The Astronaut Wives Club 1x10

Eigentlich sollte die Miniserie The Astronaut Wives Club bereits im lezten Jahr auf dem Sender ABC ausgestrahlt werden, nachdem das Format von Serienschöpferin Stephanie Savage im Februar 2014 eine straight-to-series-Bestellung erhalten hatte. Nach einigen kreativen Ănderungen feierte das period drama nun im Juni 2015 seine groĂe Premiere und konnte in der Folge durch die zehn Episoden seiner ersten und auch einzigen Staffel hindurch ordentliche Quoten fĂŒr das Network erzielen „70088“.
Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Lily Koppel aus dem Jahr 2013 wird hier die Geschichte der Ehefrauen der ersten sieben Astronauten - die Mercury Seven, in Ahnlehnung an die Bezeichnung des ersten bemannten Raumfahrtprojekts der USA - erzĂ€hlt, die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA 1959 auserwĂ€hlt wurden, Geschichte zu schreiben. Den Fokus legt man dabei aber vor allem auf die starken Damen an der Seite der einstigen Weltraumpioniere, wobei auch die aufregende Dekade der 1960er selbst thematisiert wird - ob nun das Vordringen der Menschheit in unbekannte SpĂ€hren oder politische Themen wie der Kalte Krieg und das WettrĂŒsten mit der Sowjetunion.
Up to space
„The Astronaut Wives Club“ wurde nach seiner zehnteiligen ersten Staffel von ABC fĂŒr beendet erklĂ€rt, was wiederum auch den PlĂ€nen der Serienmacher um Stephanie Savage entsprach, die das Format von Beginn an als abgeschlossene Geschichte betrachtet hatten. Das Serienfinale feierte einen Ă€uĂerst runden Abschluss und fasste noch einmal die WerdegĂ€nge unserer Protagonisten mit Verweis auf die echten Astronaut Wives zusammen. Und vielleicht liegt auch gerade in dieser Abgeschlossenheit eine der StĂ€rken der Serie.

Where no woman has ever gone before
Es gab keinen Zwang, die Geschichte weiterzuspinnen und so legte man sich in seinem kreativen Schaffensprozess einen Start- und Endpunkt fest, wĂ€hrend man sich in dem Raum dazwischen relativ frei an den persönlichen Geschichten der titelgebenden Damen bedienen und eine ganze Reihe an verschiedenen Einzelschicksalen abhandeln konnte. In einer Zeit, in der insbesondere Networkserien gerne mal schnell verlĂ€ngert werden und man sich fragt, inwiefern eine derartige Entscheidung der Senderverantwortlichen vor allem mit Blick auf die fortlaufende Handlung Sinn ergibt, stellt „The Astronaut Wives Club“ eine erfrischend runde Sache dar.
Das Historiendrama, auch wenn die Bezeichnung vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist, ĂŒberzeugt zunĂ€chst einmal auf der Unterhaltungsebene und prĂ€sentiert uns die verschiedensten Charaktere. Von denen kommt der eine oder andere zwar etwas klischeehaft oder gar austauschbar daher (Hand aufs Herz, wer konnte zu Beginn schon die EhemĂ€nner der Frauen auseinanderhalten, von denen viele auch noch identisch aussahen?), doch gerade die Damen schaffen es recht zĂŒgig, mit ihren spezifischen CharakterzĂŒgen Eindruck zu machen.
Das Buch âThe Astronaut Wives Clubâ von Lily Koppel findet Ihr hier:
Challenges
Wer anfangs noch glaubt, dass diese nur die zweite Geige fĂŒr die Herren der Schöpfung spielen, wird im Laufe der Serie mehrfach eines Besseren belehrt. Zwar stellen sich einige in den Dienst ihres Gatten und opfern so bereitwillig ihre UnabhĂ€ngigkeit, doch das Kreativteam hinter dem Format, gespickt mit vielen weiblichen Autoren und Regisseurinnen, trifft oft die richtigen Töne, so dass die stets modisch gekleideten Damen nicht nur zu schickem Beiwerk verkommen.
Vor allem Charaktere wie die von Yvonne Strahovski gespielte Rene Carpenter oder die von Odette Annable verkörperte Trudy Cooper gehen beherzt voran und setzen sich immer wieder fĂŒr die Rolle der modernen, starken und unabhĂ€ngigen Frau ein. Nicht immer kann man die altbackenen Geschlechterrollen der spĂ€ten 1950er ĂŒberwinden, doch sobald es einer unserer Protagonistinnen gelingt, ihrem chauvinistischen mĂ€nnlichen GegenĂŒber Kontra zu geben, freut man sich mit unseren Heldinnen fĂŒr ihre persönlichen Erfolge. Mit viel Charme, einer Portion Humor und teilweise sehr beeindruckenden Einzelauftritten (vor allem Strahovski bekommt hier einiges zu tun und schlĂ€gt sich dabei exzellent) wachsen einem die „Astronaut Wives“ mit ihren Problemen, Macken und eigenen TrĂ€umen schnell ans Herz.
You and me together
Einzig Dominique McElligott zieht sich in ihrer Rolle der zunĂ€chst verschlossenen Louise Shephard anfĂ€nglich etwas Unmut zu, da ihr Charakter nicht nur den anderen Damen, sondern auch dem Zuschauer selbst etwas auf die Nerven gehen kann. Womöglich eine beabsichtigte Entscheidung der Serienmacher, durchlĂ€uft sie doch im spĂ€teren Verlauf eine Entwicklung, die uns die Figur ein StĂŒck weit nĂ€herbringt und es einfacher fĂŒr uns macht, fĂŒr sie Empathie zu empinden.

Rainy days
Stichwort Empathie. The Astronaut Wives Club vermag es ebenfalls mehrfach, sehr emotional direkt ins Schwarze zu treffen, so zum Beispiel in der tragischen Geschichte um die sehr sympatische Betty Grissom (herzerwĂ€rmend von einer sehr gut aufgelegten JoAnna Garcia Swisher gespielt) und ihren Mann Gus, den wĂ€hrend eines Tests der NASA ein furchtbares Schicksal ereilt. Auch das verheerende Attentat auf John F. Kennedy im November 1963 wird kurz thematisiert, ebenso wie die Volksunruhen in den Folgejahren, in denen die afroamerikanische Bevölkerung fĂŒr mehr Gleichberichtigung in den USA kĂ€mpfte. Es lassen sich viele solcher Momentaufnahmen finden, die bewegen und nachdenklich stimmen.
Dabei muss man jedoch auch ein paar EinschrĂ€nkungen machen, denn so solide und kurzweilig „The Astronaut Wives Club“ auch sein mag, es ist nicht alles Gold, was glĂ€nzt. Einige der verschiedenen HandlungsstrĂ€nge verlaufen gelegentlich ins Leere, auch nicht jeder Figur wird bisweilen die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie vielleicht verdient hĂ€tte - selbst unter den sieben Damen, siehe Zoe Boyle in ihrer Rolle als quasselwĂŒtige Jo Schirra. Hinzu kommt, dass die Art der ErzĂ€hlung und das uns hier vorgetragene Drama in Filmkritikerkreisen wohl als lupenreines Oscar bait-Material bezeichnet werden wĂŒrde - und das nicht zu Unrecht.
Symbols of hope
In The Astronaut Wives Club wird es gerne mal sehr rĂŒhrselig, das Drama bleibt stets recht simpel und letztlich kratzt man oft nur an der OberflĂ€che bestimmter Probleme. Die sehr episodenhafte ErzĂ€hlstruktur sorgt dafĂŒr, dass wir in manchen Folgen nicht nur relativ groĂe ZeitsprĂŒnge machen, sondern auch, dass wir meistens nur Schnipsel und Momentaufnahmen aus den Leben unserer Hauptfiguren erhaschen. Zeit, sich den hier zumeist nur angeschnittenen gesellschaftlichen Themen wie die Rassenunruhen in den USA in den 1960er Jahren wirklich etwas tiefgrĂŒndiger zu widmen, bleibt so nicht.
Zur Verteidigung von „The Astronaut Wives Club“ muss man an dieser Stelle eventuell sagen, dass die Macher gar nicht allzu sehr in solche Thematiken eintauchen möchten, da es ihnen eher um ihre Figuren geht. Dies gelingt gröĂtenteils, wobei man darĂŒber streiten kann, ob der insgesamt eher mĂ€Ăige Handlungsstrang um Louise, ihren zunĂ€chst extrem untreuen Mann Alan (Desmond Harrington) sowie einer möglichen AffĂ€re Louises mit dem Reporter Max Kaplan (Luke Kirby) wirklich so sehr in den Fokus hĂ€tte gerĂŒckt werden mĂŒssen.
Mutual respect
Da hĂ€tte es bisweilen weitaus interessantere Geschichte zu ergrĂŒnden gegeben, so zum Beispiel die HintergrĂŒnde zu Figuren wie Erin Cummings' selbstbewusste Marge Slayton, die zur âAnfĂŒhrerinâ der „Astronaut Wives“ avanciert. Auch Azure Parsons in ihrer Rolle der stotternden Annie Glenn erhĂ€lt sie zu Beginn der Staffel einen wunderbaren kleinen Handlungsstrang, mit den wachsenden politischen Ambitionen ihres Mannes rĂŒckt sie jedoch stark ins zweite Glied, da diese Geschichte vor allem Yvonne Strahovskis Charakter dient.

The next frontier
Im GroĂen und Ganzen entpuppt sich „The Astronaut Wives Club“ aber als eine grundsolide Produktion, die visuell nicht die gröĂten Experimente wagt, aber ansehnlich gestaltet ist und immer wieder reale Aufnahmen aus den 1960er Jahren in die ErzĂ€hlung integriert. Man probiert sich an einem anderen Blickwinkel auf das aufregende Thema der Raumfahrt, was durchaus erfrischend ist. Die Raumfahrtpioniere werden hier zwar medial als Helden der Moderne und speziell der USA verehrt und angepriesen, doch das umsichtige Team um Showrunner Stephanie Savage weiĂ ganz genau, dass das Leben der Astronauten, ob nun aus dem Mercury- und spĂ€ter sogar Apollo-Programm (das Raumfahrtprojekt, was letztlich 1969 mit Neil Armstrong den ersten Menschen auf den Mond brachte), oftmals nur eine Randerscheinung ist.
So kann man auch ĂŒber SchwĂ€chen des Formats, sei es die bisweilen oberflĂ€chliche Behandlung verschiedener Themen, die recht simple Figurenzeichnung einiger Charaktere oder die stellenweise ĂŒberemotionale sowie manipulative Inszenierung hinwegsehen. Denn: Der Spagat, hier den Frauen an der Seite dieser MĂ€nner eine passende BĂŒhne zu geben und gleichzeitig ein interessantes, spannendes sowie unterhaltsam umgesetztes Zeitdokument abzuliefern, das mit einer abwechslungsreichen Besetzung aufwartet, aus der man sich schnell seine Lieblinge herauspickt, gelingt mit Erfolg. FĂŒr Genrefreunde und Interessierte ist The Astronaut Wives Club also durchaus einen Blick wert.
Serientrailer zu âThe Astronaut Wives Clubâ:
Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 5. September 2015The Astronaut Wives Club 1x10 Trailer
(The Astronaut Wives Club 1x10)
Schauspieler in der Episode The Astronaut Wives Club 1x10
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