The 100 1x13

Dem aufmerksamen Leser unserer Reviews zu The 100 auf SERIENJUNKIES.DE® wird es sicherlich nicht entgangen sein, dass ich gerade in den frühen Phasen der ersten Staffel der The CW-Serie einiges an dem Format zu kritisieren und bemängeln hatte. Nach dem gestrigen Finale dieser ersten Staffel bin ich nun freudig gestimmt, aber auch positiv überrascht, dass sich The 100 im Laufe seiner dreizehn Episoden zu einer sehr soliden und unterhaltsamen Serie mausern konnte. An dieser gab es sicherlich des Öfteren auch etwas auszusetzen als auch einige Tiefs zu verzeichnen, doch es bleibt festzuhalten, dass man eine kontinuierliche Entwicklung zum Guten beobachten und sich die Serie stetig verbessern konnte.
So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass We Are Grounders Part 2 sich in dieser Staffel die beste Wertung aller Episoden verdient hat. Mitverantwortlich dafür ist zum einen der Weg hin zu diesem Finale. Zum anderen ist es aber auch die Finalepisode selbst, die durch eine tolle Inszenierung, packende Actionsequenzen und die nötige Konsequenz überzeugt.
Time to Go
Wie am Ende der Episode aus der Vorwoche festgelegt, steht für die Jugendlichen nun die Flucht aus ihrem Lager an, um so erst einmal der Gefahr durch die grounders aus dem Weg zu gehen. Zuvor muss jedoch die schwer verletzte Raven (Lindsey Morgan) versorgt werden, die in der letzten Episode von Murphy (Richard Harmon) verwundet wurde. Gleichzeitig zerbrechen sich die vermeintlichen Anführer Clarke (Eliza Taylor), Bellamy (Bob Morley) und Finn (Thomas McDonell) die Köpfe darüber, wie sie weiter vorgehen sollen. Bellamy bleibt stur und will im Camp verharren, kann letztendlich aber doch von Clarke zur Flucht überzeugt werden.
Die Jugendlichen verlassen also ihr beschauliches Lager, 82 von ehemals 100 sind noch am Leben. In einer stimmungsvollen Sequenz zu den melodischen Klängen des französischen Musikers Woodkid (Song „The Other Side“) durchstreifen die flüchtigen Jugendlichen die Wälder. Aus dieser scheinbaren Ruhe wird man jedoch sogleich wieder herausgerissen, als aus den 82 plötzlich 81 gemacht werden. Wortwörtlich aus dem Nichts wirbelt eine Art Wurfstern durch die Luft und bereitet einem der Kids ein unschönes Ende. Panisch strömen die Jugendlichen zurück in ihr Lager. Ein Entkommen scheint wohl kaum noch möglich.
Der fest entschlossene Bellamy bekommt nun also doch noch seinen finalen Kampf, auf den er sich und seine Mitstreiter so ausführlich vorbereitet hat. Kurz wird noch mit dem Gedanken gespielt, der Vorhut der grounders den Garaus zu machen, doch schlussendlich verschanzt man sich und nimmt seine Positionen ein. Das Tempo nimmt langsam zu, das Camp wirkt wie eine kleine Festung, die sogar über eine Art Tunnelsystem verfügt. Im war room werden die letzten Taktiken geschmiedet. Dabei stellt sich der hochentzündliche Raketentreibstoff der Raumkapsel als finale Option heraus, mit der die grounders zurückgedrängt werden sollen und ihnen buchstäblich Feuer unter den Hintern gemacht werden soll.

Final Journey
Während auf der Erde dem finalen Kampf nicht mehr viel bevorsteht, wird auf der Ark der Plan durchgegangen, der die Bewohner der Raumstation endlich wieder auf die Erde befördern soll. Dieser ist jedoch voller Risiken und Verluste sind wohl unvermeidbar, so dass sich einige Sorgen bei den Menschen breitmachen. Nicht so bei Abby (Paige Turco), die mit der Aussicht, wieder auf ihre Tochter zu treffen, absolut entschlossen ist.
Als der Zeitpunkt des Starts erreicht ist, kommt es jedoch natürlich zu Komplikationen, so dass der Plan erst einmal auf Eis gelegt wird. Nur ein manueller Start des Abkopplungsprozesses kann die Ark gen Erde befördern, ansonsten droht den Bewohnern ein unangenehmes Schicksal. Wie auf Knopfdruck fühlt sich dann Kane (Henry Ian Cusick) dazu berufen, sich zu opfern und den Start auszulösen. Auch wenn er selbst dann auf den Resten der Ark seinen sicheren Tod finden wird. An dieser Stelle wird stark auf die Emotionsdrüse gedrückt, was in We Are Grounders Part 2 gleich mehrfach der Fall ist. Und auch wenn sich diese Szenen ab und an hart an der Grenze zum überladenen Kitsch befinden - letztendlich bekommen die Macher immer wieder rechtzeitig die Kurve und können den Zuschauer so emotional durchaus abholen.
Was folgt, ist vielleicht auch nicht wahnsinnig überraschend, doch in sich schlüssig und passend. Während Abby versucht, Kane aufzuhalten, wird plötzlich die Abkopplung der entscheidenden Teile der Ark durchgeführt. Niemand Geringeres als Chancellor Jaha (Isaiah Washington) opfert sich schlussendlich selbst, um der Menschheit eine zweite Chance auf der Erde zu ermöglichen. Dank eines überzeugenden Washingtons funktioniert auch diese Szene gut. Schade ist natürlich an diesem Moment, dass uns in ihm wohl ein äußerst fähiger Darsteller in der zweiten Staffel vergönnt bleiben wird.
Be Right back
Von alldem bekommen die Jugendlichen auf der Erde natürlich nichts mit. Raven macht es sich zur Aufgabe, die große Überraschung für die Angreifer zu basteln, als sich plötzlich ihre Verletzung als schwerwiegender als zuvor gedacht herausstellt. Finn ist sogleich entschlossen, ein Heilmittel aufzutreiben, das er wiederum in Lincolns (Ricky Whittle) Versteck vermutet. Etwas überraschend kommt dann doch Clarkes emotionales Verhalten ihm gegenüber. Wo sie letzte Woche noch relativ eindeutig nicht sein Liebesbekenntnis erwiderte, scheint sie sich nun doch wesentlich mehr zu ihm hingezogen zu fühlen.
Jedoch bleibt für derartige „Will they or won't they?“-Fragen wenig Zeit, was vielleicht auch ganz gut ist, gibt es doch wesentlich spannendere Sachen zu sehen als das Liebes-Hin-und-Her zwischen den beiden. Die grounders sind nämlich auf dem Vormarsch und führen ihren ersten „Angriff“ durch. Dieser ist jedoch vielmehr von taktischer Natur, hat er doch zur Folge, dass die verunsicherten Jugendlichen ohne nachzudenken ihre spärlichen Munitionsvorräte verballern.
Während dieser ersten Scharmützel folgt Clarke weiterhin den Anweisungen der von der Hüfte abwärts gelähmten Raven, deren innere Blutungen von Minute zu Minute schlimmer werden. Auch diese beiden teilen noch einmal einen kleinen Moment, der durchaus nett mit anzusehen ist. Da Clarke jedoch nicht die talentierteste Elektrikerin ist, brauchen beide die Hilfe von Jasper (Devon Bostick), der via Funk von der Front zurück ins Camp beordert wird.
Der Funkverkehr unter den Verteidigern stellt sich dabei als cleveres Stilelement heraus. Dadurch werden die chaotischen Umstände immer wieder deutlich und gleichzeitig wird die kriegsähnliche Atmospähre aufgewertet. Ohne zu viel von den Geschehnissen zu sehen, entsteht das Gefühl einer tödlichen Auseinandersetzung, die ein Opfer nach dem anderen fordert. Diese kommt dann endgültig ins Rollen, als die grounders ihren Großangriff starten. Zuvor hatten sie schon den Vorteil auskosten können, die Funksprüche der Jugendlichen mitzuverfolgen, fiel ihnen doch Querulant Murphy und somit auch dessen Funkgerät in die Hände.

Now We Attack
So kommt es also zum großen Kampf mit den grounders, der den Zuschauer voll und ganz packt und mitreißt. Wie eine wilde Meute stürzen sich die Erdbewohner auf die Befestigungsanlagen der jugendlichen Verteidiger. Das hohe Tempo, die Rasanz der einzelnen Szenen, die überzeugende Szenerie - hier bekommt man feinste Unterhaltung geboten, in der die Gefahr stets greifbar bleibt.
Das Tempo nimmt sogar noch einmal zu, als Finn Bellamys ursprünglichem Einfall und der Divise „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ Taten folgen lässt. So lockt er nach seinem Aufeinandertreffen mit Lincoln die unheilvollen reapers zum Camp der Jugendlichen, die wiederum den grounders in den Rücken fallen. Das Kampfchaos ist perfekt. Nun kämpfen die unterschiedlichen Erdbewohner erst einmal gegeneinander, was Clarke und Co etwas Zeit verschafft. Dabei nimmt das Getümmel fast epische Ausmaße an und könnte kurzweiliger nicht sein.
Auch Bellamy und Octavia (Marie Avgeropoulos) finden sich inmitten dieses Kampfes wieder, wobei letztere von einem Pfeil am Bein getroffen wird, nachdem sie ihrem Bruder das Leben gerettet hat. Ihre offensichtliche Emanzipation von ihrem Beschützer Bellamy kommt hier etwas überhastet daher und wird im Gegenzug auch gleich wieder gekontert, als sie von Lincoln in Sicherheit gebracht wird. Dennoch geht auch dieser emotionale Moment zwischen ihr und ihrem Bruder auf. Man kann sicherlich bei der einen oder anderen gefühlsgeladenen Szene in We Are Grounders Part 2 ein wenig mäkeln, dennoch sind sie keinesfalls störend oder unpassend. Schlussendlich fügen sich sämtliche Momente dieser Art nahtlos in das Gesamtbild der Episode ein, wodurch das Finale einen sehr runden Eindruck macht.
We Are Not Grounders
Nachdem die grounders die reapers zurückgedrängt haben, halten plötzlich alle Parteien inne, kommen doch Teile der Ark mit hoher Geschwindigkeit auf die Erde zu. Wie bereits bei der Ausstattung dieser Episode muss man den Serienmachern auch hinsichtlich der Effekte ein kleines Lob aussprechen. So hat man anscheinend noch einmal richtig Geld in die Hände genommen, um unter anderem auch den Absturz der Ark sehenswert zu inszenieren.
Die grounders kümmern sich wenig um die abstürzende Raumstation, sie drängen vielmehr immer weiter vor und können sich so ihren Weg in das Camp der Jugendlichen bahnen. Hier geht es erneut drunter und drüber. Und während Clarke mit ansehen muss, wie Finn und Bellamy im direkten Kampf mit dem grounder Tristan (Joseph Gatt) um ihr Leben kämpfen, muss sie die schwerwiegende Entscheidung treffen, die Raumkapsel von innen zu versiegeln und so die letzte Trumpfkarte gegen die grounders auszuspielen. Jedoch gelingt es Anya (Dichen Lachman) in letzter Sekunde, mit an Bord zu kommen, wo sie nun einer Übermacht gegenübersteht, die wiederum kurz davor ist, sie zu lynchen. Allein Clarke will beweisen, dass sie und ihre jugendlichen Mitstreiter besser als die blutrünstigen grounders sind und verhindert Schlimmeres.
Clarke kommt dann aber doch leidvoll zu der Erkenntnis, dass sich beide Lager ob ihrer Grausamkeit nicht viel nehmen. Jasper gelingt es, den „Ring of Fire“ - einen wortwörtlichen Feuerring - auszulösen. Ein verheerendes Flammenmeer geht von der Raumkapsel aus und vernichtet alles und jeden, der zuvor noch von außen gegen die Wände gehämmert hatte. Diese heftigen Bilder hinterlassen nicht nur ihren Effekt gegenüber dem Zuschauer, auch Clarke ist sichtlich entgeistert, als sie durch die knöchernen Überreste der Angreifer stapft.

Mountain Men
Weit entfernt vom Schlachtfeld sind die Überreste der Ark mehr oder minder sicher zu Boden gegangen. Abby und Kane sind wohlauf und genießen sogleich die malerische Kulisse, in der sie sich wiederfinden. Im Orbit erfreut sich Jaha dieser guten Nachricht und blickt ein letztes Mal gen blauen Planet. Ein treffendes und schönes Bild zum Abschluss, das noch einmal emotionales Gewicht trägt.
Im Lager der Jugendlichen mag kurz der Anschein entstehen, dass der Kampf beendet sei - mitnichten. Aus dem Nichts fliegen einige Gasgranaten in das Camp und bevor Anya noch die Wörter „Moutain Men“ von sich geben kann, liegen die übriggebliebenen Verteidiger auch schon am Boden. Clarke kann nur noch einen kurzen Blick auf schwer bewaffnete und in Gasmasken und -anzügen gekleidete Menschen werfen.
Als Clarke wieder erwacht, ist sie medizinisch versorgt in einem sterilen Raum. Entgegen der Annahmen vieler Zuschauer und auch des Rezensenten scheint es sich bei den mountain men wohl um keine Wilden zu handeln. Ganz im Gegenteil sogar, sie scheinen hochtechnologisiert zu sein. Im gegenüberliegenden Zimmer blickt Clarke dann Monty (Christopher Larkin) an, der vor kurzem erst spurlos verschwunden war. Eine finale Einstellung offenbart, dass wir uns im Mount Weather befinden, der früheren Militärbasis und dem ursprünglichen Landungspunkt der „100“. Warum sich Clarke hier befindet, was sie im Quarantänebereich zu suchen hat und welches Geheimnis hinter den moutain men steckt, das alles sind Fragen, mit denen uns die Serienmacher für diese Staffel verabschieden.
Fazit
Wie bereits zuvor mehrfach angedeutet, handelt es sich bei dem Finale der ersten Staffel von The 100 um eine durchweg runde Episode, die vor allem durch ihre actionreiche Inszenierung, viel Abwechslung, einer starken Atmosphäre sowie einem gekonnten foreshadowing punkten kann. Somit holen die Serienmacher die Früchte ihrer guten Arbeit aus den letzten Wochen und Episoden ein und liefern eine sehr überzeugende Folge ab.
We Are Grounders Part 2 ist eine spannende Episode, in der die einzelnen Handlungsstränge zu einem guten und sinnigen Ende gebracht und gleichzeitig viele neue Fragen aufgeworfen werden. Der Cliffhanger zum Ende bietet eine interessante Neuerung beziehungsweise Veränderung in der Geschichte an, die sicherlich dafür sorgt, dass nicht wenige Zuschauer mit Spannung die zweite Staffel der The CW-Serie erwarten. Die hohe Bewertung für diesen Abschluss einer nicht immer fehlerfreien, aber im Großen und Ganzen grundsoliden und sehr unterhaltsamen ersten Staffel hat man sich also redlich verdient.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 12. Juni 2014(The 100 1x13)
Schauspieler in der Episode The 100 1x13
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