer tödlichen Krankheit möglich und angebracht ist. Mit einem Unterschied: Diesmal wird die Serie sich wirklich mit der Frage auseinandersetzen - eine Herausforderung, die bei diesem Händchen der Autoren und einem so hervorragendem Cast zu meistern sein sollte.
Verfasser: Carolin Neumann am Dienstag, 16. November 2010(The Big C 1x13)
Schauspieler in der Episode The Big C 1x13
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