Testo Staffel 1
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Das passiert in der Serie „Testo“
Keko (Kida Khodr Ramadan), Stulle (Frederick Lau), Pepsi (Stipe Erceg), Barro (Beysel Gelin) und Kongo (Mortel Jovete) sind in Testo seit Kindestagen Freunde und Gangsterkumpel. Nun nutzen sie ihren Freigang, um eine Bank zu überfallen, doch während des Überfalls gerät die Situation immer mehr aus dem Ruder, bis die ersten Menschen sterben.
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Gute Ansätze
Kida Khodr Ramadan (4 Blocks) ist für seine Kleinkriminellen- und Gangsterstücke bekannt und inzwischen eine feste Größe in der deutschen Fernsehlandschaft. Dank seinem guten Händchen für die Auswahl des Ensembles, einem flotten Erzählstil und einer Sprache, die direkt von der Straße stammen könnte, gelang es ihm bereits in „Asbest“, ein großes Publikum für sich zu begeistern. Tatsächlich zeigt auch „Testo“ hier große Ähnlichkeiten.
Als Basis für die insgesamt nur 105 Minuten lange Miniserie diente allerdings diesmal ein in Sachen Dialogführung knapp gehaltenes Drehbuch, das den Schauspielenden viel Freiraum für Improvisation ließ. Kombiniert mit der Beschränkung der Location auf die von den Gaunern überfallene Bank, ergibt sich so ein Gesamtkonstrukt, das Thrillerserien-, Kammerspiel-, Impro-Theater- sowie Dramaserien- und Comedyserienelemente in sich vereint. Das ist durchaus mutig und weiß aufgrund der hervorragenden Schauspielleistung der Haupt- und Nebenfiguren zu überzeugen. Vor allem Ramadan, Frederick Lau und Ronald Zehrfeld als „Schweinebacke“ tun sich hier hervor, obwohl der gesamte Cast lobenswert agiert und interagiert.
So entsteht eine spannungsvolle Dynamik, die sich vor allem in den eskalierenden Szenen offenbart, die Beysel Gelin als Barro mit einer immer wieder zur Schau getragenen Unberechenbarkeit geschickt forciert. Keko ist wiederum der ordnende Faktor und der Boss einer Chaostruppe, die zwar eine gemeinsame Vergangenheit und dasselbe Ziel vereint, die aber ansonsten in ihrer Art sehr unterschiedlich sind. Wenn Pepsi etwa in Notwehr den Security-Mann erschießt, Barro kaltblütig einen alten Mann (Uwe Preuss) tötet oder Keko Mitgefühl mit der krebskranken Magda (Jeanette Hain) hat, ergeben sich aufgrund des improvisatorischen Charakters unvorhersehbare und mitreißende Szenen. In diesen Momenten wird man unmittelbar ins Geschehen gezogen und sympathisiert je nach Blickwinkel mal mit der einen, mal mit der anderen Seite.
Technisches

Um die Energie zwischen den Protagonisten visuell angemessen wiederzugeben, entschied sich das Regisseurduo Ramadan und Olivia Retzer, die auch für den Schnitt mitverantwortlich zeichnet, für eine kraftvolle Kameraführung. Kameramann Armin Franzen bewegt sich nah an den Figuren und arbeitet mit spannenden Perspektiven, die das Chaotische und die Enge der Szenerie auf innovative Weise herausarbeitet. In eskalierenden Momenten geht Franzen bisweilen recht abgrubt ins Close-up oder sogar in den Italian Shot über, um das vorherrschende Gefühl des entsprechenden Gangsters hervorzuheben.
Zudem spielen die klaustrophobischen Elemente der engen Kulisse in „Testo“ eine große Rolle. Um diese in den Vordergrund zu rücken, greifen die Serienmacher zudem auf graue und verkörnte Aufnahmen der Überwachungskamera aus der Aufsicht, die in Found-Footage-Manier die Bildkompositionen anreichern, zurück. Der so entstehende Heist-Movie-Look ist mit typischen Gangster-Rap-Songs unterlegt, die gut zur düsteren und dreckigen Tonalität passen und den Charakter der Serie noch weiter unterstreichen. Ansonsten zeigt sich der Score beinahe schon zu unauffällig und wenig einprägsam. Etwas mehr wäre hier vielleicht die richtige Wahl gewesen.
Die Kritikpunkte
So innovativ und unterhaltsam „Testo“ einerseits auch ist, offenbaren sich jedoch andererseits auch Schwächen, die sowohl auf den Erzählstil als durchaus auch auf einige Entscheidungen des Autors innerhalb der Geschichte zurückzuführen sind. Der hohe Improvisationscharakter der Dialogführung sorgt beispielsweise zwar wie erwähnt für eine starke Dynamik zwischen den Protagonisten, hat aber bisweilen den Nachteil, dass man die Schauspielenden akustisch schlecht versteht. Vor allem Beysel Gelin hat findet den Mittelweg zwischen der Freiheit des Spiels und einer verständlichen Aussprache nicht immer. Streitigkeiten und Eskalationsstufen kulminieren zudem des Öfteren im zwar realistischen, aber auch unkontrollierten Geschrei, was ebenfalls den Dialogfluss stört, da das Publikum nicht nachvollziehen kann, was die Figuren sich gerade genau an den Kopf werfen.
Ein wesentlich größeres Problem hat „Testo“ allerdings, wie schon der Vorgänger Asbest, mit der Glaubwürdigkeit. Teilweise agieren die Figuren schlicht dumm, manchmal lässt Ramadan aber auch Szenen einfließen, die völlig überzogen sind. Wer glaubt beispielsweise, dass die Polizei den Sohn des Gangsterbosses vorbeischickt, um mit Papa vor der Tür Fußball zu spielen? Oder dass Barros Mutter plötzlich an der Absperrung steht und ihren Sohn für ein paar kräftige Ohrfeigen antreten lässt?
Geradezu grotesk wird es, als sich Pepsi eine Prostituierte bestellt, oder die Tochter einer männlichen Geisel an die Tür der Bank pocht. In fast allen der genannten Szenen stehen die Bankräuber geradezu auf dem Präsentierteller des SEK und es erschließt sich dem Publikum einfach nicht, warum kein Zugriff erfolgt. In solchen Momenten stellt sich die Frage, ob derartige Ideen dazu gedacht sind, den ansonsten doch recht bitteren und ersten Geschmack der Serie aufzulockern, oder den rein fiktionalen und klischeehaften Charakter der Geschichte zu betonen? So oder so neigen solche Szenen dazu, das Publikum aus der Immersion zu reißen und das hat das ansonsten unterhaltsame Format letztlich eigentlich nicht verdient.
Fazit

„Testo“ ist ein zweischneidiges Schwert. Der Improvisationscharakter sorgt für Pepp, die Darstellenden zeigen sichtliche Spielfreude und die Kamera- sowie die Schnittführung sind innovativ. Auf der stumpfen Seite der Klinge sorgen jedoch die für Kida Khodr Ramadan typischen Unglaubwürdigkeit vieler Szenen, teilweise dümmlich agierende Protagonisten sowie eine Attitüde, die manchmal over the top ist. Hinzu kommt, dass sich das vorliegende Format von sieben 15-minütigen Episoden nicht harmonisch anfühlt.
Die Idee, einen Film oder eine Serienepisode in zehn- bis fünfzehnminütige Häppchen zu zerschneiden, stammt ursprünglich aus dem Webserienbereich und wurde schon zu Zeiten von Sanctuary mit Amanda Tapping in der Hauptrolle angewandt. Seinerzeit diente es allerdings dazu, doch noch ein Fernsehstudio zu für die Show zu gewinnen während „Testo“ hingegen ein abgeschlossenes, von der „ARD“ beauftragtes Konzept ist. Warum der Film also derart zerschnippelt wurde, ist nicht ersichtlich.
Dreieinhalb von fünf Punkten.
«Testo» Trailer
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