The 100 2x16

Mit dem zweiten Staffelfinale, Blood Must Have Blood (2), beweist die Serie The 100, aus welchem Holz sie geschnitzt ist. Es lassen sich ganz sicher so einige Schwächen finden, manche Überlegung wird uns auf einem ärgerlichen Silbertablett serviert, aber in Fragen der Moral lassen die Autoren sich nicht lumpen. Die Entscheidungen, die Clarke (Eliza Taylor), Bellamy (Bob Morley) und die anderen treffen müssen, lassen ihnen eine echte Wahl. Erst das macht die Entscheidungen interessant.
Don't Make Me Do This
Viele Serien von anderem Kaliber drängen ihre Protagonisten mit dem Rücken an die Wand, bis sie nicht mehr anders können, als eine harte Entscheidung zu treffen, die jedoch keine mehr ist, nachdem die Autoren alle Alternativen ausgeräumt haben. Die Moral der Figuren wird nicht wirklich ausgetestet, denn sie finden sich meist in ausweglosen Situationen wieder. Anders gehen glücklicherweise die The 100-Autoren ans Werk.
Zu jeder Zeit in der Episode Blood Must Have Blood (2) und auch schon vorher haben Clarke, Alexa (Alycia Debnam Carey) und die anderen die Wahl. Sie können den möglichst sicheren Weg wählen, um ihr Ziel zu erreichen, dieser Weg setzt meist voraus, andere in den Nachteil zu drängen und oft auch wortwörtlich über Leichen zu gehen. Man könnte das auch den Grounder-Weg nennen, denn es ist das, was Lexa in der letzten Episode getan hat.
Dass die Allianz aus Groundern und Himmelsmenschen den Berg und seine feindlich gesinnten Bewohner besiegt, war bis zu Lexas Verrat eine echte Möglichkeit, aber keine sichere Sache. Als Lexa eine Abkürzung findet, nimmt sie die, um ihre Leute auf jeden Fall zu retten. Gleichzeitig liefert sie damit die Himmelsmenschen ans Messer. Dieser Entscheidung liegt das Grounder-Verständnis von Stärke zugrunde, nach welchem egoistischer Überlebenswille das Wichtigste ist.
Clarke und auch die anderen Himmelsmenschen sind anders. Sie legen als Messlatte auch noch die Moral an. Die Allianz mit den Groundern war von Vorteil für sie. Sie hatten auch nicht die Möglichkeit, ihre Bündnispartner zu betrügen. Nach allem, was wir bisher von Clarke so gesehen haben, hätte sie sich darauf wohl auch nicht eingelassen. Sie hat aufrichtig an die Allianz geglaubt. Doch sie ist betrogen worden. Der Verrat von Lexa war eines der Ereignisse in einer langen Reihe, die Clarkes Führungsfähigkeiten geprägt haben. In der Episode Blood Must Have Blood (2) sehen wir, wie sie sich verändert hat.
In gewisser Weise steht sie auch mit dem Rücken an der Wand. Um ihre Leute zu retten, hat sie keine Auswahlmöglichkeiten mehr. Doch sie kann trotzdem noch abwägen. Denn es sind nicht ein, zwei Böse, die sie umbringen muss, um die ihren zu retten. Sie muss die Bergmenschen opfern, darunter Menschen, die ihnen geholfen haben, Kinder, politisch Unbeteiligte, Mitläufer. Und die sind weit in der Überzahl. Was rechtfertigt einen Massenmord? Wenn man zurück an die Anfänge dieses Konflikts geht, dann sind die Bergmenschen ganz klar die Angreifer. Doch ihre Angriffe sind ebenfalls aus der Not geboren.
Die Szene, in der Bellamy und Clarke den Hebel betätigen, ist emotional stark und traurig. Doch tragischer und weitreichender ist sogar ein einzelner Mord. Clarkes Entschluss, Präsident Wallace (Raymond Barry) zu töten, markiert den Punkt, an dem sie nicht mehr zurück kann.
Er hat sich Clarke gegenüber als gütig gezeigt, der echte Aggressor ist sein Sohn Cage (Johnny Whitworth). Clarke richtet die Waffe auf einen Menschen, den sie kennengelernt hat, dessen gute Seiten sie gesehen hat. Doch sie trifft diese Entscheidung aus Berechnung. Der Mord an Dante ist der letzte Versuch, Cage zum Einlenken zu bewegen. Clarke opfert ein Menschenleben, um andere zu schonen - ihre Leute, aber auch die unbeteiligten Bergmenschen.
Die The 100-Macher gönnen uns kein fröhliches Happy End, in dem sich alles ineinander auflöst mit punktuellen Verlusten. Sie verabschieden sich mit einem emotional mitreißenden Abschluss, an dem fast alle Figuren entweder tot sind oder eine große Schuld auf sich geladen haben. Abby (Paige Turco) bringt es auf den Punkt: Sie alle haben sich in einen Krieg verstrickt, in dem es keine Guten mehr gibt. Es geht nur noch ums Überleben. Die später Angekommenen haben die Logik derer angenommen, die schon länger auf der Welt leben.
Dass ausgerechnet Maya (Eve Harlow) und dadurch auch Jasper (Devon Bostick) zu den Leidtragenden gehören, bringt wohl die emotionalste Szene der Episode hervor.
Define real!
Während die Bergmenschen und die Himmelsmenschen auf den Showdown zusteuern, halten die Grounder sich im Hintergrund. Nur vereinzelt sehen wir sie. Wir sind dabei, als Lincoln (Ricky Whittle) vor die Wahl gestellt wird. Doch seine Wahl ist schon vor einiger Zeit gefallen, vielleicht schon vor der Ankunft der Himmelsmenschen. Lincoln war ein Außenseiter, mit den Himmelsmenschen hat er Geistesverwandte getroffen. Mit Octavia (Marie Avgeropoulos) hat er jemanden getroffen, der ebenfalls zwischen den Stühlen sitzt und sich nur auf ihr eigenes Urteil und nicht auf Traditionen verlässt.
Interessanter als die Grounder sind dennoch Jaha (Isaiah Washington) und seine kleine Kolonne. Die The 100-Autoren entledigen sich in der Episode Blood Must Have Blood (2) der ohnehin unbedeutenden Anhängsel, zurück bleiben nur Jaha und Murphy (Richard Harmon). Doch der harte Weg dahin hat sie entzweit. Auch sie stehen ihren eigenen schweren Entscheidungen gegenüber.
Am Ende landen beide in überraschenden Umgebungen, beide stoßen auf Geheimnisse, die ganz eindeutig Lust auf eine weitere Staffel machen sollen. Murphy findet das rätselhafte Video eines Selbstmörders. Jaha stößt auf eine Art Hologramm (Erica Cerra; Eureka, Rush) in einer Villa, die in ihm ebenfalls etwas Besonderes sieht. Der ehemalige Ark-Präsident hat schon seit einiger Zeit einen Jesus-Komplex und die Ereignisse in der Villa fühlen sich etwas an wie sein Fiebertraum. Sind die Hologramme mit eigenem Charakter ein Versuch der The 100-Macher, schick angezogene, saubere Menschen in der postapokalyptischen Welt unterzubringen, ohne dabei die Mythologie zu zerstören oder steckt wirklich mehr dahinter?
Für den Moment bleibt die attraktive Erscheinung ein Cliffhanger, der Misstrauen erweckt. Wie kann die Villa in dieser Welt bestehen? Sieht der Rest der Welt überhaupt nicht so aus, wie wir bisher annehmen mussten? Sind die Himmelsmenschen durch einen Zufall in der einzigen Ecke gelandet, in der die Natur sich die Welt zurückerobert hat und die überlebenden Menschen zu Groundern geworden sind?
Die Frau im roten Kleid kommt so überraschend und unvorbereitet, dass man so gut wie nichts dazu sagen kann, bis sich zeigt, was die The 100-Autoren mit ihr vorhaben. Murphys Erlebnisse sind ähnlich angelegt. Doch der Bunker, in dessen Inneren sich eine längst untergegangene Welt offenbart, passt besser in die Serienwelt. Die ehemaligen Bewohner haben ein Geheimnis und das herauszufinden, erscheint für den Moment spannender als Jahas neue Bekanntschaft.
Fazit
Das Staffelfinale Blood Must Have Blood (2) ist überaus gelungen. Nach dem Verrat von Lexa gab es in dieser Hinsicht vorerst nichts zu sagen. Stattdessen muss Clarke Entscheidungen treffen, die sie verändern. Doch, dass sie anschließend alleine in den Wald zieht, erinnert schon stark an Jahas Jesus-Komplex. Sie hat die Schuld auf sich geladen, damit die anderen leben können und zieht sich nun aus der Gesellschaft zurück.
Nach der zweiten Staffel kann man festhalten, dass die US-Serie The 100 einige Schwächen hat, doch mittlerweile überwiegen die Stärken ganz eindeutig.
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 12. März 2015The 100 2x16 Trailer
(The 100 2x16)
Schauspieler in der Episode The 100 2x16
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